Vor einiger Zeit setzte sich das Online-Magazin Telepolis mit verschiedenen Argumenten der Killerspiel-Debatte auseinander: Dabei im Fokus standen die Vorwürfe des Kriminalistischen Forschungsinstituts Niedersachen (KFN) um Prof. Christian Pfeiffer, die Alterseinstufungen der USK seien zu lasch. In einem heute erschienenen Artikel führen sie die Diskussion fort.

Was bisher geschah: Wie wir berichteten, ist man in Hannover der Meinung, die Kriterien der USK müssten aus Gründen des Jugendschutzes verschärft werden. Die Telepolis-Autoren Erika Berthold und Eggert Holling führten dagegen in ihrem Artikel vom 14. Juni vor allem ein Argument ins Feld: Die Annahme (auf die sich die Forderung des KFN hauptsächlich stützt), Computerspiele förderten die Gewaltberreitschaft unter Jugendlichen, sei bisher in keinster Weise belegt. Dennoch würde das von Mitarbeitern des KFN wiederholt in unsachlicher Weise behauptet.

In ihrem heute erschienenen Artikel "Killerspiele in der Diskussion" gehen sie auf Reaktionen durch das KFN ein und heben weitere wichtige Aspekte hervor: So sei es eine Illusion zu glauben, man könne die Kriterien zur Einstufung von Spielen objektivieren. Stattdessen müsse jedes "Prüfkriterium im Kontext des gesamten Spiels gesehen und gewertet werden". So könne etwa Humor in Form von Zynismus die Gewalteindrücke in bestimmten Szenen verstärken. In einem anderem Kontext hingegen wird die Gewalt durch den Einsatz von Humor relativiert. Jede dieser Situationen muss kontextabhängig auf völlig unterschiedliche Weise gewertet werden.

Den Vorwurf des KFN, in der USK gelten keine einheitlichen Standards, weil die Prüfer ständig wechseln würden, legen die Autoren des Artikels gar als Vorteil aus: Nur diese Heterogenität gewährleiste unterschiedliche Sichtweisen auf ein solch komplexes Thema. Sie sehen dafür auch den Hauptgrund dafür, dass KFN und USK zu unterschiedlichen Ergebnissen ihrer Einstufungen gelangen:

"Möglicherweise hat dieser Fauxpas seinen Grund darin, dass im KFN stets die gleiche, homogene Gruppe zusammenarbeitet. Nur in einer starren Gruppe, deren Mitglieder einander bestätigen, kann die Illusion entstehen, als einzige "richtige" Entscheidungen zu fällen. Dieser Illusion wegen können die KFN-Mitarbeiter wahrscheinlich nicht nachvollziehen, dass die USK-Gutachtenden, deren Integrität sie nicht in Zweifel ziehen, nach verantwortungsvoller und differenzierter Diskussion zu anderen Einschätzungen kommen als sie. Deshalb basteln sie eine abstruse Verschwörungstheorie zusammen, nach der zwar gutwillige, aber leicht vertrottelte Prüfgremien sich von abgebrühten Testern manipulieren lassen."