Es ist geschehen, was geschehen musste. Nach dem Amoklauf von Emsdetten folgte ein Aufschrei der Politik, mit teilweise recht undifferenzierter Berichterstattung nebenher. Die Videospielpresse und -industrie bemühen sich mittlerweile um einen Konsens, langsam scheint sich die Diskussion auf ein sachliches Niveau zu bewegen.

Auch der kleine Nachbar bleibt von der Debatte nicht verschont. Letzten Sonntag lief im öffentlich-rechtlichen Fernsehen (Österreichischer Rundfunk, ORF) unter dem Titel "Werden unsere Kinder zur Gewalt erzogen?" eine durchaus seriös geführte Diskussion unter Experten. Diese Endete zwar ohne konkreter Einigung, aber doch mit dem Grundverständnis aller Beteiligten, dass Videospiele nicht das alleinige Übel für derartige Ereignisse sein können.

Nun hat die Österreichische Volkspartei (ÖVP) im Wiener Landtag einen Antrag "betreffend Verschärfung der Bestimmungen für den Verkauf und Vertrieb von Gewalt verherrlichenden Medien" eingebracht, der von allen Fraktionen einstimmig angenommen wurde. Es liegt nun am Gemeinderatsausschuss für Bildung, Jugend, Information und Sport, dieses Thema weiter zu behandeln. Gefordert wird eine bis dato nicht existente Kontrollinstanz aus Experten, die sämtliche Videospiele prüfen und mit einem Kontrollsiegel auszeichnen soll, ohne dem es nicht verkauft werden darf. Freilich nur für den Raum Wien - vorerst, denn man strebt eine nationale Regelung an. Weiters will man auf verstärkte Bildungs- und Medienkompetenz von Eltern und Kinder setzen. Auf dieser Schiene argumentieren auch die Grünen, welche ein Verkaufsverbot eher ablehnen.

Alterseinstufungen von in Österreich verkaufen Spielen erfolgen derzeit freiwillig nach dem PEGI-System (Pan European Game Information) und ist nicht bindend.

Was grundsätzlich vernünftig klingt, ist hintergründig aber doch nicht ganz so populismusfrei. So zielt die ÖVP-Initiative laut Auskunft vor allem auf "Ego-Shooter wie Counter-Strike", was angesichts diverser anderer, deutlich blutigerer Vertreter des Genres nicht danach klingt, als hätte man sich grundlegend über das Thema informiert.

Die Diskussion wird sich wohl noch eine Weile ziehen, der Jungendausschuss tagt das nächste Mal übermorgen und pausiert dann bis zum 10. Januar - wir bleiben für euch am Ball.