Joachim Herrmann, bayerischer Innenminister, leitete jetzt eine neue Runde in der Debatte um die so genannten "Killerspiele" ein: "Ich halte den derzeitigen Jugendschutz bei Computerspielen für völlig unzureichend. Wir brauchen ein ganzes Bündel an Maßnahmen, an dessen erster Stelle ein ausdrückliches Herstellungs- und Verbreitungsverbot virtueller Killerspiele im Strafgesetzbuch mit Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr oder einer empfindlichen Geldstrafe steht." So Hermann im Rahmen einer Gesprächsrunde in Berlin.


Die Forderung Herrmanns basiert auf einen Gesetzesvorschlag seines Amtsvorgängers Günther Beckstein, dem heutigen Ministerpräsidenten des Bundeslands Bayern. Beckstein brachte einst eine Initiative ins Rollen, die ein umfangreiches Herstellungs- und Vertriebsverbot für Computer- und Videospiele mit gewalthaltigen Inhalten zum Ziel hatte. Im Zuge der Evaluierung des Jugendschutzgesetzes, das am 1. Juli in Kraft getreten ist, wurden die Vorschläge jedoch ad acta gelegt.

Herrmann greift das Thema nun wieder auf: "Wir werden weiter für ein Darstellungs- und Verbreitungsverbot solch ekelerregender Spiele kämpfen", so die Ansage Herrmanns. "Menschenverachtende, grausame Gewalttätigkeiten, bei denen der Spieler auch noch Pluspunkte dafür erhält, dass er seine Gegner auf möglichst grausame Weise zu Tode quält, gehören weder in Kinder- noch in Erwachsenenhände, sondern schlichtweg verboten."

Für Herrmann sind entsprechende Medien verantwortlich für sinkende schulische Leistungen. Zudem würden Konsumenten gegen Gewalt abstumpfen. Von seinem Vorhaben ist Hermann überzeugt: Der Koalitionsvertrag sehe ein entsprechendes Verbot bereits vor, es müsse nur noch umgesetzt werden.

Ob Radikalforderungen tatsächlich die richtige Antwort auf die Herausforderungen eines neuen Mediums sind? Auch angesichts der kürzlichen Erhebung von Spielen in den "offiziellen Kanon" der Kulturgüter (wir berichteten) und die jüngste Verschärfung des Jugendschutzgesetzes (siehe News), darf die Sinnhaftigkeit des erneuten Vorstoßes bezweifelt werden.