Es gibt so ein paar Sujets, die an unserem Lieblingshobby kleben wie Schmeißfliegen an einem Kuhfladen. Und immer, wenn also zum Beispiel jemand wieder einmal was über Killerspiele und derlei Mumpitz mehr schreibt, sind alle Gamesportale flugs dabei, lauthals "Gar nicht!" zu jodeln und allerlei Argumentation vorzubringen, man könne ja nicht, man müsse doch, es gehe doch nicht an usf.

Ich bin dessen müde. Ich kann es nicht mehr hören. Nicht die Anschuldigungen, nicht die Vorwürfe und haltlosen Behauptungen über gewalttätige Videospiele sind es, die mich nerven, sondern die Reaktionen und der Umgang von Spielern und Spieleseiten mit dem Thema. Mittlerweile brauchen wir nichtmal mehr einen Anlass. Wir feuern einfach blind in die Menge potentieller und gedachter Kritiker, in der Hoffnung, dass der Streuschuss an Konterargumenten schon irgendeinen Nörgler verstummen lassen wird.

Killerspiel-Debatte - Gewaltspiele – sind wir mit dem Thema vielleicht langsam mal durch?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 1/71/7
Ja nee, so sind wir Gamer nicht alle. Aber die Wahrheit ist auch nicht das extreme Gegenteil, sondern vielschichtig.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das wird er aber nicht, und das ist der erste Punkt, der mir auf den Keks geht. Solche Texte sind, vor allem in der schieren Masse, in der sie erscheinen, reiner Selbstzweck. Nicht-Gamer gehen ohnehin nicht auf Portale wie unseres oder diejenigen von Kollegen, und selbst wenn sie es täten, ist die Vorstellung, sie überzeugen zu können, wenn man sich Feenstaub aufs beleidigte Haupt streuselt und nur fest genug daran glaubt, herzlich naiv.

Wer angesichts einer Tragödie wie einem Amoklauf oder bei der Beobachtung des Verfalls der Gesellschaft als Beißreflex auf Videospiele deutet, ist nicht an Argumenten oder Ratio interessiert. Eine plakative und geradezu gemütliche Ausrede zieht doch nur derjenige heran, der sich um die wahren Inhalte nicht schert. Überzeugen lassen sich diese Leute nicht. Ihre öffentliche Bloßstellung ist für den Teil der Öffentlichkeit, den wir wirklich erreichen, ebenfalls redundant.

Killerspiel-Debatte - Gewaltspiele – sind wir mit dem Thema vielleicht langsam mal durch?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 1/71/7
Schlechte Argumente werden auch nicht besser, wenn man sie in Memes verpackt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ihr wisst das doch alles. Warum erzählen wir euch, unseren treuen Lesern, Dinge, die euch eh klar sind? Spiele sind mehr als Gewalt, brauchen nicht immer Gewalt und die in ihnen enthaltende und von uns beizeiten genossene Brutalität ist nicht Ausdruck einer tatsächlichen Gewaltbereitschaft unsererseits und SCHNAAAARCH. Ganz ehrlich, wie oft habt ihr den Schmuh schon gelesen, und wie oft wollt ihr es noch? Mir persönlich hängt er nämlich zum Hals raus.

Meine Abneigung dagegen, dieses bis zum Grundwasser beackerte Feld noch weiterhin zu begehen, geht allerdings noch weiter. Denn wenn man schon weiterhin auf ein totes Pferd einprügelt, dann könnte man nun wenigstens versuchen, ein gewisses Maß an Prügelqualität zu erreichen. Doch ohnmächtig bringen wir die immer selben Texte mit gewissen, zum Teil horrend blödsinnigen Pseudo-Argumenten vor. Wenn man keine Abwechslung kann, dann wäre es doch schön, wenn man wenigstens Recht hat. Wer nichts zu sagen hat, könnte doch immer noch versuchen, unterhaltsam zu sein.

Killerspiel-Debatte - Gewaltspiele – sind wir mit dem Thema vielleicht langsam mal durch?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 1/71/7
Schlechte Argumente werden auch nicht besser... wartet, das hatten wir schon.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die platte Kammschererei beispielsweise, die wir den Gamefeinden ankreiden, zeigen wir nur allzu oft selbst. Wie selbstverständlich behaupten wir beispielsweise, es ginge uns in den Games nicht um die Brutalität, sondern um das Spielgefühl, die Atmosphäre, den Wettbewerb bei kompetitiven Spielen undwasweißich. Das ist erstmal eine Behauptung, und zwar eine, die erkennbar aus der Defensive heraus entsteht, apologetisch ist. Sie ist auch, wenn man sie als ausnahmslos allgemeingültige Wahrheit hinstellt, einfach nicht wahr.

Ich kann nicht für andere Leute sprechen, aber ich habe Spiele durchaus schon wegen, nicht trotz oder ungeachtet ihrer Gewalt genossen. Und ich weiß, wie das klingt, so nämlich, als würde ich damit den Hysterikern zusätzliche Munition liefern. Aber das ist das schöne an Hysterikern: Sie kreischen immer, Anlass egal. Ich habe schon längere Texte geschrieben, in denen ich die Gewalt als Stilmittel verteidigt habe. Denn das ist sie, ein Stilmittel, nicht inhärent gut oder schlecht, sondern je nach Art des Einsatzes zu bewerten.

Brutal langweilig

Und ich weiß, dass es viele von euch da draußen gibt, denen es ebenfalls so geht. Und wisst ihr was? Das ist in Ordnung, es bedeutet trotzdem nicht, dass wir alle kurz vorm Ausrasten stehen, nicht mal, dass mit uns etwas nicht stimmt. Gewalt in Spielen kann Katharsis und Ventil sein, sie kann uns befremden und vom Geschehen distanzieren, sie kann einen Feind vom Schurken zum Monster machen, wenn er jemand unschuldigem Gewalt antut, sie kann einen Helden zum Sieger oder zum Antihelden werden lassen – es gibt so viele Varianten der Gewalt, wie es Spiele mit ihr gibt.

Wenn ich dann also lese, dass "wir Gewalt gar nicht brauchen", dann wächst mir eine Feder. Ja, es gibt viele coole Games, die kein Quantum Gewalt beinhalten. Und einige, die vielleicht mit weniger oder ohne Gewalt auskommen würden. Aber es gibt unleugbar auch unzählige, die das nicht täten. Die nicht zufällig viel Gewalt beinhalten, sondern aus Überlegung heraus, bewusst, die dezidiert brutal sind, um Effekte beim Spieler auszulösen.

Killerspiel-Debatte - Gewaltspiele – sind wir mit dem Thema vielleicht langsam mal durch?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 1/71/7
Klar nervt es, in Schubladen gesteckt zuw erden. Aber unsere Reaktion darf deshalb nicht schwachsinnig werden.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Es mag ja zum Beispiel einem Multiplayer-Fan wirklich mehr um den Wettbewerb als die Verpackung drumherum gehen, aber wie will man das allgemeingültig auf alle anderen Spieler beziehen? Wie will man behaupten können, dass dasselbe Spiel in einer völlig harmlosen Aufmachung zu demselben Erlebnis und Erfolg geführt hätte? Es gibt nichts erbärmlicheres, als mit maultierischer Stur- und Sicherheit zu behaupten, man hätte die definitive Antwort auf ein "Was-wäre-wenn"-Szenario, das so komplex ist, in einem so vielfältigen Bereich wie Games und Psychologie welche sind.

"Ich habe viele brutale Spiele gespielt und bin völlig stabil." schlägt in dieselbe Kerbe. Ganz ehrlich: Wen interessiert's? Das war nicht die Frage. Die Frage war, ob sie den armen Jugendlichen, der ausgerastet ist, beeinflusst haben. Die nächste Frage ist dann, ob sie breitflächig zahlreiche Leute beeinflussen können. Würdet ihr mich noch ernst nehmen, wenn ich sowas sage wie "Ich rauche seit Jahren und habe keinen Krebs, also sind Zigaretten nicht karzinogen!"? Würdet ihr natürlich nicht.

Killerspiel-Debatte - Gewaltspiele – sind wir mit dem Thema vielleicht langsam mal durch?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 1/71/7
Es ist zumindest möglich. Einfach das Gegenteil zu behaupten hilft jedenfalls nicht.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und damit ist auch nicht sofort das Gegenteil erwiesen. Ich selbst bezweifle ebenfalls stark, dass brutale Spiele gefährlich sind. Aber entweder, wir führen eine richtige Diskussion mit vernünftigen Argumenten über das Thema, oder wir bringen weiterhin solchen infantilen Quatsch hervor. Die Reaktionen vieler Spieler und Spieleportale gleichermaßen fallen bislang in die zweitere Kategorie.

Zusammengefasst: Wir führen mit Leuten, die uns nicht zuhören und an der Wahrheit eh nicht interessiert wären, eine Debatte, in der wir als apologetische Kurzschlusshandlung schwache bis unhaltbare Argumente immer und immer wieder hervorbringen, langweilig aufarbeiten und dann in den Äther schießen. Es bleibt als Schlussfolgerung nur, dass wir selbst auch nicht wirklich am Gespräch interessiert sind. Die ganze Sache ist eine masturbatorische Fingerübung, in der wir Gamer unter uns bleiben und uns in Texten, deren Neuheitsgehalt null ist, und in den Kommentarsektionen unter diesen Texten gegenseitig die allzu bekannte Gesinnung streicheln.

Killerspiel-Debatte - Gewaltspiele – sind wir mit dem Thema vielleicht langsam mal durch?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 1/71/7
Wir werden das Stigma vielleicht nie los - garantiert aber nicht, wenn wir so weitermachen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ich habe keinen Bock mehr darauf. Das Thema ist, zumindest auf dieser platten Ebene, einfach durch. Wir reden viel mit- und untereinander über das Medium, wir diskutieren, beratschlagen, weil wir Games besser verstehen wollen - auch, wenn die Gamefeinde das vielleicht nicht oder nicht immer wollen. Aber wir treten auf der Stelle. Wenn wir uns nicht bald mal aus unserer Kuschelzone wagen und ein paar Zugeständnisse machen, werden wir das Thema sein lassen müssen – und dann werden wir immer weiter belächelt, völlig wurst, ob Games den Gang in die Mitte der Gesellschaft vollenden oder das größte Unterhaltungsmedium sind.

Ich weiß ja, welche Variante ich bevorzuge.