Pärchenbildung ist doof - zumindest, wenn man selbst keinen anständigen Partner vorweisen kann, der in Notsituationen hilft oder in schlechten Zeiten mit Rat und Tat zur Seite steht. Es gibt aber auch Pärchen, die sich unter "trauter Zweisamkeit" sicherlich etwas anderes vorgestellt haben. Der verzweifelte Vater Kane und sein schizophrenes Anhängsel Lynch gehören zu letzterer Gattung: Zwar sind beide auf einander angewiesen, könnten aber auch gut und gerne auf den jeweils Anderen verzichten.

"Sollen sie sich eben aus dem Weg gehen", möchte man meinen. Doch Entwickler IO Interactive schubst die beiden ungleichen Partner in einen erstklassigen Taktik-Shooter. Die Eckdaten: spannende Story, harte Shoot-Outs und filmreife Präsentation. Klingt nach Hit - in der Theorie. Doch wie funktioniert das Konzept in der Praxis. Bei einem Besuch in der Hamburger Eidos-Zentrale wollten wir es genau wissen.

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Zwei wie Pech und Schwefel
Durch den Tod seines zweijährigen Sohnes desillusioniert, verlässt Kane seine Familie und heuert in Venezuela als Söldner bei der Mafia-Organisation "The Seven" an. Eine letzte Mission trennt ihn vom verdienten Ruhestand, doch die geht - wie sollte es auch anders sein - gehörig daneben. Kane muss flüchten, wird in den Staaten jedoch verhaftet und per Schnellverfahren verurteilt. Letzte Station: Todeszelle. Doch im Gefangenentransport dahin trifft er schließlich auf Lynch - und der Ärger beginnt.

Kane & Lynch: Dead Men - Zwei wie Pech und Schwefel: Die Herren in Schwarz lassen es krachen!

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Einer wahnsinniger als der Andere: Kane und Lynch sind ein seltsames Paar.
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Denn dieser üble Zeitgenosse hat irgendwo auf dem Weg in diese missliche Lage sein letztes bisschen Verstand abgegeben. Seit Jahren quälen ihn Blackouts, unkontrollierte Wutanfälle und Wahnvorstellungen. Die Diagnose der Ärzte: Schizophrenie. Wegen vermeintlichen Mordes an seiner Frau angeklagt, sitzt er nun im selben Transport wie Kane. Zwar können sich beide befreien, doch vor allem für Kane gibt es nur wenig zu lachen: "The Seven" hält seine Familie gefangen und verlangt nun die Erfüllung allerlei dubioser Aufträge. Lynch hingegen soll Kane bespitzeln und Meldung erstatten, sollte dieser versuchen zu fliehen.

Nicht gerade das, was man sich unter dem Beginn einer wunderbaren Freundschaft vorstellt. Für die Jungs von IO Interactive jedoch genau die richtige Ausgangslage. Dort verfolgt man das Ziel, erstmals einen Taktik-Shooter mit echter Storybindung zu entwickeln. So entwickelt sich nicht nur die Geschichte von Auftrag zu Auftrag, auch die Charaktere werden in jeder Mission weiter ausgearbeitet. Als Vorbilder nennt man die beliebten "Buddy Movies" der 80er Jahre, wie z.B. "Lethal Weapon" oder "Nur 48 Stunden".

Packshot zu Kane & Lynch: Dead MenKane & Lynch: Dead MenErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Taktik light
IO Interactive kennen sich aus mit rauen Szenarien, waren sie doch in der Vergangenheit für die Hitman-Reihe zuständig. Der Ton ist auch bei Kane & Lynch entsprechend kernig: In Zwischensequenzen wird ordentlich geflucht, die Hauptcharaktere sind politisch völlig unkorrekt, und auch der Blutgehalt ist reichlich deftig. Schließlich setzen die Entwickler hier, anders als bei Nummer 47, nicht auf Schleichelemente und ruhiges Vorrantasten, sondern vorwiegend auf brachiale Schießereien.

Wie im Taktik-Genre üblich zieht ihr stets in der Gruppe zu Felde. Meist erledigt man die Missionen zu zweit, in späteren Levels stoßen aber noch weitere Söldner zu eurem Team hinzu. Die direkte Kontrolle hat man jedoch nur über Kane selbst, Lynch wird vom Computer gesteuert. IO Interactive plant jedoch auch einen Multiplayer-Modus, der euch die Kontrolle über den irren Psychopaten gewährt.

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Da wird das Tanzbein geschwungen: Kane schießt sich durch eine überfüllten Disco.
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Besonders viel Zeit haben die Entwickler in die intuitive Steuerung investiert. Durch simples betätigen von lediglich ein bis zwei Tasten lassen sich selbst komplizierte Manöver befehligen. So stürmen unsere Kollegen einen Raum, halten Deckung oder fokussieren ein Ziel. Die KI agiert dabei äußerst schlau, man muss seine Teamkameraden also nicht ständig im Auge behalten. Das geht sogar so weit, dass man Kane & Lynch über die volle Spielzeit auch ohne ein einziges Truppenkommando absolvieren könnte. Wer also lieber allein ballert und mit Teamverwaltung wenig anfangen kann, kommt ebenso auf seine Kosten.

Wie in Rainbow Six: Vegas gibt es übrigens keinen Lebensbalken, der in einer der Bildschirmecken prangt. Stattdessen verschwimmt bei Treffern das Bild, steht ihr kurz vor dem Ableben sind nur noch die Konturen der Umgebung zu erkennen. Sollte es euch oder einen eurer Kameraden richtig schwer erwischen, bleibt euch der "Game Over"-Schriftzug jedoch erspart: Per Adrenalinspritze könnt ihr gefallenen Kollegen wieder Leben einhauchen. Bei euch wirkt der rettende Cocktail gleichermaßen - Frustrationsmomente gibt es also keine.

Kino, live erleben
Filmfans werden in Kane & Lynch den ein oder anderen "Aha"-Effekt erleben. Denn die Jungs von IO Interactive outen sich als begeisterte Fans von Michael Mann. Der gefeierte Regisseur versteht sich besonders gut auf atmosphärische Crime-Thriller wie "Heat" oder zuletzt "Collateral" und ist unter anderem der geistige Vater der Miami Vice-TV-Serie und deren Kinoableger aus dem letzten Jahr. Kein Wunder also, dass auch Kane & Lynch mit Reminiszenzen an dessen Werke nur so gespickt ist.

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Die atemlose Ballerei auf offener Straße erinnert an Michael Manns "Heat".
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In einem der frühen Aufträge sollt ihr beispielsweise die Frau eines Unterwelt-Bosses verhören. Dumm nur, dass diese im oberen Stockwerk einer gut gefüllten Discothek haust. Noch dümmer, dass Lynch die Dame per Faustschlag ins Land der Träume schickt und ihr die Gute nun auf der Schulter nach draußen tragen müsst. Auf der Tanzfläche entbrennt daraufhin eine wilde Schießerei mit den Wachmännern (eine ähnliche Szene gab es bereits in "Collateral" mit Tom Cruise als eiskaltem Killer in der Hauptrolle).

Beeindruckend dabei: Das Crowd-System, welches schon in Hitman: Blood Money zum Einsatz kam, erlaubt die Darstellung von mehreren hundert Personen gleichzeitig. Durch den Waffeneinsatz in der Disco entsteht eine Massenpanik, verängstigte Menschen rennen schreiend davon, stolpern übereinander oder ducken sich in einer dunklen Ecke. Einige Kugeln treffen auf eine Scheibe, die daraufhin physikalisch korrekt zerspringt. Generell erlaubt die Grafik-Engine ein moderates Maß an Zerstörung. Selbst den Putz kann man von den Wänden schießen - völlig auseinander nehmen lassen sich die Levels jedoch nicht.

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Massig Menschen: Dank Crowd-System stellen die Entwickler hunderte NPCs gleichzeitig dar.
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Zum Abschluss der Präsentation wird es dann noch einmal richtig brenzlig: Angelegt an den legendären Shoot-Out auf offener Straße im Thriller "Heat", müssen sich Kane, Lynch und Co. ihren Weg durch die Downtown von Los Angeles freikämpfen, um zu ihrem Fluchtauto zu gelangen. Mit großkalibrigen Schnellfeuergewehren zerlegen die Profis Polizeiwägen und ganze Bushaltestellen. Die packende Atmosphäre erinnert tatsächlich zu jeder Sekunde an einen schweißtreibenden Actionknaller - Geschosse fliegen uns mit einem lauten Surren um die Ohren, Passanten schreien und wir tasten uns langsam von einer Deckung zur Nächsten vor. Klasse!