Obwohl Rico Rodriguez ein silber glänzendes Kreuz um den Hals trägt, ist der Agent mit den ausgefransten Bluejeans wahrlich kein frommes Lamm. Im Gegenteil: Man kann ihn ohne Untertreibung als echten Teufelskerl beschreiben – mit einer tief verwurzelten Aversion gegen Diktatoren. Zwei von ihnen hat er in seinen bisherigen Open-World-Abenteuern bereits zu Fall gebracht: 2006 musste Salvador Mendoza, der machthungrige Alleinherrscher des fiktiven Tropenstaats San Esperito dran glauben. 2010 wiederum legte der passionierte Fallschirmspringer einem gewissen Pandak Panay, seines Zeichen Unterdrücker der fiktiven Pazifikinsel Panau, das Handwerk. 2015 muss Rico nun erneut ran! Allerdings nicht im Auftrag amerikanischer Geheimdienste, sondern aus ganz persönlichen Beweggründen...

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Der Dorn in seinem Auge: Ein gewisser General Di Ravello. Ohne Rücksicht auf Verluste riss dieser in Ricos Heimat, der mediterranen Inselwelt Medici, in den vergangen Jahren das Ruder an sich. Zusammen mit einem technologisch bestens ausgerüsteten Polizei- und Militärapparat gängelt der Tyrann seither Bevölkerung und Andersdenkende nach bestem Wissen und Gewissen.

Just Cause 3 - Verfeinertes Chaos, gediegener Krach

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Hollywood hätte es nicht besser hinbekommen: Tollkühn balanciert Rico auf den Tragflächen eines Kleinflugzeugs, während im Hintergrund teures Regierungseigentum scheppernd in die Luft fliegt.
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Schlimmer noch: Abgesehen von einigen mehr schlecht als recht ausgestatteten Rebellen scheint niemand etwas dagegen zu unternehmen. Zeit also, dass Tausendsassa Rico die Probleme selbst in die Hand nimmt! Wie das in der Praxis vonstattengeht, konnte gamona Ende Januar auf einer Presseveranstaltung bei Avalanche Studios in Stockholm erstmals selbst erleben.

Mitten rein ins Chaos!

Schon der Einstieg in die Xbox-One-Fassung zeigt, dass die Macher nicht lange fackeln und am liebsten gleich zur Sache kommen. Im Startbildschirm lehnt sich Rico lässig an einen metallic-blauen Sportwagen. Ein kurzer Tipper auf die Taste „Dev Start“ genügt, schon werden sämtliche Menüpunkte ausgeblendet und ich tauche komplett ohne Ladepausen direkt in die Spielwelt ein. So muss sich Next-Gen anfühlen – wobei man ja streng genommen schon längst von "Current-Gen" reden muss.

Dass in ganz Medici der Haussegen gewaltig schief hängt, lässt sich bereits an den überall angebrachten Propagandaplakaten erahnen. Darauf zu sehen: Mit Stolz erfüllte Arbeiter, lachende Kinder und zufriedene Familien – alle in der Regel abgelichtet mit ihrem zwielichtigen Staatsoberhaupt. Werft ihr dagegen einen Blick in die Gesichter der überall in den Straßen umherlaufenden Einwohner Medicis, ist von Friede, Freude, Eierkuchen nicht viel zu spüren. Die Menschen wirken niedergeschlagen, deprimiert und irgendwie hilflos gefangen in einem Land voller Militärbasen, Polizeistationen und eindeutig indoktrinierenden Werbetafeln und Lautsprecheranlagen.

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Mit dem stark überarbeiteten Enterhaken kann Rico diesmal nicht nur eine, sondern bis zu vier Seilverbindungen zwischen unterschiedlichen Objekten spannen. Hier hat er gerade drei Infanteristen und einen Jeep an ein Gebäude getackert.
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Womit wir auch schon bei Ricos Masterplan zum Sturz Di Ravellos angekommen wären: Die gesamte Propaganda-Maschinerie und alle regierungsnahen Ressourcendepots müssen weg – am besten mit einem lauten Knall, damit auch jeder mitkriegt, welcher Wind ab sofort in Medici weht. Wie in den beiden Vorgängerspielen lautet die oberste Agentenpflicht also Unruhe stiften, vorzugsweise, indem ihr sogenannte Chaos-Objekte in die Luft jagt.

Wenn alles so gut wird wie die bereits gezeigte Zerstörung in der offenen Welt, wird Just Cause 3 richtig einschlagen.Ausblick lesen

Gemeint sind zum Beispiel großflächige Plakatwände, steinerne Diktator-Statuen, in nicht zu übersehender Regelmäßigkeit installierte Megafon-Ansammlungen, prall gefüllte Bezintanks und vieles mehr. Was in welchem Bereich der gigantischen Karte wie oft zerstört wurde, verraten in Just Cause 3 übrigens kleine Kuchendiagramme am linken Bildrand. Gute Idee, denn zum einen stören sie dort nicht, zum anderen halten sie den „Nur noch diese eine Sprengung!“-Pegel konstant hoch.

David gegen Goliath

Dass der lokale Sicherheitsapparat natürlich auch diesmal nicht tatenlos zusieht, wie Rico Staatseigentum nach allen Regeln der Kunst verschrottet, versteht sich von selbst. In der angespielten Pre-Alpha-Fassung rückte der Feind je nach Ausprägung des sogenannten Heat-Levels mit Polizeiwagen, Jeeps und leichten Kampfhubschraubern an. Wer richtig fies im Bienennest herumstochert, ruft später noch Truppentransporter, Panzer, Jets und eine Vielzahl anderer Einheiten auf den Plan. Die KI der Feindeinheiten ließ sich in der zur Verfügung stehenden Zeit leider noch nicht im Detail begutachten, eine gewisse Hartnäckigkeit kann ich ihr aber auf jeden Fall schon mal attestieren.

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Seilverbindungen lassen sich natürlich auch in Reihe schalten. Frei nach dem Motto: Sportwagen + Kette aus Benzinfässern = Flammendes Inferno.
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Ultimativer Problemlöser nebst einem kontinuierlich wachsenden Waffenarsenal bleibt natürlich Ricos Enterhaken, dessen Funktionsvielfalt radikal verbessert wurde. Wie gehabt kann sich unser Held damit auf größere Distanz an Dinge heranziehen – etwa einen vorbeifliegenden Hubschrauber. Alternativ nutzt er das hochgradig reißfeste Enterhakenseil, um zwei Objekte miteinander zu verbinden. So weit, so bekannt.

Die entscheidende Neuerung: Statt wie in Just Cause 2 eine, lassen sich nun bis zu vier individuelle Seilverbindungen zwischen Objekten in der Spielwelt spannen. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Kette aus vier Benzinfässern, die man hinter einen Sportwagen spannt? Jetzt noch eine Rampe suchen und mit Vollgas in eine Polizeistation brettern – gute Nacht, Herr Wachtmeister!

Aufwickeln, abwarten, staunen!

Und es wird noch besser: Wer die LT-Taste auf dem Xbox-One-Controller gedrückt hält, kann die Spannung bereits positionierter Seilverbindungen erhöhen. Man muss sich das Ganze ein bisschen wie eine im Seil integrierte Hightech-Winde vorstellen, die das jeweilige Seil immer weiter aufrollt. Im Falle der eben genannten Benzinfässer würde die Nutzung dieser Funktion dazu führen, dass alle Fässer immer näher an den Sportwagen herangezogen werden und schließlich mit dem Fahrzeug zusammenprallen. Boom!

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Im Sturzflug dem Abgrund entgegen. Bei Nacht sehen solche Manöver besonders spektakulär aus. Man beachte das (Echtzeit-)Lichtermeer der kleinen, überall verstreuten Ortschaften.
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Geht’s nach Francesco Antolini, dem Gamedesign-Leiter des Teams, hat das Ganze Konzept vor allem ein Ziel: Rico soll auf möglichst kreative Art und Weise Chaos stiften. Um diese Spielweise zu untermauern, wurde zudem an der Physik-Engine geschraubt. Antolini bringt es auf den Punkt: „In Just Cause 2 nutzten wir eine Technik namens Model Swap. Heißt: Ich schieße auf einen Benzintank. Sobald ich eine bestimmte Menge Schaden angerichtet habe, wechselt das 3D-Modell des ursprünglichen Benzintanks zu einem anderen, das optisch mehr Schaden aufweist – und so weiter. In Just Cause 3 dagegen ist jedes Teil des Benzintanks eine unabhängige Komponente, die wiederum mit den anderen Teilen des Benzintanks verbunden ist und letztlich das Gesamtobjekt auf physische Weise formt.“

Kurzum: In Just Cause 3 macht es einen großen Unterschied, ob ihr einen turmhohen Propangastank einfach nur planlos mit dem Raketenwerfer beschießt oder ob ihr gezielt die Stützpfeifer eben dieses Tanks ins Visier nehmt. Gehen nämlich nur letztgenannte zu Bruch, stehen die Chancen nicht schlecht, dass die ganze Konstruktion ins Wanken gerät und sich das kugelförmige Gebilde in eine rollende Zeitbombe verwandelt – vor allem dann, wenn der Untergrund ein Gefälle aufweist.

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Vertical Combat zum Anfassen! Eine ferngezündete Sprengmine reißt einen Armeehelikopter in Stücke! Die daraus resultierende Explosion zeigt, was die neue Avalanche Engine zu leisten vermag.
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Alternativ könntet ihr die Stützpfeiler des Gastanks natürlich auch mittels Seilverbindungen an einen Lastwagen ketten und ganz ohne Waffeneinwirkung aus ihrer Verankerung reißen. Oder ihr trennt mittels Fernzünd-Sprengminen Haupt und Rumpf einer Diktator-Statue voneinander, hängt den steinernen Kopf an einen Transporthubschrauber und beharkt die besagten Stützpfeiler mit einem gewagten Abwurfmanöver aus der Luft. Die Liste ließe sich an dieser Stelle beliebig fortsetzen. Und genau das ist es, worauf Avalanche abzielt: Jeder soll Probleme in dieser sehr physikbasierten Welt auf seine ganz individuelle Weise lösen. Waffenarsenal und Enterhaken sind nur die Werkzeuge dazu.

Adrenalinjunkie im Anflug!

Nicht zu vergessen Ricos Fallschirm und Wingsuit! Während erstgenanntes Utensil seit 2006 zur Standardausrüstung des Protagonisten zählt, feiert der Flattermannanzug in Just Cause 3 Premiere. Die Funktionsweise ist denkbar einfach. Einmal in der Luft, spreizt Rico auf Knopfdruck die Arme, zwischen denen sich sodann Hightech-Flughäute auffächern. In der Anspielfassung donnerte ich so ausgerüstet wie ein Greifvogel durch enge Felsformationen entlang der Steilküste, über kilometerlange Blumenwiesen hinweg und unter riesigen Autobahnbrücken hindurch – oft nur mit einer Armlänge Abstand zwischen Rico und seiner Umgebung.

Droht unmittelbare Gefahr in Form von patrouillierenden Einheiten der Luftwaffe, ist sogar ein spektakuläres Sturzflugmanöver ins Wasser hinein möglich. Häufige Anwendung findet der Wingsuit ferner in zahlreichen, eigens dafür maßgeschneiderten Herausforderungen, deren erreichte Punktzahl und Geistdaten Just Cause 3 bei bestehender Internetverbindung auf einen Server hochlädt.

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Francesco Antolini ist der Leiter des Gamedesign-Teams und ein alter Hase im Open-World-Geschäft. Sein Motto: "Jedes einzelne, noch so kleine Instrument ist von größter Wichtigkeit. Denn als Dirigent des Orchesters wollen Sie nun mal nicht, dass die Zuhörer merken, dass ein spezielles fehlt."
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Gleiches gilt für eine Vielzahl von Fahrzeug-Herausforderungen und eine Art Physik-Puzzlespiel namens Destruction Frenzy, welches immer dann verfügbar wird, wenn man eine Militärbasis aus Di Ravellos Würgegriff befreit hat. Aufgabe bei solchen „Destruction Frenzy“-Challenges: Mit einem vorgegebene Waffen-Loadout in vorgegebener Zeit möglichst viel Schaden anrichten. Bevor der Timer zu ticken beginnt, dürft ihr allerdings noch gezielt Seilverbindungen spannen, um mittels Dominoeffekt besonders effektiv Chaos zu stiften. Coole Idee!

Um bekennende Revoluzzer anzuspornen, über den gesamten Spielverlauf hinweg mit der Kombination aus Fallschirm, Wingsuit und Enterhaken herumzuexperimentieren, soll es außerdem eine Art Upgrade-System für alle wichtigen Gadgets geben. Die genaue Funktionsweise halten die Schweden noch unter Verschluss; Antolini verspricht jedoch, dass man die genannten Helfer situationsbedingt umkonfigurieren darf. Klingt für mich jedenfalls ganz nach Wingsuit mit Schubdüsen-Upgrade, Enterhaken mit höherer Reichweite und Fallschirm mit besseren Flugfähigkeiten.