Ist noch gar nicht so lange her, da hättet ihr an Stellen wie dieser hier wenig mehr als plumpe Zahlenspiele vorgesetzt bekommen. Als Kreativität noch durch Rechenleistung limitiert war und virtuelle Quadratkilometer mit Spielspaß gleichgesetzt wurden (eine Unart, die spätestens mit Fuel endete), hätte Just Cause 3 sich jederzeit auf sein riesiges Areal berufen können. Hat schon damals beim ersten Teil hervorragend funktioniert, zieht nur im Jahr 2015 nicht mehr. Das durchgeknallte Feuerwerk, das Eidos Interactive dem Erstling vor reichlich fünf Jahren nachschob, macht die Sache für die Avalanche Studios nun auch nicht unbedingt einfacher.

Du hast ein Problem, wenn bereits zu Beginn eines Entwicklungsprozesses Fragen stehen wie „Wie zur fucking Hölle sollen wir den Irrsinn übertrumpfen, den Just Cause 2 abgefeiert hat?“ Einem Typen neue Tricks beibringen, der Autos an Düsenjets klebt wie Kaugummi an Schuhsohlen und nebenher von der Tragfläche aus Raketen auf Helikopter ballert? Viel Spaß dabei. Was tun, wenn alles gemacht wurde, der What-the-fuck-Regler längst auf Anschlag steht?

Just Cause 3 - Geht nicht? Gibt's nicht

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Mit dem Wingsuit gleitet ihr ziemlich cool durch die Lüfte. Der Übergang von Enterhaken zu Fledermausmann klappt dabei prima.
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„Ganz einfach: Du machst alles und multiplizierst es mit drei“, grinst Roland Lesterlin als Reaktion auf Fragen wie diese in die Runde. Eine Mischung aus neugieriger Skepsis und vorsichtiger Vorfreude blickt den Game Director aus gut drei Dutzend Redakteursaugen an. Kurz zuvor haben sie den Mann auf der Bühne dabei beobachtet, wie er die Pfeiler einer turmhohen Brücke erst liebevoll mit Sprengstoff verzierte, dann als Anarcho-Revoluzzer Rico Rodriguez von einem Balken absprang und mit seinem Wingsuit in sichere Entfernung glitt.

Da ist es wieder: sein spitzbübisches Grinsen. Dann dreht er die Kamera, um das Panorama einzufangen: Die Explosion reißt tiefe Risse in den Beton, es dröhnt aus den Lautsprechern, die Stützpfeiler halten dem Gewicht der Brücke nicht mehr stand, sie kollabiert, das Publikum applaudiert. Ein paar heranrauschende Inselbewohner reagieren zu spät, schießen mit ihren Fahrzeugen in das klaffende Loch, das eben noch eine sichere Überfahrt war. Lesterlin grinst noch immer.

Darf es noch etwas mehr sein?

Es ist eine exemplarische, unmissverständliche Szene und eine der wenigen einstudierten des Tages. Das schwedische Entwicklerteam hat die Zeit seit der Ankündigung im November vergangenen Jahres augenscheinlich genutzt, uns beim Anspieltermin in Hamburg Tür und Tor in diese fiktive Welt geöffnet. „Eine Welt, wie sie sich ein 12-Jähriger vorstellen würde: Alles ist etwas größer und lauter, Explosionen heftiger.“ Nach der Brückenaktion ist ziemlich klar, was Lesterlin damit meint.

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Es steckt Kalkül hinter dieser bewusst burschikosen Zockerkumpel-von-nebenan-Attitüde und trotzdem fällt es nicht schwer, dem Game Director seine Begeisterung abzunehmen, wenn er eine Propagandastatue mit kindlichen Manierismen zerstört. Nicht mit einem Schuss aus dem Raketenwerfer, ich bitte euch, sind wir hier bei GTA? Es ist eine der wenigen Neuerungen, eher: Verbesserungen, die uns Lesterlin noch mit auf den Weg gibt, bevor die einstudiertes „Hier, guckt mal!“ spontanen Experimentieren weicht.

Packshot zu Just Cause 3Just Cause 3Erschienen für PC, PS4 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Das eine Ende des Enterhakens feuert er auf den Betonkopf, das andere auf die Hand des Propagandamännchens. „Übrigens kann sich unser Haken nun auch zusammenziehen“, grinst Lesterlin, bevor er den Kopf drückt und sich die Zehn-Meter-Statue selbst in tausend Teile ohrfeigt.

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Insgesamt drei dieser speziellen Seile soll es geben, auch das ist neu und Teil der „Alles größer und lauter“-Strategie, die Just Cause 3 gelegentlich ein bisschen zu genau nimmt. Explosionen sind nun dreimal so groß wie im Vorgänger, mehr Enterhaken habt ihr ebenfalls, wie wie, außerdem zig Waffen, unendlich (!) Sprengkörper und so fort. Avalanche wirft wirklich alles in diesen brühenden Kessel, will ihn so gefährlich brodeln und wütend schnaufen lassen wie nur irgend möglich, sollte dieses Süppchen aber lieber auch verflucht gut abschmecken.

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"Den krieg ich, den krieg ich!"
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Es würde mich nicht unbedingt wundern, würde sich Ende des Jahres herausstellen, dass es ihrem Baby an etwas Entscheidendem fehlt: einem roten Faden. Mit Informationen zu Missionen, Spielablauf oder Handlung hielt sich Avalanche mal dezent zurück, was in Teilen daran gelegen haben mag, dass der Zweck dieser Präsentation ein anderer war („Guckt mal, was man hier alles machen kann!“), aber mitnichten rechtfertig, überhaupt keine Details zu nennen. Schon Just Cause 2 konnte mich damals nur mit Mühe über die gesamte Spielzeit locken und es wäre ehrlich gesagt schade, wenn sich der Reiz des Nachfolgers abermals im wilden Ausprobieren und Rumblödeln erschöpfen sollte - so großartig dieses auch umgesetzt ist (und fuck yeah, das ist es).

Und trotz alledem wird sich Just Cause 3 in der ein oder anderen Hinsicht an der Größe messen lassen müssen, alte Angewohnheiten legt man nur schwerlich ab, Gamer sowieso. Nun, wenig, dem Avalanche hier besorgt entgegenblicken müsste. Ich kenne keine genauen Zahlen (als ob ihr oder ich eine Vorstellung davon hättet, wie sich 500 oder 10.000 virtuelle Quadratkilometer genau ausnehmen), aber „groß genug“ sollte es ganz gut treffen. Vor Ort in Hamburg gab es nur eine von vielen Inseln zu erforschen und ich könnte nicht behaupten, mich nach anderthalb Stunden sattgesehen zu haben - trotz Düsenjet und anderer zeitsparender Fortbewegungsmittel.

Just Cause 3 ist ein wunderbar durchgeknallter Action-Zirkus, der die Drei im Titel allerdings noch beweisen muss.Ausblick lesen

Dann zieht ihr beim Videospielquartett halt den Kürzeren, wenn euer Gegenüber beim Vergleich der Kartengröße ausgerechnet Fuel (14.000 km²) oder The Elder Scrolls: Daggerfall (480.000 km²) auf der Hand haben sollte, wen bitte kratzt das? Wichtiger ist, wie diese Welt gefüllt wird. Und wieder: Wenig zu meckern hier, zumindest bis jetzt. Keine Ahnung, wie abwechslungsreich das alles ausfallen wird, der erste Bereich zeigte sich jedenfalls hübsch facettenreich. Niemand muss ein ausgefeiltes Stadtnetz wie in Los Santos befürchten, copy-paste aber auch nicht.

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