Explosion.

Toller Einstieg, huh? Aber dadurch habt ihr jetzt ein Gefühl dafür, wie…

  • a) …der Anfang von Just Cause 3 aussieht.
  • b) …der Mittelteil von Just Cause 3 aussieht
  • c) …der Rest von Just Cause 3 aussieht.

Just Cause 3 - Anarchie nach Protokoll

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Die ersten Spielminuten (Sekunden?) von Just Cause 3 und alles steht in Flammen.
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Ja, schon die beiden Vorgänger waren um eine flache Prämisse nicht verlegen. Der explosive Schabernack, den man in der offenen Spielwelt verbrechen konnte, war da viel wichtiger. Just Cause 3 macht genau da mit dem Zündeln, Brandschatzen und Zerstören weiter. Die Geschichte um die vom stoischen Diktator Sebastiano di Ravello gebeutelte Inselgruppe Medici und der Widerstand leistenden Rebellengruppe ist Beiwerk. Aber das wissen die Entwickler. Zu keiner Sekunde nimmt sich die Handlung sonderlich ernst, zu keiner Zeit ist die Handlung sonderlich wichtig. Es geht nicht ums Erzählen, sondern ums Machen – vorzugsweise ums Kaputtmachen.

KAPUTTMACHEN!

Und genau das lernt ihr ab Minute eins von Just Cause 3. Egal welcher Aufgabe ihr in der Haut von Serienheld Rico Rodriguez nachgeht, ihr könnt die Uhr danach stellen, wann zum ersten Mal etwas krachend und tosend zu Bruch geht.

Packshot zu Just Cause 3Just Cause 3Erschienen für PC, PS4 und Xbox One kaufen: ab 14,98€

Rebellen helfen? ALLES IN DIE LUFT JAGEN!!!
Zielperson eskortieren? ALLES IN DIE LUFT JAGEN!!!
Gegenstand auftreiben? Zuerst recherchiert ihr, wo… PFFF! ALLES IN DIE LUFT JAGEN!

Explosives Experimentierfeld oder dröges Open-World-Spiel – Just Cause 3 ist das, was ihr draus macht.Fazit lesen

Ich spare mir weitere Beispiele. Ihr habt bereits verstanden, wo die Reise hingeht – wenn ihr es denn nicht durch Vorkenntnisse bereits erahnen konntet. Die gute Nachricht: Durch die Spielwelt zu wüten ist unheimlich launig. Das liegt nicht nur an der schmucken Optik, die das idyllische Inselparadies kleinteilig zerbröseln lässt und brausende Explosionskegel speit, sondern auch an den vielen tollen Spielsachen, die euch Just Cause 3 zur Hand gibt. Durch Medici bewegt ihr euch ähnlich wie in Batman: Arkham Knight. Per Greifhaken surrt ihr durch die Spielwelt und schwingt euch dabei mit Gleitschirm und Wingsuit ähnlich anmutig in die Luft wie genannter dunkler Flattermann. Außerdem dürft ihr euch an zahlreichen Waffen und Vehikeln vergreifen, bei deren Ersterrungenschaft die Frage in eurem Kopf lauten dürfte: „Wie verarbeite ich damit jetzt auf möglichst spektakuläre Weise irgendwas zu Klump?“

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Auch wenn sich Just Cause 3 einige Kritikpunkte gefallen lassen muss: Die spektakulären Explosionen sind unfehlbar.
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Aber da hört das experimentelle Dampfwalzen noch nicht auf. Vor allen Dingen der Greifhaken ist ein erstaunlich vielseitiges Zerstörungsutensil, das ihr beispielsweise an zwei Stellen/Dingen/Menschen befestigen und dann zusammenziehen lassen könnt. Gern gesehen ist beispielweise eine Gasflasche: Kurzerhand gegengeschossen und einen nahestehenden Soldaten des diktatorischen Regimes mit Doppelgreifhaken daran befestigt, schon könnt ihr dem guten Mann zu seiner Reise in luftige Höhen beglückwünschen. Ich will mich an Ort und Stelle nicht in zu vielen Beispielen verstricken. Versetzt euch einfach in die Zeit zurück, in der ihr neun Jahre alt wart. Stellt euch vor, man würde euch in einen übergroßen Sandkasten pfropfen, der mit Feuerwerkskörpern und Süßigkeiten vollgestopft ist – tadaaa, Just Cause 3.

Dufte, oder? Die ideale Spielwiese für alle, die Bock auf Action haben? Ja, nein, jein. Zwei große Probleme stellen dem zündelnden Rico ein Bein.

Just Cause 3 - Story Trailer deutsch8 weitere Videos

EXPLOSIONEN!!!*
Innerhalb der ersten Stunde mit Just Cause 3 fühle ich mich bestens unterhalten. Ich schaue nach links: FEUERSÄULEN. RAKTENSCHLÄGE. Ich schaue nach rechts: ZERBERSTENDE BRÜCKEN. ZERBRÖSELTE ARMEELAGER. Freudig hüpfe ich ausladenden Schrittes und ein Liedchen pfeifend an Chaos und Zerstörung vorbei. Doch dann … dann stoße ich mir den Kopf an einer verschlossenen Tür. „Hier geht’s erst weiter, wenn du dreimal Aufgabe X und zweimal Aufgabe Y erledigt hast.“ Vielen Dank auch.

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Die durch uns zerbröselnde Spielwelt verblasst etwas durch das aufgezwungene Protokoll und lahmer To-do-Listen (siehe Symbole oben links).
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(*= nur mit Passierschein A38 und ausgefülltem §7.1 ½ Absatz b)

Ja, auch wenn die eigentliche Storyline rein von Spannungsbogen und Aufbau wenig Antrieb bietet, ihr weiter zu folgen, hätte ich trotzdem gern die Möglichkeit, weiterzumachen, wenn mir danach ist. Genauso frei, wie ich beim Verwüsten des digitalen Urlaubstraums bin, wäre ich auch gern hier. Aber nein, stattdessen verlangt Just Cause 3 von mir, vorher Pflichtaufgaben abzuhaken. Plötzlich wird aus Spaß Arbeit. Explosive, krachende und spektakuläre Arbeit, aber immer noch Arbeit.

Ein Kontrast, der überhaupt nicht ins Bild passt. Und diese bürokratische Abhandlung der eigentlich so launigen Zerstörungsorgie setzt sich weiter fort. Wie sich das für ein Open-World-Spiel gehört, dürft ihr abseits der Hauptaufgabe anderem Kleinkram frönen – was ich ja mehr oder minder mit dem vorangegangenen Punkt bereits „verraten“ habe. Wie es sich ebenfalls für ein Spiel dieser Gangart ziemt, dürfen Teilbereiche der Spielwelt eingenommen und von Gegnern befreit werden. Eigentlich bedeutet das für euch: Hin da, kaputt machen, glücklich sein.

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Medici ist so hübsch, schade dass das technische Gerüst da auf Current-Gen-Kästen sein Nachsehen hat.
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Doch leider zwingt euch das Spiel ein zwanghaftes Protokoll auf, das euch vorschreibt, was in die Brüche gehen muss. Klaro, ein paar Ziele müssen auch dem blindwütigsten Feuerteufel gesetzt werden, aber wenn ich einen Bereich minutenlang nach dem letzten noch übriggebliebenen Öltank oder dem letzten noch nicht völlig abgebrannten Generator abklappern muss, ist das nicht Spaß sondern Fleißarbeit.

KA…A…WU…U…U…MM…!?

Problem Nummer zwei: Performance. Laut Netz betrifft dieser Punkt lediglich die Current-Gen-Kästen, PCs sind – je nach Qualität des Innenlebens natürlich – von akuten Leistungseinbrüchen verschont. Demnach trifft es vor allen Dingen die Xbox One mit einknickenden Bildwiederholraten stark, aber auch die uns vorliegende PS4-Fassung neigt zu akutem Schluckauf. Just Cause 3 ist zu großen Teilen unheimlich ansehnlich (von kleineren Pop-Ups abgesehen). Doch wenn etwas effektvoll zerbröselt, kommt der Technikklotz unter dem Fernseher arg ins Schwitzen. Die Bildwiederholrate strauchelt dabei zumeist wie ein pausbäckiger, knollnasiger Betrunkener nach Zapfenstreich. Das macht Just Cause 3 zwar sicherlich nicht unspielbar, den Spaß am Zerstören aber etwas schmaler.

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Just Cause 3 ist dann am besten, wenn es euch mit eurer Zerstörungswut anstellen lässt, was immer ihr wollt.
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Außerdem reizt das Spiel eure Geduld mit vielen, vielen, oft sehr langen Ladezeiten. Zum Spielstart wäre ich mit einer längeren Wartezeit noch cool gewesen – die zahlreichen Backsteine der Welt, die ich Stück für Stück zerbombe, wollen schließlich erst drapiert werden. Aber leider piesacken mich die Ladezeiten auch nach kurzen (teils sehr kurzen!) Sequenzen und zerstückeln mir so unschön die launige Action-Sause.

Und auch abseits dessen müsst ihr euch auf kleinere Bugs und Fehlerchen einstellen. Die haben mich manchmal fragend den Kopf kratzen lassen – beispielsweise wenn ich mich mit einem Enterhaken an die Unterseite eines Helikopters ziehe und plötzlich tot in dessen Innenraum „aufschlage“ –, waren aber selten richtige Aufreger. Just Cause 3 fehlt in Teilen etwas der Feinschliff, bei der nächsten, bröckelige Kleinteile aufstiebenden Kettenexplosion habe ich das aber schon wieder verziehen.