




Schade, Avalanche. Auch im zweiten Anlauf buckelt Rico mit vielen Altlasten durch seinen gigantischen Sandkasten: fehlendes Deckungssystem, das den Kämpfen ein altmodisches Müffeln verpasst; bestenfalls durchschnittliche Gegner-KI; eine Geschichte, deren Darsteller und Drehbuch geradewegs aus der Zack-zack-Schublade stammen könnten; ebenso lieb- wie lustlose Sprecher, die den klapprigen erzählerischen Rahmen nicht mit Charisma, sondern mit (zugegebenermaßen unterhaltsamen) Plattitüden füllen; einen aalglatten Macho von der Stange, natürlich so blass wie im ersten Teil. Genau das muss man hinnehmen, bevor man neidisch in Richtung GTA IV schielt. Hat man sich aber erst mal daran gewöhnt, dass die Bewohner Panaus nur Teil einer großen Staffage sind, dass die Welt nicht so dynamisch, so lebhaft auf Rico reagiert, wie es Liberty City vorgemacht hat, dann ist der chaotische Spaß genau das Richtige.
Jedenfalls wenn man keine Hundeleine braucht und keinen Wert darauf legt, durch ein zwickendes Levelkorsett gezwängt zu werden. Ähnlich wie im ersten Teil ist es ein Riesenspaß, anarchisch und auf gute Manieren pfeifend durch ein Inselreich zu wildern, das mit seiner Gestaltung und seinen harmonischen landschaftlichen Übergängen als Star in der ersten Reihe steht. Zumindest in derselben wie der Enterhaken, der einen theoretisch unendlichen Fluss aus Auto- und Bootsjagden, Flug, Fall, Hijacking und abgedrehten Mätzchen garantiert. Im Grunde ist es erschreckend, wie fürchterlich trivial Just Cause 2 erzählerisch vor sich hinplätschert, wie sehr es sich darauf verlässt, dass das Anrichten von Chaos als Selbstläufer funktioniert, und wie beliebig sich die Nebenmissionen gestalten.
Dass ich dennoch die dreißig Stunden vollgemacht habe, liegt nicht nur am traumhaften Sonnenuntergang, nicht nur an der Aussicht oder an den dicken Waffen. Schuld ist die angenehm freie Spielstruktur, die sagt: „Mach, was du willst, und hab gefälligst Spaß dabei!“ Wenn der erst nach Hunderten von Sabotageakten einbricht, ist das eine gute Richtung. Eine, die Avalanche für den dritten Teil unbedingt weiterverfolgen und von den spielerischen Gebrechen befreien sollte, um endlich die Award-Hürde zu nehmen.
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Riesige Spielwelt mit Hunderten von Dörfern, Armeestützpunkten, Tankstellen, Brücken, Feldern, Tälern, Bergen, Wüsten und und und. Kommt ohne Ladezeiten aus und sieht landschaftlich richtig klasse aus. Phänomenale Sichtweite, deren Wucht nur von den üblichen gräsernen Pop-ups getrübt wird. Auch wenn man Abstriche im Texturdetail machen muss, sind die Panau-Inseln eine der schönsten Spielwelten.
Die deutschen Sprecher klingen viel zu unsicher, lieblos, wenig charismatisch. Immerhin passen sie zu all den Plattitüden, die sie über die Lippen bringen. Die englische Sprachausgabe ist kaum besser, im Gegensatz zu den Effekten, die es überall ordentlich krachen lassen. Recht so, fliegt ja auch genug in die Luft. Musikalisch hält sich Just Cause 2 angenehm zurück – die Soundkulisse spricht für sich.
Chaos anrichten, entdecken, hin und her fliegen, alles in die Luft jagen, um neue Missionen freizuschalten – und das Ganze wieder von vorn. Die komplette Spielmechanik will als Selbstläufer funktionieren und schafft das auch. Jedenfalls dann, wenn man sich darauf einlässt, nicht an die Hand genommen und mit der Leine durch ein enges Levelkorsett gezwängt zu werden.
von Eidos, Avalanche StudiosGenre: Action, Third PersonPC, PS3, XBox 360: 26.3.2010Freigegeben ab 18 Jahren
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