Als Disney World eröffnet hatte, hat auch nicht alles richtig funktioniert

Für eine Sim von Frontier Developments hätten wir uns hier mehr gewünscht. Wie wäre es beispielsweise mit kleineren Attraktionen abseits der Dino-Gehege gewesen? Etwa eine Mini-Dino-Reitstation für jüngere Besucher, wie sie in Jurassic World 1 zu sehen war. Albern, aber immerhin eine Abwechslung. Oder lasst uns eine Kartstrecke mit prähistorischem Design und eigens erstellter Streckenführung bauen. Irgendwie fehlt es an Tiefgang, wenn es um die Bedürfnisse der Menschen und weitere Attraktionen geht. Und dasselbe gilt auch für die Gestaltung des Parks. Deko gibt es nicht. Wir platzieren nur Seen, Gräser oder Bäume. Keine Werbetafeln, Maskottchen oder Luftballons. Geschweige denn coole Fahrgeschäfte abseits von Einschienenbahn und Gyrosphären.

Jurassic World Evolution überzeugt grafisch und technisch enorm.

Doch irgendwie ist das Ganze auch wieder schnell vergessen, wenn wir uns einen Moment nehmen, den Sauriern beim Grasen oder Jagen zusehen, den Sonnenuntergang auf Isla Muerta beobachten und dabei im Hintergrund die Musik ertönt, die wir einst in der Jugend hörten. Es sind die Sekunden, in denen Jurassic World Evolution am besten funktioniert und wir uns ganz darin verlieren. Nanu, ein rotes Symbol am Bildschirmrand. Was ist das nun wieder? Och nö!!

Du hast das Zauberwort nicht gesagt

Da hat doch glatt jemand die komplette Anlage lahm gelegt, indem er die Kraftwerke sabotiert hat. Wer war das denn jetzt schon wieder? Die Wissenschaftler wollen es nicht gewesen sein, die Unterhaltungsexperten sind nicht erreichbar und das Sicherheits-Team hat wieder mal wichtigere Dinge zu tun. Also müssen wir selbst in den Ranger-Wagen steigen, zwischen panischen Gästen durch den Park heizen und zusehen, dass wir die Anlage wieder zum Laufen bringen, bevor die Velociraptoren die Zäune auf Schwachstellen testen. So etwas ist auch Alltag als Parkdirektor. Die drei Fraktionen der Wissenschafts-, Unterhaltungs- und Sicherheitsabteilungen wollen allesamt beachtet werden.

Die drei Fraktionen wollen alle Aufmerksamkeit. Gibt’s die nicht, wird gemeutert.

Geschieht das nicht, wird gerne mal sabotiert, um dem Frust freien Lauf zu lassen. Also nehmen wir lieber schnell weitere Missionen und kleinere Aufträge von ihnen an und achten dabei, dass unser Ruf bei den Fraktionen nicht in den Keller geht. So schalten wir glücklicherweise auch neue Gebäude oder Dino-Mods frei, die uns auf dem weiteren Weg zum Erfolg helfen. Die Quests rangieren von „Bauen sie Gebäude X und schließen sie es an den Strom an“ über „Schießen sie ein Foto von zwei Raptoren auf der Jagd“ bis hin zu „Erschaffen sie einen T-REX mit einer Aggressions-Mod“. Das bringt nicht nur Abwechslung sondern auch eine Starthilfe für die ersten Stunden eures Parks. So bleibt ihr immer am Ball und habt auch mal was zu tun, wenn ihr euren Park nicht erweitern könnt.

Unser Leben liegt in ihren Händen und sie stellen sich so ungeschickt an

Läuft der erste Park und wir erreichen eine gute Bewertung, geht es schon auf die nächste Insel. Dort wird es nicht gerade einfacher. Stürme, Katastrophen und wenig Platz sind hier auf den Plan geschrieben. Insgesamt fünf Inseln bieten verschiedene Voraussetzungen und damit auch Schwierigkeitsgrade. Schafft ihr es einmal nicht, euren perfekten Park zu errichten oder werdet Opfer eines Dinosausbruchs, der plötzlich alle Besucher vertreibt, gibt es das perfekte Gegenmittel: Einen Reset. Denn Jurassic World Evolution lässt euch jede Insel mit einem Knopfdruck auf den Ursprungszustand zurücksetzen. Dabei behaltet ihr aber alle bislang erforschten Genome, Erweiterungen oder Gebäude.

Ankylosaurus wütet im Park. Unser Heli-Team muss ihn betäuben und wieder hinter Gitter fliegen.

Gerade in den späteren Levels wird es auch gern Mal stressig. Nämlich dann, wenn ihr immer wieder mit ausgebüchsten Sauriern konfrontiert werdet. Dann gibt es richtig viel zu tun und ihr müsst einen Krisenherd nach dem anderen managen. Aber dafür sind es ja auch die schwierigsten Abschnitte von Jurassic World Evolution. Wer lieber Ruhe hat, kann jederzeit wieder auf alte Inseln oder in Sandbox-Bereich wechseln. Cooles Feature: Der Stand jeder Insel wird nach einem Wechsel genau da aufgenommen, wo ihr ihn verlassen habt. Katastrophen lassen sich aufschieben, aber nicht ignorieren!

Kein Wunder, dass ihr ausgestorben seid

So gut Jurassic World Evolution in vielen Bereichen funktioniert, so gibt es jedoch einige fragwürdige Design-Entscheidungen. Ein Beispiel: Die Einbindung der insgesamt sechs Inseln aus der Vorlage ist toll und absoluter Fan-Service. Isla Nublar ist dabei eine Sandbox-Insel, die nach dem Tutorial freigeschaltet wird. Hier haben wir unendlich viel Knete und dürfen bauen, was das Zeug hält. Zumindest in der Theorie. Denn in Wirklichkeit ist der bebaubare Platz der Insel nicht viel größer als in den anderen Arealen. Eine Enttäuschung für die, die sich eine riesige Anlage, wie die im Film bauen wollten. Zumal die Gehege, Hotels und Anlagen zum Betrieb des Parks nicht gerade klein ausfallen.

Ranger-Autos und ACU-Helis können wir selbst steuern, um Aufgaben zu erledigen.

So sehr wir zudem unsere Ruhe und Gelassenheit in Jurassic World Evolution mögen, desto schwerer fällt es uns jedoch die Wartezeiten auf neue Genextrahierungen, Grabungen oder ausgebrütete Saurier sinnvoll zu überbrücken. Hier drehen wir Däumchen, da es keine Option gibt, die Zeit vorzuspulen. Warum die Entwickler sich gegen Zeitmanipulation entschieden haben? Da man sonst vielleicht auch die Zeit stoppen könnte, wenn Saurier ausbrechen oder es zu einer Katastrophe kommt. Aber wir wollen eigentlich nur Vorspulen, um schneller zu den coolen Parts des Spiels zu gelangen.

Für viele Spieler dürfte es zudem eine Enttäuschung sein, dass es keinen Mod-Support für Jurassic World Evolution geben wird. Dies haben die Entwickler bereits bestätigt. Grund dafür ist die Lizenz, mit der sie hier umgehen müssen. Die Inhaber wollen einfach nicht, dass damit Schindluder getrieben wird. Am Ende sind die Dinos vielleicht noch nackt in ihren Gehegen. Skandal! Aber Spaß beiseite: So sind wir auf neue Inhalte der Entwickler angewiesen. Wird es sich auf Skins und neue Dinos beschränken oder bekommen wir auch gänzlich neue Gebäude, Inseln oder Modi spendiert? Dies ist noch ein großes Fragezeichen für Jurassic World Evolution, das uns nicht aus dem Hinterkopf geht.

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