Jurassic Park kam 1993 ins Kino und war wohl mit seinen damals fantastischen Dino-Effekten bahnbrechend, ja eine Sensation. Dummerweise hinkte die Heimcomputertechnik meilenweit hinterher, eine Umsetzung als Spiel konnte da nicht mithalten.

Jurassic Park: The Game - Action Montage TrailerEin weiteres Video

18 Jahre später sind solcherart Probleme aus dem Weg geräumt, kraftstrotzende Rechner erlauben hochdetaillierte Spielgrafiken. Trotzdem sieht Jurassic Park: The Game von Telltale Games aus, als stamme es aus einer längst vergangenen Zeit.

Ist das alles?

Aber, nein! Es geht nicht nur um ein völlig hinter zeitgemäßer Optik zurückbleibendes Adventure, dessen Landschaft sehr, sehr kantig und detailarm gestaltet wurde. Denn auch der Spielablauf ist mit der Bezeichnung "altbacken" noch schmeichelhaft umschrieben. Wer etwa das selige Dragon's Lair spielerisch spannend findet, dürfte hier seine Erfüllung finden: Drücke den richtigen Knopf zur passenden Zeit. Hier jagt ein Quicktime-Event den nächsten und treibt auf diese Weise zu 75 Prozent die Handlung voran.

Wir rennen also vor Dinos weg, Klick, Klick, Klick, erwehren uns ihrer Attacken, Klick, Klick, Klick und laufen wieder weg, Klick, Klick, Klick. Das ist alles völlig anspruchslos, eine lahme Szene folgt der anderen, selbst ein dressierter Affe würde diese Passagen mit Bravour überstehen. Es geht um kaum mehr, als einfach am Leben zu bleiben und den meist fair gesetzten Speicherpunkt zu erreichen.

Jurassic Park: The Game - Zum Davonlaufen

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Rat mal, wer zum Essen kommt...
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Die Steuerung mit Maus und Tastatur geht größtenteils in Ordnung, solange es denn funktioniert. Oft hatte ich das Gefühl, dass meine Eingaben unterwegs verloren gingen. Mit dem nativ unterstützen Gamepad klappte das besser und intuitiver, wenn auch gelegentlich ziemlich krude inszeniert. Wer die vier Episoden in etwa fünf bis sechs Stunden durchspielt, ohne gelangweilt zu werden, ist wohl noch Schlimmeres gewöhnt.

Damit wenigstens ein bisschen Abwechslung in das zähe Geschehen kommt, streuen die Entwickler hier und da einige Dialog- und Rätselsequenzen ein. Ihr schwenkt dann die Kamera und latscht so lange die hervorgehobenen Punkte ab, schaut euch an den vorgegebenen "Schauplätzen" um, bis die Lösung gefunden ist und es mit der nächsten Quicktime-Einlage weitergeht.

Packshot zu Jurassic Park: The GameJurassic Park: The GameErschienen für Xbox 360, PC und PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Die verschiedenen Charaktere bleiben dabei sehr blass, nicht mehr als hohle Stereotypen. Ständige Wechsel der Spielfiguren helfen nicht unbedingt, ihnen Tiefe und Glaubwürdigkeit zu verleihen. Eure Entscheidungen in Dialogen wirken sich zudem nicht spürbar auf die Fortführung der Handlung aus. Das wirkt einfach aufgesetzt.

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Das ganze Spiel besteht aus öden Quicktime-Szenen.
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Leider, muss man sagen, denn der Ansatz hinter der Geschichte ist interessant: Erinnert ihr euch noch an den flüchtenden Computer-Nerd aus dem Film, der beim Versuch, Dino-Embryos zu klauen, hopsgeht? Genau, Nedry. Dessen Lieferung soll nun von einer Söldnerin (schrecklich vertont!) für potente Geldgeber gerettet und evakuiert werden. Bei der Fortführung des alternativen Erzählstrangs zur Hauptgeschichte des Films geht natürlich jede Menge schief... Klick, Klick, Klick, ihr versteht?

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Man muss es einfach klar sagen, Jurassic Park: The Game wirkt in allen Belangen billig zusammengeschustert. Die Animationen der Figuren: hölzern. Die ach so schrecklichen Saurier, eigentlich der Mittelpunkt des Geschehens: strahlen kaum Gefahr aus. Der Sound: Schöner Originalsoundtrack von John Williams, aber die deutsche Sprache ist am Rande des Erträglichen und zudem von Aussetzern, Kratzern und übermäßigem Hall versaubeutelt.

Hat da irgendeine Form von Qualitätskontrolle stattgefunden? Von den anderen Bugs und Ungereimtheiten kaum zu sprechen: Das Menü ist ein alberner Witz, der Launcher reagiert nur, wenn er Lust dazu hat, und so weiter und so fort.