Es gibt Dinge, über die sollte man eigentlich lieber den Mantel des Schweigens hüllen, anstatt darüber zu berichten. Auf der anderen Seite würden wir damit natürlich unserer Pflicht nicht nachkommen, euch vor wirklich schlechten Produkten zu warnen. Daher können und wollen wir euch unser Review von Jumper nicht ersparen, das wir für Xbox 360 und Wii getestet haben.

Der Titel kommt euch irgendwie bekannt vor? Kein Wunder, handelt es sich dabei doch um die Umsetzung eines in Kürze in Deutschland erscheinenden Kinofilms. Allerdings kann man nur inständig hoffen, dass der Film nicht so abgründig schlecht ist wie das bereits erhältliche Videospiel.

Jumper - Jamie Bell HighlightEin weiteres Video

Schlechter geht’s nicht!

Ich will gar nicht groß drum herum reden: Jumper gehört in beiden Versionen mit Sicherheit zu den schlechtesten Spielen, die mir jemals untergekommen sind. Diesem Game fehlt so ziemlich alles, was auch nur in Ansätzen zu einem Sprung ins untere Mittelfeld qualifizieren würde.

Jumper - Neues Rekordmaß für miese Spiele

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Die Gegner sehen sich nicht nur zufällig ähnlich, es gibt nur sehr wenige Variationen.
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Die praktisch völlig fehlende Story bildet da nur den Anfang für eine eigentlich ellenlange Abhandlung an Verfehlungen, die Entwicklern zukünftiger Spiele als schlechtes Beispiel dienen könnte. Zur Erklärung nur so viel: Ihr seid ein Jugendlicher namens Griffin, der sich durch Raum und Zeit beamen kann und bei seinen Abenteuern wild umherspringt. Anstatt jedoch diese absolut herausragende Fähigkeit für nützliche Dinge, wie das Besuchen von Damenumkleiden oder kostenlosen Kinobesuchen zu nutzen, zieht er es vor, sich mit den so genannten Paladinen herumzuschlagen, die ihm ans Leder wollen.

Und will sich damit gleichzeitig an jener Person rächen, die für die Ermordung seiner Familienangehörigen verantwortlich ist. Rache ist süß, aber bei Jumper wird mir schlecht! Und das liegt nicht etwa daran, dass ich an Motion Sickness leide, sondern an dem elendigen Geruckel, mit dem man allzeit auf der Xbox 360 geplagt wird. Wer es wagt, die Kamera zur Seite zu drehen - was eigentlich ständig notwendig ist, um die Feinde im Auge zu behalten, die ständig von allen Seiten im Pulk auf euch losstürzen - bekommt richtig fiese Ruckler präsentiert.

Packshot zu JumperJumperErschienen für PS2, Wii und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Eigentlich verwunderlich, denn zum einen ist die Anzahl der Gegner nun wirklich überschaubar und bewegt sich meist zwischen drei und fünf. Zum anderen ist aber auch vor allem die Optik sehr, sehr dürftig und hat nichts mit dem zu tun, was die meisten unter Next-Gen verstehen. Im Gegenteil, das meist völlig breiige Szenario leidet an sehr wenigen Details, verwaschenen Texturen und zudem sind die Animationen der Charaktere ziemlich kantig geraten.

Jumper ist eines der schlechtesten Spiele, das mir je untergekommen ist!Fazit lesen

Der Sprung ins Chaos

Von tollen Effekten könnt ihr allenfalls träumen bei diesem Machwerk, allenfalls einige wenige Cutszenen, in denen euer Charakter seine Kontrahenten mithilfe seiner Sprung-Fertigkeit über einem Vulkan, in einem Pool voller Haie oder auch in luftiger Höhe "ablädt" und sie somit um die Ecke bringt, sind recht nett anzusehen. Ob es dazu kommt, entscheidet aber der Zufall. Einfluss darauf, wann ihr die Paladine in diese aussichtslose Lage befördert, habt ihr nicht.

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Die detaillierten Texturen sind schon Legende!
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Doch damit noch lange nicht genug, denn eigentlich habt ihr dank der "tollen" Spielmechanik auch nur ziemlich wenig Kontrolle über eure Spielfigur. In der Theorie klingt es spannend, dass man anhand von Farbringen, die die Widersacher umgeben, nur die jeweilige Taste drücken muss, um eine erfolgreiche Attacke zu initiieren. In der Praxis artet die ständige "Jumperei" jedoch in reinstes Chaos aus und endet im pausenlosen Button-Mashing ohne Sinn und Verstand.

Eure Gegner sind diesen Angriffen allerdings meist schutzlos ausgeliefert, stellen sich zudem nicht allzu intelligent an und so vertrimmt ihr gleich Dutzende Kombattanten im Akkordtempo. Viel bewegen müsst ihr euch jedoch nicht: In der Regel betretet ihr einen Raum, der flugs zur Arena wird, die von mehreren Angreifer-Wellen hintereinander heimgesucht wird. Spannung oder Überraschungseffekte sucht man bei Jumper vergeblich.

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Hau mir eine, ich will nicht mehr!
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Der sehr milde Schwierigkeitsgrad kehrt sich zum Ende hin jedoch ins Gegenteil um, wenn es plötzlich viel zu wenig Healthpacks gibt, die Feinde aber fast unaufhörlich aus irgendwelchen Seitengängen auftauchen. Anders ausgedrückt: Die Balance des Spiels ist also auch ziemlich unausgegoren. Doch (fast) glücklicherweise dauert das horrorartige Szenario in beiden Varianten nicht lange. In lediglich zwei Stunden (4 Missionen auf der Wii) habt ihr den Endboss besiegt und das wars dann auch schon, es gibt nicht einmal Zusatzcontent in Form von Multiplayer-Modus oder Koop-Fights.

Dafür ärgert ihr euch aber ständig mit technischen Unzulänglichkeiten herum: So geschah es während unseres 360-Tests mehrmals, dass der Charakter durch den Boden fiel, plötzlich an irgendwelchen Wänden fest hing und sich einfach nicht weiterbewegen ließ. Oder die schludrige Kamera sich nicht neu ausrichtete, sodass ihr eure Feinde und damit die für die Fights wichtigen Farbringe gar nicht seht.

Tusch-Optik?

Lieber nicht sehen würde man allerdings die Optik auf der Wii, die wirklich unterirdisch schlecht ist. Auf der Nintendo-Konsole bleiben euch zwar die häufigen Slowdowns des Microsoft- Pendants erspart, dafür verströmt die Optik Augenkrebsgefahr hoch drei: Die billigst zusammengeschusterten Cartoon- Charaktere bewegen sich durch eine Wischiwaschi-Landschaft, der fast alle Details abgeht. Spontan werde ich den Eindruck nicht los, dass dies alles mit Tusch-Farben hergestellt wurde - vielleicht ist das jedoch nur eine Kunst-Richtung, die ich nicht kenne.

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Bei den Gegnern von künstlicher Intelligenz zu sprechen, wäre beinahe beleidigend.
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Beide Fassungen sind inhaltlich nicht identisch und das Abenteuer wird teilweise unterschiedlich aufgezogen, bei der Wii ist der Ablauf jedoch noch simpler: Eigentlich benötigt ihr nur die Buttons A und B und kloppt so schnell es geht auf ihnen rum - fast alle Feinde liegen dann innerhalb von Sekunden im Grafik-Matsch. Dabei machen die Entwickler praktisch kaum Gebrauch von den speziellen Möglichkeiten der Wiimote, nur sehr spärlich kommt die Funktion der Fernbedienung zum Einsatz. Von der hanebüchenen KI der Feinde, wollen wir lieber erst gar nicht reden, denn sie ist nicht existent.