Juiced (PC-Test)
von Andreas Schnäpp

Eigentlich könnte man meinen, dass das Genre spätestens seit Need for Speed Underground 2 ausgeschöpft sei und der Markt nun gesättigt ist. Falsch gedacht: Nach jeder Menge Hick-Hack um das Spiel, einem Pleite gegangenen Publisher und

Releaseverschiebungen Juiced nun endlich auch in deutschen Regalen zu finden. Ob die Wartezeit sich gelohnt hat und was Juice Games uns mit ihrem Erstwerk vorgesetzt haben, erfahrt ihr in unserer Review!

Juiced - Juiced Trailer2 weitere Videos

Ein stimmiges Intro macht schon nach dem ersten Spielstart Lust auf mehr. Stimmungsvoll untermalt wird uns präsentiert, um was es in Juiced geht: Man nehme ein Auto, tune es bis zum Anschlag und demonstriere seine Coolness in legalen (!) Rennen und Events. Um den Adrenalinspiegel während der Rennen noch etwas zu steigern, setzt man am besten noch einen Batzen Geld auf den eigenen Sieg et voilá: Das ist das grobe Spielprinzip von Juiced.

Direkt zu Beginn dürfen wir uns für einen von drei Modi entscheiden: Karriere, Arcade oder angepasstes Rennen. Den größten Zeitfaktor dürfte ohne Zweifel der Karrieremodus verschlingen. Nach einer kleinen Einführung zu Angel City, dem Austragungsort der Straßenrennen, begrüßt uns TK, Kopf der Urban Maulerz Crew und fordert uns zu einem Duell heraus.

Von 0 auf 100
Was wäre ein Duell ohne einen richtigen Ansporn? Richtig, ein langweiliges Rennen. Das haben sich die Jungs von Juice Games

auch gedacht und somit bietet Juiced im Gegensatz zu den aktuellen Genre-Platzhirschen als einziges Spiel ein Wett-System. So hat man die Möglichkeit, vor jedem Rennen Bares auf den Ausgang des Rennens zu setzen und so neben der Siegesprämie auch noch zusätzlich mächtig viel Kohle durch gewonnene Wetten abzusahnen.

Nun gut, TK ist nicht auf den Mund gefallen kommentiert die Höhe unseres jeweiligen Wetteinsatzes und versucht uns mit coolen Sprüchen zu beeindrucken. Erstes Manko: Von Lippensynchronität hat man, wenigstens in der deutschen Version des Spiels, wohl noch nie etwas gehört. Leider zieht sich diese Linie durch das ganze Spiel. Auch die wenig unterschiedlichen Dialoge und Kommentare, die unsere Computer-Rivalen von sich geben, können nicht überzeugen. Schade eigentlich, denn die Stimmen der anderen Fahrer wissen zu gefallen.

Bevor wir auf uns selbst gestellt sind, dürfen wir gegen TK in einem seiner eigenen Wagen antreten. Was die

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meisten Neulinge hier direkt erfreuen dürfte, ist der Fakt, dass man sich gezielt von der "schwarzen Einöde" der Nacht-Rennen abgewandt hat. Wem die immer gleichen Umgebungen von NFSU2 mit der Zeit zu langweilig wurden, der wird sich mit dem frischen Tages-Look von Juiced schnell anfreunden. Schon nach wenigen Minuten wird Genre-Fans klar sein, dass sich Juiced nicht zu den üblichen Arcade-Racern gesellen will.

Packshot zu JuicedJuicedErschienen für PC, PS2 und XBox kaufen: Jetzt kaufen:

Die Entwickler haben sich bemüht ein realistisches Fahrverhalten jedes Wagens ins Spiel zu implementieren und man merkt: Die Vehikel fahren sich nicht einfach. So manches mal wird man in den ersten Rennen die Leitplanke küssen dürfen und folglich jede Menge Dollar für die Reparatur zum Fenster rauswerfen, aber schon bald lohnen sich die Anstrengungen.

Mehr als nur die Jagd nach dem 1. Platz
Im Karriere-Modus zählt nicht nur die Platzierung auf Events, sondern auch der Respekt der anderen Renn-Crews. Desto besser der Spieler seinen PS-Boliden unter Kontrolle hat, umso mehr Respekt wird ihm von anderen Crews gezollt. Gar nicht gern werden hierbei Kollisionen mit anderen Wagen gesehen: Prompt bekommt man für seine Kamikaze-ähnliche Fahrweise die Rechnung: dicke Minuspunkte im Respekt. Mit etwas Übung hält man seine

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Reparaturkosten auf einem Minimum und kann umso mehr Respekt pro Rennen einfahren. Hat eine Crew besonders viel Respekt vor dem Spieler, kann dieser sie zu Challenges herausfordern und damit Geld verdienen. Wer noch mehr Geld in kürzerer Zeit machen will, dem seien Duelle gegen andere Crews ans Herz gelegt. Aber Vorsicht:

Als Wetteinsatz hält das beste Fahrzeug des Spielers her! Verliert man das Rennen, verliert man seine Karre - und umgekehrt. Spieler, die auf jede Menge Nervenkitzel stehen können durch Duelle an freien Tagen im Event-Kalender die meiste Kohlerausholen, indem sie das gewonnene Fahrzeug verkaufen.

Tipps & Tricks:
Ihr wollt euren Fuhrpark tauglich für jede Klasse machen? Kauft euch einfach ein Fahrzeug der nächst niedrigeren Klasse und fahrt mit diesem so lange Rennen bis ihr alle Modifizierungsstufen freigeschaltet habt.

Versucht, noch möglichst lange in der niedrigeren Klasse zu bleiben (Per Feintuning die PS runterregeln) und versucht dann auf einmal die Grenze der nächsten Klasse zu erreichen.

So sackt ihr nicht nur leichter jede Menge Prämien und Wetten ein, sondern müsst euch auch nicht am unteren Ende einer Klasse mit HighEnd Boliden rumschlagen, denen ihr technisch unterlegen seid.

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In Juiced kommt es primär darauf an, mit seiner Crew erfolgreich zu sein. Nach und nach wird der Spieler von anderen Fahrern angerufen, die seiner Crew beitreten wollen. Besonders im späteren Verlauf der Karriere wird es spannend, wenn man zu zweit gegen andere Teams antritt. Während des Rennens steht man durchgehend mit dem anderen Fahrer in Verbindung und kann per Q oder W Taste bestimmen, wie aggressiv der Fahrstil des anderen Crewmitglieds sein soll.

Das ganze ist in drei Stufen unterteilt: Niedrig, Mittel und Hoch. Lässt man den Fahrer beispielsweise das ganze Rennen mit voller Risikobereitschaft durch die Straßen heizen, wird dieser

mit der Zeit und in brenzligen Situationen (er wird ausgebremst, andere Crews drängeln etc.) nervös und macht dadurch schneller Fehler. Damit das nicht passiert, kann man ihm Bescheid geben, dass er sich etwas defensiver verhalten soll. Falls er jedoch gerade äußerst nervös ist, empfiehlt es sich auch, ihm eine Pause zu gönnen und sich ein paar Plätze zurückfallen lassen, um sich wieder zu fassen und danach wieder mit voller Konzentration um die Kurven zu heizen.

Während der Karriere wird man vier Event-Typen begegnen: Rundkurs-Rennen, Von A nach B (Point 2 Point), Sprint-Rennen und Angeber-Events. Letzteres ist in Juiced einzigartig und
besonders spektakulär bei guten Fahrern anzusehen. Der Spieler wird ein Zeitrahmen gesetzt, in dem er mehr Punkte als seine Rivalen oder, im Arcademodus, eine Mindestanzahl an Punkten erreichen muss.

Doch nicht alles glänzt so schön wie frisch polierte Motorhauben aufgemotzter PS Boliden: Juiced hat auch seine Schwächen. So kommt nach mehreren Stunden, die man mit dem Karrieremodus verbracht hat, eine Frage auf: "Wieso fahr' ich eigentlich die ganzen Rennen?" Grund dafür ist der Mangel an einer Story, die sich durch die Karriere zieht. Leider leidet der Langzeit-Spielspaß massiv unter diesem Fakt und so verkommt der Karrieremodus eher zuTipps & Tricks: Klug Wetten

Ihr seid gerade eben auf ein neues Fahrzeug umgestiegen und könnt noch nicht mit den anderen Fahrern mithalten? Ihr kommt nicht zu Geld?

Wählt euch einfach den schwächsten Gegner aus und bemüht euch nicht erster zu werden, sondern gegen euren Wettpartner zu gewinnen. Sobald ihr eure ersten Tuningmöglichkeiten für das jeweilige Fahrzeug freigeschalten habt, könnt ihr euch dann schwereren Gegnern widmen und aufs Ganze gehen.

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einer durchgehenden Anhäufung von Events, gepaart mit Duellen und dem Einkaufen von neuen Vehikeln, die wiederum getuned werden, um mehr Geld für noch mehr Wagen und Mods zu bekommen. Ein sich ewig wiederholender Teufelskreis.

Abwechslung gesucht
Und was macht man, wenn man keine Lust mehr auf den immer gleichen Zyklus hat? Genau, man sucht sich eine Alternative. Diese stellt der Arcade Modus in Kombination mit den "angepassten Rennen" dar. Im Gegensatz zur Karriere muss man sich in diesem Modus nicht jedes Auto selbst erspielen, tunen und stetig verbessern, sondern kann direkt

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mit vorgefertigten Autos an den Start gehen. Es gibt elf Serien mit jeweils fünf Rennen bzw. Challenges, die der Spieler absolvieren muss. Schafft er vier Challenges oder gleich eine ganze Serie, winken neue Bonusstrecken und Fahrzeuge, mit denen man in angepassten Rennen fahren kann. Eine willkommene Abwechslung zum Karriere-Alltag.

Um genug Langzeitmotivation zu garantieren haben Juice Games ihrem Baby einen Online sowie LAN-Modus mit auf den Weg gegeben. Im Online Modus kann man sich sowohl in angepassten Rennen als auch mit den Fahrzeugen der Karriere heisse Rennen liefern und beispielsweise sogar Duelle gegen andere Spieler fahren, um deren Autos zu gewinnen.Wer lieber auf Nummer sicher gehen will, ist mit angepassten Rennen bestens beraten. Alle Fahrzeuge des Spiels sind nach PS in verschiedene Gruppen unterteilt und bieten so die gleichen Chancen für alle Teilnehmer. Besonders begabte Rennfahrer finden sich in der Rangliste wieder und können so mit ihren Erfolgen prahlen.

Schade ist jedoch, dass auch hier Potential verschenkt worden ist: So beklagen sich Spieler über die fehlende Chat(raum)funktion. Auch hätte man eine Crew- bzw. Clanfunktion einbauen können, um die Organisation bzw. Konkurrenzfähigkeit solcher Teams zu verbessern. Doch trotz allemTipps und Tricks: Vorsorgen leicht gemacht

Ihr wollt etwas Sicherheit haben, falls ihr in Duellen eure besten Wagen verliert oder eine Gewinnflaute habt? Versucht am Anfang einfach so lange wie möglich Duelle gegen TK zu fahren und knöpft ihm eine Karre nach der anderen ab! So bekommt ihr pro Sieg zwischen 20.000$ und 40.000$ und könnt euch ohne große Anstrengung ein finanzielles Polster für eure Crew sichern. Da tut ein verlorenes Auto nicht mehr ganz so weh.erweist sich der Multiplayermodus als stabil und spaßig, selbst die Kollisionsabfrage hat während unseres Tests gestimmt und Lag war nicht festzustellen. Prima!

Gegensätze ziehen sich an... Wieder mal bestätigt sich diese Weisheit aufs Neue: Besonders in punkto Grafik gibt es krasse Gegensätze. Zum einen wären da die wunderschönen Fahrzeugmodels und Reflexionen sowie gelungenen Wettereffekte zu nennen. Andererseits blickt man geschockt auf seinen Bildschirm, sobald man mit weniger als 50 km/h eine Strecke entlang saust. Die Zuschauer wirken äußerst detailarm und verwaschene Häusertexturen sind an der Tagesordnung. Definitiv nichts für Sonntagsfahrer der langsameren Sorte.

Wieso merkt man die verwaschenen Häusertexturen eigentlich nicht während dem normalen Spielen? Man kann das recht leicht auf den Blur-Effekt zurückführen, der ab Geschwindigkeiten über 150km/h einsetzt und das Bild leicht verzieht

und ein Gefühl von Geschwindigkeit vermittelt. Im Allgemeinen sieht Juiced jedoch klasse aus und muss sich nicht hinter Need for Speed Underground 2 verstecken.

Was uns jedoch auf ganzer Linie überzeugt hat, ist der Soundtrack zum rasanten Rennspektakel. Eine Mischung aus Rockmusik, schrillem Trance und House sowie HipHop. So findet man im Soundtrack unter anderem die Namen Xzibit oder die Shapeshifters wieder.

KEIN Arcade-Racer! ...oder doch?
Selten kann man sich über die Definition eines Arcade-Racers so streiten, wie bei Juiced. Eins ist klar: Juiced ist kein Gran Turismo der Tuning-Spiel. Dennoch ist das Spiel aus dem Hause Juice Games der realistischste Genrevertreter der letzten Jahre. Die Wagen besitzen ihre eigene Fahrphysik und Modifizierungen der Fahrzeuge nimmt man massiv wahr. Ein besonderes Schmuckstück sind die Motorensounds, die sich einfach nur klasse anhören und mit einem ordentlichen fahrbaren Untersatz

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richtige Adrenalinschübe während den Rennen bescheren.

Die ultimative Power unter der Motorhaube bringen Prototypen-Mods, die man in von Herstellern gesponsorten Specialevents erspielen kann. Wer sich im Karriere Modus eine Vielfalt an Autos tunen will, muss diese zwangsweise auch fahren: Neue Mods werden durch gewonnene Rennen freigeschaltet und sind in drei Stufen zu bekommen plus die vierte, Prototyp-Stufe. Damit das Auto sich nicht nur innerlich von anderen Boliden absetzt, können auch per Lack Akzente gesetzt werden. Vier verschiedene Lackschichten kann man hierbei seinem Vehikel verpassen und knallbunte Kreationen erstellen.

Und noch etwas Neues auf dem Gelände der Raser, Tuner und Angeber bringt Juiced mit sich: Die mehr als 50 lizensierten Wagen verfügen allesamt über ein Schadensmodell. Schade nur, dass dieses nicht so konsequent wie die Fahrphysik durchgesetzt wurde. So wirkt es bizarr, dass schon nach wenigen Kollisionen mit der Leitplanke ein Leck im Nitrotank entsteht, es jedoch Ewigkeiten benötigt bis die Lenkung auch beschädigt ist. So bekommt das Spiel dann doch noch einen Beigeschmack von einem Arcade-Racer.Pro&Contra

Wertung im Schnellueberblick:

Pro:
+ innovatives Wett- und Crewsystem + Schöne Fahrzeuge und Wettereffekte + Über 50 lizensierte Fahrzeuge mit eigener Fahrphysik + Toller Soundtrack + Menschliche Gegner-KI

Contra:
- Nicht konsequent durchgesetztes Schadensmodell - Wenig Langzeitmotivation im Karrieremodus (keine Story) - Gegner-KI hat teilweise Aussetzer - Dialoge nicht lippensynchronPro&Contra

Wertung im Schnellueberblick:

Pro:
+ innovatives Wett- und Crewsystem + Schöne Fahrzeuge und Wettereffekte + Über 50 lizensierte Fahrzeuge mit eigener Fahrphysik + Toller Soundtrack + Menschliche Gegner-KI

Contra:
- Nicht konsequent durchgesetztes Schadensmodell - Wenig Langzeitmotivation im Karrieremodus (keine Story) - Gegner-KI hat teilweise Aussetzer - Dialoge nicht lippensynchron