Deutschlands bislang wohl umfangreichste Studie zum Thema Eltern und Videospiele kommt zu einem ernüchterned Ergebnis: "Jugendschutz endet an der Haustür". Die Studie wurde von der Redaktion des auf Eltern und Familie spezialisierten Portals Videospielplatz.de durchgeführt. Dabei wurden rund 3600 Mütter und Väter mit Kindern im Alter zwischen 6 und 15 Jahren befragt. Das Ergebnis der zwischen August 2007 bis Juli 2008 angelegten Studie: Ein Großsteil der Eltern weiss nicht, was ihr Kinder so zocken und noch schlimmer: anscheinend wollen sie es auch nicht wissen.

Mit Deutschlands wohl größter Studie zur Rezeption von Video- und Computerspielen sollten unter anderem folgende Fragen beantwortet werden: Verstehen Eltern überhaupt das, was ihre Kinder an der Konsole oder dem PC spielen? Spielen die Eltern selbst mit ihren Kindern, falls ja, was? Das Fazit der Studie: Vielen Eltern fehlt die Sachkenntniss, die Sensibilität und auch das Interesse für die Thematik Videospiele. Dadurch können Kinder immer wieder unbehelligt und ohne Kontrolle zocken, was sie wollen. Der Mangel an Medienkompetenz der Eltern führt zu einem ungenügenden Jugendschutz.

"Trotz Zielgruppenerweiterung und Casual Boom fehlt in vielen Fällen ganz einfach der Wille, sich aktiv mit dem neuen Medium auseinander zu setzen", so Marco Schmitz, Chefredakteur des Magazins Videospielplatz.de und Herausgeber der Studie. "Wir haben in diesem Zusammenhang den Begriff der Interaktiven Kluft geprägt: Eltern neigen dazu, eine Distanz zwischen sich und den interaktiven Inhalten aufzubauen."

Gründe dafür sieht man auch in der Tatsache, dass sich viele Eltern schlichtweg überfordert fühlen. So sind etwa 90% der Mütter der Ansicht, dass sie durch die Medien unzureichend über die Inhalte von Videospielen aufgeklärt werden. Über die Hälfte der befragten Eltern spielen gar keine Video- oder Computerspiele mit ihren Kindern oder wissen überhaupt, was ihr Kind aktuell so zockt - mehr als drei Viertel beobachten ihre Kinder gar nicht beim spielen.

"Die heutige kulturelle Debatte ist vergleichbar mit den 50er und 60er Jahren. Damals konnte man sagen: Rockmusik verteufeln, aber nur Platten von Heintje im Schrank", so Marco Schmitz. "Überspitzt formuliert: Die Rebellen von damals sind die Zukunftsverweigerer von heute. Im Grunde bräuchten wir Videospielkurse für Eltern."

Aufschlussreiche Ergebnisse, decken sie doch gravierende Schwächen der Gesellschaft im Umgang mit dem neuen Medium auf. Auf der einen Seite werden Spiele immer wieder verteufelt und als alleiniger Grund für schlechte Schulleistungen, mangelnde soziale Kompetenz oder gar reale Gewalttaten dargestellt. Auf der anderen Seite, wenn es nicht nur darum geht mit dem moralischen Zeigefinger zu wedeln sondern sich aktiv mit der Herausforderung "Jugendschutz" auseinanderzusetzen, scheint das Interesse an der Thematik doch arg zu leiden.