In Deutschland ist das Bewusstsein für Internet- und Onlinesucht noch nicht all zu weit gereift. Blickt man aber über den großen Teich nach Amerika, so macht sich dort ein ganz neues Problem breit: Immer mehr Kinder und Jugendliche probieren "digitale Drogen" aus.

Drogen in digitaler Form? Nein - das ist keine Science Fiction. Das Musik eine entspannende Wirkung haben kann, ist landläufig bekannt. Seit einigen Jahren gibt es ebenfalls wissenschaftliche Belege dafür, dass sich mit bestimmten Frequenzbereichen ganz gezielte Wirkungen im Gehirn erzeugen lassen. Hieraus entstand zunächst "Entspannungsmusik". Für den oberflächlichen Hörer klingt das, wie eine seltsam anmutende, recht schräge, wiederholende Tonfolge ohne sinnvollen Zusammenhang. Man könnte es fast "Katzenmusik" nennen.

Die Wirkung, die diese Frequenzen im Gehirn auslösen, kann jedoch fatal sein. "Digitale Drogen" sind Audiodateien, die beim Konsumenten Rauschzustände, Euphorie oder tiefe Entspannung auslösen können. Denn es werden durch diese auditive Stimulation die gleichen Neurotransmitter im Gehirn ausgestoßen, wie beim Konsum von echten Drogen.

In den USA laufen bereits Jugendschutzorganisationen und Elternverbände Sturm gegen diesen neuen Trend des "virtuellen Kicks". Gegenüber dem US-Nachrichtenportal NewsOn6 sagte Mark Woodward, Sprecher des Oklahoma Bureau of Narcotics and Dangerous Drugs: "Die Kinder werden in Scharen auf diese Seiten strömen, nur um selbst zu sehen, was es mit diesen digitalen Drogen auf sich hat".

Auf Youtube lassen sich bereits einige Videos finden, in denen sich Jugendliche beim Konsum dieser digitalen Drogen darstellen, sowie auch einige kostenlose Hörproben, mit denen die Kids angelockt werden, um dann entsprechende CDs oder Abonnements zu erwerben.

Die Anbieter dieses virtuellen Kicks für's Hirn machen Werbung damit, dass man mit ihren Audiodateien "sicher und legal high werden" könnte. Es fehlt dabei völlig an Warnhinweisen, die über die Auswirkungen von Drogenkonsum informieren. "Das Interesse an diesen Angeboten lässt eine gesteigerte Bereitschaft erkennen, auch mit echten Drogen zu experimentieren", so Woodward.

"Gerade bei Jugendlichen sind Neugier und die Lust zu Experimentieren sehr weit verbreitet. Im vorliegenden Fall muss das aber nicht eins zu eins bedeuten, dass jemand, der eine dieser 'digitalen Drogen' konsumiert, später auch zu anderen echten Drogen greift", so Artur Schroers, Leiter des Instituts für Suchtprävention der Sucht- und Drogenkoordination Wien in einem Interview.

Es ist allerdings nicht sicher, ob ein Jugendlicher durch den Konsum digitaler Drogen auch tatsächlich eine Sucht entwickelt. Dies hängt schließlich von einer Vielzahl von Faktoren ab, wie z. B. dem Elternhaus, dem sozialen Umfeld und der Persönlichkeitsstärke des Konsumenten.

Bedenkt man nun die Verbreitung von MP3-Playern und die Leichtigkeit mit der digitale Drogen beschaff- und verbreitbar sind, so könnten sie sich auch hierzulande in den nächsten Jahren zu einem größeres Problem entwickeln.