Ihh, Kakerlaken!!! Wo ist der nächste Stuhl auf den ich springen kann? Das könnte man wohl denken, wenn von diesen kleinen Tierchen die Rede ist. Doch mit ihren großen Glubschaugen und der trottelig niedlichen Art und Weise in Journey of a Roach kann man gar nicht anders, als sie gern zu haben.

Die Welt steht Kopf

Die Erde liegt in Schutt und Asche, ein Atomkrieg hat die Menschheit ausgelöscht. Mitten in der ausgestorbenen Landschaft wächst eine einzelne Blume – und erweckt prompt die Zuneigung von Bud, einer ziemlich blauäugigen, ramponierten und mutierten Kakerlake. Mit dem Grünzeug kommt auch gleich alles ins Rollen, wortwörtlich. Auf seinem Weg zu seinem Freund, um ihm von seiner bahnbrechenden Entdeckung zu erzählen, wird Bud nämlich von einem Fass überrollt und eingeklemmt. Und Jim, seinerseits Hauptcharakter, darf ihn retten. Das ist jedoch nicht das einzige und vor allem letzte Mal, dass man Jims Buddy aus der Klemme helfen muss.

Journey of a Roach - Krabbel um dein Leben! Die Kakerlaken stellen die Welt auf den Kopf

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Die handgezeichneten Zwischenszenen sind doch wirklich niedlich.
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Unterwegs durch einen unterirdischen Schutzbunker muss man nicht nur Kindergärtner in einem Fliegenkindergarten spielen, sondern sich auch gegen Ameisensekten zur Wehr setzen. Und das bisweilen sogar kopfüber. Kakerlaken können schließlich auch an Wänden und Decken krabbeln. Bedenkenlos verlässt man den Fußboden und es eröffnen sich neue Perspektiven in luftigen Höhen. Praktischerweise dreht sich die Kamera mit Jim mit, so dass es sich immer anfühlt, als würde er auf dem Boden stehen und nicht an der Wand. Anfangs ist das Kippen der Ansicht noch komisch, als würde man in einem Würfel sitzen, der ständig geworfen wird, doch nach den ersten Rätseln gewöhnt man sich automatisch an den Wechsel.

Durch das Nutzen aller Ebenen werden auch die Knobeleien interessanter. Journey of a Roach ist nicht nur Einsammeln von Gegenständen. Es ist Einsammeln von Gegenständen auf den Kopf gestellt. Die Rolle Garn auf dem Stapel Kartons ist zu weit weg, um sie zu erreichen? Kein Problem für Jim. Über die Wand auf die Zimmerdecke und schon gibt’s den nächsten Gegenstand fürs Inventar. Doch das ist nur die halbe Miete. Sie „sinnvoll“ zusammenzusetzen, eine ganz andere. Wer kombiniert denn bitte schön für einen Burger einen Topflappen als Salatblatt mit Tafelschwammbrötchen?

Plakate an Wänden helfen da schon ganz gut. Sprech- oder Denkblasen noch besser. Die einzige Kommunikation im Spiel funktioniert nicht nur unter den Insekten, sondern auch mit dem Spieler selbst. Mal sind die Bildanweisungen simpel von „Fang die Fliegenkinder ein“ bis verwirrend mit „Schraub dem Glühwürmchen eine Glühbirne in den Hintern“. Da fragt man sich nicht nur einmal: Was willst du von mir, Jim?

Journey of a Roach - Krabbel um dein Leben! Die Kakerlaken stellen die Welt auf den Kopf

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Auf dem Boden, den Wänden, der Decke. Journey of a Roach macht sich alles zunutze.
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Und obwohl sich manche Aufgaben erschreckend einfach erkennen lassen, muss man meist drei Schritte weiter denken, bevor man sie lösen kann. Das Quietscheentchen ist im Käfig – Käfig abgeschlossen – suche Schlüssel – die Ameise hat den Schlüssel – lenke fastfoodsüchtige Ameise mit einem Burger ab – brauche Zutaten dafür: doch woher? Man erkennt das Ziel, doch sieht die Mittel nicht, um es zu erreichen. Es ist ein Suchen über Stock und Stein, eher Wände und Decken, nach dem gewünschten Gegenstand und manchmal ein wildes Kombinieren im Inventar. Wirft man jedoch einen aufmerksamen Blick auf die 3D-Umgebung liegen die Schlussfolgerungen klar vor einem... und wenn man die Zapfanlage nicht urtümlicher Weise für einen Ventilator hält.

Ein Spiel ganz nach Deponia-Art: witzig, skurril, verrückt. Mit kreativem Spielprinzip an Wänden und Decken entlang.Fazit lesen

Spaß machen dabei nicht nur die Rätsel, die so wunderbar an die Insekten angepasst sind, sondern auch diese selbst. Eine Spinne, die Kindergärtnerin für Fliegen ist? Eine Motte, die das Licht scheut? Oder ein Haufen Ameisensoldaten, die sich einem atomaren Kult verschrieben haben? Wenn ich als Mädchen auch eine „winzige“ Phobie gegen Ameisen besitze, so haben mir diese doch in Journey of a Roach wirklich Freude gemacht, mit ihren riesigen Gasmasken sahen die nämlich schon viel netter aus. Und mittendrin im ganzen Gewusel ist natürlich Hauptcharakter Jim. Die putzige Kakerlake, die für ihre Grünäugigkeit nicht umsonst diese Augenfarbe bekommen hat, bespaßt einen nicht nur über die Denkblasen, wenn sie den Besen lieber zum Rücken kratzen benutzen will, als Bud aus dem Spinnennetz zu befreien.

Auch die liebevoll handgezeichneten Zwischensequenzen sorgen für ein Lächeln auf den Lippen. In ausreichender Anzahl sind sie über das ganze Spiel verteilt und zeigen die Storyelemente besser, als es die 3D-Umgebung gekonnt hätte. Die ist übrigens auch eher eine Mischung aus 3D-Elementen und gezeichneten Comicbestandteilen. Der erste Umstieg aus dem Intro in die Spielwelt fällt wegen der Stilveränderung auch etwas holprig aus. Dadurch sieht Jim an manchen Stellen etwas „eingesetzt“ aus, weil er nicht so richtig mit der Welt des Spiels verschmelzen will. Die Zwischensequenzen wirken dagegen immer sehr stimmig und passend zur skurrilen Art von Journey of a Roach.