Das Adventure von bitComposer Games basiert auf Robert Louis Stevensons bekanntem Roman über einen Professor, der sich durch seine Forschung in ein ungezügeltes Monstrum verwandelt. Und genauso zwiegespalten wie seine Hauptfigur sind auch wir von unserem Ersteindruck…

Das Labyrinth unter London

London zur viktorianischen Zeit des 19. Jahrhunderts. Die Stadt gleicht einem Moloch, und eine schreckliche Seuche rafft die Ärmsten der Armen dahin. Das interessiert die meisten der Obrigkeit jedoch einen feuchten Dreck, nur ein findiger Arzt namens Dr. Henry Jekyll nimmt den Kampf gegen die Krankheit auf. Bei seiner Forschung stößt er jedoch auf ein Serum, das er an sich selber ausprobiert – und das seine Urinstinkte weckt. Er verwandelt sich in den hünenhaften und bärig starken Mr. Hyde.

Jekyll & Hyde - Das Horror-Adventure ist so zwiegespalten wie seine Hauptfigur

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 64/691/69
Tristesse: In die Katakomben unterhalb Londons verirrt sich nur selten ein Lichtstrahl.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Soweit ist ja noch alles so halbwegs mit der Vorlage in EInklang. Doch dann schlägt das Adventure einen komplett anderen Weg ein: Es geht nicht um den Verlust der Menschlichkeit und den Kampf gegen die eigenen Instinkte, sondern um die banale Erforschung eines riesigen Tunnel- und Höhlensystems, voller Geheimnisse und Rätsel unterhalb Londons. Durch einen alten Brunnen geratet ihr plötzlich und unversehens in das gewaltige System aus merkwürdigen Treppen, griechischen Tempeln und unterirdischen Vulkanen – und dürft loserkunden.

Vielen Menschen werdet ihr dort unten nicht begegnen. Ihr erforscht als Dr. Jekyll die rätselhaften Locations, sammelt dort unten Dinge ein und müsst alle naslang Schalterrätsel in Form von Schiebepuzzeln und ähnlichen Logikaufgaben knacken. Immer wieder müsst ihr euch dabei mit Hilfe eures Serums in Mr. Hyde verwandeln, da der über eine ganz andere Physis verfügt und ihr nur so bestimmte Aufgaben wie das Verschieben von schweren Felsblöcken erledigen könnt. Zusätzlich zu diesen bekannten Adventure-Elementen hebt sich das noch durch Plattform-Elemente von den Genre-Kollegen ab.

Jekyll & Hyde - Das Horror-Adventure ist so zwiegespalten wie seine Hauptfigur

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 64/691/69
Die Geschichte basiert nur lose auf der Romanvorlage.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ihr steuert also eure animierten Figuren entweder direkt über Controller oder Tastatur oder indirekt über Mausklicks durch die unterirdischen Gänge einer 3D-Welt. Oder Pseudo-3D, denn dadurch, dass euch die Kameraposition immer fest vorgegeben wird, werdet ihr doch stark eingeschränkt.

In der unterirdischen Rätsel-Welt gibt es immer wieder tiefe Abgründe, die übersprungen werden müssen, tödliche Fallen, für die ihr Geschicklichkeit braucht, und Passagen, wo ihr nur auf allen vieren vorankommt. Die meiste Zeit seid ihr aber am Rätseln, müsst verstreute Gegenstände finden und kombinieren, euch in Labyrinthen zurechtfinden oder mit Hilfe eures tragbaren Mini-Labors Tränke brauen.

Soweit so vielversprechend. Wir durften diese Ausgangslage in einer Preview-Version des Spiels bereits intensiv testen, sind von einigen Dingen begeistert - sehen aber auch noch an vielen Stellen die Notwendigkeit zu deutlichen Nachbesserungen.

Die schönen und die schrecklichen Seiten von Jekyll und Hyde

Fangen wir mit den wirklich gelungenen Dingen an: Für die Sprachaufnahmen wurden bekannte Synchon-Stimmen vor dem Mikrofon versammelt. Die Profis schaffen es auch, nicht in die typischen falschen Spiel-Betonungen zu verfallen, sondern liefern einen erstklassigen, stimmungsvollen und atmosphärischen Track ab. Unterstützt wird das von sehr gelungener Hintergrundmusik, die Spannung erzeugt und sich beispielsweise auch verändert, wenn ihr euch von Jekyll in Hyde verwandelt. Vorbildlich!

Jekyll & Hyde - Das Horror-Adventure ist so zwiegespalten wie seine Hauptfigur

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 64/691/69
Die Grafik birgt noch Verbesserungspotenzial.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Der Rest überzeugt jedoch eher durch Verbesserungs- und Frustpotenzial. Die Zwischensequenzen sind vermutlich (hoffentlich) noch Platzhalter, denn derart stümperhaft gekritzelte Figuren machen keinen Spaß und verderben einem schon vorab jegliche Laune auf das Spiel. So richtig in den Keller rutschte die Laune des Testers dann, als er (trotz zeitgemäßem PC) Grafikdetails und Auflösung ganz herunterschrauben musste, um das Spiel zu einer einigermaßen flüssigen Zusammenarbeit zu überreden; ansonsten sahen zwar die Grafiken schicker und natürlich schärfer aus, aber gleichzeitig bewegte sich der Mauszeiger wie auf Valium. Frust-Level +1, aber gut, da wird die finale Version sicherlich noch ordentlich aufpoliert werden.

Die Grafik sieht ganz OK aus, aber da hat man auch schon deutlich schickere Titel auf dem Bildschirm gehabt. Besonders die Hauptfigur und ihre Animationen wirken leblos, ungelenk und öde, sodass wir auch hier noch auf eine Komplettüberarbeitung hoffen. Dafür sind einige der Kameraperspektiven und vor allem die Perspektv-Wechsel ganz gut gelungen, was die Optik angeht – aber nicht unbedingt die Spielbarkeit.

Stimmungsvolle Musik, spannender Story-Ansatz - beim Rest müssen die Entwickler noch etwas nachbessern.Ausblick lesen

Die Spielbarkeit und vor allem die Steuerung sind es nämlich, die den Frust-Level rasant in ungeahnte Höhen schnellen lassen. Es sind nämlich nicht die (überwiegend einfachen) Rätselnüsse, bei denen man nicht weiterkommt, sondern Probleme in der Handhabung, die den Blutdruck steigen lassen.

Die indirekte Maussteuerung über Klicks vergisst man schnell, da man so kaum eine

Jekyll & Hyde - Das Horror-Adventure ist so zwiegespalten wie seine Hauptfigur

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 64/691/69
Auch an der Steuerung sollte noch geschraubt werden.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Chance hat, die Hüpferei zu meistern. Aber auch die direkte Steuerung über die Tastatur ist nicht das Optimum, durch die Kamera-Wechsel und eigenartige gewählte Perspektiven gehen auch hier die Sprünge immer wieder am Ziel vorbei und landen in der Grube – beziehungsweise am Rücksetzpunkt. Als nicht hilfreich erweist es sich dabei, dass Jekyll überhaupt keine eigene Intelligenz besitzt und es immer irgendwie Glücksache ist, ob er nun eine Gratwanderung hinlegt oder doch runterfällt.

Na gut, tausend Tode später hat man den einfachen Sprung über einen kleinen Abgrund dann geschafft, da wartet dann schon das nächste Ärgernis in Form einer Pendelfalle. Hier wird einem besonders deutlich, wie missglückt diese Actionelemente doch sind: Die Optik ist irreführend und verleitet immer wieder dazu, dass man sich verschätzt. Prima, denkt man sich, die pendelnden Riesenklingen sind noch einen Meter weg, hier stell ich mich mal hin und warte darauf, dass sie vorbeischwingen, damit... zack, Jekyll tot. Auch Feuer werdet ihr hassen lernen – das knistert irgendwo, ihr denkt, ihr könnt da locker vorbei gehen, brutzel brutzel, Jekyll-Toast.

Jekyll & Hyde - Das Horror-Adventure ist so zwiegespalten wie seine Hauptfigur

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 64/691/69
Vor Frust versteinert: Derzeit läuft Jekyll & Hyde noch recht unrund.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Der Frustfaktor steigt ins Unermässliche, wenn ihr euch nach dem x-ten derartigen Spieltod nicht nur vom Programm verarscht fühlt, sondern gerne auch mal an weit entfernte Rücksetz- oder Speicherpunkte platziert werdet. Am besten noch vor die gerade erst mühsam bewältigte Hüpf-Passage. Also nein, dann lieber entweder ein gemütliches Point-and-Klick-Adventure, oder richtige, faire Plattformaction mit einem entsprechenden Titel.

Und von der Kollisionsabfrage will ich gar nicht erst anfangen: Warum Jekyll im Kriechgang beispielsweise manchmal einfach nicht weiterkommt oder dafür an anderer Stelle plötzlich und unvermittelt abstürzt, ist ein Rätsel für sich. Aber keines, das ich gerne lösen möchte...