Es ist schon ein Kreuz mit den Frauen... Irgendwie scheint sich jeder Publisher mit dem weiblichen Geschlecht schwer zu tun: Entweder schiebt man den Mädels ein paar rosafarbene Spiele zu, in denen sie ihrer angeborenen Lust auf Styling und Mode freien Lauf lassen können, oder man versucht die Diätsüchtigen mittels diverser Health’n’Lifestyle-Produkte zu mehr Fitness vor dem Fernseher zu bewegen – wir Männer wissen ja, dass Frauen sich ständig über ihr Gewicht beschweren.

Was klingt wie der Beginn einer humorlosen Klischeezote aus dem Hause Barth ist leider bittere Realität auf dem Spielemarkt: Immer wieder versuchen Publisher die weibliche Zielgruppe in den Kaufreizkortex zu treffen und immer landen sie meist nur bei den üblichen Stereotypen, die eigentlich längst in die Mottenkiste der Geschlechterdiskussion gehören. Dass Frauen vielleicht auch einfach Gefallen an gehobener Action in Form von Uncharted 2 oder Assassin’s Creed 2 haben könnten, scheint nur den wenigsten in den Chefetagen einzuleuchten.

Kojak auf Koks

So ist auch schon bereits im Titel klar, auf was James Patterson’s Women’s Murder Club: Tod und Schönheit hinaus will. Krimis sind ja auch meist so ein Frauending – dachte man zumindest bei den Verantwortlichen dieses Games, das sich einerseits auf den mir unbekannten Krimi-Autoren James Patterson sowie das bereits für den PC erhältliche Spiel Women's Murder Club: Death in Scarlet beruft.

James Patterson: Women's Murder Club - Tod und Schönheit - Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett

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Bereit für ein neues Abenteuer? Nee, lass mal.
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Gegen einen guten Krimi ist ja an sich nichts einzuwenden und gerne dürfen es auch smarte Protagonistinnen sein, welche sich um die Klärung von mysteriösen Mordfällen bemühen. Gegen Women’s Murder Club wirkt jedoch selbst die furchtbar dröge TV-Serie Mord ist ihr Hobby wie der juvenile Kojak auf Koks.

Denn Women’s Murder Club ist langweilig, einfallslos und irgendwie auch sehr befremdlich. Im Grunde ist das ganze Spiel ein auf ein paar wenige Stunden ausgedehntes Suchbild – oder Wimmelbild wie es meist unter den Casual-Fans genannt wird. Die gibt es ja bereits im Internet in Hülle und Fülle, da war es nur eine Frage der Zeit, bis der Hype auch die Konsolen erreicht. Ein mysteriöser Mord ist also geschehen und was macht die Protagonistin als erstes? Spurensicherung, Obduktion, Zeugenbefragung? Nichts davon – sie räumt erst einmal auf.

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Finde dies, suche das. Women’s Murder Club wendet sich an Leute, die täglich ihre Schlüssel suchen und daran Spaß haben.
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So muss man zunächst solch sinnvolle Dinge wie das „Kreuzkartensymbol“ (kein Scherz) auf dem Bildschirm suchen, um überhaupt weiter machen zu können. Das Ganze hat dann weder etwas mit dem Fall, der Story oder irgendeiner Logik zu tun. Der Tatort sieht durch die wirre Optik eher wie das Kunstwerk eines verrückten Landart-Künstlers aus denn wie der Schauplatz eines Verbrechens.

Augenkrebs für Tüchtige: Der Women's Murder Club ist ein simples Werk ohne Substanz und Inhalt, aber mit vielen Wimmelbildern.Fazit lesen

Hat man erst einmal aufgeräumt, wollen einfache Fragen beantwortet werden wie etwa: Wie flüchtete der Täter? Die Fahrradspuren ragen fast schon plastisch aus dem Bild hervor.

Versagen unmöglich

Eigentlich ist Women’s Murder Club eine Beleidigung. Das Game geht davon aus, dass jeder Spieler über eine eher unterdurchschnittliche Intelligenz und Kombinationsgabe verfügt, denn nicht nur wird immer wieder das Offensichtliche erklärt, zudem wird auch bei einfachsten Aufgaben noch viel Schützenhilfe geleistet. Versagen unmöglich, es sei denn mutwillig – Leistungsverweigerung wird zu einer viel versprechenden Option.

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Wie alles im Women’s Murder Club ist auch die Befragung von Zeugen eine eher mäßig anstrengende Aufgabe.
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Die simplen Aufgaben wären noch verzeihlich, wenn die Geschichte wenigstens Spannung und Thrill bieten würde – dann könnte man Women's Murder Club vielleicht als eine Art interaktiven Krimi verstehen, schließlich wird der DS wie ein Buch senkrecht gehalten. Doch leider bietet die Story durch die dämlichen Dialogen ("Der steht so schnell nicht wieder auf." – "Das ist auch gut so. Das würde sonst verdammt viel Papierkram bedeuten"), einen unglaubwürdigen Twist und Charaktere ohne jegliche Tiefe absolut nichts, was einen bei der Stange hält. Bereits nach dem ersten Mord ist man bedient und will eigentlich gar nicht wissen, was der titelgebende Frauenclub so in seiner Freizeit macht.

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Wer keine Lust mehr auf Wimmelbilder hat, kann sich die Augen zusätzlich mit dem viel zu kleinen Mahjong-Brett verderben.
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Dazu gibt es technische Unzulänglichkeiten, die dem Ganzen den Rest geben: Das Klicken auf den Bildschirm klappt nicht immer ganz akkurat und so kann es schon mal zwei oder drei Versuche dauern, bis der DS auf das beharrliche Tippen reagiert. Animationen, Sprachausgabe – Fehlanzeige. Immerhin: Die Grafik ist ganz nett.

Ein weiterer Pluspunkt für DSi-Besitzer: Man kann für ein paar Fälle die verlangten Gegenstände mittels der DSi-Kamera fotografieren und so zum Beispiel den finsteren Nachbarn aus dem Apartment gegenüber zum Mordverdächtigen und das heimische Stück Seife zur Tatwaffe adeln. Mehr davon wäre begrüßenswert gewesen, rettet aber nicht das Spiel.