James Bond: Liebesgrüße aus Moskau (PSP Review)
von Patrick Streppel

Bond, James Bond - im Namen seiner Majestät kämpft Englands bekanntester Geheimagent erstmals auf der PSP. Die Umsetzung des letztjährigen Xbox- und PS2-Titels hat rund fünf Monate in Anspruch genommen, doch wurden auch die Schwächen des Originals beseitigt?

Aus Mangel an Konkurrenz ist Liebesgrüße aus Moskau trotz Kameraproblemen einen Blick wert.

Was macht man als Spiele-Hersteller, wenn zur teuer erworbenen Lizenz kein aktueller Film in die Kinos kommt und der zentrale Hauptdarsteller vor kurzem gefeuert wurde? Sicher, Spiele zu Bond-Filmen basieren schon seit einiger Zeit nicht mehr auf den Kino-Abenteuern der Serie (vom unsäglichen GoldenEye: Rogue Agent mal abgesehen waren sowohl Agent under Fire, Nightfire und auch Everything or Nothing eigenständige Werke), doch Bond-Star Pierce Brosnan stand stets im Mittelpunkt der mittelmäßig bis prächtigen Actionspiele (wiederum abgesehen von Rogue Agent).

Während im Kino bereits der nächste Bond-Darsteller in den Startlöchern steht, rekrutierte EA keinen geringeren als Alt-Star Sean Connery um nach GoldenEye den zweiten Film-Klassiker zu neuem Leben zu erwecken. Liebesgrüße aus Moskau ist zugleich auch der zweite Film der legendären Agenten-Serie und trotz der deutlich schnörkelloseren Action für viele Fans noch immer der Favorit.

James Bond: Liebesgrüße aus Moskau - Liebesgrüße für die PSP! Gelungene Umsetzung oder fader Shooter?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 44/491/49
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die realistische Erzählweise im Stil von Ian Flemmings Buch-Vorbild und der Verzicht auf spektakuläre Effekte lassen Liebesgrüße aus Moskau eine Sonderstellung zukommen - schade, dass neben dem 60er-Jahre Stil der Sets und der groben Storyline davon nur wenig ins Spiel übernommen wurde.

Packshot zu James Bond: Liebesgrüße aus MoskauJames Bond: Liebesgrüße aus MoskauErschienen für GameCube, PS2 und XBox kaufen: Jetzt kaufen:

Zerhackte Story
Die Geschichte des Kinofilms bringt James Bond (Connery) nach Istanbul, wo er die Lektor, eine russische Dekodiermaschine, entwenden soll. Die schöne Botschaftsangestellte Tatiana Romanova möchte das begehrte Gerät dem MI6 ausliefern, wenn sie dafür von ihrer geheimen Liebe, 007, in den Westen gebracht wird.

James Bond: Liebesgrüße aus Moskau - Liebesgrüße für die PSP! Gelungene Umsetzung oder fader Shooter?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 44/491/49
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Im typischen Stil der Filme ist jedoch nichts wie es scheint und eine viel größere Bedrohung lauert im Hintergrund: Die Geheimorganisation SPECTRE will die russischen und britischen Geheimdienste gegeneinander ausspielen und dabei den verhassten Superagenten aus dem Weg räumen.

Als Spieler bekommt man die Verbindung zum Film zunächst gar nicht mit, denn die ersten und letzten Level von Liebesgrüße aus Moskau haben mit der eigentlichen Handlung nicht viel zu tun. So schützt man zu Beginn die Tochter des britischen Premierministers vor einem Anschlag, bevor es überhaupt nach Istanbul geht.Und während das Finale des Films im Spiel völlig entstellt wurde, steht dort ein unspektakulärer Besuch in der Zentrale der feindlichen Organisation an. Interessant auch, dass Schlüsselszenen wie die berühmte Hubschrauber-Verfolgung im Spiel keine Verwendung finden. Wie schon bei GoldenEye: Rogue Agent ist die Story also insgesamt eine Enttäuschung, da die Umsetzung zum Videospiel mit zu vielen Kompromissen verbunden ist.

Alles oder Nichts 2
Dabei basieren große Teile des Spiels auf dem bislang besten Bond-Abenteuer, Everything or Nothing.

Auch wenn ein anderes Team dahinter steht, EAs zweiter 3rd-Person-Titel verwendet die leicht aufgebohrte Engine des rund zwei Jahre alten Vorgängers, steuert sich nahezu identisch und bietet ein ähnliches, simpel-actionlastiges Gameplay, auch wenn die Bandbreite der Missionen wesentlich eingeschränkter ist.Wer sich an jene beeindruckenden Szenen erinnert, in denen Pierce Brosnan mit glühendem Mündungsfeuer brennende Hochhäuser oder Wasserfälle herunterstürzt, wie Kollege Fisher durch Ruinen schleicht oder mit dem Panzer durch eine Siedlung brettert, der wird von Liebesgrüße aus Moskau enttäuscht sein. Hier wird meist schnörkellos geballert und nur gelegentlich lockern Sniper- oder Abseil-Sequenzen, kleinere Rätsel oder Bond-Tools den Spielverlauf auf. Doch auch dort hat man verschlimmbessert: Obwohl der Q-Copter - ein Minihubschrauber, der die Gegend auskundschaftet und auf Knopfdruck Gegner mit einer Explosion vernichtet - oder das Jetpack eine Menge Spaß machen, setzt man sie doch im Spielverlauf viel zu selten ein.

Mag sein, dass diese Schlichte Art dem Filmvorbild entspricht, für ein Bond-Spiel wirkt die Action aber hierdurch schlicht zu austauschbar.

James Bond: Liebesgrüße aus Moskau - Liebesgrüße für die PSP! Gelungene Umsetzung oder fader Shooter?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 44/491/49
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das soll nicht heißen, das Liebesgrüße aus Moskau schlecht ist: Manch kurze, aber prägnante Filmszene wie der Diebstahl der Lektor ist gelungen in ein komplexes Level umgesetzt worden und die gelegentlichen "Bond-Momente", in denen beispielsweise ein explodierendes Fass eine halbe Armee zerlegt, wirken trotz ihrer Einfachheit reichlich cool. Die zahlreichen, komplett vertonten Zwischensequenzen sorgen für Atmosphäre und zahlreiche Script-Ereignisse lockern die Missionen auf. Eine positive Neuerung ist auch der Fokus-Modus, in dem vom Auto-Aiming in ein manuelles Zielsystem gewechselt wird.

James Bond: Liebesgrüße aus Moskau - Liebesgrüße für die PSP! Gelungene Umsetzung oder fader Shooter?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 44/491/49
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Mit dem Analog-Stick ist es so möglich, Gegner mit einem Kopfschuss auszuschalten, Funkgeräte zu deaktivieren oder gar eine Granate zur Explosion zu bringen - bei Erfolg wird dies mit Bonus-Punkten belohnt.

War der Fokus-Modus in der Konsolen-Version ein nettes, aber weitestgehend überflüssiges Gimmick, zwingt die Munitionsknappheit in der PSP-Fassung zum häufigeren Einsatz. Allerdings kann sich Bond beim fokussieren nicht bewegen und auch die schwammige Steuerung macht das ganze nicht gerade einfach.Bond PSP
Ohnehin leidet die Umsetzung des Spiels an den üblichen Schwächen von Sonys Handheld. Durch das Fehlen eines zweiten Analog-Sticks wurde die Kamera-Steuerung auf die Quadrat- und Kreis-Tasten gelegt, was leider unpräzise und nur langsam funktioniert. Das Auto-Aiming vermeidet zwar die gröbsten Probleme, so richtig perfekt ist die automatische Kamera aber nicht. Während Syphon Filter: Dark Mirror gerade vorgemacht hat, dass eine speziell für die PSP entwickelte Kamerasteuerung auch ohne zweiten Stick auskommt, nervt Liebesgrüße aus Moskau öfter mal mit der falschen Perspektive - vor allem in engen Räumen oder bei einer Überzahl an Gegnern. Als schwierig empfanden wir auch die Sniper-Missionen, in denen wir manuell mit dem Stick zielen. Die zu langsam und doch ungenau eingestellte Steuerung macht Treffer jedoch zur Geduldsprobe und nicht selten verlieren wir die zu beschützende Person nur aufgrund dieser Problematik.Schade ist, dass für die PSP-Version auf die spannenden Fahrzeug-Abschnitte der größeren Konsolen-Brüder verzichtet wurde. Hierdurch büßt das Spiel nicht nur Abwechselung, sondern auch Länge sowie einige Plot-Points ein. Acht Missionen sind übrig geblieben, die gut sechs Stunden bei Laune halten.

Danach können zwar die gleichen Level mit verschiedenen Minigames wiederholt werden - ein Rennen mit dem Q-Copter oder dem snipen einer bestimmten Gegnerzahl innerhalb des Zeitlimits - ein richtiger Ersatz sind diese Herausforderungen aber nicht. Auch der Mehrspielermodus kann wenig begeistern, da die Level klein sind und das Gameplay zu unausgewogen ist. Egal ob Deathmatch oder Domination, mit Jetpack oder ohne, das Auto-Aiming sowie der Radar machen die Duelle zur anspruchslosen Ballerei, die schnell langweilig wird.

In Punkto Grafik hat Liebesgrüße aus Moskau die Umsetzung gut überstanden!

James Bond: Liebesgrüße aus Moskau - Liebesgrüße für die PSP! Gelungene Umsetzung oder fader Shooter?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 44/491/49
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Texturen sind zwar deutlich weniger detailreich als in der Konsolen-Fassung, können sich aber durchaus sehen lassen. Der 60er-Look der Level ist erfrischend anders, die Szenarien erinnern durchaus an die Film-Sets und auch die Charaktere - allen voran Sean Connery - sind gut getroffen. Schade nur, dass die Sprachausgabe nicht den Erwartungen entspricht - selbst Connery spricht seine Sätze reichlich unmotiviert. Auch die Soundeffekte sind relativ belanglos, so dass lediglich die Musik in Punkto Sound positiv hervorsticht. Die Level wurden auf dem Handheld übrigens in kleine Häppchen zerteilt, die mit einem Checkpoint, jedoch keinem Speicherpunkt versehen sind.