Ob Dr. Kawashimas Gehirnjogging, Animal Crossing oder Nintendogs - all diese Spiele erschienen nicht nur für Nintendos DS-System, sondern sie verfügen auch über ebenso simple wie außergewöhnliche Spielkonzepte. In diese Liste innovativer Spiele-Hits versucht sich nun auch Jam Sessions einzureihen. Ob der Titel jedoch wirklich rockt, klären wir in unserem Test.

Die Gitarre für die Hosentasche
Jam Sessions verwandelt euren NDS in eine Art Gitarre und funktioniert dabei denkbar unkompliziert. Nehmt ganz einfach euren Stylus in die Hand und zupft die Saiten. Dank der Touchscreen-Technologie braucht man dazu kein externes Spielzeug. Das Steuerkreuz dient währenddessen dazu, einen von acht gleichzeitig verfügbaren Akkorden auszuwählen. Per linker Schultertaste kann man diese Auswahl mit verschiedenen Sets aus 100 Akkorden neu versehen.

Jam Sessions - Guitar Hero für den DS? Jam Sessions lässt es auf dem Handheld gewaltig krachen.

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Mitten im Geschehen: Hier wird gerade Yellow gespielt, einer der ersten Hits von Coldplay.
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Auf dem oberen LCD-Bildschirm werden euch sowohl Akkorde als auch Lyrics angezeigt, nach denen ihr spielen sollt. Zwar hört sich all dies recht simpel an, jedoch werden vor allem Neueinsteiger auf dem Gebiet der Musik sich erst einmal zurechtfinden müssen. Manche mögen sich bestimmt fragen, ob der DS die geeignete Plattform für ein solches Konzept darstellt. Schließlich baut man hier voll und ganz auf authentischen Sound. Doch keine Sorge, an dieser Stelle können wir guten Gewissens entwarnen. Sowohl die Akkorde als auch die Gitarrensounds wurden optimal nachempfunden.

So richtig krachen lassen kann man es mit dem DS aber erst in Kombination mit einer Stereoanlage, die satten Sound und böswillige Nachbarn verspricht. Zudem entscheiden Geschwindigkeit sowie die Anschlagseite darüber, wie sich der Klang entwickelt. Authentischer mag man sich eine derartige Spielidee im Zusammenspiel mit einem Handheld kaum vorzustellen - und das selbst ohne speziellen Gitarrencontroller, wie man ihn von Guitar Hero kennt.

Game oder Tool, das ist hier die Frage
Jam Sessions als »Spiel« anzupreisen, ist unserer Meinung nach gewagt: Die Bezeichnung »Gitarren-Tool« stünde dem Titel aus französischem Hause besser. Dementsprechend sollte man nicht mehr als die oben aufgelisteten Funktionen erwarten - viel mehr als diese bietet Jam Sessions nämlich nicht. Um wirklich Freude am Spielen zu haben, muss man zudem erst einmal den Dreh raus haben. An dieser Stelle setzt ein umfangreiches Tutorial an, welches ausreichend an die Mechanik heranführt und außerdem die Grundfunktionen erläutert.

Jam Sessions - Guitar Hero für den DS? Jam Sessions lässt es auf dem Handheld gewaltig krachen.

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Bei diesem Design haben sich die Entwickler scheinbar von einer lecke… netten Pizzabotin inspirieren lassen.
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Wer ein spaßiges Spiel ähnlich Guitar Hero erwartet, sollte sich diesen Gedanken allerdings ganz fix wieder aus dem Kopf schlagen. Grundsätzlich seid ihr nach Abschluss des Tutorials auf euch alleine gestellt. Im Klartext: Es gibt niemanden, der eure Leistungen bewertet sowie kein bestimmtes Ziel, das euch den Weg weist. Ein absolut nichts sagender Smiley am Ende eines jeden Durchlaufs bildet da nur die Spitze des Eisberges. Der Punkt ist doch, dass Jam Sessions als Tool daherkommt, welches in erster Linie nicht allein der Unterhaltung dient. Ebenso kommt dem Erlernen von musikalischen Fundamentalkenntnissen sowie Gitarrespielen eine große Bedeutung zu.

Hast du's drauf?
Ein entscheidender Faktor sollte aber nicht vernachlässigt werden: die Zielgruppe. Jam Sessions passt sicherlich nicht zu Jedermann. Wer schon damals im Musikunterricht immer in der letzten Reihe Platz nahm und lieber seinem Discman lauschte statt der Gesangskunst seiner Musiklehrerin, wird wohl kaum etwas mit dem Titel anzufangen wissen.

Wer aber stattdessen schon immer einmal Jimmy Hendrix nacheifern wollte oder zumindest musikalisches Verständnis vorweisen kann, ist hier richtig. Selbst Gitarristen müssen von nun an in kaum einer Situation mehr auf ihr Instrument verzichten: Ob in der Straßenbahn oder auf dem Pausenhof, ein Griff in die Hosentasche, und schon kann man wahlweise abrocken oder sanfte Töne anstimmen.

Jam Sessions - Guitar Hero für den DS? Jam Sessions lässt es auf dem Handheld gewaltig krachen.

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Oben Natur, unten einige der umfassenden Optionen.
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Zu verdanken haben wir diesen Musik-Streich - wer hätte es gedacht - einem Entwickler aus dem Land der aufgehenden Sonne. Dort ist Jam Sessions jedoch unter dem Titel Hiite Utaeru DS Guitar M-06 bekannt. Doch nicht nur der Name wurde von Ubisoft auf den europäischen Markt zugeschnitten, auch die Tracklisten wurden überholt. Statt J-Rock- oder J-Pop-Künstlern geben sich nun Idole wie Jimmy Hendrix, Nirvana oder auch Coldplay die Ehre. Nicht unbeachtet blieben zudem einige Größen der deutschen Musikszene wie zum Beispiel Nena oder Juli, die ebenfalls den Sprung ins Spiel geschafft haben. Insgesamt über 40 Titel verschiedenster Musikrichtungen halten für jeden Geschmack etwas parat.

Akkorde sowie Lyrics werden bei den Songs selbstverständlich angezeigt. Als praktisch erwiesen sich ebenfalls Hilfseinblendungen wie das Schlagmuster oder die Dauer des Akkords. Etwa ein Viertel der Songs kann zusätzlich noch abgespielt werden, um genau zu wissen, wie's läuft. Soweit so gut, doch als Gitarrist übernimmt man bei beinahe jedem Song ohnehin nur die Begleitung. Der Wiedererkennungswert fällt somit marginal aus. Also ist noch mehr Eigeninitiative gefragt: Losträllern oder zumindest singen hilft ungemein und ist dank der Integrierung des Mikrofons sogar erwünscht.

Feel free, free like the wind…
Will man sich dann doch einmal frei entfalten abseits von vorgegeben Akkord-Anreihungen und Liedtexten, wechselt man in den freien Modus. Nach Lust und Laune darf der Spieler hier in die Saiten preschen - aber nicht zu dolle, bitte! Dank Aufnahmefunktion können kreative Köpfe sogar ihre eigenen Werke kreieren.

Doch damit nicht genug: Es existiert eine schier endlose Fülle an Einstellungsmöglichkeiten, mit denen erst das Potenzial an Langzeitmotivation deutlich wird. Von einer eigenen Palette an Akkorden bis hin zu kleinsten akustischen Effekten könnt ihr eure virtuelle Gitarre abstimmen. Optisch begrenzt sich Jam Sessions auf das Notwendigste. Lediglich ein paar Themes, die für etwas Abwechslung auf den beiden Screens sorgen, wurden implementiert. Die sonstige Präsentation erweist sich als ganz und gar zweckgemäß.