Schon wieder ist ein Jahr vorbei und die Zeit gekommen, den Rückspiegel zu justieren, um einen Blick auf die vergangenen 365 Gaming-Tage zu werfen: Wir feierten beim Mitternachtsverkauf mit Hunderten von Fans die Veröffentlichung von „The Burning Crusade“, besuchten mit der gamona Zeitmaschine den Geburtstag von Duke Nukem Forever im Jahre 2027 und brachen uns beim ATV-Fahren in der Wüste von Nevada beinahe sämtliche Knochen.

Wenn wir am Rad der Zeit noch ein wenig weiter zurückdrehen und einen Blick in unseren Jahresrückblick 2006 werfen, so fällt dort der Hauch einer gewissen Entmutigung auf, der damals durch die Spielelandschaft wehte: Das Fahrwasser von „World of WarCraft“ spülte damals alles weg, was nicht bei Drei im Hypefischbecken war, die Casual Games schienen den „echten“ Spielen den Rang abzulaufen und auf der Suche nach Innovationen genügte schon keine Lupe mehr – der zerknirschte Spieletester greift mittlerweile zum Mikroskop.

Doch genug der winterlichen Trübsalstimmung: 2007 war ein außergewöhnlich guter PC-Spiele-Jahrgang und setzte Zeichen für die kommende Zeit. Wir haben für euch Ausschau gehalten nach Top-Titeln, Trends und Tinnef 2007.

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MMOs: Die WoW-Thronfolge ist vertagt

Der Reigen der Spiele-Highlights beginnt 2007 mit einem alten Bekannten – und der größten Party des Jahres: Zum Start des „World of WarCraft“-Addons „The Burning Crusade“ öffnen zahlreiche Spiele- und Elektromärkte extra um Mitternacht ihre Verkaufsräume und versorgen die darbenden Bewohner Azeroths mit neuem Content-Futter für den Rest des Jahres. Ein weiteres Mal sind sich alle einig: Was Blizzard anpackt, wird nicht nur Gold, sondern auch gut.

Der PC-Rückblick 2007 - Was für ein Wahnsinnsjahr: Wir blicken zurück auf zwölf Monate mit Crysis, The Witcher und Kane.

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Die Party des Jahres: Im Media Markt Charlottenburg feierten wir mit Tausenden Fans den Launch von WoW: TBC.
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Die noch im letzten Jahr erwartete Thronfolge im MMO-Genre blieb allerdings auch 2007 aus: Etliche verheißungsvolle Titel wurden auf das kommende Jahr verschoben. Ganz streng genommen gilt das auch für das bereits Ende Januar erschienene „Vanguard: Saga of Heroes“, das bis heute nicht komplett fertig ist – offenbar hatte Publisher SOE vergessen, die Kassen-Beiträge für die Finanzspritze zu überweisen.

Nicht einmal Fantasy-Meister Tolkien war in der Lage, die Krümel von dem Kuchen aufzuklauben, den Blizzard vor drei Jahren gebacken hat. Trotz filmreifer Präsentation und Buch-Lizenz konnte „Der Herr der Ringe Online: Die Schatten von Angmar“ weniger Reiselustige als erwartet für eine Urlaubsbuchung nach Mittelerde locken. Ob es an den wenigen Innovationen, der fehlenden bösen Fraktion oder dem unausgegorenen PvP gelegen hat – ihr werdet es vermutlich selbst am Besten wissen…

Zumindest über zu wenig Innovationen konnte man sich bei „Tabula Rasa“ nicht beschweren: Der Genre-Mix von Spiele-Urgestein und „Ultima Online“-Schöpfer Richard Garriott bot nicht nur eine erfrischende Kombination von Online-Rollenspiel- und Shooter-Elementen, sondern mit seinem Weltraum-Szenario auch endlich eine Spielwelt jenseits von Orks und Elfen.

Der MMO-Trend: kostenlos zocken

Doch noch immer bleiben viele Spieler den massiven Multiplayer-Online-Welten fern: Die monatlichen Fixkosten dürften einen der Hauptgründe hierfür bilden. Spätestens seit diesem Jahr haben aber auch Online-Sparfüchse keine Ausrede mehr: Zahlreiche Spiele von „Flyff“ bis „Dofus“ zeigen nicht nur, dass gute MMOs keinen Cent kosten müssen, sondern auch, dass selbst Spiele mit bescheuerten Namen in der Lage sind, Tausende von Spieler zu begeistern.

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Kostenlos und trotzdem hübsch: Sword of the New World.
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Der Trick hinter dem Für-lau-zock-Prinzip: Der Spieler zahlt weder für das Spiel, noch für die Spielzeit. Einzig wenn er spezielle, neue Inhalte freischalten möchte, greift er ins reale Portemonnaie. Die Zeiten, in denen hässliche Asia-Grinder mit Billig-Gameplay die Gratis-Szene dominierten, sind seit diesem Jahr endgültig vorbei: „Sword of the New World“ sieht schöner aus als manches Vollpreis-MMO, „Maple Story“ vereint mittlerweile sechs Mal mehr Spieler auf sich als „World of WarCraft“, und „Mythos“ lief schon in seiner Beta stabiler und spaßiger als manch designierter „Diablo-Killer“.

Hellgate: London: Teufelswerk oder Offenbarung?

Hätten die Flagship Studios doch nur ebenso viel Sorgfalt auf ihr vollpreisiges „Hellgate: London“ verwandt wie auf ihr eigentlich als Testumgebung entworfenes „Mythos“: Angesichts der Querelen um die Zwei-Klassen-Gesellschaft zwischen „Elite“- und Normal-Spielern stand die Veröffentlichung bereits Wochen vor Release unter keinem guten Stern mehr.

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Spaltete Schädel und die Spieler-Community: Hellgate: London.
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Selbst die gamona-Redaktion verwandelte sich nach Eintreffen des Testmusters in eine Horde keifender Zombies: Die Kollegen Bayer und Grimm schmissen sich im öffentlichen Streitgespräch zwar nicht ihre Eingeweide, dafür aber die Argumente für und wider „Hellgate: London“ um die Ohren. Statt Schädeln wurde dabei glücklicherweise nur die Spielergemeinde gespalten: Die Einen bemäkeln matschige Texturen und langweilige Level, die Anderen freuen sich über innovative Ideen und die „Diablo“-typische Sammelsucht. Was uns das Stichwort für die Kategorie „Phrase des Jahres“ liefert…

Das meiste Spiel des Jahres: Diablo Killer

„Angriff auf den Genre-Thron“, „…verkürzt die Wartezeit auf Diablo 3“, „potenzieller Diablo-Killer“ – dieses Jahr dürften die Phrasenschweine in den Spieleredaktionen dieser Welt endgültig in die Riege der Multi-Millionäre aufgestiegen sein. Denn unzählige Action-RPGs forderten heuer den „Lord of Destruction“ zum Duell – und holten sich allesamt eine blutige Nase.

Gleich zu Jahresanfang wurde der vermeintlich verheißungsvollste Kandidat „Silverfall“ mit Schmackes aus dem Ring gefegt, „The Chosen“ ging bereits beim Anblick des Gegners zu Boden, nur „Avencast“ hielt immerhin eine Ehrenrunde durch. Einige üble Bugs schickten „Loki“ zurück in den Bannkreis der Götter, und trotz Cosma Shiva Hagen und der allgemein üblichen Sitte, keine Frauen zu schlagen, bekam „Legend: Hand of God“ ordentlich die Fresse poliert. Das Phrasenschwein dürfte demnach auch weiterhin gut im Futter stehen…

Rollenspiele: Sex, Bugs & Rock’n’Roll

Spätestens seit der Bug-Plage in „Gothic 3“ ist das Rollenspiel-Genre für seine Liebe zu Ungeziefer bekannt. 2007 nisteten sich die gemeinen Käfer in den „Two Worlds“ ein: Trotz riesiger Spielwelt und innovativer Ideen griffen Spieler lieber zum anderen großen RPG des Jahres – das glücklicherweise mit Two Worlds nur die Initialen TW teilt.

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Hexer Geralt brach dieses Jahr Frauenherzen und Orkschädel entzwei.
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The Witcher“ begeisterte mit einem ungewöhnlich rauen und erwachsenen Setting, glaubhaften Charakteren und vor allem seinem beeindruckenden Stehvermögen. Denn abgesehen von Frauenversteher Larry durfte vermutlich kaum ein Spielcharakter jemals zuvor so viele Liebesdienste leisten wie der weißhaarige Hexer.

Ansonsten war das Rollenspiel-Jahr 2007 geprägt von herzlichen Wiedersehen mit alten Bekannten: „Jade Empire“ gab nach zwei Jahren auf der Xbox 360 endlich seinen Einstand auf dem PC, „Neverwinter Nights 2: Mask of the Betrayer“ musste sich beileibe nicht hinter einer Maske verstecken, und „The Elder Scrolls IV: Shivering Isles“ stellte uns vor Wahl die zwischen den beiden Welten von Mania und Dementia – der Trend im Rollenspiel scheint ganz klar zur Zweitmoral zu gehen.

Spiele-Trend #1: „Ihr seid der Overlord!“

Anfang des neuen Jahrtausends stellte uns „Black & White“ erstmals vor die Wahl zwischen Engelchen und Teufelchen. Zwei Jahre später schickten wir in „KotOR“ unsere Bewerbungsunterlagen sowohl an die Personalabteilung der Jedi als auch die Sith. Und 2007? In der heutigen Spielelandschaft gehört es mittlerweile zum guten Ton auch mal richtig böse zu sein.

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War dieses Jahr mächtig böse: der Overlord.
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So spielt ihr in „Infernal“ einen zu den Teufeln übergelaufenen Ex-Engel, erlöst in „BioShock“ reihenweise kleine Schwestern von ihrem Leid, und wandelt mit dem irren Lynch und seinem Buddy Kane in Sphären, die wohl eher jenseits von Gut und Böse beheimatet sind.

Bestes Beispiel für ein richtig gemein gutes und gut gemeines Spiel: der extrem spaßige Rollenspiel-Knobel-Mix „Overlord“. Als herrlich fieser Held schickt ihr eure Schergen aus zur Plünderung, Zerstörung, in den Kampf – oder ins Verderben. Wie es euch beliebt, denn: „Ihr seid der Overlord!“ Endlich mal wieder ein Spiel ohne laues Ideenrecycling, sondern mit einem frischen Konzept – was uns zum nächsten Spieletrend 2007 bringt…

Spiele-Trend #2: Die Rückkehr der guten Spielideen

Eine zum Vorgänger leicht verbesserte Grafik-Engine, zwei pseudo-innovative Alibi-Features für den Werbetext und die Erhöhung der Versionsnummer um eine Stufe – fertig ist der nächste Hit. Leider gehen viele Publisher genau nach dieser Formel bei der Entwicklung ihrer Spiele vor – und das Schlimme: Der Erfolg gibt ihnen Recht! Anders lassen sich die himmlischen Verkaufszahlen bei unterirdischen Kritiken von „Need for Speed: ProStreet“ jedenfalls nicht erklären.

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Das originellste Spiel seit Jahren: Portal.
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Doch es besteht Grund zur Hoffnung in Zeiten, in denen selbst der neue EA-Chef John Riccitello bei seinem Amtsantritt die bisherige Politik seines Spieleriesen in Grund und Boden schimpft. Immerhin: Selbst die als spielgewordener Stillstand verschriene EA-Sports-Reihe wagte 2007 in vielerlei Hinsicht einen Neuanfang. Spüren wir da etwa eine Art Aufbruchstimmung durch die Branche gehen? Zumindest wenn man sich ein Spiel wie „Portal“ anschaut, kann die Antwort nur lauten: Ja! Mit Ausrufezeichen.

Beinahe fühlt man sich an die Zeiten von „Tetris“ zurückerinnert, als mit einer ebenso simplen wie genialen Idee ein fantastisches Spiel erschaffen wurde. Die Idee hinter „Portal“: Mit einer Gravity-Gun-ähnlichen Kanone öffnet ihr Dimensionstore, die den Weg sprichwörtlich zum Ziel werden lassen.

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Initialzündung fürs RTS-Genre: World in Conflict.
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Neue Wege beschritt auch das für seine Ideenlosigkeit bekannte Strategie-Genre: „World in Conflict“ stellt nicht nur ein historisch interessantes „Was wäre wenn…“-Gedankenexperiment an, sondern liefert auch die Antwort auf die Frage: Was wäre, wenn man die taktische Übersicht eines Strategiespiels mit dem teamfokusierten Gameplay eines „Battlefield“ kreuzt. Der durch diese gefährliche Liaison entstandene Mischling fühlt sich nicht nur proppenwohl, er sieht auch noch ziemlich gut aus.

Spiele-Trend #3: Casual sucks!

Der Grund für diese plötzliche Ideenflut dürfte vermutlich mit dem Boom der oft zitierten „Casual Games“ erklärt werden – also diese Spiele für Spieler, die eigentlich keine sind. Dass die Entwickler beim Ausbrüten neuer Spielideen endlich wieder ihre Köpfe anstrengen und dabei intelligente Spiele ersinnen, ist äußerst begrüßenswert, aber auch kaum verwunderlich in Zeiten, in denen ein Gehirnforscher das erfolgreichste Spiel der Gegenwart erdacht hat.

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Waren auch 2007 nicht totzukriegen: die Sims.
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Doch bisher bleibt das Phänomen weitestgehend den Konsolen – insbesondere denen mit Nintendo-Logo - vorbehalten. Der PC blieb bisher von Ponyhof, Reiterfarm und Tierklinik verschont. Einzig die Sims werden uns vermutlich noch in zehn Jahren mit den neuesten „Rote Bete Accessoires“ und „Jodelvereingeschichten“ heimsuchen. Gemeinsam mit „Counter-Strike“ und „World of WarCraft“ wollte die Lebenssimulation in diesem Jahr kaum eine Woche auf ihre Platzierung in den Top 10 verzichten. Weswegen schon ein wenig Besorgnis angebracht ist, ob sich angesichts der Verkaufszahlen die Produktion eines Big-Budget-Core-Games wie „Crysis“ oder „BioShock“ in Zukunft überhaupt noch lohnt…

Ego-Shooter: Chernobyl kriegt den BioShock

Dabei war 2007 womöglich das beste Shooter-Jahr seit Erfindung des Genres. Gleich zu Jahresanfang trauten wir unseren Augen kaum, als das bereits tot geglaubte „S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chernobyl“ nach fünf Jahren in der Entwicklung endlich das Licht der Welt erblickte. Noch überraschender war allenfalls die Erkenntnis: Es ist auch richtig gut!

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Was lange währt... S.T.A.L.K.E.R. erscheint tatsächlich im Frühjahr.
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Eine offene, dynamische Welt, frei wählbare Quests und eine derart packende Atmosphäre hatte man in einem Shooter bisher noch nicht gesehen. Für 2008 besteht also noch Grund zur Hoffnung auf die Wiedergeburt des Duke – der kürzlich erschienene Teaser erzeugte jedoch eher ein Gähnen in der Community…Trotz Stalkers havariertem Kernreaktor geht der Preis für das originellste Setting und die dichteste Atmosphäre dennoch ganz klar an „BioShock“.

„Ein Spiel wie ein Kunstwerk: BioShock hat Herz. Hirn. Seele. Und ganz viel Stil“, jubelten wir seinerzeit und werden auch heute noch wehmütig, wenn wir an unseren Sommerurlaub in der malerischen Unterwasserstadt Rapture zurückdenken. Die Erinnerungen an das einfallsreiche Design im Art-Deco-Stil, die extrem coolen Plasmid-Fähigkeiten und die Nerven zerfetzenden Kämpfe gegen Splicer und Big Daddys werden noch lange über dieses Jahr hinaus nachwirken.

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Herz, Hirn und Seele - alles zum Mitnehmen, bitte!
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Zwei Kandidaten sollen in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben: „John Woo presents Stranglehold“ investierte in seine hongkongfilmreife Inszenierung so viel Geld wie kaum ein Videospiel je zuvor. Und „TimeShift“ injizierte dem Genre mit seinem Zeitmanipulations-Feature einen der originellsten Einfälle des Jahres, scheiterte aber leider an der übermächtigen Hype-Konkurrenz.

Ego-Shooter: Half-Life kriegt die Crysis

Der größte Hype des Jahres drehte sich mit Sicherheit um „Crysis“. Nach jedem neu veröffentlichten Trailerschnipsel musste die bis zur Tischkante runtergeklappte Kinnlade erst mühsam wieder zurück in die Kauleiste geschoben werden – die Grafik wirkte seiner Zeit um Lichtjahre voraus. Und glücklicherweise blieb die spielerische Qualität nur kaum merklich hinter der Höhe der Hardwareanforderungen zurück. Der Nanosuit hat uns 2007 gerockt!

Ähnlich intensiv erlebte man die moderne Kriegsführung 2007 nur in „Call of Duty 4“. Allein die packende Atmosphäre und der geniale Multiplayer-Part entschädigten für die kurze Spieldauer von lediglich fünf Stunden. Ein Vorwurf, den sich auch die Episode 1 von „Half-Life 2“ gefallen lassen musste. „Episode 2“ leistete dafür jedoch gleich dreifach Abbitte: Mit einem erneut meisterlichen Gameplay, dem oben erwähnten „Portal“ und dem comichaften Mehrspieler-Titel „Team Fortress 2“. Mehr Spaß ist schwerlich in eine einzige orangefarbene Box zu packen.

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Bei dieser Grafik blieb uns die Luft weg: Crysis.
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Neben den erwähnten “Call of Duty 4: Modern Warfare” und “Team Fortress 2” trugen vor allem die beiden Platzhirsche iD Software und Epic Games ihr Deathmatch im Mehrspieler-Genre aus. „Enemy Territory: Quake Wars“ hetzte Menschen und Strogg über seine Megatexture, und „Unreal Tournament 3“ bot „Business as usual“ in knalliger Verpackung.

Strategie: Kane ist der Supreme Commander

Äußerst knallig präsentierte sich auch die Rückkehr von Erzbösewicht Kane. Trotz namhafter Schauspieler entwickelten die für die Serie typischen Videosequenzen eine unfreiwillige Komik ob ihres Trash-Charakters. Dennoch waren Atmosphäre und Inszenierung über jeden Zweifel erhaben und ließen selbst den Umstand vergessen, dass „Command & Conquer 3: Tiberium Wars“ spielerisch kaum mehr zu bieten hatte als der über zehn Jahre alte erste Teil der Serie.

Auch „Supreme Commander“ versetzte uns zurück in die gute alte Zeit der RTS-Anfänge. Der inoffizielle „Total Annihilation“-Nachfolger bot Hardcore-Strategie mit Granitplatten-Härtegrad. Als richtungsweisend für das Genre dürfte sich der Megazoom mit dem totalen Überblick erweisen – auch wenn das Spiel dann einen Abstraktionsgrad annimmt, den man vorher nur von moderner Kunst kannte.

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Wiedersehen macht Freude: Kane meldete sich 2007 zurück.
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Ansonsten glänzte das Strategie-Genre vor allem durch seine Abwesenheit. Die Flops der vergangenen Jahre von „Joint Task Force“ bis „Paraworld“, die trotz guter Kritiken wie Blei in den Läden standen, scheinen ihre Wirkung zu zeigen. „Empire Earth 3“ versuchte zwar mit entschlacktem Gameplay eine breitere Spielermasse anzusprechen, vergaß dabei aber den Spielumfang. Das Königreich der „Siedler“ schaffte zwar ein weiteres Mal den Aufstieg an die Chartspitze, enttäuschte aber im Detail.

Immerhin die Hits der vergangenen Jahre wurden mit erstklassigem Addon-Futter versorgt: „Company of Heroes: Opposing Fronts“ war fast noch eine Spur genialer als das ohnehin überragende Hauptprogramm, „Heroes of Might & Magic V: Tribes of the East“ bot eine neue Fraktion und mehr Spielzeit als die meisten Vollpreis-Konkurrenten. „Age of Empires 3: The Asian Dynasties“ und „Medieval: Total War – Kingdoms“ boten wenig Neues, setzten aber die großartigen Hauptspielen würdevoll fort. „Ein Muss!“, riefen wir dagegen bei „Civilization IV: Beyond the Sword“ und „Spellforce 2: Dragon Storm“. Hier wurde weitaus mehr geboten, als man von einem Addon erwarten darf.

Adventures: Made in Germany

Im letzten Jahr jubelten wir über die Rückkehr des Adventure-Genres. 2007 setzte sich dieser Trend fort. Ebenfalls erfreulich: Fast ausschließlich deutsche Entwickler halten die Abenteuer-Flagge hoch – und lieferten durch die Bank weg hochwertige Titel ab. Wir können eben mehr als nur Crysis und die Siedler. Die vom Bundestag kürzlich beantragte Spieleförderung lässt hier für die Zukunft noch Einiges erwarten. Und schürt die Hoffnung, dass Spiele auch abseits von Gewaltdiskussion in den Fokus der Öffentlichkeit rücken.

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Wie in der guten alten Zeit: Simon endlich wieder in 2D.
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Dass sich Spiele nämlich auch auf sehr differenzierte Weise mit dem Thema beschäftigen können, bewies dieser Tage „Overclocked: Eine Geschichte über Gewalt“. Die Story war dermaßen spannend erzählt, dass das zugehörige Spiel beinahe schon störte. Bis auf eine vom bösen Wolf gefressene Großmutter war der vierte Auftritt von „Simon the Sorcerer“ hingegen völlig gewaltfrei. Anfängliche Unkenrufe, ob der britische Humor der Serie auch von den für ihre Ostfriesenwitze verschrienen Deutschen erreicht werden könne, machte das Spiel schlussendlich ebenso vergessen wie den lauen 3D-Vorgänger.

Dass sie es auch ohne prominentes Vorbild hinbekommen, bewiesen die Berliner Entwickler von Silver Style kurz darauf erneut mit „Everlight“. „Wenn Elfen helfen. Ein wahrlich märchenhaftes Erlebnis“, hieß es in unserem Preview, was den Entwicklern offenbar so gut gefiel, dass sie unseren Spruch für ihren offiziellen Werbeslogan klauten…

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Jack Keane: Wie einst Guybrush und Elaine.
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Den Kampf um den Adventure-Olymp fochten die amtierenden Genre-Götter dieses Jahr allerdings mit sich selbst aus: Jack Keane gelang es endlich, die in Übergröße zurückgelassenen Fußspuren von Guybrush Threepwood auszufüllen, und Assil gewann in seinem dritten Auftritt nicht nur den „Kampf der Götter“, sondern auch unsere Herzen. Beide Spiele stammen von Deck 13 – die übrigens wie Crytek in Frankfurt am Main ansässig sind.

Und die Moral von der Geschicht’

Letztes Jahr begannen wir unser Fazit mit der Erkenntnis, die Branche befände sich im Umbruch. Für 2007 gilt dies umso mehr. Was sich Ende 2006 erst abzeichnete, ist mittlerweile Gewissheit: Nintendos Wii ist ein voller Erfolg, während die teuren Next-Gen-Konsolen vor sich hin kränkeln. Die Publisher verdienen einen Großteil ihres Geldes mit billig produzierten (aber nicht unbedingt schlechten) Casual-Titeln, während selbst Hype-Phänomene wie „Crysis“ oder „BioShock“ aus der High-End-Sparte nicht die erhofften Abverkaufszahlen bringen.

Langfristig ist daher zu erwarten, dass die Anzahl großer Big-Budget-Produktionen sinkt und sich die Publisher stattdessen auf eine breite Masse risikoloser Low- und Mid-Price-Titel und wenige große Prestigeprojekte konzentrieren. Speziell im Rollenspiel-Genre zeichnet sich dieser Trend schon jetzt ab: Trotz des anhaltenden Fantasy-Booms riskierten mit „The Witcher“ und „Two Worlds“ nur zwei Kandidaten Budget und Ruf. Die Packungen niedrigpreisiger Action-RPGs überschwemmten stattdessen geplagte Redakteursschreibtische ebenso wie die Bugs die Spiele darin.

Dem anhaltenden Desinteresse fielen dieses Jahr auch die Strategiespiele zum Opfer. Eines der ehemals beliebtesten Genres ist mit den Flops der letzten Jahre erst den Bach runter und nun endgültig abgesoffen. Dass ausgerechnet ein Retro-Game wie „C&C 3“ einsam und tapfer die Fahne hochhält, bestätigt die Befürchtungen.

Doch das Wundervolle an Krisen ist, dass die Wege daraus fast immer unter höchstem kreativem Einsatz begangen werden. Für die Strategie-Misere ist „World in Conflict“ das beste Beispiel. Und „Portal“ zeigte, dass es auch eine Welt gibt, in der Core- und Casual-Gamer in friedlicher Eintracht miteinander leben können.

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Grafik-Feuerwerk 2007: Call of Duty 4.
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Andererseits entwickelt sich selbst die PlayStation 3 nach anfänglicher Startschwierigkeiten langsam zum Erfolg und macht wieder Lust auf Bombast-Grafik. Nie zuvor sahen Computerspiele derart gut aus wie 2007. Windows Vista und die neue Schnittstelle DirectX10 haben zwar nicht den erhofften Leistungssprung bewirkt – das Debutspiel „Halo 2“ war bestenfalls eine peinliche Lachnummer –, dafür aber eine neue Grafikkartengeneration hervorgebracht, die prachtvolle Bilder auf den Monitor zeichnet. „Crysis“, „Call of Duty 4“ und „Colin McRae: Dirt“ haben erst kürzlich gezeigt, wohin die Reise geht: in den nächsten Elektromarkt. Einen neuen Rechner kaufen!