Wie immer, wenn sich ein Jahr dem Ende zuneigt, werfen wir einen Blick in den Rückspiegel, um festzustellen, was geblieben ist von den letzten 365 Gaming-Tagen. Welche Trends werfen ihre Schatten noch ins kommende Jahr hinein, welche Spiele und Momente haben uns am meisten bewegt, was waren die größten Aufreger, und was haben wir leider oder lieber schon wieder vergessen?

gamona hat sich gerade noch rechtzeitig vor Jahresende (wieder einmal) runderneuert: schöner, schneller, übersichtlicher, lautete die Devise. Neue Features und mehr Komfort machen euer Spiele-, Kino- und Hardware-Magazin noch besser.

Doch was war außerdem los? Die Games Convention ging online, die GC nach Köln und der Duke in die ewigen Jagdgründe. Deutschland hat eine neue Regierung, aber immer noch die alte Debatte um Killerspiele. EA will alles besser und innovativer machen und rudert trotzdem wieder zurück, weil sich FIFA, Sims 3 und der Fußball Manager um ein Vielfaches besser verkaufen als Mirror’s Edge und Brütal Legend.

Bleibt also alles anders? Kommt mit uns auf eine Reise in das PC-Spielejahr 2009…

„Der PC als Spieleplattform ist am Ende“, hing das Statement der letztjährigen Rückschau noch wie eine Ahnung als Damocles-Schwert an dem roten Faden über dem Spielemarkt, den es dieses Jahr wie eine blutige Spur durchzog. Was sich damals noch wie ein Wetterleuchten am Horizont zusammenbraute, ist mittlerweile als Klimawandel bei uns angekommen. Die Konsolen laufen dem PC zunehmend den Rang ab. Ob es an Raubkopien, der Kompliziertheit und dem fehlenden Komfort der Büromaschinen oder dem Konsolenboom der Generation Wii, Singstar, EyeToy liegt, darüber streiten die Gelehrten noch.

Das PC-Spielejahr 2009 - Von Modern Warfare bis Dragon Age: Das war das PC-Jahr 2009

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Erfolgsgeschichte Sims 3: eine der letzten PC-Bastionen?
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Fakt ist, dass sich PC-Titel mittlerweile auch in Deutschland sehr viel schlechter verkaufen als ihre Konsolen-Pendants. Reine PC-Entwicklungen wird es in Zukunft, zumindest bei sogenannten Triple-A-Titeln, wohl kaum noch geben. Der immense Aufwand einer Spieleproduktion rechtfertigt keine Exklusivtitel mehr. Selbst Genres, die bisher noch weitestgehend PC-Domäne waren, wie die für Maus und Tastatur prädestinierten Strategiespiele, werden mittlerweile von vornherein auf Gamepad gebürstet.

Glücklicherweise setzte sich der im letzten Jahr positiv begonnene Trend auch 2009 fort, PC-Spiele quasi als „Abfallprodukt“ großer Konsolentitel auf den Markt zu bringen – und das in meist besserer Qualität, mit höherer Auflösung und kleinen Zugaben, als Entschädigung für die meist längere Wartezeit gewissermaßen. Selbst die mehrmals von Lucas Arts dementierte PC-Umsetzung von Star Wars: The Force Unleashed erblickte im Zuge der Konsolen-Neuauflage doch noch die helle Seite der Macht. Ein Lichtblick für den PC als Spieleplattform?

Kauf mich, ich bin umsonst!

Zumindest solange es keine nennenswerten MMOs auf Konsole gibt, wird der PC auch weiterhin den Zuckerguss auf dem Marktanteilskuchen der Spielelandschaft bilden. Doch auch in diesem Segment scheinen die Entwickler mittlerweile erkannt zu haben, dass die Augen beim Anblick des dicken WoW-Bratens größer waren als der Magen der Spieler, die diesen konsumieren sollten. Abgesehen von Champions Online, das zumindest in Deutschland fast gänzlich unter dem Radar einflog, konnte nur Aion so etwas wie einen Hype entfesseln.

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Traumgrafik im Genre: Aion war vielleicht das letzte große klassische MMO vor SW:TOR.
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Eine im Genre einzigartige Grafik, die Fähigkeit zu fliegen und eine – im Vergleich zu den Vorjahres-Flops Warhammer Online und Age of Conan – moderate Erwartungshaltung konnten immerhin einen Achtungserfolg verbuchen, aber auch nicht verhindern, dass sich zahlreiche Spieler nach Ablauf ihres Probemonats wieder Blizzards vorerst letztem Patchwork vor Cataclysm zuwandten.

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Die sexy Hexen von Shaiya verzauberten uns 2009 - und das auch noch gratis.
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Warum auch Monatsgebühren abdrücken, wenn es den täglichen Grind quasi für umsonst gibt? Die wöchentlichen Client-Updates zu Kostenlos-MMOs wie Cabal Online, Flyff oder Runes of Magic landeten in den Download-Charts von gamona dieses Jahr gar weit über den Demos von Dirt 2, Risen und Batman: Arkham Asylum. Kein Wunder, muss sich die Qualität der oft als „Asia-Grinder“ verschrienen „Gratis-Clientel“ mittlerweile trotz durchaus vorhandener Austauschbarkeit in Gameplay und Grafikstil nur bedingt hinter den vollpreisigen Kollegen verstecken.

Mit League of Legends (Strategie), Gilde 1400 (Wirtschaftssimulation), Poisonville (Open-World-Action), S4 League (Shooter) oder Fantasy Tennis (Sport) deckt der breitgefächerte Markt des Free2Play langsam aber sicher auch sämtliche Genres und Geschmäcker abseits des Dauer-Totklickens in Fantasien ab. Damit ihr bei der Masse an neuen Titeln noch den Überblick bewahren könnt, schickte das gamona-Netzwerk 2009 free2play.de an den Start, die Plattform speziell für Gratis-, Browser- und Onlinespiele, die auf der Games Convention Online in Leipzig erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Tschö mit Ö

Das war auch neu 2009: Die GC in Leipzig bekam ein O dazu und lud zur Games Convention Online erstmals exklusiv Anbieter von Online- und Gratisspielen in ihre Hallen. Die restlichen Publisher hingegen sagten „Tschö mit Ö“ und gingen nach Köln – auch mit Ö, irgendwie passend. Trotz anfangs leerer Hallen und leichter Verwirrung unter manch angereistem Besucher, der sich wunderte, wo denn nun in Leipzig Diablo 3 oder das neue Call of Duty gezeigt werde, zogen die Aussteller schlussendlich ein positives Fazit. 2010 wird es jedenfalls wieder eine GCO geben.

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Wirkte auf Spieler wie das Licht auf Motten: der Diablo-3-Stand auf der gamescom.
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Vorausgegangen war dem Umzug ein monatelanges Tauziehen um die einst „wichtigste Spielemesse der Welt“ (zumindest bis die E3 in Los Angeles in diesem Jahr zu alter Stärke zurückfand), in dem die Messe Leizpig und viele Fans für ihren liebgewonnenen Standort kämpften, der Spieleverband B.I.U. aber schlussendlich den Längeren hatte… Hebel natürlich.

Bessere Verkehrsanbindung, bessere Infrastruktur, größeres Einzugsgebiet – die objektiven Gründe sprechen klar für Köln. Dennoch blieb angesichts verwaister Hallen am ersten GCO-Tag ein bitterer Beigeschmack zwischen den Scherben des Leipziger Allerlei zurück.

Nichtsdestotrotz: Die neu betitelte GamesCom in Köln war ein voller Erfolg. Tägliche Besucherrekorde und trotz größerer Fläche zum Bersten gefüllte Hallen sprachen eine deutlichere Sprache als manch eingeborener Kölner Hochdeutsch.

Hot or Not

- Heiß: GC Babes 2009
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Fluch oder Segen? Angesichts stundenlanger Wartezeiten in der Schlange vor dem Blizzard- oder Modern-Warfare-Stand fühlte sich manch emeritierter Leipziger vermutlich wieder an selige Zeiten zurückerinnert, als es Bananen nur alle paar Monate in der Kaufhalle gab…

Spiele-Highlights: Und es gibt sie doch…

Ein Trend, den wir im letzten Jahr freudig begrüßten und der sich in 2009 weiter fortsetzte: Immer mehr Konsolenspiele finden ihren Weg auch auf die Heimrechner – und das meist in schöneren, umfangreicheren, besseren Versionen – von der unsäglichen Umsetzung eines FIFA 10 mal abgesehen.

Allen voran Capcom, die aus ihren Fehlern der Vergangenheit gelernt haben und mit Street Fighter 4 und Resident Evil 5 zwei mustergültige Portierungen klassischer Konsolentitel ablieferten. Auch Batman: Arkham Asylum, Colin McRae: DiRT 2 und Red Faction: Guerrilla fallen in die Kategorie gelungener „Cross-Plattformtitel“, wie es neudeutsch heißt.

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Das vielleicht beste Spiel des Jahres: Dragon Age: Origins.
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Hässlicher Fleck auf der ansonsten weißen Weste von Über-Entwickler BioWare: Während Dragon Age: Origins durch die Bank weg auf dem PC zum Referenzrollenspiel gekürt wurde, fiel die Xbox-360-Fassung zumindest grafisch deutlich schlechter aus. In Sachen Präsentation, Story-Telling und Spielbarkeit war das Meisterwerk jedoch plattformübergreifend über alle Zweifel erhaben und dürfte zu den besten Spielen überhaupt im ausgelaufenen Jahrzehnt zählen.

Apropos Rollenspiel: Sah es im Land geschnetzelter und zerklickter Fantasy-Orks, abseits massiver Mehrspieler-Welten, in den letzten Jahren eher mau aus, stahlen sich mittel- und hochkarätige Titel wie Venetica, Divinity 2 oder auch Risen 2009 gegenseitig die Spieler – und diesen die Zeit. Denn allein wer Dragon Age in den Rechner schiebt, braucht für die nächsten Monate kein anderes Spiel mehr. Und das nächste Jahr wird mit den Risen-Herausforderern Two Worlds 2 und Arcania, sowie gleich zu Jahresanfang Mass Effect 2 in der Hinsicht kaum nachlassen.

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Risen war 2009 das bessere Gothic 3.
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Doch auch die Königsklasse unter den PC-Spielen, das Genre der Shooter, schickte 2009 seine Armee von Thronprinzen auf unsere Schützenfestplatten. Spannend erzählte Geschichten, eine packende Inszenierung und Bombast-Overkill im Takt eines Presslufthammers machen das emotionale Erleben im virtuellen Raum mittlerweile zur Sinne betäubenden Achterbahnfahrt. Die Entwickler haben ihre Hausaufgaben in den letzten Jahren offenbar gemacht – oder, wie man es in der Schule eher lernt, nur geschickt bei Call of Duty, Bioshock und F.E.A.R. abgeschrieben…

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Spielspaßgranate ohne Innovationen: Left 4 Dead 2.
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Bezeichnend daher auch, dass Paukerschreck Alma mit F.E.A.R. 2: Project Origin das Shooter-Jahr pompös einläutete und Riddick im Dunkeln der Dark Athena kurze Zeit später so heimlich munkelte, dass es viele potentielle Käufer gar nicht mitkriegten. Vielleicht lag es auch an den kaum wahrnehmbaren Innovationen, die das Genre ein wenig auf der Stelle treten und die Spielepackungen im Händlerregal festwachsen ließen. Selbst Left 4 Dead 2, eines der spaßigesten Spiele des Jahres, hatte auf seiner Neuerungen-Liste lediglich Bratpfanne, E-Gitarre und Kettensäge stehen – die Doom schon anno 1993 hatte…

Flughafen und Sammelwut

Selbst das erfolgsverwöhnte Call of Duty: Modern Warfare 2, vermutlich der größte Spiele-Hype des Jahres, musste sich schon des geschmacklosen Flughafen-Levels bedienen, um die Aufmerksamkeit auf sich und Spieler anzuziehen. Dass die umstrittene Szene, in der der Spieler als Terrorist auf unschuldige Zivilisten schießt (wenngleich nicht in der deutschen Version, dort darf er doppelmoralisch einwandfrei nur dabei zuschauen) eines Tages Wasser auf die Tretmühlen ewiger Killerspiel-Gegner sein und uns Spielern spätestens dann bis zum Hals stehen dürfte, ist jetzt schon absehbar. Auch wenn trotz Bundestagswahlkampfdas Thema 2009 zwar medienwirksam wie ein Gespenst aus längst vergessenen Zeiten umhergeisterte, vorerst aber von der neuen schwarz-gelben Koalition schnell wieder exorziert wurde.

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Aufreger 2009: der Flughafen-Level von Modern Warfare 2.
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Einzig Borderlands hielt dieses Jahr die einsame Flagge der Innovation hoch: Trotz Missionsdesign nach Schema F injizierte das Vitamin D(iablo) mit der Sammelwut nach immer neuen Waffen dem Endzeit-Titel längst überfälliges frisches Blut im Wortsinne unter die verkrustete Genre-Haut. Während die Rückkehr des Höllenfürsten noch eine Weile auf sich warten lässt, scheinen die Entwickler nach vielen missglückten Versuchen in den letzten Jahren das Unternehmen „Diablo-Killer“ angesichts des allgegenwärtigen Hypes um den Blizzard-Titel vorerst ad acta gelegt zu haben. Einzig das ehemalige Hellgate-Team lieferte mit Torchlight einen ebenso günstigen wie gelungenen Beitrag per Steam-Download ab, während der Weltraum-Ausflug Greed vermutlich besser in den unendlichen Weiten geblieben wäre.

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Spielspaß für wenig Geld - Steam sei Dank: Torchlight.
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Stichwort Steam: Das einst ungeliebte und als notwendiges Übel verschriene Spieler-Gängel-Tool hat sich – Portal hat’s vorgemacht – zur letzten Hoffnung für innovative Spiele diesseits des Äthers gemausert. Für wenig Geld, ein wenig Mundpropaganda und viel Einfallsreichtum erschienen hier im Akkord originelle Spielideen, wie man sie kaum noch zu träumen gewagt hätte: Torchlight, Braid, Trine, Lucidity… Und Neuauflagen beliebter Spieleklassiker wie die Special Edition des genialen The Secret of Monkey Island.

Die letzte PC-Domäne: Adventure und Strategie

Es gehörte zu den Überraschungen des Jahres, auf die keiner mehr zu hoffen gewagt hatte: Auf der E3 kündigte Lucas Arts nicht nur die Special Edition des ersten Monkey Island an, sondern den seit Jahren von Fans geforderten fünften Teil, wenn auch im glücklosen Episodenformat.

Dass Entwickler Telltale Games mit den „Sam & Max“-Staffeln bereits schon mal einem LucasArts-Klassiker erfolgreich neues Leben eingehaucht hatte, weckte Hoffnung, die schnell in Ernüchterung umschlug. Solide zwar, wurde Tales of Monkey Island der eigene Legendenstatus (und eine verkorkste Steuerung) zum Verhängnis.

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Adventurefans gerieten 2009 ins Schwärmen: "Ich bin Guybrush Threepwood, mächtiger Pirat, zurück aus dem Ruhestand ."
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Dennoch war 2009 das mit Abstand beste Adventure-Jahr seit der goldenen Genre-Ära Anfang der 90er. The Book of Unwritten Tales, Simon the Sorcerer 5, Ceville und das alles überstrahlende Meisterwerk The Whispered World schickten uns in heitere Fantasywelten, während Black Mirror 2, Still Life 2 und das leider (auch in der gamona-Redaktion – Schande über mich!) lange Zeit unterschätzte The Lost Crown den Grusel beim Rätseln weckten.

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Strategiespiele als letztes PC-Biotop? Empire: Total War.
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Sieht man sich die Flut der 2009 erschienenen PC-Spiele an, fällt auf, dass neben den Adventures und Free2Play-Spielen nur noch ein weiteres Genre wie ein Fels in der Brandung aus dem Meer der Konsolenportierungen empor ragt: das der Strategiespiele. Dawn of War 2, Empire: Total War und Anno 1404 erschienen sämtlich PC-exklusiv – ein Anachronismus, der angesichts steigender Produktionskosten von Computerspielen und sinkender Absatzzahlen im PC-Segment in Bälde ausgestorbener sein dürfte als die Dinosaurier in Paraworld. Mit Ausnahme von Starcraft 2 sind die RTS-Hits des nächsten Jahres, von R.U.S.E. bis Command & Conquer 4: Tiberian Twilight, jedenfalls allesamt als Multiplattform-Feldzüge angedacht.

Gestern wuseln, heute wimmeln

Was Wii, DS und Xbox Live können, kann der PC schon lange: Simple Casual-Games für wenig Geld und ebensolches Produktionsbudget in Kübeln über bemitleidenswerten Spieleredakteuren auskippen. „Wimmelbildspiele“ heißt der neueste, völlig unverständliche Hype, der uns meterweise Regale rosafarbener Boxen in den Elektromärkten und seltsamerweise auch durchzockte Nächte bescherte.

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Phänomen 2009: Wimmelbildspiele.
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Denn völlig überraschend entlarvte die gamona-Redaktion das an sich hirnrissige Spielprinzip, das aus Adventuren bereits vor Jahren dank Hotspot-Anzeige wegrationalisiert wurde, als hochgradig suchtgefährdend. Die Sammelwut, möglichst schnell versteckte Gegenstände in überfrachteten Bildschirmen zusammenzuklicken, greift offenbar auch, wenn epische Fantasystorys und hochzulevelnde Charaktere außenrum fehlen…

Grinding nennt man das in anderen Genres – ein Artverwandter des Farming, das ebenfalls merkwürdige Blüten und für Publisher astragon die dicksten Umsatz-Kartoffeln des Jahres trug: Nach dem Farming-Megaerfolg Landwirtschafts-Simulator wurde 2009 alles simuliert, was nicht bei Drei vom Acker war: Wolkenkratzer, Feuerwehr, Schwimmbad, Abrissbirnen, Holzfäller – bei so viel Simuliererei verlor offenbar sogar astragon selbst den Überblick und vergaß auf der Packung zum Absch(l)eppwagen-Simulator kurzerhand das l.

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Kurios: Vor lauter Simuliererei vergaß astragon das L beim Absch(l)wagen-Simulator.
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Wimmelbilder, Simulatoren, Browser- und Flashspiele – der PC tritt im Core-Bereich auf der Stelle und vollzieht daher zurzeit einen Ausfallschritt zur Seite: Weg von den klassischen Genres, die sich lümmelnd auf der Wohnzimmercouch auf der einfach zu handhabenden Konsole gemütlicher zocken lassen, hin zur Arbeitsmaschine für den kleinen Spielequickie in der Büropause zwischendurch.

In Facebook integrierte Online-Happen wie Mafia Wars, Bejeweled und Castle Age, die sich mal eben nebenbei ein paar Minütchen starten lassen, wenn Outlook gerade mal abgestürzt ist oder man auf eine Antwort-Mail wartet, entsprechen dem Nutzerverhalten des heutigen PC-Users vermutlich mehr als ein Sitzfleisch-Monster wie Dragon Age, erst recht einem Partyknaller wie Guitar Hero, oder einem Assassin’s Creed 2… das Anfang 2010 endlich auch auf PC erscheinen wird. Viel besser als auf Konsole. Ätsch!

Dieser Jahresrückblick ist dem Andenken an Duke Nukem Forever (1997-2009) gewidmet.