Das Jahr 2010 neigt sich dem Ende zu und natürlich kommen wir nicht umhin, einen persönlichen Blick zurückzuwerfen auf zwölf Monate voller Krisen, Höhepunkte und selbstverständlich jede Menge neuer Konsolenspiele. Wenn man am Ende des Jahres vor dem Spielregal steht und zärtlich über die Rücken der Verpackungen streichelt, zieht das Jahr mit all seinen Highlights vor dem geistigen Auge noch mal an uns vorbei.

Dabei fing die neue Dekade aus Industriesicht gar nicht gut an. Nach einem ohnehin schon moderaten Vorjahr verzeichnete die Branche laut BUI im ersten Halbjahr einen Umsatzrückgang, der erst in der zweiten Jahreshälfte abgefangen werden konnte. Plattformübergreifend betrug der Umsatz mit Spiele-Software von Juli bis September insgesamt 262 Millionen Euro und damit drei Prozent mehr im Vergleich zu den Vorjahresmonaten.

Während der PC gleich um zwölf Prozent zulegen konnte, verzeichneten Konsolenspiele jedoch nur einen Zuwachs von mickrigen zwei Prozent. Bei Handhelds musste sogar (auch aufgrund eines Preisrückgangs) ein Umsatzminus von elf Prozent verbucht werden. Der Gesamtumsatz mit Spielen in den ersten neun Monaten dieses Jahres belief sich demnach auf insgesamt 894 Millionen Euro, der größte Anteil wird wie immer für das Weihnachtsgeschäft erwartet, in dem die Branche traditionell die meisten Spiele und umsatzstärksten Marken veröffentlicht.

Jahresrückblick - Das Konsolenjahr 2010 - die Höhen und Tiefen

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Toller Start für CoD: 8,4 Millionen Verkäufe allein im ersten Monat.
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So beispielsweise das zu den Shooter-Highlights zählende Call of Duty: Black Ops, das mit seiner Veröffentlichung alle möglichen Verkaufsrekorde brach und bereits im ersten Monat weltweit 8,4 Millionen Mal über die Ladentheken ging - davon acht Millionen Stück allein für Konsolenversionen des Actionspiels. Plattformübergreifend sollen in den ersten fünf Tagen nach Berechnungen des Publishers Activision Blizzard 650 Millionen US-Dollar umgesetzt worden sein. Zum Vergleich: Der qualitativ eher enttäuschende Konkurrent Medal of Honor brachte es nach fünf Tagen auf insgesamt 1,5 Millionen Verkäufe.

Trouble in Big California?

Das Jahr hatte für Activision Blizzard und Call of Duty aber mit alles andere als guten Nachrichten begonnen, denn es gab Trouble im Hause Infinity Ward, den Entwicklern der Modern-Warfare-Ableger. Anfang März feuerte der Publisher kurzerhand die beiden Studiochefs Jason West und Vince Zampella, denen Vertragsverletzung vorgeworfen wird. Details werden Gerichte klären müssen, doch die zwei Geschassten waren nicht untätig und gründeten im Nu die neue Games-Bude „Respawn Entertainment“. Man darf gespannt sein, was hier zukünftig entsteht und wie es mit „Modern Warfare“ weitergeht.

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Sprengte ein festgefahrenes, verbissenes, viel zu ernstes Genre aus den Fugen: Bayonetta.
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Bis zu dieser Krise drehten sich aber bereits eine ganze Reihe hochklassiger Spiele in den Laufwerken unserer Konsolen - genauer Xbox 360 und PS3, denn die Handhelds fristeten überwiegend nur ein Schattendasein, das von wenigen Ausnahmetiteln unterbrochen wurde. So beispielsweise der CoD-Konkurrent Battlefield: Bad Company 2, dem viele einen derart großartigen Auftritt nicht zugetraut hätten. Zwar hinkt man hinsichtlich der Verkaufszahlen noch weit hinter der Galionsfigur zurück, qualitativ muss sich der hervorragende Shooter jedoch kaum bis gar nicht (Online/Multiplayer) verstecken und begeistert mit seinen taktischen Schlachten die Massen.

Im ersten Quartal prallten auch zwei völlig unterschiedliche Gegenspieler aufeinander: Bayonetta und Kratos. Zunächst heizte die Anfang Januar auf den Plan getretene Hexe Bayonetta den Fans heißer Action-Prügler ein. Sie hatte zwar den definitiv knackigeren Hintern als Kratos und ein wesentlich umfangreicheres Kampfsystem. In Dingen Brachialität und Inszenierung stellte God of War 3 meiner Meinung nach aber alle Konkurrenten in den Schatten. Beide Games gehören zum Besten, was das Jahr zu bieten hatte. Letztendlich entscheidet (wie bei Seb und mir) sicherlich auch die persönliche Vorliebe über den Hack-n-Slay-Thron.

Move oder Kinect? 3DS!

Streiten darf man sich zukünftig auch darüber, welches bewegungssensitive System denn das beste ist. Im Frühjahr offenbarten Sony und Microsoft mit „Move“, respektive „Kinect“ (angekündigt als Projekt Natal), ihre eigenen Versionen und Visionen der „Fuchtelsteuerungen“. Nintendo hatte es mit der Wii vorgemacht und die Konkurrenz ahmt es nun auf ihre Weise nach. Es bleibt abzuwarten, ob diese Art des Konsolen-Gamings tatsächlich einen Mehrwert bietet. Die Wii hat nur in Ansätzen gezeigt, dass diese neuen Techniken das Spielerlebnis verbessern können. Ob wir mit Move und Kinect das Gleiche nur mit besserer Grafik erleben?

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Nintendo 3DS: Die Japaner sind den anderen wieder einen Schritt voraus - oder?
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Beinahe zeitgleich kündigte Nintendo für das Frühjahr 2011 eine eigene Hardware-Neuerung an: den Handheld „3DS“. Das Nachfolgemodell heutiger mobiler Nintendo-Konsolen zeichnet sich vor allem durch seine 3-D-Eigenschaften aus. Vollkommen ohne spezielle Brillen zaubert das Gerät mithilfe des Autostereoskopie-Verfahrens einen 3-D-Effekt, der völlig neue Ansätze erlaubt. Auch hier darf man allerdings, wie auch bei Spielen, die 3-D-Tricks unterstützen, gespannt sein, ob sich dadurch ein wirklicher spielerischer Nutzen einstellt.

Wenn man über neue Ansätze beim Konsolenzocken spricht, darf das im Februar erschienene Heavy Rain natürlich nicht unerwähnt bleiben. Das hat mehrere Gründe. Zum einen, der wichtigste Punkt: Es hat meine Freundin zum Mitspielen gebracht! Die Gaming-Branche ist allerdings uneins, ob die Aufmachung eines interaktiven Films, dessen Figuren man mithilfe einer gewöhnungsbedürftigen Steuerungsmethode durch die Handlung treibt, ein Meisterwerk ist - oder es beim unausgegorenen Versuch bleibt. Die gamona-Redaktion ist sich jedoch ziemlich einig, dass Quantic Dream hier ein Meilenstein gelungen ist, den jeder Konsolero (mit einer PS3) zumindest ausprobiert haben sollte.

Jeder will John Marston sein!

Einig kann man sich auch darüber sein, dass Rockstar Games in diesem Jahr wieder erstklassige Arbeit abgeliefert haben. Zum einen natürlich mit Grand Theft Auto: Episodes from Liberty City, das endlich auch für PS3 erschien. In erster Linie muss aber das grandiose Red Dead Redemption genannt werden. Hier handelte sich das Studio zwar Kritik ein wegen der angeblich fragwürdigen Arbeitsbedingungen der am Projekt beteiligten Mitarbeiter, deren Familien auf die Barrikaden gingen. Doch zumindest für uns Spieler war das Software-Endergebnis ein unglaublich dichtes Wildwestabenteuer, an dem man als Fan von Open-World-Actionspielen einfach nicht vorbeikommt. Das gilt übrigens auch für das ebenfalls von Take 2 veröffentlichte Mafia 2, das ein vollwertiges Open-World-Szenario zwar nur vorgaukelt, dafür aber mit einer grandiosen Geschichte und tollen Charakteren punktet.

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Begeisterte dieses Jahr mit einer wunderbar lebendigen Wildwestwelt: Red Dead Redemption.
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Doch als Journalist und Rezensent kann man ja viel schreiben und beste Wertungen vergeben - daraus einen Einfluss auf den Verkaufserfolg abzuleiten, wäre irreführend. Das mussten beispielsweise die sehr guten Arcade-Racer Blur und Split/Second erfahren, die scheinbar unter einer Bereinigung des Marktes bei Racing-Games litten. Soll heißen: Alles wartet und stürzt sich auf die großen Marken wie Forza Motorsport, Gran Turismo und Need for Speed - für alle anderen bleiben nur noch Brotkrummen der kaufbereiten Enthusiasten.

GT5 - nach einer unglaublich langen Entwicklungszeit kurz vor Ultimo doch noch erschienen - und „Hot Pursuit“ kamen zwar fast zeitgleich auf den Markt, dürften jedoch insgesamt unterschiedliche Käuferschichten ansprechen. Und sind dementsprechend erfolgreich.

Spiele, wo „Mario“ draufsteht, sind dagegen ohnehin Selbstläufer, die sich vermutlich auch millionenfach verkaufen würden, wenn Nintendo einen leeren Karton auslieferte. „Super Mario Galaxy 2“, die Fortsetzung des gefeierten Jump-n-Runs, knüpfte im Frühsommer genau dort an, wo der Vorgänger endete, und verzauberte die Mario-Jünger weltweit mit seiner bunten Traumwelt. Das Spiel dürfte nicht umsonst bei sehr vielen Kids (meinem Neffen eingeschlossen) ganz oben auf dem Weihnachtswunschzettel stehen.

Konsolen-Gaming auf iPhone & iPad?

Bei Besserverdienenden steht da aber wohl etwas ganz anderes, vor allem teures Technikspielzeug, das im weitesten Sinne auch das Konsolen-Gaming tangiert: iPad und iPhone beziehungsweise ihre Konkurrenten. Immer mehr gute Spiele erscheinen auch für diese neuen Plattformen. Während Gaming auf Handys bisher stets belächelt wurde und ein Nischendasein fristete, bringen die Publisher immer mehr Spiele zu sehr günstigen Preisen auf den Markt und weiten damit „unser“ Hobby in den Wahrnehmungshorizont von Gelegenheitsspielern aus. Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass dieser Bereich enorme Wachstumschancen verspricht.

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Armes, überschwemmtes Genre der Musikspiele: Bis auf Rock Band 3 gab es kaum markante Fortschritte.
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Ganz anders sieht das jedoch im Musikspielgenre aus, das deutliche Ermüdungs- und Abnutzungserscheinungen zeigt. Daran trägt allerdings die Industrie eine nicht unerhebliche Schuld, denn mit einer Schwemme gleichzeitig veröffentlichter, ähnlicher Titel der Guitar Hero-, Rock Band-, und Singstar-Marken wurde der Markt schlicht und ergreifend ertränkt und gesättigt. Aus spielerischer Sicht konnten lediglich DJ Hero 2 und Rock Band 3 begeistern. Letztgenannter Kandidat eröffnet vor allem durch den Einsatz praktisch realer Instrumentennachbildungen völlig neue Möglichkeiten für musikliebende Spieler. Ob sich diese hohe Anspruchshaltung aber durchsetzen kann und massentauglich ist? Abwarten.

Was hatte 2010 außer dem 15. Geburtstag der Playstation oder dem 25. Jubiläum der Super-Mario-Bros-Reihe noch zu bieten? Einen schrumpfenden Gebrauchtspielemarkt beispielsweise, der durch Drangsalierungstechniken der Spielindustrie verursacht wurde. Immer mehr Titel funktionieren nur bei bestehender Internetverbindung, viele Inhalte stehen nur Erstkäufern nach Eingabe eines Codes zur Verfügung. Wer das Spiel anschließend gebraucht kauft, muss Zusatzfeatures und Online-Modi für teures Geld freischalten. Ein Wunder, dass die sonst sehr auf Verbraucherrechte achtende EU hier noch nicht eingeschritten ist. Schließlich mindern Technologien wie „Online Pass“ von Electronic Arts den Wert eines gekauften Produktes drastisch. Die Rechte der Konsumenten werden damit radikal eingeschränkt.

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Abgedreht, schnell, verrückt - Vanquish. Kein Wunder, kommt ja auch von den Bayonetta-Entwicklern.
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Immerhin - noch dürfen wir selber entscheiden, welche Spiele wir kaufen und zocken. Und tolle Veröffentlichungen gab es zu Genüge. Shooter-Fans griffen nicht nur zu den bereits genannten Genrestandards oder dem sehr guten, aber nicht herausragenden Halo: Reach. Ein Highlight kam in diesem Jahr nämlich mit Vanquish sogar aus Fernost! Und das, obwohl Ex-Capcoms Keiji Inafune die Behauptung aufstellte, japanische Entwickler könnten es mit der westlichen Konkurrenz nicht mehr aufnehmen.

Wer dieses mitreißende Spektakel gezockt hat, wird da ganz anderer Meinung sein. Das gilt übrigens auch für das hervorragende Castlevania: Lords of Shadow (ein absolut gelungenes Franchise-Reboot von Konami) oder das jüngst erschienene Donkey Kong Returns von Nintendo. Mit Metal Gear Solid: Peace Walker spendierte uns Japans Spielindustrie sogar eines der wenigen PSP-Highlights des Jahres (neben dem überragenden God of War: Ghost of Sparta selbstverständlich, doch das kommt bekanntermaßen aus Kalifornien).

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Majin and the Forsaken Kingdom ist neben Enslaved eines der zauberhaftesten Spiele des Jahres, aber kaum beachtet. Schämt euch!
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Dass Konkurrenz oft zu besserer Leistung antreibt, zeigt nicht nur die Rivalität zwischen Marken wie FIFA und Pro Evolution Soccer. Ein Duell auf sehr hohem Niveau, das in diesem Jahr wohl mit einem knappen Punktsieg für die FIFA-Reihe endete. Immer häufiger scheint sie auch die Kreativität zu behindern bzw. die Risikofreudigkeit der Publisher mit neuen Franchises zu bremsen. So erscheinen zwar immer wieder auch Neuheiten wie das wundervolle Micky Epic, das herausragende Echtzeitstrategiespiel R.U.S.E. oder das liebliche Majin and the Forsaken Kingdom. Trotzdem vertrauen die Entwickler zusehends auf bewährte Titel. Fortsetzungen wie das vortreffliche Assassin’s Creed: Brotherhood oder Mass Effect 2 (erst im Januar 2011 für PS3) mögen dafür als Beispiele stehen.

Das war’s dann also? Nicht mal den ollen Duke-Witz kann ich am Ende verbraten, denn der Shooter kommt - wer hätte das gedacht? - tatsächlich 2011 in den Handel! Doch das ist eine andere Geschichte, und die erzähle ich in der Vorschau aufs nächste Jahr. Bis dahin, frohe Weihnachten!