2010 war, dem Untertitel eines bekannten Films zu entnehmen, „das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen“ – schaut man sich die Ereignisse der zurückliegenden 365 Tage an, möchte man hinzufügen: Kontakt zum Totenreich wohlgemerkt. Es war ein Jahr zwischen Leben und Sterben, das Jahr der Wiedergeburten längst totgeglaubter Spiele, der Gnadenschüsse für einst große Spieleserien und das Jahr vom allmählichen Dahinsiechen des PC-Marktes, von MMO-Totgeburten und unfertigen Spiele-Frühchen.

Blicken wir also zurück auf ein Jahr der Hypes, enttäuschten Erwartungen, der großen Rollenspiel-Epen und kataklysmischen Veränderungen, der Kopierschutz- und Taliban-Skandale – und auf ein Jahr, an dessen Ende wir für 2011 endlich wieder guter Dinge sagen können: „Hail to the King, Baby!“

I’m here to kick Ass: Free2Play mischt den Markt auf

Während sich die Entwickler klassischer PC-Spiele im Selbstmitleid suhlen, tätscheln sich die Free2Play-Publisher die satten Bäuchlein. Kaum ein Fleckchen auf Branchenveranstaltungen wie der Quo Vadis oder dem Deutschen Entwicklerpreis, an dem einen nicht das Logo von Hauptsponsor BigPoint selbstbewusst entgegengrinsen würde.

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Drakensang erlebt als Browserspiel seine Wiederauferstehung.
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Grabesstimmung dagegen auf der anderen Seite: Sogar ein bei Kritikern und Spielern beliebter Titel wie Drakensang konnte die Radon Labs nicht vor der Insolvenz retten – nur damit dieser kurz darauf unter BigPoint-Flagge als Hersteller von Browserspielen wiederauferstand. Eine ebenso spektakuläre Wiederauferstehung erfuhr auch das einstige Weltraum-Sorgenkind Black Prophecy bei Konkurrent gamigo.

Auch Runes-of-Magic-Mutti Frogster ließ sich vom Free2Play-Wolf Gameforge verspeisen. Kräftebündeln für die Zukunft, heißt da die Devise. Denn allmählich springen auch die „großen“ Publisher mit reichlicher Verspätung auf den mit Transrapid-Geschwindigkeit dahinbrausenden Zug der kostenlosen Download-Spiele auf.

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Need for Speed World: Auch die großen Marken legen den F2P-Gang ein.
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EA bringt mit „Play4Free“ nach „Heroes“ bereits den zweiten F2P-Ableger der Battlefield-Serie heraus, legt mit Need for Speed World den MMO-Gang ein und belebt mit Lord of Ultima sogar eine seit Jahren brach liegende Marke wieder – wenngleich das Endprodukt wenig mit dem Rollenspiel-Klassiker zu tun hat.

Auch die Spieleriesen Ubisoft und THQ führen ihre großen Marken in den Kostenlosfeldzug: Company of Heroes Online, Might & Magic Heroes: Kingdoms und Die Siedler Online sehen zwar aus wie Serienvertreter der vorvorletzten Generation, können aber durch ein zeitloses Spielprinzip und ihren Bekanntheitsgrad viele Spieler für sich gewinnen.

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Battlefield Play4Free: Fette Marke
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Der MMO-Markt dürfte damit 2011 sein spannendstes Jahr erfahren: War das Segment bisher von ungebremstem Wachstum beflügelt, könnte allmählich eine Sättigung eintreten. Zumal die derzeitigen Platzhirsche bereits hörbar mit den Zähnen klappern, angesichts der Versuche der „Großen“, mit ihren erfolgreichen Marken einen Fuß in die Free2Play-Tür zu bekommen. Denn mal ehrlich: Wer zieht schon in einem Klon wie Combat Arms oder War Rock in die Kostenlosschlacht, wenn er es auch unter originaler Battlefield-Flagge tun kann?

Die Radon-Labs-Übernahme durch BigPoint ist daher weniger dem Know-how der Berliner Entwickler geschuldet als vielmehr der Bekanntheit der Drakensang-Marke, die sich die Hamburger Free2Player damit ins Portfolio einverleiben. Kein Wunder also, dass man sich in der Hansestadt händeringend mit Marken eindeckt, die den F2P-Gehversuchen von EA, Ubisoft & Co. Stolpersteine in den Weg legen sollen. Ob B-Brands wie Battlestar Galactica oder Die Mumie allerdings ausreichen, um den erwachenden Publisher-Riesen Ohnmachtsanfälle zu bescheren, bleibt zumindest fraglich.

Rest in pieces! Das langsame Sterben der klassischen MMORPGs

Angesichts des anhaltenden Kostenlos-Booms wundert es schon, mit welcher Naivität viele Publisher immer noch ihr letztes Hemd auf das klassische Gebührenmodell verwetten. Auch 2010 standen jedenfalls wieder einige Entwickler am Ende des Jahres mit runtergelassenen Hosen da.

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Trauerspiel: Final Fantasy XIV ist eine der MMO-Enttäuschungen des Jahres.
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Star Trek Online war nach langen und schmerzhaften Wehen jedenfalls eine traurige Totgeburt. APB: All Points Bulletin starb in Rekordzeit den plötzlichen Kindstod – so fix war noch kein Spiel wieder offline wie das Gangster-MMO von EA. Und das völlig unfertige Final Fantasy XIV könnte vielleicht in zwei Jahren irgendwann mal zu dem Spiel herangewachsen sein, das sich Fans schon zum Release gewünscht haben…

Ist aber ja nichts Neues im Genre: 2010 versuchte bereits Aion mit der Version 2.0 (oder 2 Komma Punkt, wie sie bei uns in der Redaktion nur noch heißt, siehe Video) gerade zu rücken, was im ersten Anlauf noch schief hing. Kleine Sensation: Mit dem Add-on Rise of the Godslayer gelingt es Funcom tatsächlich, das Age of Conan abzuliefern, das es vor zwei Jahren schon hätte sein müssen. Warum nicht gleich so?

Aion - Interview: Das ist alles neu an Aion 2.0

Warum also immer noch monatliche Gebühren verlangen, wo selbst ein Der Herr der Ringe Online auf dem Sterbebett nach einem Schluck aus dem Free2Play-Jungbrunnen wieder quicklebendig wurde? Nun, vermutlich ist es immer noch der Mythos vom „Kost’ nix, taugt nix“, der die Publisher zum eisigen Umklammern des Gebührenmodells bewegt. Trion Worlds, die Entwickler des möglicherweise Next Big Thing im MMO-Zirkus, RIFT, wollen sich daher gezielt durch das Erheben eines monatlichen Obolus als Qualitätsfabrikanten ausweisen.

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Matthias beim Besuch von Trion Worlds in San Francisco.
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„Qualität“ nennt man in den persistenten Online-Welten derzeit etwas, das man in anderen Genres als Grundvoraussetzung bezeichnen würde: Stabilität und Fehlerfreiheit. Ob RIFT und das ebenfalls auf Monatsgebühren setzende TERA aber in den Disziplinen Quest-Design, Endgame-Content und Balancing mit dem über Jahre hinweg uneinholbar angewachsenen World of Warcraft mithalten können, muss sich 2011 zeigen.

Nur BioWare betont unermüdlich, wie „Content-driven“ Star Wars: The Old Republic doch sei. Nach der Häme eines anonymen Bloggers ist derzeit allerdings verhaltene Skepsis gegenüber EAs Großprojekt die neue En-Vogue-Einstellung in der Community.

What are you waiting for? Christmas? Cataclysm bis CoD: Spiele werden Event

Während alle anderen noch verzweifelt darüber rätseln, wie sie sich ihr Stückchen vom großen MMO-Kuchen abschneiden können, backt Blizzard in aller Ruhe weiter seine Plätzchen. World of Warcraft: Cataclysm sprengte 2010 jedenfalls sämtliche Verkaufsrekorde.

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Gehört mittlerweile zum guten Ton: Spektakuläre Midnight Openings.
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Und das, obwohl auch hier das Motto „Wiedergeburt“ über den kataklysmischen Umwälzungen geschrieben steht: Wiedergeburt der alten Welt in neuer Form, Wiedergeburt so manches verloren geglaubten Spielers, der reumütig zu WoW zurückkehrte, Wiedergeburt mancher Spielidee, die Warhammer Online schon vor Jahren hatte. Wiedergeburt aber auch der langen Schlangen vor den Spielemärkten der Mitternachtsverkäufe.

Denn das ist neu 2010: Spiele werden zum gesellschaftlichen Event. Was Blizzard schon seit Jahren äußerst erfolgreich inszeniert und Filme als starbesetzte Premierenfeier mit rotem Teppich schon seit Jahren praktizieren, ahmen andere Publisher ebenso öffentlichkeitswirksam nach: Man stellt die Spiele nicht mehr einfach in den Laden, nein, man feiert den Release in einer großen Show gemeinsam mit den Fans. Neben den beiden Blizzard-Titeln WoW: Cataclysm und Starcraft 2 schlugen auch die Midnight Openings von Call of Duty: Black Ops und sogar Assassin’s Creed: Brotherhood ein wie eine Bombe. Womöglich kommt kein Blockbuster-Spiel in absehbarer Zukunft ohne solcherlei Event aus…

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Oh là là! Mitternachtsverkauf von Call of Duty: Black Ops.
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Klar ist jedenfalls: Bei Rekordumsätzen mit Verkaufsschlagern wie Cataclysm, Black Ops oder FIFA blickt die Filmindustrie mitunter neidisch auf den rasanten Absatz ihres vermeintlich kleinen Entertainment-Bruders. Die Spielebranche klimpert jedenfalls nicht mehr, sie haut ordentlich auf den Putz. Fernsehwerbung zu jedem halbwegs größeren Titel ist mittlerweile ebenso normal wie der PR-technisch inszenierte Skandal, wie man ihn früher nur von den Stars und Sternchen Hollywoods kannte.

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Einer der Blockbuster 2010: Call of Duty: Black Ops.
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Einer der Aufreger des Jahres: EAs Versuch, den Flughafen-Skandal der Konkurrenz aus dem Jahr zuvor nachzuahmen, um die Aufmerksamkeit auf das eigene Medal of Honor zu lenken. Die spielerische Qualität allein ist eben schon lange nicht mehr ausschlaggebend für den Verkaufserfolg – um richtig „einzuschlagen“, müssen schwerere PR-Geschütze aufgefahren werden. Doch trotz der Diskussion, ob man Taliban im Multiplayer-Modus spielen dürfe oder nicht, ging Black Ops klar aus dem Shooter-Duell des Jahres als Sieger hervor. Bobby Koticks Polemiken gegen allen und jeden – oder einfach die Qualität des Spiels? – behielten am Ende den längeren Atem.

Nobody steals our chicks… and lives! Schwere Geschütze gegen Raubkopierer

An der PC-Front kämpfen die Publisher ohnehin ihren ganz eigenen Kampf: den gegen Raubkopierer. Gäbe es ein Gamer-Unwort des Jahres, „DRM“ zählte mit Sicherheit (vermutlich zum wiederholten Male) zum absoluten Favoritenkreis.

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Assassin's Creed 2 benötigt eine ständige Internetverbindung.
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Die Trophäe als erklärter Gamer-Staatsfeind Nr.1 räumt dabei Ubisoft ab, die mit Assassin’s Creed 2 eine ständige Online-Pflicht einführen. Trotz zahlreicher Boykott-Aufrufe verkauft sich Siedler 7 jedoch trotz desselben Kopierschutzes noch besser als seine Vorgänger. EA führt etwa gleichzeitig seinen Online-Pass ein, Blizzard untersagt Starcraft 2 auf LAN-Partys.

Drei weitere Buchstaben, die ebenfalls seit Jahren für Zündstoff sorgen und die Spieler zum Kauf statt zum Torrent-Download überreden sollen, lauten: DLC. Weder Fisch noch Fleisch sind die meist leicht ranzig schmeckenden Sahnehäppchen jedoch bestenfalls Dessert für alle, die mit der Hauptspeise einfach nicht satt zu kriegen sind. Wirklich lohnenswerter DLC-Nachschlag ist jedenfalls immer noch so selten gesehen wie der Yeti.

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Einst bockschwer, nun lammfromm: Prince of Persia.
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Auch das meistdiskutierte Thema 2010 in der Redaktion hat mittelbar mit Ubisoft zu tun: die „Casualisierung“ großer Spieleserien. Fast täglich hauen Kollege Seb und ich uns die Köppe ein bei der Frage, ob Assassin’s Creed ein toll inszenierter Open-World-Sandkasten oder doch eher Casual-Grützwurst auf Autopilot ist.

Tatsache ist jedenfalls: Um immer breitere Spielerkreise anzusprechen, werden Spiele immer zugänglicher – und damit auch einfacher, bis sie sich schon fast von selber spielen. Stark umstritten war beispielsweise dieses Jahr das übermächtige Mark-&-Execute-Feature von Splinter Cell: Conviction. Und das einstige Vor-Wut-in-die-Tischplatte-beiß-Vorzeigespiel Prince of Persia ist mit der neuesten Ausgabe „Die vergessene Zeit“ so leicht geworden, dass es selber schon längst wieder in Vergessenheit geraten ist.

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Geübte Zocker spielen Force Unleashed 2 an einem Nachmittag durch.
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Dazu passt die Mode, die Spieldauer aktueller Großtitel der Laufzeit eines längeren Kinofilms anzunähern. Einzelspieler von Blockbustern wie Call of Duty: Black Ops, Medal of Honor oder Star Wars: The Force Unleashed 2 konnten die Stunden, die sie benötigten, bis der Abspann über den Schirm lief, jedenfalls an einer Hand abzählen.

Schön, dass es im Vergleich dazu ein Genre gibt, in dem der entgegengesetzte Trend festzustellen ist: Die riesigen Spielwelten von Fallout: New Vegas, Two Worlds 2, Fable 3 und Mass Effect 2 mit tollen Quests, mitreißenden Geschichten und Wochen voller Spielspaß sprechen laut und deutlich: 2010 war ein vorzügliches Jahr für Rollenspieler! Ach ja, und Arcania: Gothic 4 gab es auch…

Die, you son of a bitch! Gnadenschuss für große Spiele

Die Unken riefen es schon laut im Vorfeld, Kollege Sebastians Fluchen während des Testens war ebenso wenig zu überhören: „Tschöö, Gothic, war schön mit dir!“ Trotz des sichtlichen Bemühens von Entwickler Spellbound um eine hübsche Spielwelt geriet Arcania: Gothic 4 zum seelenlosen Rollenspieldebakel. Schade um die traditionsreiche Serie.

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Arcania war für viele die Enttäuschung des Jahres.
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Auch das Finale der ehrwürdigen Command & Conquer-Saga versetzte der Serie den Gnadenschuss. Ein lieblos umgekrempeltes Spielprinzip und trashige Zwischensequenzen wie von der Laienschauspieltruppe Bad Salzuflen bereiteten der Serie, mit der das Echtzeitstrategie-Genre einst auf die Welt kam, einen unwürdigen Abgang mit Fußtritt.

Die Geister, die ihre begeisternden Vorgänger einst riefen, schieden sich auch an den Sequels Mafia 2, Bioshock 2 und Lost Planet 2. Zweifellos gute bis sehr gute Spiele, vermissten viele Spieler jedoch die zeitgemäße Fortführung der mit den ersten Teilen eingeführten Spielkonzepte. Rechtfertigt das Gleiche in Grün tatsächlich einen neuen Serienteil?

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Darksiders: eine der wenigen Nicht-Fortsetzungen.
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Auffallend war jedenfalls, dass durch die Bank alle Blockbuster des Jahres Nachfolger großer Spieletitel waren – von Starcraft 2 bis C&C4, von Mass Effect 2 bis Arcania, von Civilization bis Splinter Cell, Assassin’s Creed, Bioshock und Fallout. Einzig Publisher THQ setzte auf Neuzugänge, wie die besonders lobenswerte PC-Umsetzung von Darksiders und der gelungene Endzeit-Shooter Metro 2033 – die übrigens beide demnächst Fortsetzungen erfahren werden.

Schade: Alle sonstigen gelungenen „Newbies“ von Bayonetta bis Alan Wake, von Enslaved bis Red Dead Redemption (OK, Letzteres ist nicht wirklich neu) blieben heuer den Konsolen vorbehalten – PC-Auftritt: unwahrscheinlich. In diesem Sinne war die Überraschung des Jahres: Sniper Ghost Warrior, das trotz teilweise vernichtender Kritiken und geringem Werbebudget zum Verkaufserfolg wurde. Da scheint jemand mit dem Scharfschützengewehr genau den Nerv der Zeit getroffen zu haben…

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Das vielleicht einzige innovative Mainstream-Spiel 2010: RUSE.
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Als Spielekritiker „Innovationen“ zu fordern, klingt angesichts der Ideenarmut der Entwickler und dem ungebrochenen Erfolg alter Konzepte fast schon als anachronistisches Mantra. Einzig das Strategiespiel RUSE kann in diesem Jahr der Wille zur frischen Spielidee attestiert werden. Wer originelle Einfälle will, soll Indiespiele spielen, mag man da fast schon verbittert den hoffnungslosen Idealisten zurufen. Bezeichnend jedenfalls, dass selbst eine spielerisch ausgelutscht scheinende Serie wie Tomb Raider als Download-Titel The Guardian of Light plötzlich den besten Teil seit Jahren zustandebringt.

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Initialzündung für dramatisches Story-Telling: Heavy Rain erschien leider nur auf PS3.
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Experimente wagten die Spiele 2010 jedenfalls nur in einer Disziplin: dem Story-Telling. Für epische Geschichten war das zurückliegende Jahr nämlich eine Initialzündung fürs kommende Jahrzehnt. Heavy Rain auf der PS3 verschmolz erstmals in der Spielehistorie die packende Inszenierung eines Films mit der interaktiven Einflussnahme zu einer nachhaltigen Spielerfahrung. Wer weiß, welche Möglichkeiten sich hiermit für künftige Erzählformen in Spielen auftun?

Die ersten Schritte in diese Richtung sind jedoch getan: A New Beginning nahm sich ernsthaften Themen an, Mass Effect 2, Two Worlds 2 und Fallout: New Vegas forderten den Spieler zu schicksalsträchtigen Entscheidungen heraus, Witcher 2, L.A. Noire und Dragon Age 2 werden den Weg im nächsten Jahr weiterbeschreiten.

Groovy! Vom Duke bis Horny: Das Jahr der Wiedergeburt

Schöner Nebeneffekt der Marken- und Serienfixiertheit der Publisher: Längst totgeglaubte Serien werden unverhofft wieder zum Leben erweckt. Der Wormser Publisher Kalypso hat sich in diesem Zusammenhang bereits einen respektablen Namen als Resteverwerter gemacht, egal ob mit oder ohne Lizenz: Legendäre Spiele wie Mad/MUD TV, Patrizier 4 oder Darkstar One feierten so bereits ihre Reinkarnation. Im nächsten Jahr freuen wir uns besonders auf ein Wiedersehen mit dem Kerkermeister aus Dungeons/Dungeon Keeper.

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Mad TV, Patrizier, Dungeon Keeper: Kalypso wiederbelebte alte Serien.
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„Hurra, sie leben noch!“, hieß es dann auch für eine Reihe von Spielen, die schon fast abgeschrieben 2010 doch noch erschienen. Alan Wake erblickte allerdings nur auf der Xbox das Licht der Welt, Gran Turismo 5 auf PS3 und The Kore Gang auf Wii. PC-Spieler bekam dafür Gray Matter, die Neverending Story von „Gabriel Knight“-Erfinderin Jane Jensen.

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2011 wird groß! In diesem Sinne: Kick Ass & Chew Bubble Gum!
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Und den Duke! Für den Herzog von Nukem ist Schluss mit Forever und 2010 das ganze Jahr Ostern: gestorben, begraben, auferstanden. Nachdem Entwickler 3D Realms im Frühjahr 2009 Insolvenz anmelden musste, war die Spielebranche um ihren bärtigsten Running-Gag ärmer. Doch Osterhase Gearbox sammelte die Reste wie Eier ein und macht mal eben in ein paar Monaten fertig, was 3D Realms in 12 Jahren nicht zustande gebracht hat.

Und wenn nicht demnächst als Releasetermin der 1. April bekannt gegeben werden sollte, können wir guten Gewissens in 2011 rutschen. In diesem Sinne lautet das Motto für's kommende Jahr: „Will it be good? After 12 fucking years, it should be! “

Wähl die besten Spiele des Jahres und gewinne tolle Preise! Mach mit beim gamona Leser-Award 2010.

2010 war spielemäßig...

  • 43%...ganz OK, aber ausbaufähig
  • 18%...so wie immer
  • 17%...ein exzellenter Jahrgang
  • 15%...etwas enttäuschend
  • 7%...zum Davonlaufen
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