2012 bescherte uns mit Diablo 3 und Guild Wars 2 zwei der seit Jahren am sehnlichsten erwarteten Spiele und läutete mit der Wii U die nächste Konsolengeneration ein. Wir trafen schwerwiegende Entscheidungen in Spec Ops und The Walking Dead und schlichen auf heimlichen Sohlen in Hitman: Absolution, Dishonored und Far Cry 3. Wir meckerten über das Ende von Mass Effect 3 und spielten dann doch lieber Indie-Games oder investierten unser Geld in verwegene Kickstarter-Kampagnen.

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Denn trotz vieler guter Spiele: Riefen wir 2011 noch einen hervorragenden Spiele-Jahrgang aus, so scheint er 2012 eher im Tetra-Pack abgefüllt – nicht unbedingt schlecht, aber auch wenig besonders. Bezeichnend dafür waren die Pressekonferenzen auf der E3: Um dort noch einen Unterschied zwischen all den Nachfolgern, Nachahmern und Schnarchnasen auszumachen, musste man schon ganz genau hinschauen.

Bei den hohen Kosten, die sogenannte Triple-A-Spiele heutzutage verschlingen, gehen die Publisher auf Nummer Sicher und produzieren in erster Linie das, was sich auch in der Vergangenheit verkauft hat.

Und mit dem für 2013 anstehenden Konsolen-Generationswechsel dürfte sich das vermutlich weiter verschärfen. Wer es sich nicht mehr leisten kann, für’s Motion-Capturing echte Pferde aufs Laufband zu schicken und die Aufmerksamkeit mit Trailern zu wecken, die beinahe so teuer sind wie das zugehörige Spiel, gerät schnell ins Hintertreffen.

Der Anfang vom Ende für viele war 2012 bereits erkennbar: Publisher DTP ist pleite, Sega zieht sich aus Deutschland zurück und THQ gerät heftig ins Schlingern – und meldet in diesen Minuten, da ich diese Zeilen schreibe, Insolvenz an. Selbst aus dem all die Jahre stets überschäumenden Free-to-play-Fischteich hört man nicht mehr nur „Petri heil“ allerorten, sondern zunehmend auch „Land unter“.

Jahresrückblick 2012: Games - Von Diablo 3 bis zur Wii U: Das war das Spiele-Jahr 2012

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Call of Duty brach 2012 wieder Rekorde.
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Vor allem die Pioniere in diesem Segment wie Bigpoint, Gameforge, Frogster, gamigo mussten Federn und leider auch Mitarbeiter (ent-)lassen. Mit ein Grund dafür ist, dass Publisher wie Ubisoft und EA, die den Trend lange verschlafen hatten, mächtig aufholen und dabei ihre bekannten Marken ins Rennen schicken wie Battlefield, Die Siedler, Might & Magic, Command & Conquer und und und… Gerade letzteres in der Browser-Variante drängt aber die Frage auf, wieso die Geiz-ist-geil-Version dem Vollpreis-Pendant vorzuziehen sein sollte.

Auf der anderen Seite gibt es ein Spiel wie Call of Duty: Black Ops 2, das in 24 Stunden mal eben 500 Millionen Dollar einspielt und kurz darauf die 1-Milliarde-Grenze knackt. Zahlen, von denen selbst Hollywood nur träumen kann. Rekorde brach 2012 auch Diablo 3, das von den Fans wie kaum ein Spiel zuvor herbeigesehnt wurde – und schließlich bei manchem doch gegen den Sieger der Herzen, Torchlight 2, den Kürzeren zog.

Mists of Pandaria verlängerte immerhin das Verfallsdatum der blizzardschen Cash-Cow World of Warcraft um eine Saison. Aber wohin die Reise im MMO-Genre nach dem Schicksalsjahr 2012 geht, war nie so unklar wie heute. TERA segelt nach wie vor mehrere Meter unter dem Radar und The Secret World leider fast vollständig an der Gunst oder dem Geschmack der Spieler vorbei. Guild Wars 2 besetzt wie erwartet seine selbst geschaffene Nische, doch selbst eine Mega-Produktion wie Star Wars: The Old Republic ist nach nicht einmal einem Jahr free to play und richtet aller Augen damit auf The Elder Scrolls Online, das im nächsten Jahr beweisen muss, ob und wie sich MMO-Großprojekte noch gegen den kostenlosen Billig-Grind aus Asien positionieren können.

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Diablo 3: Nie zuvor wurde ein Spiel sehnlicher erwartet.
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Dass selbst ein Premium-Entwickler wie Crytek 2012 ankündigte, in Zukunft nur noch Free-to-play-Spiele machen zu wollen, lässt den Blick in die Kristallkugel zu einem zwiespältigen werden: Zum einen schürt es die Hoffnung, Kostenlos-Spiele könnten eines Tages auch qualitativ an ihre Vollpreis-Konkurrenten anknüpfen. Zum anderen aber zeugt es von der Verbitterung, im Haifischbecken der Core-Produktionen nur kleine Fische zu fangen, während nebenan im Free-to-play-Tümpel noch die großen Hechte zu holen sind.

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Dass man trotzdem und sogar in Deutschland erfolgreiche Shooter entwickeln kann, zeigten unsere Berliner Nachbarn von Yager. Selbst die sonst eher konservativen Medien lobten an Spec Ops: The Line den redlichen, wenngleich nicht immer geglückten Versuch, die schmutzige Seite des Krieges in einem Spiel abzubilden.

Schöner Trend in diesem Jahr: Wo zahlreiche Entwickler lediglich den Wasserhahn zum Schlauch aufdrehen, warfen 2012 immer mehr ihre Spieler ins kalte Wasser und ließen sie selber schwimmen – bzw. selber entscheiden. Dishonored ist eine beeindruckende Hexenküche der unglaublichsten Möglichkeiten, Far Cry 3 eine bis ins letzte Eck vollgestopfte Spielwiese für Taktiktüftler, Hitman: Absolution ein dreckiger Bastard kreativer Einfälle. Nur Bioware, quasi der Erfinder der moralischen Entscheidungen, stieß manchen mit seinem kryptischen Ende von Mass Effect 3 vor den Kopf.

Bezeichnend daher vielleicht auch, dass unter all den Hochglanzproduktionen ausgerechnet das vermeintlich hässliche Entlein The Walking Dead bei den Video Game Awards als großer Sieger hervorging. Die Zeiten von Atomexplosionen und einstürzenden Neubauten scheinen zwar nicht vorbei, doch zumindest angezählt. Wir wollen Charaktere mit Charakter sein und auch solchen begegnen, mit ihnen fühlen und Teil einer Geschichte sein, die mehr ist als das Alibi für den nächsten Schusswechsel. Oder kurz gesagt: Spiele, die etwas bedeuten.

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Schicksalsträchtige Entscheidungen: The Walking Dead.
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Und diese fanden sich dieses Jahr zuhauf, allerdings weniger im Getöse des rauschenden Mainstreams, sondern auf den grünen Wiesen der kreativen Indie-Szene daneben. Journey und The Unfinished Swan waren weniger Spiele als interaktive Kunstwerke, die uns einluden, auf spielerische Weise die Schönheit ihrer Welt zu entdecken. Weniger besinnlich, dafür ebenso radikal – wenn auch in anderer Hinsicht - ging es in Hell Yeah! und Hotline Miami zur Sache. Fez verdrehte uns den Kopf, und bei Slender rutschte uns das Herz in die Hose, Legend of Grimrock eroberte es im Sturm zurück.

Immer mehr Spieler entdecken die Indiegames als visuell und spielerisch einfallsreiche Alternativen zum konfektionierten Mainstream. Und sind bereit, sogar noch vor dem Beginn der Entwicklung ihr Geld dafür auszugeben und vielversprechende Projekte finanziell zu unterstützen. „Kickstarter“ heißt der wohl größte Hype des Jahres.

Ob Tim Schafer, der mit seinen kultigen Videos maßgeblich zur Initialzündung des Kickstarters beitrug, die Id-Software-Veteranen Tom Hall und John Romero, Planescape-Mastermind Guido Henkel, Elite-Erfinder David Braben und viele der alten Sierra-Helden wie Al Lowe und Jane Jensen – sie alle kehren plötzlich aus der Versenkung zurück und schicken Retro-Fans per Fluxkickstarter zurück in die Vergangenheit. Den Vogel schoss „Wing Commander“ Chris Roberts ab, der für sein neues Projekt Star Citizen die Rekordsumme von 6 Millionen Dollar einfahren konnte.

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Phänomen Kickstarter: Chris Roberts meldet sich mit Star Citizen zurück.
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Die Liste der genannten Crowd-Funding-Heroen deutet aber schon an, dass diese Art der Spielefinanzierung weniger den innovativen, ungewöhnlichen Ideen zugutekommt, sondern als geldscheingewordener Defibrillator zur Reanimation vergangener Spielereihen und Marken fungiert, deren kleine, aber leidenschaftliche Fanbasis für die Risikominimierer aus den Büroetagen der großen Publisher zu unberechenbar ist.

Oder wie Ron Gilbert es kürzlich bei uns im Interview ausdrückte: „Stattdessen arbeitet man von Anfang an mit den Leuten zusammen, die sich wirklich dafür begeistern: den Fans.“ Natürlich arbeitet auch Gilbert gerade an einem neuen über Kickstarter finanzierten Spiel.

La dolce Wiita

Während wir immer noch vergebens darauf warten, dass Sony und Microsoft die neue Konsolengeneration einläuten, hat Nintendo immerhin schonmal dort angeklingelt und mit der Wii U eine Konsole vorgestellt, die technisch mal wieder eine Generation hinterherhinkt, beim Eingabegerät aber einen Schritt voraus ist.

Oder auch: einen Schritt voraus stolpert. Denn bis jetzt hat immer noch niemand so richtig verstanden, was genau es mit dieser Mischung aus Controller und Tablet eigentlich auf sich hat. Im Gegensatz zur Wii, die sofort den Traum vom Holodeck verhieß, gucken wir bislang ein wenig ratlos auf dem zweiten Bildschirm in die Röhre.

Das liegt vor allem am Spieleaufgebot, das echte Highlights vermissen lässt: Nintendo Land gibt zwar eine Ahnung von den spielerischen Möglichkeiten des neuen Controllers, aber immer noch keine Vorstellung davon. New Super Mario Bros. U macht mehr Schritte zurück als nach vorne, und Zombi U möchte gewaltsam Core-Spieler mit dem Wii-U-Virus infizieren, hätte aber noch ein bisschen mehr Inkubationszeit vertragen können. Und dass ein Darksiders 2, Assassin’s Creed 3 oder Mass Effect 3 auf der Nintendo-Konsole erscheint, ist weniger mit einem Sinn dahinter, sondern einzig als Signal zu deuten, dass deren Nachfolger auch darauf erscheinen werden und der Kauf einer Playstation 3 oder gar 4 bis dahin unnötig ist.

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Zombi U: Nintendo schielt auf die Core-Gamer.
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Immerhin: Noch schlimmer als Sony mit dem Launch der Playstation Vita kann es unmöglich irgendjemand vermasseln. Dass der japanische Elektronikriese mittlerweile von Analysten auf Ramschniveau gehandelt wird, hängt zwar nicht nur damit zusammen, doch dass es zu dem technisch zweifellos hervorragenden Gerät immer noch gerade mal eine halbe Handvoll halbwegs lohnenswerter Spiele gibt, dürfte in Zeiten, wo Handhelds ohnehin um ihre Daseinsberechtigung gegen die Smartphones und Tablets kämpfen müssen, einem K.O.-Schlag gleichkommen.

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Konsole sucht Spieler: Sonys Playstation Vita.
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Was ist nun also das Fazit für das vergangene Jahr? 2012 ist in vielerlei Hinsicht ein Jahr des Übergangs. Ein Übergang zwischen dem Jahr der Highlights 2011 und dem großen Finale 2013. Dann erleben wir mit GTA 5 eines der letzten großen Spiele für die alte Konsolengeneration, mit The Elder Scrolls Online das letzte große MMORPG klassischer Bauart und mit Homefront 2 das letzte Core-Spiel von Crytek. Aber hoffentlich nicht auch das letzte Spiel von THQ.

Denn auch hier war 2012 ein Jahr des Übergangs: Kleinere Publisher haben es immer schwerer im Wettbewerb gegen die großen. Ein Trend, der auch vor unseren Kollegen nicht Halt macht: Etliche Spielemagazine wie 4players, Onlinewelten oder Krawall wurden von großen Verlagen gekauft. Und selbst in den all die Jahre stets boomenden Free-to-play-Markt kommt Bewegung. Konsolidierung nennt man so was. Sehen wir mal, was uns 2013 in Sachen Konsolen bringen wird…

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