Ach, was habe ich mir Nacht um Nacht, Woche um Woche und mittlerweile Jahr um Jahr um die Ohren gehauen, weil ich mit Magic, Lynx, Ira und Dimitri auf der Suche nach dem perfekten Spielzug war. Zum Beispiel wenn Magic – den Spitznamen hat er, weil vor ihm keine Tür oder Truhe verschlossen bleibt – vor einer Tür stand, die doch nicht zu knacken war, und das mit einem „Ich bin hier am Ausrasten, Mann!“ kommentierte.

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Noch toller war Dimitri, dem nach einem Kopfverlust des Gegners inklusive Blutfontäne nur ein „Welch schöne Farben!“ einfiel. War man nicht gerade aktiv in einen Kampf verwickelt, hat man sich eben um die Ausbildung der Miliz gekümmert, die Wälder durchstreift oder ein wenig in Bobby Rays Waffengrube geschmökert. Waren noch Zeiten.

Zeiten der D-Mark. Aber ich gebe es hier gern zu: Ich spiele immer noch Jagged Alliance 2, und das nun mittlerweile zwölf Jahre nach Erscheinen. Und es gibt endlich frisches Futter: Der neue Teil „Jagged Alliance: Back in Action“ soll im Februar 2012 erscheinen und bis dahin auch das MMO „Jagged Alliance Online“ in den Startlöchern stehen. Wir haben uns Letzteres über die derzeitig laufende Closed Beta mal genauer angeschaut.

Jagged Alliance Online - Die Söldner auf Welttournee

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Immer schön Deckung suchen.
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Vorweg muss erwähnt werden, dass sich der Online-Ableger völlig von der Geschichte der vorhergehenden Teile abkapselt, weil er einfach keine Geschichte hat. Es sind Aufträge rund um den Globus verteilt, die ihr mit eurem Team in mehreren Abschnitten erledigen müsst. Euer Hauptquartier besteht aus einer Lagerübersicht in Spielgrafik, in der ein Lazarett und eine Werkstatt für eure Söldner zur Verfügung stehen. Zum Verarzten verletzter Söldner und zum Reparieren jeglicher Rüstungen sowie Waffen, die in den vorherigen Kämpfen Schaden genommen haben. Beide Zeltlager lassen sich weiter aufrüsten, um so weitere, effektivere Tools freizuschalten.

Hier gibt es noch weitere Zelte, die aber zumindest derzeit noch nicht nutzbar sind. So entdeckt man noch einen Schießübungs- und Helikopterlandeplatz, eine Waffenausgabe und ein Munitionsdepot. Die Söldnerrekrutierung und der Kauf von Waffen, Rüstungen und anderen Utensilien läuft jetzt noch über eine Leiste am oberen Bildschirmrand, aber es wird sich ja noch zeigen, ob diese kleinen Orte im Camp später noch einen Nutzen haben oder einfach nur Atmosphäre vermitteln sollen.

In der finalen Version sollen über 60 altbekannte und neue Söldner zur Auswahl stehen, bisher sind es 43 teils alte, teils neue Gesichter. Ihr könnt hier aber nicht jeden x-beliebigen Söldner sofort anheuern; die meisten könnt ihr erst ab einer gewissen Reputationsstufe freischalten, die sich mit den abgeschlossenen Missionen erhöht. Das Gleiche gilt für bessere Rüstungen oder Waffen. Natürlich dürft ihr vorher noch euren eigenen Söldner erstellen, wobei die Auswahl nicht exorbitant groß ist und ihr auch keine Fragen beantworten müsst, um eure Skill-Punkte oder Charaktereigenschaften festzulegen. Ist das erledigt, holt ihr euch noch einen oder zwei weitere Söldner und rüstet sie mit Rüstung, Kopfbedeckung, Primär-, Sekundärwaffe und Munition aus – schon kann es losgehen.

Zum Glück kein Echtzeitgehetze

Was sofort auffällt: 3-D. Zwar überblickt ihr das Geschehen immer noch aus der isometrischen Ansicht von schräg oben, aber Söldner, Feinde, Gebäude – alles ist in die hübsch detaillierte dritte Dimension übergegangen. Und für ein MMO, das man im Browser-Fenster spielt, sieht die Grafik wirklich erstaunlich detailliert aus. Hier ein Zug, der die Gleise alle paar Minuten entlangrauscht, da ein brennendes Autowrack, schöne Lichtquellen, dazu physikalisch korrekte Schatten und einzelne Patronenhülsen, die aus der Waffe geschleudert durch das Terrain rollen. Die Feinde fliegen jetzt nach Abschüssen in Ragdoll-Manier durch die Gegend und auch sonst ist die Umgebung liebevoll gestaltet. Kann sich sehen lassen.

Die Angst der Fans, die der Meinung sind, der Charme der Serie würde im 3-D-Gewand verlorengehen, ist unbegründet. Einzig die Charaktere sehen jetzt nicht unbedingt charakteristischer bzw. individueller aus, es sei denn man öffnet das Charakterfenster. Dann erkennt man schon, dass ein Shadow ein anderes Gesicht als ein Gus hat, aber mal im Ernst: Beim Vorgänger hat man die Söldner auch nur anhand der verschiedenfarbigen Outfits auseinanderhalten können.

Jagged Alliance Online - Die Söldner auf Welttournee

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Die Locations sind sehr vielfältig und abwechslungsreich.
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Der zweite beruhigende Punkt: Es ist wieder rundenbasiert und die Missionsziele laufen darauf hinaus, dass ihr alle Feinde im Sektor ausschalten müsst. Ihr habt wieder eine bestimmte Anzahl an AP (Actionpoints), mit denen ihr jetzt aber nicht nur auskommen müsst, wenn ihr auf Feinde trefft, sondern während der gesamten Mission. Mit der rechten Maustaste schaltet ihr zwischen Laufen, Schleichen und dem Wechsel der Blickrichtung hin und her und bestätigt die Laufwege sowie Schüsse mit der linken Maustaste. An sich wurde einiges an Dynamik aus dem Kampfgeschehen genommen, da das Klettern auf Dächer oder das komplette Hinlegen nicht mehr möglich sind. Allerdings habt ihr wieder die Möglichkeit, die Zielgenauigkeit zu erhöhen, indem ihr dafür mehr AP einsetzt.

Grafisch aufpoliert, gewohnte Söldner- und Waffenvielfalt, Koop-Modus und PvP-Duelle. Für alle alten Jagged-Alliance-Hasen auf jeden Fall einen näheren Blick wert.Ausblick lesen

Ihr verbessert eure Fähigkeiten nicht wie im Vorgänger während des Geschehens, sondern sammelt mit Abschüssen Erfahrungspunkte, die euch dem Levelaufstieg ein Stück näher bringen. Habt ihr das geschafft, dürft ihr drei Skill-Punkte verteilen, wobei ihr jetzt unterschiedliche Skills für die Waffentypen habt, dafür weniger Charaktereigenschaften, die verbessert werden können. Die Gegner reagieren nicht sonderlich intelligent, hin und wieder schaffen sie es mal mit dem Flankieren, aber da gibt es noch Luft nach oben. Dafür habt ihr jetzt zahlreiche Beeinträchtigungen wie Verwundungen, Schockzustände oder eine zerschmetterte Hand, die ihr dem Gegner durch Dauerbeschuss zufügt und somit seine AP in den Runden schmälert. Natürlich kann euch dasselbe Schicksal ereilen.

Zusammenfassend muss man klar sagen, dass „Jagged Alliance Online“ eine optisch aufgehübschte, aber inhaltlich sehr abgespeckte Variante der Serie ist. Allerdings soll es ja dem im kommenden Jahr erscheinenden „Jagged Alliance: Back in Action“ nicht den Rang ablaufen, sondern den Fans vor allem mit dem in der Beta leider noch nicht spielbaren PvP-Duellen mit eigenem Rufsystem eine bisher ziemlich gelungene Online-Alternative anbieten.