Der ehemalige Lionhead-Programmierer Cliff „Cliffski“ Harris ist dahinter gekommen, warum Leute seine Freizeitspiele raubkopieren. Mittels einer Befragung in seinem Blog konnte er eine große Anzahl von Torrent-Nutzern erreichen und erhielt somit hunderte ehrlicher Antworten – mit erstaunlichen Ergebnissen.

Ironischerweise“, so Harris in seinem Blog, „führt der Gedanke daran, dass tausende von undankbaren Deppen sich am ersten Tag dein Ding umsonst krallen, dazu, dass deine Begeisterung für die Entwicklung von Spielen sinkt. Es ist wirklich demoralisierend. Jedoch hat der Dialog mit den Piraten offenbart, dass eine riesige Gruppe wirklich gute Spiele wahrhaftig zu schätzen weiß“.

Anstatt jetzt wehleidig in Selbstmitleid zu baden und das allseits beliebte Trauerlied „Raubkopierer töten Künstler“ anzustimmen ging Harris in die Offensive und hat nun mittels Dialog versucht, Gründe für das Dilemma zu finden. Mit der einfachen Frage "Why do people pirate my games?" hat der Spieleentwickler ins Schwarze getroffen: Anscheinend haben viele Leute lange Zeit darauf gewartet, einem Entwickler diese Frage beantworten zu können. Auch wenn die Frage auf seine eigenen Spiele zugeschnitten war, bezogen sich die Antworten doch auf die ganze Branche.

Einige Leute haben Themen wie geistiges Eigentum, Zensur oder die Urheberrechtslage angeschnitten – jedoch betraf dies nur einen kleinen Teil der Antworten. Der überwiegende Teil hat pragmatischere Gründe aufgezählt.

Hauptgründe für die Piraterie sind der Umfrage nach unter anderen die zu hohen Preise für Spiele; sinkende Preise würden vor allem die Spontankäufe ankurbeln. Wie Harris betont, kam dieser Einwand nicht nur von Kindern mit kargem Taschengeld-Einkommen. Weiter wurde unentwegt die Qualität der Spiele bemängelt - allen voran langweilige Inhalte und Gameplay-Schwächen.

Niemand hätte sich, so Harris, über schlechte Grafik oder zu wenig Inhalt beschwert. Neben dem schlechten technischen Support wurde auch bemängelt, dass die Demos zu kurz seien, was dazu führe, dass Spieler einen falschen Eindruck vom Spiel bekommen und danach vom fertigen Spiel enttäuscht werden. Der letzte Hauptkritikpunkt betrifft das Digital Rights Management (DRM). Die immer wieder benötigte online Bestätigung stößt bei den Spielern auf breite Ablehnung. Harris Vorschlag dazu: "If you wanted to change ONE thing to get more pirates to buy games, scrapping DRM is it."

Ob die ganze Aktion nun Einfluss auf die breite Spieleindustrie haben wird, darf bezweifelt werden. Jedoch könnten sich einige an Harris ein Beispiel nehmen, da ein sachlicher Dialog beider Seiten wohl der vernünftigere Ansatz ist, das bestehende Piraterie-Dilemma zu lösen. Denn ob es sich für die Spieleindustrie und den daran beteiligten Künstlern wirklich auszahlt, lediglich mit restriktiven Massnahmen um sich zu werfen, ist fraglich.