Jade Empire (XBox-Test)
(von Andreas Spies)

Märchenhafte Abenteuer, sagenumwobene Fabelwesen und eine fesselnde Story: Rollenspiele liegen voll im Trend und erfreuen sich unter Zockern gerade wegen der tiefgreifenden Handlung größter Beliebtheit. Vor allem Konsolen-

Besitzer unterliegen immer häufiger dem Abenteurer-Syndrom, machen die Heldentaten im heimischen Wohnzimmer doch am meisten Spaß. Nun versorgen uns die Entwickler der kanadischen Spieleschmiede Bioware mit frischem Futter und veröffentlichten

Jade Empire - Jade Empire E3 2004 Movie

mit »Jade Empire« einen der wohl sehnlichst erwarteten Xbox-Titel der kommenden Wochen und Monate. Von der amerikanischen Presse hochgelobt und mit unzähligen Auszeichnungen versehen, können auch wir uns endlich ins Kampfgetümmel stürzen. Ob das Rollenspiel den hochgesteckten Anforderungen der Fangemeinde gerecht werden kann? Lest weiter!

Diesmal verschlägt es euch in das alte China: Unter den wachsamen Augen eures Meisters erlernt ihr in eurer idyllischen Kampfkunstschule in einer friedlichen Gegend schlagkräftige Techniken und die Beherrschung mystischer Kräfte - so wie es die Tradition der fernöstlichen Kultur besagt. Doch der Schein trügt: In Wirklichkeit befindet sich die Welt am Rande des Abgrunds. Tausende Untote fallen über die Lebenden her und sorgen im Jadereich für ein nie dagewesenes Chaos. Als wäre das nicht genug, wird auch noch euer Lehrer von den gefürchteten Lotus-Assassinen in die ferne Hauptstadt des Reiches entführt.

Ganz im Stil der Jahrtausende lang überlieferten Mythologie erkundet ihr schließlich eine atemberaubende Welt, in der ihr es auch mit Geistern, Ogern oder Drachen aufnehmen müsst. Auf in den Kampf, die mit vielen Überraschungen gespickte Reise beginnt ...

Ying & Yang
Schon zu Beginn der Programmierungsarbeiten stand »Jade Empire« unter einem guten Stern.

Kein Wunder, schließlich zeichnete das renommierte Softwarehaus Bioware bereits für die Entwicklung von Blockbustern wie der »Baldur's Gate«-Reihe oder »Star Wars: Knights of the Old Republic« verantwortlich, das von zahlreichen Publikationen sogar als bestes Spiel des Jahres 2003 ausgezeichnet wurde. Obwohl Bioware's jüngster Spross diesmal nicht auf einer futuristischen Filmlizenz basiert, sind gleich zu Beginn erste Parallelen zu erkennen. Ähnlich wie in »Star Wars: Knights
of the Old Republic« könnt ihr nämlich selbst entscheiden, ob euer Charakter freundlich gesinnt ist oder seinen Lebensweg auf rücksichtslose und egoistische Weise bestreitet.

Als gutes Beispiel hierfür sei das erste erste Quest genannt: Eure Wenigkeit wird damit beauftragt, einen von grausamen Piraten besetzten Damm zu säubern, so dass Seeleute nicht länger in einer Stadt ausharren müssen.

Doch wie das Leben so spielt, profitiert ein ortsansässiger Händler von der Belagerung und erfährt dabei einen wahren Konjunkturaufschwung. Was folgt, ist schließlich das Angebot, mit großen Reichtum überschüttet zu werden, wird nur ein bestimmter Schalter zerstört. Wie ihr euch letztendlich entscheidet, müsst ihr mit eurem Gewissen vereinbaren. Auswirkungen auf den gesamten Spielverlauf haben beide Varianten aber allemal und entscheiden über die Vergabe der folgenden Nebenquests.

Euer moralischer Status wird ständig auf einer Skala angezeigt, die je nach Entscheidung angepasst wird.

Dialoge en masse
Wie nicht anders zu erwarten, bringt »Jade Empire« natürlich auch zahlreiche Dialoge und gerenderte Zwischensequenzen mit sich, dank denen die etwa 20 Stunden umfassende Geschichte immer weiter vorangetrieben wird - und das sogar mit deutscher Sprachausgabe. In typischer Point & Click-Manier habt ihr immer die Möglichkeit, zwischen mehreren Antworten zu wählen, die auch Auswirkungen auf den Verlauf des Gesprächs haben.

An Spannung fehlt es dabei sicher nicht, fördern die Unterhaltungen doch immer wieder interessante Details ans Tageslicht, so dass euch die Story von »Jade Empire« bis zum Schluss fesselt.

Das liegt aber auch an den hervorragend geschriebenen Dialogen zwischen eurem Charakter und den NPCs im gesamten Jadereich.

Jade Empire - Monster, Sagen und Mythen: Erobert Jade Empire das Genre?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 60/641/64
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Fast jede Figur der Spielwelt verfügt übrigens über eine ausführliche Hintergrundgeschichte und kann mit euch interagieren. Asiatische Kampfkunst Zwischen den zahlreichen Dialogen und Zwischensequenzen geht es natürlich auch ans Eingemachte:

Jade Empire - Monster, Sagen und Mythen: Erobert Jade Empire das Genre?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 60/641/64
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Unzählige Gegner warten darauf, von euch ins Jenseits befördert zu werden. Dabei glänzt »Jade Empire« aber weniger durch seine ausgefeilten Kämpfe in Echtzeit. Leider stehen eurem Charakter nur vier verschiedene Kampftypen zur Verfügung, mit denen ihr eurem Kontrahenten den Garaus machen könnt. Von Tiefgang ist hier also keine Spur, so dass ihr im Endeffekt die gesamte Zeit auf den Angriffsknopf hämmert. Zum Glück unterteilen sich die Modi aber noch in jeweils fünf verschiedene Kampfstile, die während des Spielverlaufs als Belohnung für erfolgreich bestandene Aufgaben, durch Kauf bei bestimmten Händlern oder durch einfaches Einsammeln erweitert werden. Für Abwechslung sorgt neben magischen Sprüchen auch ein Zeitlupenfokus sowie spektakuläre Verwandlungen, durch die eure Spielfigur eine andere Gestalt annehmen kann. Zur Auswahl stehen unter anderem ein Pferdedämon, ein giftiger Krötendämon sowie der Jade Golem. Wer sich allerdings nicht gerne alleine ins Kampfgetümmel stürzt, der kann auch auf zahlreiche Mitstreiter zurückgreifen, die sich euch nach und nach anschließen.

Dabei helfen euch die NPCs aber nicht nur bei der Vernichtung der Höllenbrut, sondern stehen auch bei Entscheidungen über das weitere Vorgehen unterstützend zur Seite. Auf ein Management verzichteten die Entwickler von Bioware aber leider komplett. So könnt ihr euch lediglich aussuchen, welche Gefährten sich mit euch auf die Reise begeben dürfen. Wer seine Freunde beispielsweise mit Ausrüstungsgegenständen versorgen will, wird enttäuscht. Diese "Mitläufer" ersparen euch zwar viel Arbeit, schränken die Interaktionsmöglichkeiten während eines Kampfes aber erheblich ein. Oberflächliche Charaktere Ziel eines jeden Rollenspiel ist es, den eigenen Charakter durch Erfahrungspunkte Stück für Stück zu verbessern, so dass der Protagonist an Stärke gewinnt und bessere Ausrüstung tragen kann. Bei »Jade Empire« ist das natürlich nicht anders, die Möglichkeiten fallen im Gegensatz zu anderen Genrevertretern aber deutlich magerer aus. Zum einen entpuppt sich die Auswahl an unterschiedlich spezialisierten Helden als äußerst

Jade Empire - Monster, Sagen und Mythen: Erobert Jade Empire das Genre?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 60/641/64
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

gering, zum anderen bringt jede Figur nur die Attribute Körper, Geist und Seele mit sich. Habt ihr einen bestimmten Level erreicht, dürft ihr eurem Helden ein Power-Up verpassen und die Stilpunkte ganz individuell verteilen, um eure favorisierten Kampfstile weiter in Schnelligkeit, Schaden und Ausdauer zu verbessern.

Eigentlich hätten die Entwickler deutlich mehr Möglichkeiten in das Charakter-Management einfließen lassen können und müssen. Ein Levelaufstieg mit eurem Helden bringt demnach nicht viel mit sich, so dass dieser Aspekt bereits nach kurzem langweilig und monoton wirkt.

Jade Empire - Monster, Sagen und Mythen: Erobert Jade Empire das Genre?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 60/641/64
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Technikperle?
Die ersten offiziellen Screenshots haben es bereits gezeigt: Mit »Jade Empire« erwartet die Xbox-Gemeinde ein grafisch wunderschönes Abenteuer, das vor allem durch liebevolle Details sowie imposante Lichteffekte glänzen kann und auf eine märchenhafte Atmosphäre hoffen lässt. Daran hat sich bis zum Release eigentlich auch nichts geändert. Eigentlich, denn die Grafikpracht fordert ihren Tribut. Eine der gravierendsten Schwachstellen sind die häufig auftretenden Frameeinbrüche, die das Bild vor allem in größeren Städten oder beim Wechseln in die optionalen Ego- Perspektive ruckeln lässt. Auch die Ladezeiten fallen oftmals überdurchschnittlich hoch aus, was dem Spielspaß nicht gerade positiv zu Gute kommt. Darüber hinaus kommt es auch zu Clipping-Fehlern, die in dieser Weise nicht hätten sein müssen. Die musikalische Untermalung beschränkt sich selbstverständlich auf asiatische Klänge und reicht von ruhigen Titeln bis hin zu bombastischen Stücken. Zu jeder Situation wird ein passender Titel ausgewählt. Dazu gesellt sich eine gelungene, deutsche Synchronisation, die vor allem Lesefaulen zugute kommt.Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ tiefgreifende Story + ausgefeilte Dialoge + nicht-lineare Quests + malerische Darstellung + einwandfreie dt. Lokalisierung + gute Steuerung

Contra:
- häufige Frameeinbrüche - teils lange Ladezeiten - blasse Charakter-Entwicklung - monotone KämpfePro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ tiefgreifende Story + ausgefeilte Dialoge + nicht-lineare Quests + malerische Darstellung + einwandfreie dt. Lokalisierung + gute Steuerung

Contra:
- häufige Frameeinbrüche - teils lange Ladezeiten - blasse Charakter-Entwicklung - monotone Kämpfe