„Im Grunde haben sich Adventures seit 20 Jahren nicht verändert. Das ist auch der Grund, warum sie heute ein Nischengenre bilden.“ Oha! Üblicherweise beginne ich ein Interview mit Worten wie diesen, um mein Gegenüber aus der Reserve zu locken. Doch dieses Mal bekomme ich sie selbst zu hören, von Florian Stadlbauer, Chef der Frankfurter Adventure-Entwickler Deck13.

Jack Keane und das Auge des Schicksals - Teaser Trailer

Natürlich wolle man mit Jack Keane 2 nicht völlig neue Wege gehen und damit Fans des Vorgängers verschrecken. Doch bei ihren Nicht-Adventurespielen wie Venetica oder dem Action-RPG BloodKnight habe man viel darüber gelernt, wie man Geschichten auf andere Weise erzählen kann, als es Adventures tun – und dennoch dem Genre treu bleibt. „Wir machen hier das Adventure des 21. Jahrhunderts.“

Action Jack

Wer solche Worte spricht, ist entweder ein Hochstapler oder hat wirklich eine klare Vision, von der er absolut überzeugt ist. Angesichts der Begeisterung, mit der Florian uns wenige Sekunden später sein neues Baby vorführt, sind wir geneigt, Letzteres zu glauben. Und tatsächlich: Die erste Szene, die er uns zeigt, scheint eher einem Action-Adventure der Marke Uncharted entnommen denn einem behäbigen Point-n-Click-Abenteuer, so rasant ist es inszeniert, so turbulent die Action.

Jack Keane und das Auge des Schicksals - Uncharted als Point-n-Click-Adventure

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Verfolgungsjagd à la Uncharted: Jack Keane 2 entfernt sich vom behäbigen Point-n-Click.
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Doch keine Angst: Statt flinker Daumen und einer Reaktionsgeschwindigkeit von Überschalldimensionen erfordert Jack Keane 2, wie seine Genreverwandten auch, lediglich Fantasie und Kombinationsgabe. Ähnlich wie es schon Lost Horizon zuletzt in einigen wenigen Szenen versuchte und auch der Vorgänger in seinem turbulenten Finale, möchte auch Jack Keane durch rasante Inszenierung und irrwitzige Aktionen den Hauch von Abenteuerfilmen der Marke Indiana Jones aufsaugen und damit den Staub von den klassischen Point-n-Click-Rätseleien pusten.

Während Jack an die Außenwand eines Luftschiffes gekettet über die afrikanische Wüste gezerrt wird, eilen das fesche Cowgirl Amanda und die aristokratische Lady Eve in einem klapprigen Oldtimer zu seiner Rettung. Und weil „Frau am Steuer“ Anfang des 20. Jahrhunderts nicht nur ein gehässiges Klischee, sondern in der Tat noch eine Seltenheit war, muss sich Eve erst über Funk bei einem Ingenieur erklären lassen, wie denn nun der Gang in so einem Feuerstuhl einzulegen ist, bevor sie die halsbrecherische Verfolgung aufnehmen kann.

Packshot zu Jack Keane und das Auge des SchicksalsJack Keane und das Auge des SchicksalsErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Amanda, ihrerseits eher die Frau für handfeste Action, muss zunächst – Striptease im fahrenden Auto inklusive – den Keilriemen mit ihrem Strumpfband reparieren. Und dann in voller Fahrt den Reifen wechseln… Lara Croft wäre stolz auf sie. Trotz halsbrecherischer Verfolgungsjagd und irrwitzigen Ereignissen, besteht jedoch keine Eile. Wie in jedem anderen Adventure auch könnt ihr euch alle Zeit der Welt lassen. Das äußere Geschehen vermittelt dennoch eine adrenalinfördernde Illusion von Dringlichkeit, die anderen Spielen dieser Art abgeht.

Jack Keane und das Auge des Schicksals - Uncharted als Point-n-Click-Adventure

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Das Kampfsystem funktioniert ähnlich wie die Fechtduelle in Monkey Island.
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Wie aber ist Jack bloß in diese missliche Lage geraten? Das wollen die Entwickler noch nicht verraten. Sicher ist nur: Bei seiner Suche nach Ruhm, Ehre und - vor allem – Reichtum wird Jack von einem alten Schamanen auf die Spur eines Schatzes angesetzt, der ihn auf eine Reise um die halbe Welt und dabei Orte wie Schanghai, Afrika und sogar Hamburg führen wird. Als deutsche Entwickler habe ihnen die Hamburg-Episode besonderes Vergnügen bereitet, so Deck13.

Hier lernen wir ein weiteres Adventure-untypisches Spielelement kennen: das Kampfsystem. Doch wieder gilt: Ähnlich wie bei den Schwertkämpfen eines Monkey Island zählen hier weder Button-Mashing noch 5-Tasten-Kombos, stattdessen Witz und Tücke. An seinen Gesten müssen wir den nächsten Schlag des Gegners vorherahnen und den entsprechenden Konter aus unserem Repertoire per Mausklick wählen. Kennen wir diesen nicht, müssen wir ihn erst von einem hilfsbereiten NPC nach dem bewährten Adventure-„Eine Hand wäscht die andere“-Muster lernen, sprich: auf traditionelle Weise erknobeln.

Jack Keane und das Auge des Schicksals - Uncharted als Point-n-Click-Adventure

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Dreh- und Angelpunkt sind mal wieder die verschrobenen Charaktere.
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Aufgesetzte Actioneinlagen und nervende Kistenschieberein, mit denen Spiele wie Baphomets Fluch dem Genre frisches Blut injizieren wollten, ihm dabei aber die tödliche Überdosis verpassten, wird es mit Jack Keane 2 nicht geben. Selbst das Springen – ja, auch das ist dieses Mal möglich – dient weniger dem Erproben des eigenen Geschicks als vielmehr für kleine Rätseleinlagen, ähnlich den Kletterpassagen eines Uncharted in der Light-Version.

Jack Keane 2 saugt den Hauch von Abenteuerfilmen wie Indiana Jones mit vollen Backen ein und pustet damit den Staub vom Point-n-Click.Ausblick lesen

So wird Jack der Weg ins Hamburger Hafenlager durch einen Pulk aufgebrachter Streikender versperrt. Ein auffälliger Kistenstapel in einer Seitengasse lässt aber einen alternativen Weg hinein durch das Fenster im Dach erkennen. Ein paar Sprünge später gelangen wir ins Innere – wo wir sogleich eine gewitzte Persiflage auf Jacks neue Fähigkeiten erleben.

Nachdem Jack dort einen Gorilla unfreiwillig aus seinem Käfig befreit hat, lässt dieser seinem Ärger freien Lauf, indem er Jack mit rollenden Fässern bewirft – denen dieser nur durch ein paar gekonnte Sprünge darüber entgehen kann… Als wären Donkey Kong und Mario wieder auferstanden…