Nichts weniger als ein „Adventure für das 21. Jahrhundert“ hatten sich die Frankfurter Entwickler bei Deck 13 für ihr neues Abenteuer „Jack Keane und das Auge des Schicksals“ vorgenommen: ein klassisches Point-n-Click-Adventure zwar, aber rasanter inszeniert, flotter erzählt und zeitgemäß präsentiert. Jack-Pot also?

Jack Keane und das Auge des Schicksals - Teaser Trailer

Wer soll dein Herzblatt sein?

Wieder mal sitzt ein Adventure-Held zu Beginn in der Klemme: Im Hochsicherheitsgefängnis von Schanghai fristet Jack Keane ein kümmerliches Dasein, in dem es außer dem täglichen Bartwuchs nur regelmäßige Prügeleien zwischen den Insassen zum Zeitvertreib gibt. Als ihm jedoch eine mysteriöse Schatzkarte in die Hände gespielt wird, stellt ihn die Hoffnung auf ein Leben in Ruhm und Reichtum in die Spuren von Genre-Kollegin „Edna“ & Co.: Jack Keane bricht aus.

Die weitere Handlung folgt dem fadenscheinigen McGuffin-Muster: Auf der Suche nach den Einzelteilen der Schatzkarte reisen Jack und seine Gefährten um den halben Erdball, von China über Hamburg bis nach Afrika. Doch wie so häufig ist der Weg das Ziel, ist weniger der Anlass der Reise entscheidend, sondern die Gesellschaft, die einen dabei begleitet: Die Geschichte von Jack Keane 2 ist nur insofern von Bedeutung, als sie den Deck-13-typisch möglichst skurril gezeichneten Charakteren Bühne sein kann.

In diesem Sinne läuft „Jack Keane und das Auge des Schicksals“ nach dem noch etwas behäbigen ersten Drittel dann zur Hochform auf, als sich zu dem schusseligen Abenteurer Jack und der koketten Amanda noch die mondäne Eve und der naiv-unbedarfte Ingenieur Carl gesellen. Schwankte der Humor zuvor noch zwischen bemüht und höflichem Schmunzeln, erhält er durch die neue Figurenkonstellation eine Dynamik, die jede weitere Handlung überflüssig erscheinen lässt und bisweilen fast an das offensichtliche Ensemble-Vorbild aus Uncharted 2 heranreicht.

Jack Keane und das Auge des Schicksals - Ein Mann, zwei Frauen, jede Menge Probleme

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Jack muss sich entscheiden: die kokette Amanda oder die mondäne Eve?
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Wenn Amanda und Eve im Zickenkrieg um Jacks Gunst die verbalen Säbel wetzen, sind die Deck-13er ihrem Ziel zum Greifen nahe: einem Rätselspiel mit Hollywood-Flair, in dem die Charaktere nicht einfach nur rumstehen, um ihren Text vom Blatt abzulesen, sondern eine Geschichte durch ihre bloße Anwesenheit erzählen. Wo sich in anderen Spielen Zwischenmenschliches im Erteilen von Botengängen erschöpft, entfacht Jack Keane ein Fegefeuer der Begehrlichkeiten, die sich mehr auf die Personen denn auf Gegenstände richtet.

Leider bleibt es im Versuch, diese Dynamik auch spielerisch aufzufangen, beim ebensolchen: Die gelegentlichen Entscheidungen, mit denen der Spieler zwischen Amanda und Eve wählen muss und dabei die eine verärgert, während er sich bei der anderen einschmeichelt, haben bis auf ein paar minimal variierte Lösungsketten und erwartbare Endsequenzen kaum Auswirkungen.

Packshot zu Jack Keane und das Auge des SchicksalsJack Keane und das Auge des SchicksalsErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Zeitreise im Rückwärtsgang

Das war’s dann aber auch schon mit der Zeitreise ins 21. Jahrhundert für das Adventure-Genre. Denn die Bemühungen, dem Point-n-Click neue Facetten abzugewinnen, muten vor allem eines an: antiquiert. Wo „Ankh“ vor vielen Jahren mit seiner schimmernden 3D-Technik noch Zukunftsluft schnupperte, muss der Jack-Keane-Spieler von heute verschnupft feststellen, dass Deck 13 seitdem auf erschreckende Weise auf der Stelle tritt.

Während andere Adventure-Entwickler wie Daedalic, King Art und Animation Arts mit Vollgas den Rückwärtsgang Richtung 2D-Vergangenheit eingelegt haben und das technische Schritthalten – zumindest zum Teil – durch ein stilistisches Hintertürchen aufgeholt haben, hat Deck 13 mit polygonarmen Objekten und langweiligen Texturen schlicht und ergreifend den Anschluss verpasst.

Die Zukunft in Antik: Ein ordentliches Adventure, aber Deck 13 muss aufpassen, dass sie gegen die Konkurrenz nicht den Anschluss verpassen.Fazit lesen

Das wiegt besonders schwer, da sich Jack Keane 2 durch sein Festhalten am 3D-Zug ständig selbst ein Bein stellt – und das nicht nur sprichwörtlich: Die neue Steuerung ist ähnlich nervtötend ausgefallen wie diejenige, die uns Telltale seit einer Weile, in Monkey Island 5 oder „Zurück in die Zukunft“, unterzujubeln versucht. Andauernd stolpert man über Ecken und Kanten oder findet den richtigen Platz mit Klickblickrichtung zum Hotspot nicht.

Jack Keane und das Auge des Schicksals - Ein Mann, zwei Frauen, jede Menge Probleme

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Das ist noch eines der besseren Beispiele - ansonsten ist die Grafik ziemlich altbacken.
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Erst recht, wenn die Spielwelt es nötig macht, über Hindernisse zu springen – ein für Adventures neuartiges, aber im vorliegenden Fall ebenso unsinniges wie mies umgesetztes Feature. Ähnliches gilt für das „Kampfsystem“, das offensichtlich von den legendären Schwertkämpfen eines Monkey Island inspiriert wurde, den dortigen Kalauerkeilereien aber nicht ansatzweise das Kielwasser reichen kann. Weil es weder lustig ist, noch spielerisch clever gelöst wurde.

So bleibt von „Jack Keane und das Auge des Schicksals“ unterm Strich nur ein ziemlich gewöhnliches Adventurespiel – ein ordentliches zwar, aber doch ein recht biederes. Dabei sind die Ansätze durchaus löblich: Die Rätsel sind meist logisch, bisweilen sogar originell bis gewitzt, etwa dann, wenn wir inmitten eines Kampfes einen Schuh (!) auftreiben müssen, um das Blatt zu wenden, oder wenn wir während einer Verfolgungsjagd den Keilriemen des Autos mit einem Strumpfband wechseln.

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Amanda bei einer Ruhepause zwischen den Actionszenen.
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Solche Szenen sind es, mit denen Deck 13 die neue Adventure-Ära einzuläuten gedenkt: Szenen, die die rasante Action eines Abenteuerfilms vorgeben, ohne in Hektik auszuarten. Gemütliches Point n Click, aber hellwach. Ähnliches hatte Animation Arts schon bei Lost Horizon vor, doch genau wie dort bleibt es in Jack Keane 2 beim guten Vorsatz: Um den Paradigmenwechsel auszurufen, sind solcherlei Szenen viel zu selten gesät und selbst wenn, dann wirken sie angesichts der Inszenierungsgewalt vergleichbarer Geschichten wie Uncharted und Tomb Raider reichlich unbeholfen. Wer nur über das Budget für ein Seifenkistenrennen verfügt, sollte eben nicht versuchen, damit die Verfolgungsjagd für den nächsten „James Bond“-Film zu drehen.