"Gegen Ruffys Gum-Gum-Attacken kommt keiner an!" - "Pah, Naruto macht mit seinem Rasengan den Gummi-Lulatsch locker fertig!" - "Quatsch, Songokus Genkidama ownt jeden!" Debatten, die viele von euch vielleicht noch aus der eigenen Kindheit mit Freunden kennen dürften, wenn es um den Stärkevergleich der Anime-Helden ging. Wer damals wie heute von der Überlegenheit des persönlichen Lieblingscharakters fest überzeugt ist, bekommt endlich eine gute Gelegenheit, es zu beweisen.

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Eine Welt, in der die Manga-Charaktere aus One Piece, Naruto, DragonBall und vielen anderen Serien koexistieren und sich zu einem großen Schlagabtausch treffen — klingt zunächst nach einem typischen Wunschszenario eines Anime- und Manga-Fanfiction-Autors, ist aber tatsächlich Kernthematik des Action-Prüglers J-Stars Victory VS+.

Im Nachhinein betrachtet hatte die quatschige, leicht chaotische Handlung des Spiels in der Tat etwas von einem überambitioniert zusammengeschriebenen Fanprodukt, das jegliche Eigenlogik der einzelnen Serien über Bord wirft sowie auch die Stärkeunterschiede der Charaktere bezweifeln lässt. Trotz oder besser gesagt aufgrund dieses narrativen Wirrwarrs werdet ihr, sofern ihr ein Fan der aufgegriffenen Manga-Universen seid, euren Spaß haben — und darum geht es bei solch einem Allstar-Spiel letzten Endes doch.

J-Stars Victory VS+ - Super Anime Bros.

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Wiedersehen macht Freude? In J-Stars Victory VS+ trefft ihr auf viele vertraute Helden und ihre vergangenen Rivalen.
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Ein Magazin, zig Charaktere

Angesichts der Popularität solcher Crossover-Titel wie Marvel vs. Capcom oder Super Smash Bros. war es nicht verwunderlich, dass den japanischen Entwicklern früher oder später auch die Idee eines Videospiels vorschwebte, in dem ikonische Anime- und Manga-Charaktere aufeinandertreffen. J-Stars Victory Vs+ ist in der Hinsicht nicht mal ein Vorreiter-Titel, dessen Charakter-Cast ausschließlich seinen Ursprung in Manga-Serien hat, dürfte dennoch wohl das bisher einzige japanische Kampfspiel seiner Art sein, dem eine weltweite Veröffentlichung zuteilwurde.

Meistens handelt es sich bei den lizenzierten Titeln dieser Crossover-Spiele um Serien desselben Herausgebers bzw. Manga-Magazins und so verhält sich das auch bei J-Stars Victory VS +. Jenes Videospielprojekt wurde im Rahmen des 45. Jubiläums der Weekly Shounen Jump, dem bekanntesten Manga-Magazin Japans, initiiert, wo auch die Leserschaft die Auswahl der auftretenden Charaktere per Umfrage mitbestimmen durfte.

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Während hierzulande das besagte Magazin weniger bekannt ist, genießen die darin erschienenen und noch laufenden Serien einen größeren Bekanntheitsgrad. An gewisse Charaktere werden sich manche von euch sogar erinnern, sofern ihr Anfang des Jahrtausends zu den aktiven Zuschauern des RTL2-Nachmittagsprogramms gehörtet, als noch regelmäßig neue Anime-Serien ausgestrahlt wurden. Auch Sammler und Leser des BANZAI-Magazins, das das deutsche Pendant der Shounen Jump darstellte, werden viele vertraute Helden wiedererkennen.

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Der Kampf sieht auf dem ersten Blick übersichtlicher aus als er in Wirklichkeit ist. Anime-Wahnsinn und Reizüberflutung garantiert!
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Manchmal ist weniger auch mehr

Selbst als Kenner und nostalgischer Bewunderer dieser Serien kann man schon mal leicht von der Figuren-Zusammenstellung im Spiel zu Beginn erschlagen werden. Und dabei ist die Riege aus 39 Spiel- und Dutzenden von Cameo-Charakteren laut den Entwicklern von Spike Chunsoft bei weitem nicht komplett. Ursprünglich sollten sämtliche bisher erschienenen Jump-Serien im Idealfall abgedeckt werden, was aber unter anderem angesichts ihrer Einbindung im Story-Modus eine schier unlösbare Herausforderung gewesen wäre. Kann gut sein, dass der eine oder andere unter euch auch seinen persönlichen Liebling vermisst; andererseits ist die aktuelle Beschränkung der Überschaubarkeit zuliebe eher zu begrüßen.

Dahingehend war es auch eine gute Entscheidung, dass sämtliche Spielfiguren sich nicht nur ähnlich bedienen lassen, sondern auch die gleiche Tastenkombinationen besitzen. Im Falle eines Spielfigurenwechsels müsst ihr euch also nicht erst in eine neue Steuerung reinfuchsen, ferner noch viel Zeit in abermals zu erlernenden Kombos investieren.

„Keine tiefgreifende Geschichte erwarten und sich einfach an den absurden und skurrilen Charakterinteraktionen erfreuen“, lautet die Devise.Fazit lesen

Nach einer gewissen Dauer hat das aber auch etwas Zweischneidiges, weil dadurch ein zusätzlicher Anreiz fehlt, sich eventuell mit den anderen Charakteren zu beschäftigen. Dabei mangelt es den Figuren ganz und gar nicht nach spieltechnischer Varianz. Denn obwohl sich die Figuren im Großen und Ganzen gleich spielen, hat natürlich jeder Mangaheld neben der persönlichen ikonischen Spezialattacke auch leicht variierende Angriffs-, Ausweich- und Sprungbewegungen, die je nach Umgebung oder gegnerischer Kampfweise seine Vor- und Nachteile hat.

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Die Wahl der Charaktere wurde größtenteils von der Fancommunity und der Leserschaft des Weekly Shounen Jump Magazins getroffen.
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Lasst Fäuste knacken und Schwerter kreuzen

Den Kampfarenen an sich merkt man leider nach ein paar Spielstunden ihren Abwechslungsarmut an. Zugutehalten kann man aber den Level-Designern, dass sich die Umgebung nahezu komplett auseinander nehmen lässt, was einen wesentlichen Anteil des kunterbunten Prügelspaßes ausmacht. Von solch einem Crossover-Titel erwartet man das eigentlich auch, denn seien wir mal ehrlich: Wenn schon die Crème de la Crème unter den Fighting-Manga-Helden eine coole Kampftechnik nach der anderen zum Besten gibt, soll auch die brachiale Auswirkung solcher Aktionen passend zur Geltung kommen. Schließlich spiegeln die Zerstörungsorgien auch ganz gut die actionreichen Over-the-Top-Momente der Originalserien wieder.

Gerade in der Hinsicht sind die Versus-Modi mit anderen Spielern eine schöne Bereicherung, da die Krawallmacherei entsprechend umso mehr Spaß machen. Wobei ihr sehr leicht bei dem ganzen Drescherei den Überblick verlieren könnt, wenn es erst einmal zu einer Situation kommt, bei dem jeder zeitgleich eine Kombo nach der nächsten einsetzt.

Wenn es ansonsten noch etwas an der gesamten Inszenierung anzukreiden gibt, wäre das wohl die Präsentation des Story-Modus. Gemeint ist weniger die vollkommen auf Fanservice ausgelegte Handlung, was für ein Allstars-Crossover völlig in Ordnung ist. Das eigentliche Ernüchternde an der Erzählweise ist ihre minimalistische Aufmachung, die in Form von Figuren-Sprites vonstattengeht - eine etwas aufwendiger gestaltete Fanfiction in Visual-Novel-Format sozusagen.

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Manche Charaktere haben in ihrer ursprünglichen Serie nicht gekämpft, können euch im Kampf dennoch als drittes Teammitglied und Support-Charakter vielseitig zur Seite stehen.
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Wer eine Geschichte mit einer etwas ähnlichen Richtung wie beim Wii-Titel Super Smash Bros. Brawl erwartet hat, das vom Prinzip her genauso auf Fanservice getrimmt war, wird eventuell enttäuscht. So gespalten die Meinung über jene Solo-Kampagne auch gewesen ein mag, so hatte sie dennoch durch die filmischen Sequenzen mit den witzigen Interaktionen der Figuren einen gewissen Charme versprüht. Umso bedauerlicher, dass im Falle von J-Stars Victory VS+ auf solche Zwischensequenzen verzichtet wurde, wo die Masse an Running-Gags und Serien-Insidern definitiv davon profitiert hätte.

Nichtsdestotrotz wird man an als Manga- und Anime-Fan einige unterhaltsame Stunden mit dem Spiel verbringen können, das euch zahlreiches Freischaltmaterial, zudem ein extra für den Westen hinzugefügten Arcade-Modus bietet und umso mehr im Story-Modus Spaß macht, je mehr der darin vorkommenden Serien ihr zu euren Favoriten zählt - vor allem, wenn es das erste Videospiel-Debüt der Figuren darstellt.