Der Grund dafür liegt allerdings nicht im Bombast des Augenblicks, sondern eher in der Monotonie des Deckungsgeballers. „Inversion“ dekliniert eine Standardsituation nach der anderen herunter. Wild mit einem mageren Waffenarsenal um sich schießend, hangelt sich das Duo von einer Deckung beziehungsweise Lokalität zur nächsten.
Zwischendurch stehen ein paar Zerstörungsorgien am Abzug eines Turret-Geschützes an, und immer wieder kreuzen die gleichen Minibosse euren Weg. Immerhin enttäuscht die KI nicht auf ganzer Linie. Lorbeeren für geistige Meisterleistungen verdienen die Feinde von Davis und Leo zwar nicht, aber immerhin beherrschen sie den klassischen Deckungswechsel und kauern nicht ununterbrochen hinter irgendwelchen Mauervorsprüngen, wie unser KI-gesteuerter Kamerad, der lieber seinem Partner die Arbeit überlässt.
Viel zu selten verwandelt sich diese „Arbeit“ ansatzweise in ein Vergnügen. Zum Beispiel, wenn ihr mit dem so genannten Gravlink herumspielen und tonnenschwere Container von der Decke abziehen dürft wie alte Kaugummis. Eine Runde Autobowling, bei der die Feinde die Rolle der Kegel übernehmen, ist ebenfalls nicht zu verachten. Insgesamt nutzt Saber Interactive das Potenzial der Lutadore-Technik allerdings zu zaghaft.
Nur irgendwie ist diese ganze Gravitationskiste nicht so toll, wie man hätte denken können.Der Umgang mit dem Gravlink lässt nur sehr wenig Raum für Experimente und keinen Platz für Rätseleinlagen. Stattdessen deklassiert „Inversion“ sein Alleinstellungsmerkmal zum simplen Werkzeug, das im Kampf zwar unterhaltsame Momente provoziert, ansonsten aber nur als überdimensionaler Dosenöffner funktioniert.
Ähnlich verhält es sich mit den anderen Gravitationsspielereien, die auf den ersten Blick so ungewöhnlich wirken. Wenn die Teufelsmaschinen der Lutadore die Gravitation aus dem Gleichgewicht bringen und das Copduo sich plötzlich an einer Hauswand klebend den Weg freikämpfen muss, frohlockt die Spielerseele sogar kurzfristig. Dann ringt „Inversion“ dem Genre neue Perspektiven auf ausgelutschte Kulissen ab, die man so noch nicht gesehen hat. Auf Glatzköpfe in dicken Rüstungen, die direkt über einem an der Decke beziehungsweise am Boden kleben, schießt man eben nicht alle Tage.
Doch leider setzt Saber Interactive dieses Feature nur selten ein. Mehr als ein paar kurze Exkursionen in die verkehrte Welt gestattet „Inversion“ nicht. Deutlich häufiger dürft ihr euch hingegen durch die Schwerelosigkeit bewegen. Allzu viel spielerischen Freiraum bietet der Titel dabei nicht gerade. Per Knopfdruck können Leo und Davis von einer anvisierten Deckung zur nächsten dirigiert werden, wo Gegnerwelle Nummer 386 zum Angriff bläst. Im Prinzip gilt für „Inversions“ Gravitationssperenzchen dasselbe wie für den Umgang mit dem Gravlink: Aus dem monotonen Arbeitsalltag der Superbullen stechen diese Funktionen zwar heraus wie eine Plastikperle aus einem Hundehaufen, aber sie bereichern das Spielerlebnis kaum.
Auch wenn das auf dem Bild nicht zu sehen ist und den Multiplayer-Modus keiner spielt: Inversion hat einen.An dieser Stelle könnte der Text eigentlich eine Wende nehmen. Ich könnte jetzt seitenweise darüber schreiben, wie der Multiplayer-Modus von „Inversion“ den Karren aus dem Dreck zieht. Wie die Gravitationsfunktion aus Deathmatch- und Horden-Spielvarianten ein Freudenfest macht. Was für ein erhabenes Gefühl es ist, im Hourglass-Modus die ganze Karte auf den Kopf zu stellen. Aber: nüscht is. Stundenlang suchten wir in den Weiten des Internets nach Mitspielern und laufenden Partien. Selbst in unsere Kampagne, deren Tore für jeden Freiwilligen offen standen, verirrte sich niemand. Kein einziger. Null. Nada. Gott, das Leben eines Spielredakteurs kann wirklich die Hölle sein.
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