Nach Prism folgt nun der nächste Skandal: Tempora. Whistleblower Edward Snowden, der kürzlich den Spionage-Skandal der NSA aufdeckte, übergab der britischen Tageszeitung Guardian Dokumente, laut denen der britische Geheimdienst Government Communications Headquarters (GCHQ) weltweit Telefon- und Internetnutzer abhört.

Und nicht nur das: der GCHQ arbeitet seit Jahrzehnten eng mit der NSA zusammen, wobei beide Behörden mit Geheimdiensten in Kanada, Australien und Neuseeland koopieren. Das Überwachungsprogramm Tempora soll deutlich intensiver und umfangreicher als Prism ausfallen - heimlich habe sich der GCHQ Zugriff auf mehr als 200 Glasfaserkabel bzw. Knotenpunkte verschafft, über die die weltweite Kommunikation laufe.

Dadurch werden über 600 Millionen "telefonische Ereignisse" (IP-Adressen, Telefonnummern, Verbindungen und Verbindungszeiten) überwacht - pro Tag. Die gesammelten Daten werden schließlich für 30 Tage gespeichert, selbst jene von ganz normalen Bürgern.

Sogar Inhalte von E-Mails, Facebook-Einträgen und der Browser-Verlauf sollen gespeichert werden. 550 Mitarbeiter seien damit beschäftigt, in den gewaltigen Datenmengen nach nützlichen Informationen zu suchen. 250 dieser Mitarbeiter gehören der NSA an. Jene Daten hingegen werden maximal 3 Tage gespeichert.

Snowden zufolge seien die Briten schlimmer als die Amerikaner. Dabei setzt der GCHQ auf zwei Schwerpunkte in dem Überwachungsprogramm: "Mastering the Internet" und "Global Telecoms Exploitation", was übersetzt jeweils soviel heißt wie "Das Internet beherrschen" und "Globale Telekommunikationsabschöpfung".

In Europa zeigt man sich natürlich empört über diese Enthüllung, darunter die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Sie betitelt das Ganze als "Alptraum à la Hollywood" und fordert sofortige Aufklärung in den europäischen Institutionen. Die Linkspartei hingegen spricht hier von einem "Fall für den Internationalen Strafgerichtshof".

Durch das Programm Tempora kam es nicht nur zur Festnahme einer heimischen Terrorzelle und anderen Tätern, auch Angriffe im Vorfeld der Olympischen Spiele 2012 in London sollen dadurch vereitelt worden sein.