Datenklau, personalisierte Werbung und Spionage: Die Tage der digitalen Anonymität sind schon lange gezählt und aktuelle Generationen verkommen zum sozialen Betriebssystem von Zuckerberg, Facebook & Co. Die Flucht aus der menschlichen Cloud ist allerdings alles andere als einfach – wir wollen den digitalen Flüchtlingen unter die Arme greifen und stellen hier eine Liste von alternativen Messenger-Apps vor, die die abhörfreie Kommunikation ermöglichen sollen.

WhatsApp: Der Evergreen der schnellen Kommunikation

Die bequemste Entscheidung ist natürlich, bei Whatsapp zu bleiben, wenn das potentiell sicherere Kommunikationssystem immerhin bis zu 5 Daumenwischer entfernt im App-Store liegen könnte.

WhatsApp ist für unsere Smartphones das, was Patrick Swayze für die Frauen der 80er war. Nahezu jeder vernetzte Mensch kennt das Programm und ein großer Teil von ihnen nutzt es ausgiebig: Seit seiner Ersterscheinung 2009 hat die App mehr als 450 Millionen Nutzer (Stand: Februar '14) für sich gewinnen können, die mindestens einmal pro Monat aktiv waren. In Deutschland nutzen nach eigenen Angaben rund 30 Millionen Menschen die Möglichkeit der schnellen Nachricht für zwischendurch.

Internet-Sicherheit - Threema, Line, Telegram: So gelingt die Flucht von WhatsApp und der Datencloud!

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Für Android- und iPhone-User muss nach erstmaligem Herunterladen nach einem Jahr eine regelmäßige Abogebühr von 0,89€ gezahlt werden – ein attraktiver Preis für all die Vorteile, die der nahezu absturzsichere Instant-Messenger so mit sich bringt: Voice-Nachrichten verschicken, Bilder bequem verbreiten und empfangen sowie Gruppenchats und Standortmitteilungen gehören zu den grundlegenden Features. Die Tatsache, dass Nachrichten quasi nicht verschlüsselt werden und die Sicherheitsportale der App offen stehen wie ein Scheunentor zur Mittsommerwende, wurde vom durchschnittlichen Bundesbürger geflissentlich ignoriert.

Erst nach der Übernahme des Messengers durch Facebook am 19.04.2014 kam es zu einem kollektiven Händeringen bei den Usern: Facebook, dessen Datenspeicherpolitik bereits seit langem bekannt und weitestgehend akzeptiert wird, hat sich es nun auf einer weiteren Kachel unserer Benutzeroberfläche gemütlich gemacht. Plötzlich drängen viele Menschen zu den digitalen Ausgängen ihrer Instant-Kommunikation und suchen Alternativen – Datenschützer empfahlen diesen Schritt bereits vor Jahren. Wer um die Sicherheit und Privatsphäre seiner Daten bedacht ist, sollte WhatsApp sicherlich meiden.

Zwar wurde kurz vor der Übernahme durch Zuckerberg ein wenig an der Privatssphäre-Schraube gedreht, so dass zum Beispiel die "zum letzten Mal online"-Auskunft unsichtbar gemacht werden kann, doch handelt es sich hierbei nur um den berühmten Tropfen auf dem viel zu heißen Stein.

Threema: Schweizer Sicherheit fürs mobile Chuchischächtli

Einer der propagierten Favoriten der sicherheitsbewussten Netzgemeinde ist Threema, eine App aus Schweizer Programmierstuben, die vor allem mit ihrer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung digitalen Schutz vor bösen, amerikanischen Agenten bieten will, die es auf unsere intime, tägliche Kommunikation abgesehen haben („Hey, alles klar?“ - „Jo. Passt.“ - „Cool.“ - „Jo.“)

Threema scheint von allen Messenger-Alternativen derzeit am meisten vom großen WhatsApp-Exodus zu profitieren und hat sich mittlerweile auf Platz 1 der Verkaufscharts im Apple App Store geschwungen.

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Neben den üblichen Funktionen eines gängigen Messengers ermöglicht Threema allerdings noch einen weiteren Weg, die wahre Identität des Chatpartners zu überprüfen oder festzustellen. Trifft man die Person, kann mit einem gut funktionierenden QR-Scanner der individuelle Code und damit die Kontaktdaten ausgetauscht werden. Allerdings braucht ihr keine Angst zu haben, dass ein Nutzer mit dem QR-Scanner im Anschlag überfallartig durch einen Club springt und eure Daten klaut: Vor diesem „Code-Raping“ schützt euch die Tatsache, dass auch ihr die Ziffern- und Buchstabensignatur des Gegenüber scannen müsst. Supergut, supersicher!

Für den Preis von 1,79€, der eimalig entrichtet wird, kommt ihr in den Genuss der Schweizer Sicherheitsapp und könnt bei der nächsten Coding-Party wirksam eure Sicherheitsbewusstsein zur Schau stellen.

Telegram: Mission Impossible für die Hosentasche

„Diese Nachricht wird sich in 10 Sekunden selbst zerstören“: Was 1996 noch auf der Kinoleinwand bei „Mission Impossible“ die Auftragsübermittlung in Agentenkreisen Top Secret gestalten sollte, wird nun Wohnzimmerrealität für jeden User. Mit der kostenlosen, russischen App Telegram (iOS, Android) ist es möglich, mittels eines Timers gesendete Nachrichten bei sich und dem Empfänger wieder zu löschen – neben der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist dies eine weitere Methode, um auch ganz, ganz, ganz sicher zu gehen, dass nicht mal der Empfänger der Nachricht verschickte Daten weitergeben kann.

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Die paranoiden Menschen unter uns, für die dieser Zerstörungsmechanismus nicht reicht, sollte schließlich ein Blick auf das Sicherheitsprotokoll beruhigen, das die Entwickler selbst gebasteltet haben. Derzeit gibt es sogar ein Preisgeld von rund 200.000 US-Dollar für denjenigen, dem es gelingt, das Sicherheitssystem von Telegram zu umgehen.

Line: Sicherheit, Zensur und ganz viel Farmville

Line ermöglicht aktuell rund 280 Millionen Menschen (Stand: Februar 2014) die direkte Kommunikation und ist der beliebteste Instant-Messenger in Japan, Thailand und Taiwan. Die japanische App wirbt mit einer abhörsicheren Datenübertragung, verlangt keine Verknüpfung mit einer Mobilfunknummer und bietet eine Art rudimentäres soziales Netzwerk innerhalb der App.

Kritik hagelte es für Line im vergangenen Jahr als die Welt von einem Zensurcode erführ, der in das Protokoll eingearbeitet ist und ausschließlich chinesischen und koreanischen Nutzern die Verwendung bestimmter, vor allem politischer Wörter verbietet. Zwar treffen diese verbalen Einschränkungen nicht auf die Kommunikation in unseren Landen zu, doch bekommt damit die Nutzung von Line einen eigenartigen Beigeschmack.

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Darüber hinaus können innerhalb der App die von Facebook bekannten und verhassten Spieleinladungen an Freunde verschickt werden. So wird der Messenger unter Umständen schnell zu einem Auffangbecken für digitale Werbeflyer - unschön!