Langweilige Text-Foren waren gestern. Das Web 2.0 erobert längst auch die Spielewelt. Soziale Netzwerke wie Facebook werden nun auch für Zocker zum Medium, in dem man sich trifft, verabredet und neue Freunde findet. Die Aktivitäten des Spielers werden dadurch immer gläserner, auch die Anonymität der Spielcharaktere wird vom echten Namen abgelöst.

Ein großer Mobilfunk-Anbieter stellt sich die moderne Kommunikation derzeit so vor: „LOL“, „Super!!!“ und „Ich mir auch“. Diese höchst bedeutsamen Mitteilungen werden auf Anzeigen und Plakaten nebst kleinen Porträt-Bildchen junger Menschen präsentiert. Informationswert? Null. Dennoch sind Facebook, MySpace, studiVZ und Twitter nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken: Woher wüssten wir sonst, dass der Kollege sich gerade einen Kaffee holt, die Nachbarin laut „offiziellem“ Testergebnis „super-süß“ ist und der alte Schulfreund gerade „gaaar keine Lust zum Arbeiten“ hat?

Soziale Netze - Xbox Live, Facebook, Battle.net: Die soziale Seite der Spiele

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Die Xbox-Live-Avatare halten sich neuerdings auch Haustiere.
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Für Gamer sind soziale Netzwerke ein alter Hut, schon lange organisieren sie sich in Clans und Gilden, verabreden sich und finden über Freundeslisten verloren geglaubte Kontakte wieder. Dennoch bemühen sich derzeit fast alle Größen der Spieleindustrie darum, ihre Angebote Web-2.0-tauglich zu gestalten, manchen gelingt das (Microsoft), anderen weniger (Sony). Nicht selten verursachen der lasche Datenschutz (Steam) oder die Registrierungspflicht (Battle.net) Kopfschmerzen. Die Richtung ist aber klar vorgegeben: die Verschmelzung von virtueller und realer Identität.

Generation Xbox Live

Für Konsolenspieler hat die Xbox 360 Pionierarbeit geleistet. Mit Xbox Live hat Microsoft vor vier Jahren eine Art Konsolen-Facebook eingeführt. Zwar tritt an Stelle des realen Namens ein frei wählbarer Gamertag, abgesehen davon lassen sich aus einem Profil aber alle für Spieler relevanten Daten ablesen: Interessen (Spieleliste), Aktivität („Spielt zur Zeit...“), Können (Gamerscore) und Kontakte (Freundesliste). Sogar aufs Aussehen des virtuellen Gegenübers können Rückschlüsse gezogen werden, den Avatar erstellen die meisten nach ihrem realen Abbild. Anders gesagt: Die soziale Seite des Spielens macht hier einfach Spaß und funktioniert bestens.

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Sony hält mit dem PlaStation Store dagegen.
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Kein Wunder, dass vor allem Multiplayer-Freunde am liebsten zur Xbox 360 greifen. Die PlayStation 3 hat es dagegen bis heute nicht geschafft, eine ähnlich intuitive Online-Funktionalität auf die Beine zu stellen und zu Xbox Live aufzuschließen, geschweige denn diese zu überholen.

Facebook

Auch aktuell hat Microsoft wieder die Nase vorne: So erlauben seit kurzem sowohl Xbox 360 als auch PS3 eine Facebook-Anbindung. Die Lösungen unterscheiden sich allerdings stark voneinander. Microsoft packt im Wesentlichen einen Client auf das Dashboard. Damit hat jeder Gold-Abonnent Zugriff auf eine angepasste Version des Social Networks. Man kann aktuelle Status-Meldungen durchsuchen (die neuesten zehn Updates laufen als Dauerschleife in der Übersicht), sowie Kontakte, deren Infos und Fotos näher betrachten.

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Xbox Live unterstützt seit kurzem auch Facebook.
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Gelungen ist die Verknüpfung der Freundeslisten zwischen Xbox Live und Facebook. In einem eigenen Menüpunkt bekommt man die Möglichkeit zu sehen, welche Konsolen-Freunde bei Facebook sind – und umgekehrt. Einziger Nachteil der Xbox-360-Lösung: Man ist nicht automatisch mit dem sozialen Netzwerk verbunden, sondern muss die Facebook-Funktion jedes Mal aufs Neue aktivieren, bzw. beenden, wenn man wieder spielen will.

Sony hat per Firmware 3.10 ebenfalls eine Facebook-Anwendung eingeführt. Mit einem für die Konsole optimierten Client hat sie aber nichts zu tun. Vielmehr handelt es sich dabei um drei (unter PlayStation Network/Konto-Einstellungen etwas versteckte) Optionen, die man ein- oder ausschalten kann. Dadurch wird der PlayStation 3 erlaubt, automatisch Meldungen auf Facebook zu posten und zwar bei jeder freigeschalteten Trophäe, einem Spiel- oder Demo-Download. Der praktische Nutzen ist gering, die automatisierte Spam-Schleuder wird so manchem Empfänger wohl schnell auf die Nerven gehen.

Twitter

PlayStation-3-Besitzer haben sehr wohl vollen Zugriff auf Facebook und alle anderen sozialen Netzwerke, da die Konsole einen vollwertigen Browser integriert hat. Allerdings ist dieser alles andere als komfortabel, schon alleine deshalb, weil der Controller die Maus-Bedienung nicht ersetzen kann.

Das Fehlen eines Browsers auf der Xbox 360 ist dagegen für Twitter, dem zweiten Web-2.0-Feature, das Microsoft neu eingebaut hat, ein Problem. Der Kurznachrichtendienst ist auf der Xbox 360 ein nettes, jedoch sehr passives Werkzeug. Inzwischen verlinken ja viele Tweets zu Web-Seiten und Videos. Auf der Xbox 360 können sie allerdings nicht angeklickt werden. So kann man beispielsweise auf dem Sofa liegend per Twitter erfahren, dass jemand gerade den „lustigsten YouTube-Clip“ aller Zeiten gefunden hat. Um ihn zu sehen, muss man sich aber zum PC setzen.

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Auch auf Twitter informiert gamona über das Neueste aus der Welt des Gaming.
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Selbst die Passivität ist limitiert: Beim Durchstöbern der Beiträge eines bestimmten Twitter-Users werden nur die letzten 25 Posts angezeigt. Außerdem ist zu bezweifeln, dass viele tatsächlich von der Konsole aus Tweets verfassen werden. Das Tippen auf der virtuellen Tastatur ist umständlich, eine zum Aufstecken auf den Controller dürften die wenigsten besitzen.

Wer eine Übersicht der Twitter-Accounts (vor allem englischsprachiger) Brancheninsider sucht, wird hier fündig. Selbstverständlich zwitschert auch gamona mit, @gamona_de versorgt seine Follower mit allen wichtigen Nachrichten aus der Welt der Computer- und Videospiele.

Netzwerke für Spieler

Natürlich sind schon mehrere Leute auf die Idee für ein Facebook speziell für Spieler gekommen. Durchsetzen konnte sich bislang keines davon. Mit einer Ausnahme: Xfire, das sich allerdings ausschließlich an PC-Spieler richtet. An sich ist Xfire ein Instant Messenger, der wie ICQ oder Skype die Installation eines Clients erfordert. Dieser erlaubt nicht nur die direkte Kommunikation per Text- oder Voice-Chat, sondern sammelt auch Statistiken über die persönliche Spiele-Karriere. Ein User-Profil verrät, welche Titel man wie lange genutzt hat.

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Xfire richtet sich v.a. an PC-Spieler.
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Xfire erleichtert Clan-Bildung, ermöglicht die Suche von Servern und das Veröffentlichen von Blogs, Screenshots, Videos sowie Live-Feeds und bietet insbesondere auf der Web-Seite etliche Funktionen sozialer Netzwerke. Derzeit sind beachtliche 15 Millionen User registriert, der beliebteste Titel ist (berechnet nach Gesamtspieldauer) wenig überraschend „World of Warcraft“. Mit bereits beträchtlichem Abstand folgen die beiden „Call of Duty: Modern Warfare“-Teile auf den Plätzen zwei und drei.

Wer mehrere Spiele-Plattformen nutzt, hat die Qual der Wahl. Rupture, gamerDNA, Ugame und playfire unterscheiden sich aber kaum voneinander: Man legt sich ein Profil zu und verknüpft es mit seinem Xbox-Live-Gamertag, Wii-Code oder der PlayStation-ID. Die Synchronisierung erfolgt automatisch, fortan registrieren die Netzwerke (mal besser, mal schlechter) die aktuellen Aktivitäten und Erfolge des Spielers.

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Rupture grüßt die gamona-Leser...
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Ein Import der jeweiligen Konsolen-Freundeslisten ist allerdings nicht möglich. Dadurch muss man sich selbst aktiv auf die Suche nach Kontakten machen. Das ist zwar der Sinn und Zweck eines sozialen Netzwerks, man wird aber nie eine komplette Liste seiner Spielbekanntschaften erstellen können, weil der eine vielleicht da, der andere aber dort registriert ist. Weitere Barriere: Alle erwähnten Angebote sind englischsprachig, einen vergleichbaren deutschen Dienst gibt es nicht.

Langweiliger Dampf

Steam ist zwar kein soziales Netzwerk im klassischen Sinne, hat aber seit rund zwei Jahren eine Community-Komponente, deren Bedeutung mit der Zeit und der steigenden Popularität von Valves Vertriebsplattform sicherlich zunehmen wird. Nach aktuellen Schätzungen von Brad Wardell, Chef des Steam-Konkurrenten Stardock, hat die Downloadplattform von Valve nämlich einen Marktanteil von rund 70 Prozent, Tendenz: weiterhin steigend.

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Steam hat sich seit seinem Launch mit Half-Life 2 stark weiter entwickelt.
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Doch so praktisch das Einkaufen über Steam auch ist, für Kommunikation gibt es sicherlich bessere Kanäle. Die Steam Community ermöglicht zwar Freundes-Management, Chats per Text oder VoIP, User-Gruppen und Erfolge nach Vorbild der Xbox 360, eine Überarbeitung seitens Valve wäre aber dennoch längst fällig. Zu altbacken präsentiert sich Steam in seiner derzeitigen Form: So sind die Foren bestimmter Titel zwar gut besucht, aber langweilig, da sie ausschließlich Text erlauben. Videos und Screenshots lassen sich nicht direkt einbauen, Links öffnen ein externes Browser-Fenster. Anders gesagt: Mit zeitgemäßem Web 2.0 hat Steam nicht viel gemeinsam.

Für Bauchschmerzen sorgen auch immer wieder die undurchsichtigen Datenschutzbestimmungen. Steam sammelt ungefragt jede Menge Informationen über den User, die entsprechenden AGB erlauben es Valve, den Rechner auf Herz und Nieren auszuschnüffeln. Wohl auch deshalb zögert so mancher, sein digitales Leben auf dieser Plattform auszubreiten.

Starcraft 2.0

Aggressiv bereitet Blizzard sein (endgültiges) Battle.net 2.0 vor: Mit dem Launch von „Starcraft II“ voraussichtlich im Frühjahr 2010 wird sich die Spiele- und Matchmaking-Plattform, die seit mehr als zwölf Jahren existiert, auch zum sozialen Netzwerk wandeln. Eine Wahl haben die Spieler nicht: So werden seit kurzem sämtliche WoW-User gezwungen, ihre Spiel-Accounts in Battle.net-Zugänge umzuwandeln. Wer dies nicht tut, kann auch nicht mehr ins Spiel einloggen.

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Der nächste Schritt: Blizzards Battle.net 2.0.
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Der Grund ist klar: Man kann und will nicht auf seine mit Abstand größte Kundengruppe verzichten. Blizzard macht das aber nicht nur, weil ihnen die Community so sehr am Herzen liegt, sondern weil es auch ums Geld geht. Längst befürchten viele, dass das Battle.net zu einem zweiten Steam ausgebaut werden soll. Im Sommer hatte Blizzard-Chef Paul Sams in einem Gespräch mit dem Branchendienst Gamesindustry.biz verkündet, dass es bei Battle.net auch Überlegungen für Bezahl-Funktionen gäbe.

Noch ist vom kommenden Battle.net nicht viel zu sehen, bisher wurde nur die Optik der Hompage umgestellt. Die im Sommer auf der vergangenen Blizzcon vorgestellten Features entsprechen allerdings ganz dem Web-2.0-Zeitgeist. So wird das Chat-System – Spiel-übergreifend für alle Blizzard-Titel – künftig wie ein Instant Messenger funktionieren: Jeder (Einzel- oder Party-)Chat bekommt zur besseren Übersicht ein eigenes Fenster, dadurch kann man gleichzeitig mit seinen WoW-Freunden den nächsten Raid planen, während man mit einen Starcraft-II Kumpel das gerade gespielte Gefecht analysiert.

Und wo Web 2.0 draufsteht, darf Facebook natürlich nicht fehlen: Die so genannte „Battle.net Real ID“ wird es künftig erlauben, den echten Namen mit seinen Spielcharakteren zu verbinden. Damit lässt sich dann auf den ersten Blick erkennen, wer tatsächlich hinter einem Nickname steckt. Umgekehrt erlaubt Real ID auch den Import seiner Real-Life-Freunde in die Spiele-Kontakte künftiger Blizzard-Veröffentlichungen. Die Anonymität wird dadurch zwar ein wenig aufgeweicht, aber nicht aufgehoben, schließlich müssen die Kontakte zuvor auf Facebook bestätigt werden.

Wie nachhaltig das Web 2.0 und soziale Netzwerke unser Leben verändern werden, kann aus heutiger Sicht niemand voraussagen. Schließlich prophezeiten viele selbst ernannte Experten noch vor wenigen Jahren, dass Online-Welten wie Second Life einen beispiellosen Siegeszug antreten werden. Das Gegenteil ist eingetreten: Die Server des einstigen Hypes sind heute weitestgehend ausgestorben.