Das Reallife lenkt bekanntermaßen vom Spielen ab. Suchtforscher weggehört: Das muss nicht sein! Ein Leben als vollständiger Grottenolm ist möglich! Sobald erstmal die Finanzierung sichergestellt ist (heißer Tipp: ALG II aka »Hartz IV«), bleibt nur noch die Frage nach der Aufrechterhaltung der biologischen Funktionen.

Damit ihr dabei nicht mit teuren Fertigprodukten euer Spielbudget unnötig verknappt oder - noch schlimmer - mit aufwändigem Slowfood eure Spielzeit verbratet, heiße ich euch willkommen zu meinem privaten Kochkurs »Essen wie (sicher nicht) bei Muttern«.

Wer sich bis jetzt nicht angesprochen fühlt, weil er eventuell wie ich mehr oder minder per Zufall in einen »echten Job« gerutscht ist, mag die Not trotzdem kennen: Die ohnehin nur spärliche Freizeit so umfassend wie möglich fürs Zocken verwenden zu wollen, aber nach fünf Jahren Fertigpizza-Dauersession Plastikwraps und integrierte Backpapiere nicht mehr sehen zu können, um gar nicht von verbrannten Gaumen und mit Tomatensauce bekleckerten Keyboards anzufangen.

Instant Kochen - Rezepte für Zocker – Slowfood schnell

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Liebe geht durch den Magen, aber Zeit ist Geld.
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Außerdem kommt selbst im Leben der isoliertesten Bildschirmklette irgendwann der Zeitpunkt, wo sie im Netz über den passenden Gegenpart stolpert. Dann sitzt man sich plötzlich in Realität bei romantischem Monitorflackern gegenüber und erkennt die Gegenläufigkeit von »Liebe geht durch den Magen« und »Zeit ist Geld«.

Beginnen wir mit dem einfachsten aller Rezepte: »Hühnchen im Teigmantel«. Dazu schneidet ihr eine frische Hühnerbrust in mundgerechte Happen und paniert sie in zu feinen Krümeln zerdrückten Chips eurer Wahl. Schon nach ca. zwanzig Minuten im Backofen bei 220 C° Grad habt ihr praktische Bissen, die McDonald's Nuggets um Längen schlagen. Als Beilage passt der unten genannte »griechische« Salat.

Locker in 15 Minuten zu meistern, ist ferner der folgende »Nudeltopf«. Für den bratet ihr auf dem Herd mit etwas Öl in einem Kochtopf ein halbes Pfund Hackfleisch samt kleingehackter Paprika und Frühlingszwiebel an, bei höchster Stufe. Aufs Hack kommt dann ein halber Liter Gemüsebrühe (oder ½ l Wasser, das ihr mit Brühwürfeln abschmeckt) und eine Viertelpackung Nudeln, die ihr gar kocht. Also etwa 10 Minuten bei mittlerer Stufe.

Wem schon das zu kompliziert ist, der bringt einen halben Topf voll Wasser samt einem Teelöffel Salz zum Kochen und wirft dann seine Nudeln hinein. Nach ca. 10 Minuten schüttet er das Wasser ab und rührt eine halbe Packung Kräuterfrisch- oder Schmelzkäse sowie ggf. eine Handvoll Schinkenwürfel unter.

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Auch Link versucht sich an "Forelle rot".
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Einfach, lecker, aber etwas ausgefallener ist die heimische Süßwasserfischvariante »Forelle rot«. Bei der reduziert die Grätenkomponente den Fingerfoodfaktor enorm, die Zubereitung geht allerdings flugs: Aus Alufolie bastelt ihr Schiffchen, in die ihr den mit Salz und Pfeffer gewürzten Fisch legt, gebt etwas Rotwein (und bei übermäßiger Kochwut gehackte Zwiebeln) hinzu und lasst den schuppigen Leichnam 10-15 Minuten im Ofen backen - bei der Standardtiefkühlwarentemperatur von 180 C° Grad.

Näher an die übliche Tiefkühlkost ragen die »Pizzabrötchen« heran. Die Idee ist lediglich, vier pastebeschmierte Brötchen im Ofen zu überbacken - was unerwartet lecker schmeckt. Dazu schüttet ihr eine kleine Dose Tomatensauce und eine mit Pilzen in eine Schüssel, salzt und pfeffert sie (Gewürze wie Oregano, Basilikum, Rosmarin oder Thymian sind optional). Fleischfresser wie ich mischen eine Packung Schinkenwürfel und/oder Salami unter. Die Masse kommt auf die aufgeschnittenen Semmeln und wird mit Reibekäse überstreut.

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Nie wieder Stinky's Diner - dank Volkers Instant-Küche.
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Nach 10-15 Minuten im Ofen bei 180 C° könnt ihr das Ergebnis prima am Rechner essen. Statt Brötchen kann man auch Toast und für den Aufstrich eine Mischung aus einer Dose Schmand, einer Packung Würfelschinken und geriebenem Käse, einer klein geschnittenen Zwiebel, einer Knoblauchzehe, Pfeffer, Salz und einen Schuss Madeirasauce nehmen. In der Form dürft ihr das Ganze dann frech als Flammkuchen bezeichnen. Lasst euch nur nicht von einem Elsässer erwischen.

Praktisch sind in jedem Fall Tortilla Wraps. Die Teigfladen selbst bekommt ihr recht günstig bei jedem halbwegs gut sortierten Lebensmittelhändler. Ihr beschmiert die Teile wie ein Brot mit Frischkäse und Paprikapaste (Ajvar) und streut dann Käse darüber. Nach etwa drei Minuten in der Mikrowelle könnt ihr noch - so ihr es mögt - gewaschenen Salat aus der Tüte drüber schütten, aufrollen und essen.

Oder wie wäre es mit »Garnelen an Knoblauchbutter«? Klingt gut, benötigt aber nichts weiter als eine Bratpfanne und Garnelen - wie ihr die beiden miteinander benutzt, sollte mittlerweile klar geworden sein. Auf die gesalzenen Hummerartigen (von manchem despektierlich der Madenoptik beschuldigt) schmiert ihr einen Esslöffel Butter und je nach Geschmack, bzw. olfaktorischer Toleranz 1-3 Zehen Knoblauch.

Wenn Besuch kommt, packt ihr zu den vorgeschlagenen Rezepten eine Schüssel mit fertig gewaschener Salatmischung und Tomaten samt Messer. Dazu stellt ihr Öl, Salz, Pfeffer, Oliven und nennt das Ganze bedeutungsvoll »Choriatiki« - was zwar schlicht Bauernsalat bedeutet, aber im Zweifel auch keine Sau interessiert. Dazu kippt ihr einen nicht brillanten, aber durchaus trinkbaren, hoch bearbeiteten weil kalifornischen »Ruby Cabernet« von Aldi in eine Karaffe und behauptet, der sei eine Besonderheit aus der Weinbauregion Nemea vom Peloponnes. Mit etwas Glück hat euer Gegenüber genauso wenig Plan und ihr kommt mit der Nummer durch.

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Hmm... lecker! Gamer-Küche mit der Geling-Garantie.
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Zum Nachtisch existieren zwei Unter-Fünf-Minuten-Süßspeisen, die vor allem in Kombination schmecken: Mandelkuchen mit heißem Apfelmus. Für letzteres viertelt und schält ihr lediglich zwei Äpfel, gebt einen Teelöffel Zucker und eine Prise Zimt dazu und stellt es drei Minuten in die Mikrowelle (danach umrühren). Währenddessen mischt ihr mit einem Schneebesen in einer kleinen Gugelhupf-Silikonbackform ein Päckchen gemahlene Mandeln, einen Teelöffel Backpulver und sechs Esslöffel Zucker. So unglaublich es klingen mag: Nach fünf Minuten in der Mikrowelle entsteht ein Gebilde, das zwar ein wenig nach Ei riecht, aber verdächtig nach Kuchen aussieht und 100%ig danach schmeckt. Keine schlechte Idee zum Tässchen Kaffee beim sonntäglichen WoW-Zock.

Wem auch diese simplen Tipps noch zu kompliziert erscheinen, dem ist nicht zu helfen. Außer eventuell mit der Variante, die meinen werten Herrn Vater durchs harte Studentenleben brachte: Maggiwürfel lutschen. Das klappt sogar während des Spiels.