Mit Asheron’s Call, Dungeons & Dragons Online und Der Herr der Ringe Online hat sich Turbine einen Namen als MMOG-Publisher gemacht und über die Jahre hinweg ganz gut am Markt überleben können. Der große Erfolg blieb allerdings aus, denn qualitativ hinkte das Studio der Konkurrenz stets ein wenig hinterher. Jetzt will man das MOBA-Genre erobern und von Anfang an alles besser machen, doch auch dieses Feld ist bereits bestellt.

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Fünf Jahre dauert die Entwicklung eines zeitgemäßen MMOGs im Durchschnitt und sie verschlingt Gelder in mindestens zweistelliger Millionenhöhe. Bei einem MOBA hingegen fällt die Kalkulation weit günstiger aus. Statt riesiger Landschaften mit hunderten von Monstern und einer Story, verpackt in unzählige Quests, basteln die Entwickler in diesem Genre eine kleine Karte, auf der sich zwei mal fünf Helden gegenüberstehen und versuchen, die Basis des Gegners mit Hilfe von computergesteuerten Kreaturen zu überrennen.

Designen wie die Modder

Ein schlichter Arena-Modus ist es also, der es den Spielern seit einigen Jahren so angetan hat - und zwar der eines typischen Echtzeitstrategiespiels, wie es Warcraft 3 eines ist, in dem es die Modder-Map DotA erstmals zu einiger Bekanntheit bringen und den Grundstein für die Multiplayer Online Battle Arena Games als neues Genre legen konnte.

Infinite Crisis - Turbine in der Krise

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Schön geht definitiv anders - Infinite Crisis hat eine optische Überarbeitung auf jeden Fall bitter nötig.
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Was die Modder können, so mag man sich bei Turbine gedacht haben, kann ein professionelles Studio doch erst recht. Und da Mutterkonzern Warner gleich noch eine fette Lizenz auf den Tisch legte, war es nur folgerichtig, die profillosen Helden ins DC-Superhelden-Kostüm zu packen und auf einer MOBA-Map um die Herrschaft über Gotham kämpfen zu lassen.

Die Hügel von Gotham

Eigentlich sind es sogar schon zwei Maps, auf denen die Spandex-Krieger ihre Kräfte messen: Gotham Heights und Coast City. Letzere Karte wird offiziell noch als Beta-Version deklariert - innerhalb der Beta von Infinite Crisis. Sie erinnert am ehesten an ein klassisches MOBA-Spiel, bei denen Creeps gen Gegner-HQ pilgern und Türme ihnen den Weg versperren - allerdings auf nur zwei Pfaden.

Packshot zu Infinite CrisisInfinite CrisisRelease: PC: 4. Quartal 2013

Im Gegensatz dazu ist Gotham Heights ein klassischer Capture-The-Flag-Spielmodus, bei dem das Team gewinnt, das die Flaggenpunkte im Verlauf des Spiels länger gehalten hat. Auch hier spawnen Creeps, allerdings sind die von weit geringere Bedeutung als in Coast City. Gotham Heights spielt sich insgesamt bedeutend schneller als Coast City und ist eher etwas für zwischendurch.

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Im MMOG-Genre konnte Turbine nie ganz oben mitmischen, hofft jetzt umso mehr darauf, mit dem MOBA ein glücklicheres Händchen zu haben.
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Wobei sich einmal mehr zeigt, dass sich die Eroberung von Flaggenpunkten eigentlich nicht sonderlich gut mit dem MOBA-Gameplay verträgt, denn statt cleverer Strategien und Teamplay kommt es hier eher auf zahlenmäßige Überlegenheit an und auf den Schaden, den ein Held in kurzer Zeit austeilen kann - entsprechend haben manche Helden auch weit höhere Gewinnchancen in Gotham Heights als andere.

Apropos Helden

Die stammen natürlich allesamt aus dem weitreichenden Fundus des Multiversums von DC. Entsprechend üppig ist dann auch die Auswahl - von Catwoman über Flash bis hin zum Joker - Superman allerdings wird vermutlich erst zum Release im kommenden Jahr einfliegen. Manch ein Held wird gleich mehrfach verwurstet - samt jeweils komplett eigener Skills. So gibt es beispielsweise neben dem klassischen Batman noch den düsteren Nightmare Batman sowie den Gaslight Batman, eine etwas cyberpunkig angehauchte Version des beliebten Flattermanns.

Trotz des weiten Spektrums an Helden und Skins legt Turbine augenscheinlich großen Wert auf die Nähe zur DC-Vorlage und befragt die Spieler der laufenden Beta nach jeder Runde zu ihren Erfahrungen hinsichtlich des gespielten Heldens - seiner Skills, der Stärken, Schwächen und der gefühlten Authentizität. Es wird also noch viel gearbeitet an Infinite Crisis - und zwar an allen Enden und Ecken. Entsprechend hat sich im Laufe der vergangenen Monate im Spiel auch qualitativ jede Menge getan.

Ein MOBA ist kein MMOG. Entsprechend fehlt es Turbine offensichtlich an talentierten Designern, um die Superhelden vom Fluch der Mittelmäßigkeit zu befreien.Ausblick lesen

Innovation gesucht

Die Jungs von Turbine haben mehrfach bekundet, dass sie Infinite Crisis als langfristiges Projekt und als fortlaufenden Service ansehen - das habe man im Laufe der eigenen Firmengeschichte und durch Titel wie Der Herr der Ringe Online gelernt. Das ist einerseits schön, andererseits auch nötig, denn trotz aller Liebe, mit der die Designer bei Infinite Crisis zu Werke gehen, gibt es noch offene Baustellen.

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Robin gegen Catwoman - bei Infiite Crisis kommen die Helden des DC-Multiversums zum Einsatz.
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Die vielleicht wesentlichste betrifft das allgemeine Design der Helden und ihrer Skills. Zwar hat sich Turbine Gedanken darüber gemacht, welche Talente der Comic-Helden sich in einem MOBA einsetzen lassen, wirklich kreativ ist man dabei allerdings nicht vorgegangen. Geniale und innovative Helden-Designs wie den Phantom Lancer aus DotA oder Empath aus Heroes of Newerth wird man in Infinite Crisis derzeit noch vergeblich suchen.

Artman gesucht

Da nützt es auch wenig, dass man hier und da mit der Umgebung interagieren, Autos schmeißen oder Straßensperren aus dem Weg schubsen kann - die grafische Gestaltung der Karte und die Animation der Helden wirkt wie ein Relikt aus alten Tagen und kann nicht einmal ansatzweise mit dem optisch hochpolierten Genre-Anführer Dota 2 mithalten.

Und nicht nur in den Runden selbst sticht die unausgereifte Optik negativ ins Auge - auch und vor allem beim Interface, in den Menüs und bei den Artworks drängt sich der Verdacht auf, dass bei Turbine dringender Bedarf an einem talentierten Art Director besteht, der das komplette Spiel auf Hochglanz poliert, die hässlichen Artworks, die Schriftarten und das Interface durch ansehnliche ersetzt und die Farbpalette neu mischt.

Und wenn man schon rekrutiert, könnte es auch nicht schaden, sich gleich einen Designer ins Team zu holen, der sich mit MOBAs auskennt. Klar - einen Guinsoo oder IceFrog wird man schwerlich bekommen, wohl aber einen talentierten Spieler aus der E-Sports-Szene, der sich mit Helden- und Item-Mechaniken auskennt und den einen oder anderen designerischen Traum verwirklichen möchte.