Alles ist relativ - das hat uns ein geistreicher Physiker bereits vor gut 90 Jahren logisch dargelegt. Kein Wunder also, dass selbst die Begriffe "Gut" und "Böse" Auslegungssache sind. Was das mit "Infernal" zu tun hat? Ganz einfach: In dem Action-Adventure der polnischen Metropolis Software-Studios übernehmt ihr die Rolle des ehemaligen Vorzeige-Engels Ryan Lennox, der von der kämpferischen Himmelsagentur Etherlight - wohlgemerkt: das sind die Guten! - verraten und verfolgt wird.

Im Normalfall betrüge die Lebenserwartung des Protagonisten nun höchstens die einer Eintagsfliege. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. So kontaktiert der Teufel höchst selbst unseren Himmelskrieger a.D. und überzeugt ihn, für die Konkurrenzagentur Abyss tätig zu werden. In seinem neuen Job soll Ryan Etherlight aufhalten, da diese mit teuflischen, äh himmlischen Experimenten die komplette Menschheit bedrohen. Das Böse will die Menschheit vor dem Guten retten? Wo sind wir denn hier gelandet? Nun ja, wie schon gesagt: Alles ist relativ. Willkommen zu "Infernal"!

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Magie liegt in der Luft
Um Mr. Lennox seine neue Berufung schmackhaft zu machen, stattet der Belzebub ihn im Lauf des Spiels mit immer neuen Fähigkeiten aus. Die benötigt er auch dringend, um den Kampf gegen die zahlenmäßig überlegenen Etherlight-Krieger aufzunehmen. Bereits von Beginn an kann Ryan in bester Vampir-Manier die Seelen getöteter Feinde aufsaugen, um seine eigene Energie zu regenerieren. Wie David Copperfield muss er dabei nur pathetisch mit der Hand fuchteln und schon wirkt der Zauber. Das sieht zwar cool aus, nervt auf Dauer aber, da das Absaugen stets mehrere Sekunden dauert. Immerhin gibt es die Gabe frei Haus.

Infernal - Auf Teufel komm raus: Infernal mischt das darbende Action-Genre auf!

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Viele Zwischensequenzen treiben die Story voran. Gut so!
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Für die meisten anderen Fähigkeiten verbraucht unser Held wie in Rollenspielen Mana, das wiederum durch das Ausschalten von Gegnern regeneriert wird. Per "Höllenangriff" etwa verstärken wir unsere Schießprügel mit Luzifers dunkler Energie. Die Wummen leuchten dann nicht nur schöner als jede Silvester-Rakete, sondern machen auch mächtig viel Schaden. Subtiler, aber nicht weniger fies ist der "Teleportations-Griff". Damit packen wir Objekte oder Soldaten und beamen sie an andere Stellen. So können wir Kontrahenten beispielsweise schnappen und über Abgründen fallen lassen oder sie in Feuerquellen bugsieren.

Wie bereits in der Vorschau angedeutet, ist der "Teleportations-Griff" als Waffe leider denkbar ungeeignet, da die Bedienung zu hakelig geraten ist. Ohne Übung benötigt ihr eine halbe Ewigkeit, um Widersacher von einem Platz zum anderen zu schicken. In der Zwischenzeit haben euch die restlichen Feinde meist schon über den Haufen geschossen.

Packshot zu InfernalInfernalErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Unverzichtbar ist der "Darth Vader-Gedächtnis-Griff" dafür bei einigen immer wiederkehrenden Rätseln. Mehrmals mussten wir Kisten aufeinander- oder umstapeln, um uns Wege frei zu schaufeln oder um darunter versteckte Schlüssel zu finden. Was wir mit anderen tun können, das können wir auch mit uns selbst. Nein, wir reden nicht von bestimmten sexuellen Aktivitäten, sondern von der Eigen-Teleportation. Ist doch klar, oder? Jedenfalls dürft ihr euch im Lauf des Spiels bis zu drei Mal hintereinander teleportieren, um an ansonsten unerreichbare Orte zu gelangen. Nachteil dabei: Der Beam-Vorgang ist nicht von dauerhafter Natur. Nach wenigen Sekunden zappt ihr automatisch wieder zurück.

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Die Maschine des Grauens. Was es damit auf sich hat? "Infernal" zocken und verstehen!
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Geht es im Level mal nicht weiter, solltet ihr euch also fleißig teleportieren und nach Schaltern zum Aktivieren versteckter Türen oder dem Ausschalten von Alarmanlagen Ausschau halten. Ebenfalls primär zum Lösen kleinerer Rätsel benötigt ihr die so genannte "Höllensicht". Aktiviert ihr diese, verfügt ihr ähnlich wie im Drogenrausch über eine ganz andere Wahrnehmung und könnt versteckte Codes lesen oder unsichtbare Mana- und Lebensenergie-Portionen einsammeln.

Die volle Action-Dröhnung
Zauberkräfte, die zum Lösen von Rätseln angewandt werden müssen - ist "Infernal" etwa ein verkapptes Adventure? Keine Panik! Der Anspruch der Kopfnüsse ist geringer als der von Zweitklässler-Matheaufgaben. Selbst der gemeine gamona-Redakteur hatte während des Tests keine Probleme, zügig voran zu kommen.

Zu 90 Prozent besteht der Titel aus brachialer, cool inszenierter Action. Mit Maschinengewehren, Laserwaffen, Scharfschützengewehren oder Raketenwerfern holzt ihr haufenweise Gegner um und durchpflügt größtenteils lineare Levels. Die Geschwindigkeit während der eigentlichen Action ist ausgesprochen hoch. Nur das langatmige Lebensenergie-Absaugen der Gegner bremst den Spielfluss immer wieder aus. Die Gegner-KI ist ein zweischneidiges Schwert. Wie bereits in der Betaversion liegen Licht und Schatten nah beieinander. Während die Schergen auf Distanz meist clever Deckung nehmen und euch sogar von mehreren Seiten attackieren, fällt der IQ der Burschen stark ab, je näher sie euch kommen. Auf Tuchfühlung reagieren sie oft gar nicht und lassen sich blind über den Haufen ballern.

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Dicke Wumme gegen kleinen Gegner. Wer hier wohl gewinnt? Wir natürlich!
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Wirklich schwierig werden die Gefechte deshalb nur, wenn euch wahre Gegnerhorden angreifen und in die Mangel nehmen. Dann nämlich habt ihr oft keine Zeit, mal eben einen Toten auszusaugen, um eure Lebensenergie aufzufrischen, sondern müsst stets auf neue Kugelhagel vorbereitet sein. So zahlreich die Kontrahenten aufkreuzen, so abwechslungsarm deren Bandbreite. Den größten Teil des Spiels ballert ihr Kuttenträger über den Haufen. Stärker gepanzerte Exemplare begegnen euch erst sehr spät.

Für ein wenig Pepp sorgen nur behutsam eingestreute Zwischenbosse. Die sind nicht nur besonders stark, sondern meist auch lediglich mit einer speziellen Taktik auszuschalten. Einen durchgeknallten Wissenschafts-Opa im Schwebe-Rollstuhl können wir etwa nur dann verletzen, wenn wir uns hinter ihn teleportieren und seine Raketendüsen beschießen. Der Rest des Tattergreises wird von einem undurchdringlichen Schutzschild beschützt. Außer an seinem Rücken kein Durchkommen für uns!

Ach, du schöner Teufel!
Visuell haut "Infernal" zwar nicht in die Vollen, hat aber dennoch einiges auf dem Kasten. Zum einen überzeugt der Stil - die Charaktere, Levels und Zwischensequenzen sind den Designern allesamt gut gelungen und unterstreichen die Endzeitstimmung gekonnt. Zum anderen ist der der Titel auch technisch ansprechend. Vor allem, wenn ihr eine der raren Ageia PhysX-Karten in eurem PC verbaut habt. Dann explodieren Kisten ungleich spektakulärer, fliegen deutlich mehr Partikel durch die Lüfte und strahlen Feuerfontänen merklich intensiver.

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Dank Ageia-Physik sind die Explosionen besonders spektakulär.
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Weniger schön ist die inkonstante Performance. In den meisten Innen-Levels flutscht Ryan nur so über die Bildschirme. In den kantigen Außenbereichen geht ihm dafür umso öfter die Puste aus. Und das selbst auf wahren Höllenrechnern! Abschließend sei erwähnt, dass die deutsche Version von "Infernal" von Publisher Eidos zensiert wurde. Sobald ihr Gegner ausgeschaltet habt, könnt ihr nicht mehr auf sie schießen - das Fadenkreuz wird einfach ausgeblendet. Das mag anfangs leicht verwirrend sein, dem Spielspaß schaden die ausschließlich technischen Kürzungen aber nicht.