Was will ich sein? Superheld oder Superfiesling? Rette ich Leben oder nehme ich sie? Will ich gefeiert oder gehasst werden? Keine leichte Entscheidung, zumindest „super“ sollte es aber in jedem Fall sein. Wie gut, dass es Spiele wie „InFamous“ gibt. Das gibt mir nicht nur ein mächtiges Arsenal furchteinflößender Superkräfte in die Hand, sondern lässt mich damit auch noch anstellen, was ich will.

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Frei wie ein (kranker) Vogel

Da wo einst gut besuchte Einkaufsstraßen durch das Herz von Empire City führten, prangt nun ein riesiger Krater. Staubpartikel verdunkeln den Himmel, Trümmer pflastern die Wege der einstigen Metropole. Es herrschen Armut, Hunger und Chaos, die Menschen leben in Angst. Seit vor ein paar Wochen eine immense Explosion die Stadt erschütterte, ist hier nichts mehr, wie es einst war.

inFamous - Der nächste Superhit für die PS3?

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Tolle Aussichten: Cole kann wirklich jeden nur denkbaren Punkt der Stadt erklettern.
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Mitten in diesem Sumpf aus Anarchie und Panik erwacht Cole. Von der mehrere Megatonnen schweren Explosion hat er nichts mitbekommen, geschweige denn das er sich an die Ereignisse davor erinnern könnte. Seine Geschichte beginnt direkt im Zentrum der Detonation. Was Cole noch nicht weiß: Sowohl die Detonation, als auch sein Leben sind auf mysteriöse Weise miteinander verwoben.

„InFamous“ startet denkbar dramatisch und bietet dabei den bestmöglichen Einstieg für ein mitreißendes Spielerlebnis. Schon bevor es richtig losgeht, sind wir gebannt, harren der Dinge die da kommen mögen und versprechen uns, den PS3-Controller allzu schnell nicht mehr aus der Hand zu legen. Unseren Glückwunsch an die Entwickler – das ist exzellente Spielerführung. Wenn das doch nur immer so gut klappen würde…

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Super Superkräfte: Wo Cole hinblitzt, bleibt kein Stein auf dem anderen.
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Der Fallstrick den sich „InFamous“ dabei selbst legt, heißt „Open World“. Die partiell zerstörte Megastadt Empire City ist nämlich völlig frei begehbar. Hier sollen wir Nachforschungen anstellen, wie es zu der grausigen Katastrophe kommen konnte und arbeiten uns während mal großer, mal kleiner Missionen zum großen „Aha“-Moment voran, an dessen Ende natürlich auch unser Schicksal geklärt wird.

Bis es soweit ist, springt, sprengt und prügelt ihr euch über Häuserfassaden, Telefonmasten und Werbeschilder. Nur: Spannung will dabei fast nie aufkommen. Wie viele „Open World“-Titel, kämpft auch „InFamous“ über weite Strecken mit demselben Problem: Die Inszenierung schafft es nur selten, eindringliche Highlights zu setzen, der freie Handlungsspielraum ist auch hier gleichbedeutend mit Abwechslungsarmut und Wiederholungen.

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Verlorene Energie regeneriert ihr an Strommasten und generell Allem, was unter Spannung steht.
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„GTA 4“ wusste dieses Problem noch recht clever zu lösen, indem es zwischen den Missionen grandios inszenierte Dialogsequenzen platzierte und so einerseits die geniale Story vorantrieb, andererseits spielerischem Leerlauf mit Köpfchen entgegen trat. „InFamous“ verzichtet auf derlei Einspieler, verlässt sich stattdessen lieber auf kurze Funkübertragungen, in denen eigentlich nicht viel mehr als sinnfreies Geplänkel zum Besten gegeben wird.

Wie vom Blitz getroffen

Schade, ist doch das generelle Freiheitsgefühl sogar deutlich besser als im Rockstar Gangsterepos. Jedes Gebäude, jeder Strommast, sogar einzelne Hydranten lassen sich erklimmen. Selbst Altair aus „Assassins Creed“ wäre angesichts derlei akrobatischer Künste zutiefst neidisch. Cole – durch die Explosion zu Beginn des Spiels als elektrisch aufgeladener Supermensch neugeboren – schwingt sich zum Herren über die physikalischen Gesetze auf.

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Später lernt ihr immer mächtigere Attacken, wie die Schockwelle.
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Und weiß sich seit dem Zwischenfall zudem Bestens zu wehren: Per Tastendruck verschießt Cole ganze Blitzsalven aus den Händen, bündelt diese zu mächtigen Schockwellen oder lässt einen Granatenhagel aus kinetisch aufgeladenen Blitzkugeln auf die Gegner prasseln. Derart befähigt, lässt sich beinahe jedes Hindernis – ob aus Fleisch und Blut oder massivem Stahl – in Nullkommanichts ausschalten.

Blitz lass nach, du bist umzingelt: "InFamous" umschmeichelt Augen und Ohren ganz vorzüglich, Herz und Hirn werden dabei aber kaum gefordert.Fazit lesen

Cole ist damit weit mehr, als es Nico Bellic oder Altair je hätten sein können. In ihm schlummern die Mächte eines Superhelden, der sich über alle Grenzen hinwegsetzt, schier unzerstörbar ist und unentwegt Gutes tut. Oder nicht? Nun, „InFamous“ lässt euch von Beginn an die Wahl. Als würde im Hintergrund eine leise Stimme die berühmten Worte aus Spiderman flüstern, steht ihr schon nach wenigen Spielminuten vor der klaren Erkenntnis: Mit großer Kraft kommt große Verantwortung.

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Helfer oder Vernichter: Hilflose Passanten kann Cole entweder heilen oder töten.
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Im Klartext: An bestimmten Punkten des Spiels stellt euch „InFamous“ vor so genannte Karma-Momente. Hier entscheidet ihr, ob ihr lieber zum Wohl der Allgemeinheit handeln wollt oder lieber eigene Ziele verfolgt. Je nach Entscheidung ist das Resultat frappierend: Eure Umwelt reagiert direkt auf derlei Situationen, feiert euch zum Beispiel, wenn ihr wichtige Nahrungslieferungen abliefert oder hasst euch, wenn ihr sie heimlich selber esst.

Wer stets nach einem gewissen Schema agiert, kann dies auch an Coles Gesinnungsbarometer ablesen. Besonders fiese Spieler erreichen so schon nach kurzer Zeit den Rang eines Rowdys. Dadurch werden nicht nur neue und spezielle Fähigkeiten freigeschaltet, die Cole mit gewonnenen Erfahrungspunkten bezahlt, sondern auch Missionen spielbar, die nur für eine der beiden Gesinnungen verfügbar sind.

Kryptonit für den Spielspaß

In Punkto Spielbarkeit fährt das Heldenabenteuer ganz große Geschütze auf: Egal wie kompliziert die Bewegung, stets habt ihr mit relativ simplen Tastenkombinationen die Situation im Griff. Anders als in „Assassins Creed“ werden Coles Manöver jedoch nicht stur automatisiert – es reicht also nicht, einfach gegen die nächstbeste Wand zu laufen, um diese zu erklimmen.

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Grafisch machen vor allem die Effekte einiges her, das Kantenflimmern stört jedoch.
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Allerdings gehen die Entwickler an anderer Stelle Kompromisse ein, die sich störend auf die Bedienung auswirken: Da Cole etwaige Objekte in seiner Umgebung fixiert und sofort nach ihnen greift, wenn er springt, ergeben sich zum Teil recht krude Situationen. Stehen wir etwa an der Dachrinne eines Hauses, ist es schier unmöglich sich fallen zu lassen. Cole greift automatisch im Flug nach dem nächsten Objekt – bei aller Freiheit, beschneidet uns „InFamous“ also letztlich doch.

Dennoch: Die Mischung aus cooler Superhelden-Action, großer Freiheit und spektakulären Zerstörungsorgien macht zumindest zu Beginn vom Fleck weg süchtig. Erst mit längerer Spielzeit schleichen sich Monotonie und Stillstand ein, es fehlen große Highlights, spektakuläre Skriptsequenzen oder auch einfach emotional aufwühlende Momente, um den Spieler vor Spannung in den Sitz zu pressen.

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Mit der Standard-Blitzattacke lässt sich beinahe jeder Gegner bezwingen.
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Auch die durchweg generischen Missionen sorgen für wenig Abhilfe. Zwar variieren die Auftragsziele sehr häufig, im Grunde seid ihr aber trotzdem nur damit beschäftigt, irgendetwas einzusammeln, irgendetwas zu sprengen oder irgendjemanden ins Land der Träume zu schicken. Ob als Superheld oder Superbösewicht – Langeweile wirkt in beiden Fällen wie Kryptonit.