Lange nix vom Schlapphut tragenden Archäologen Mr. Jones gehört? Stimmt! Mehr als ein halbes Jahrzehnt verging, bis wir "Indy" wieder mal über den Bildschirm steuern dürfen. Von seiner Faszination hat Indiana Jones allerdings auch heute nur wenig eingebüßt - ob man das aktuelle Spielfilmabenteuer nun mag oder nicht.

Indiana Jones und der Stab der Könige hat mit dem Film inhaltlich jedoch, abgesehen vom Hauptdarsteller, nichts gemeinsam und so schwingen wir die berühmte Peitsche in einer davon völlig losgelösten Story. Und da wir die Knute endlich mal möglichst stilecht einsetzen wollen, haben wir folgerichtig die Wii-Version des Action-Adventures unter die Lupe genommen.

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Auf dem Kreuzzug mit der Wiimote

Natürlich steht bei unserer Untersuchung zunächst die bewegungssensitive Steuerung von Der Stab der Könige im Mittelpunkt. Leider gibt es von dieser Front nur wenig Gutes zu vermelden. Wie schon bei vielen anderen Wii-Titeln bekommen die Entwickler das Handling via Wiimote einfach nicht vernünftig in den Griff.

Indiana Jones und der Stab der Könige - Er schwingt wieder die Peitsche

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Die Präsentation versprüht durchaus Indy-Charme.
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Die Bewegungserkennung gerät viel zu schwammig, ist oftmals unpräzise und artet daher in das aus, was viele Fans der Nintendo-Konsole zu fürchten gelernt haben: heftige Fuchtelei, bei der koordinierte Aktionen eine untergeordnete Rolle spielen. Das ist umso ärgerlicher, wenn man die neue Vielfalt der Prügelfähigkeiten unseres Helden bedenkt. Diese wurden im Gegensatz zu vergangenen Abenteuern noch weiter verfeinert - und trotzdem ist das Spiel in seinem Kern nur wenig mehr als eine derbe Prügelnummer.

Kein Anspruch für Wii-Zocker?

Ihr schwingt also nicht nur schnöde die Peitsche oder teilt simple Hiebe aus, sondern setzt euren Widersachern auf vielfältige Weise zu. Mal zieht ihr sie zu euch heran, um sie dann niederzuschlagen oder gegen interaktive Objekte in der Umgebung zu schleudern, reißt ihnen mit der Peitsche die Beine weg oder entwaffnet sie. Alternativ lasst ihr Objekte auf sie herabfallen oder schlagt harte Haken oder Jabs an ihre Schädel.

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Hau-Ruck! Die Peitsche ist wahrlich eine vielseitige Allzweckwaffe!
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Außerdem greift Indy auch gerne Mal auf herumliegende Gegenstände als Schlaginstrument zurück und verpasst den Nazi-Schergen so den einen oder anderen Hieb mit Stöcken und Stangen oder ihr werft ihnen Flaschen an den Kopf. Doch aufgrund der beschriebenen Ungenauigkeiten fuchtelt man meist hektisch mit Wiimote und Nunchuk, mit dem man die Figur durch die Levels steuert, und drischt auf die meist ziemlich dumm agierenden KI-Handlanger ein.

Leider macht dieser Titel aus eurer Wiimote keine Peitsche.Fazit lesen

Diese erweisen sich schnell als willige Opferlämmer, denn sie lassen sich leicht austricksen und gehen höchst berechenbar gegen euch vor. Nutzt man obendrein noch das Konterschlagfeature, haut man die Fieslinge binnen weniger Momente aus den Socken. Die Kämpfe versprühen daher wenig Dynamik und sind letztendlich sehr anspruchslos.

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Mit der Peitsche entwaffnet ihr Feinde oder zieht ihnen einfach die Beine weg.
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Diese Anspruchslosigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Titel, möglicherweise ist man der Meinung, dem Wii-Publikum nichts anderes bieten zu müssen? So werdet ihr beispielsweise alle Nase lang von überflüssigen Tutorials genervt, die sich nicht abbrechen lassen. Schlimmer sieht es bei den wenigen Puzzles aus, die wohl selbst ein Fünfjähriger lösen könnte, da alle Lösungsmöglichkeiten anhand von dicken Symbolen idiotensicher angezeigt werden. In Kombination mit der absolut linearen Levelgestaltung, die euch durch meist enge Räume und vorhersehbare Abläufe lotst, führt das zu einem eher biederen Spielablauf.

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Die interaktive Umgebung lässt sich oft zum eigenen Vorteil nutzen.
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Gelegentlich dürft ihr euch allerdings als Pilot betätigen und düst durch enge Canyons, während euch gegnerische Flieger vom Himmel holen wollen. Auch hier sorgt die schwache Bewegungserkennung für mehr Frust als Lust, immer wieder brettert man unvermittelt gegen Felswände. Ab und zu werden zudem Ballereinlagen eingestreut, die jedoch aufgesetzt wirken. Sie vermitteln aufgrund ihrer starren Gestaltung, wo man nur aus der Deckung heraus feuert, jedoch höchstens zweitklassiges Schießbudenfeeling.

Insgesamt entwickelt sich aufgrund der abwechslungsreichen Inszenierung und einiger unterschiedlicher Spielelemente zwar bisweilen ein chaotisch angehauchtes Indy-Feeling, zu dem auch die leicht interaktiven Zwischensequenzen beitragen (Knopfdruck-Reaktionstests), die spielerischen Mängel und Hakler werfen eurem Helden leider immer wieder Steine in den Weg.

Fate of Atlantis als Dreingabe

Abgesehen von den geschilderten technischen Unzulänglichkeiten ist Indiana Jones und der Stab der Könige recht solide produziert. Die Geschichte bewegt sich dabei im Rahmen dessen, was man von einem Indy-Spiel erwarten darf: Immer auf der Suche nach dem nächsten Artefakt, gerät unser Archäologe in stets haarsträubende Situationen, die ihn quer über den halben Erdball führen. Für Wii-Verhältnisse macht die Optik einen soliden Eindruck, wenn auch die Figuren reichlich hölzern agieren und grobkantig daherkommen.

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Häufig könnt ihr allerlei Gegenstände auf eure Widersacher werfen.
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Dafür wurde wenigstens mit Wolfgang Pampel der deutsche Synchronsprecher von Harrison Ford engagiert, der seinen Job fraglos professionell und mit großem Wiedererkennungswert durchgezogen hat. Alle anderen Sprecher wirken dagegen eher unmotiviert und belanglos. Wer auf Koop-Sessions steht, darf zudem mit einem Kumpel, der den Part von Jones Senior übernimmt, auf Schatzsuche gehen. Hier prügelt man einfach zu zweit drauf los, viel Anspruch steckt nicht dahinter. Aber immerhin.

Ein besonderes Schmankerl wartet jedoch in der Bonussektion auf euch: Mit Indiana Jones and the Fate of Atlantis (1989) wird euch ein kompletter Klassiker spendiert, der für den einen oder anderen Fan den Kauf rechtfertigen könnte. Die Umsetzung des Point & Click-Adventures, das vor allem durch gelungene Rätseleinlagen und viel Spielspaß überzeugt(e) kann zwar optisch niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Die Steuerung wurde jedoch sehr gut an die Wii angepasst und hinterlässt sogar einen besseren und stimmigeren Eindruck als das Hauptspiel. Solche tollen Extras möchten wir auch bei anderen Games öfter sehen.