Es geht in die nächste Runde unserer unfairen und unheimlich blasphemischen Meckerreihe, in der wir uns Klassiker zur Brust nehmen und sie mit schwachen Argumenten total zur Sau machen. Und da es im Spielekosmos kaum heiligere Hallen als die von Nintendo gibt, wird es höchste Zeit, in deren Foyer an eine der Alabaster-Säulen zu urinieren.

Bevor wir uns aber an Klempnern vergreifen, die ihren Beruf nicht ausüben, oder grünbemützen Schwertschwingern, die unter Garantie keine Elfen sind und die immer versehentlich „Zelda“ genannt werden, sei uns eine Aufwärmrunde gegönnt. Drum: Willkommen zu unserem Gemotze über Kirby!

Eine Knutschkugel läuft Amok

Kirby erzählt die Geschichte... moment, das ist schon gelogen. Wie so viele Spiele seiner Generation kam Kirby in seiner ursprünglichen Inkarnation mit einem absoluten Minimum an Story aus und wie bei seinen Plattformer-Kollegen aus dem Hause Nintendo hat sich seitdem nicht viel geändert. Bevor wir uns dem Gerippe von Alibi-Handlung widmen, beschreiben wir also das Szenario.

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Kirby ist übrigens so lame, dass man ihm für den westlichen Markt oft grimmige Augenbrauen verpasst. Kein Witz.
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Kirby ist eine Art psychotischer Kaugummi, der im Dreamland auf dem Planeten Pop Star lebt. Es wird nie genau gesagt, was für ein Wesen er denn nun eigentlich ist, irgendwas zwischen Pacman und einem Pokémon. Er ist eine rosa Kugel (in seiner ersten Inkarnation war er weiß) mit stummeligen Füßen und Flossen und einem klassischen Mondgesicht.

Der Grund dafür, dass er bis heute aussieht, als hätte ihn ein Dreijähriger mit einem schweren Alkoholproblem designed, liegt darin, dass er eigentlich nur eine Platzhalter-Grafik war. Irgendein armer Gestalter baute ihn erstmal ein, damit man das Spiel programmieren konnte, und sagte sich „Ok, das ist ganz schön peinlich, aber man kann ihn später ja zu einem richtigen Charakter machen.“ Nur, dass sich später Serienschöpfer Masahiro Sakurai aus Geschmacksverirrung oder geizgetriebener Kostenkalkulation dachte „Ah, fuck it, lasst ihn halt so, wie er ist.“

Daher auch die Verwirrung darüber, was er eigentlich ist. In der offiziellen Nintendo-Lore wird er als „Junge“ bezeichnet, was auf ca. achtfache Weise verstörend ist, denn der junge Mann kann sich mit Luft aufblähen, um zu fliegen, und er kann unschuldige Lebewesen bei lebendigem Leib verschlingen, um sich ihre Kräfte anzueignen. In seiner eigenen Spielereihe ist das schon gruselig genug, so richtig krank wird es allerspätestens in Super Smash Bros., wenn er seine Kontrahenten in den Mund nimmt, dann ein neues Outfit hat und mit der Absorption ihrer Lebensenergie auch gleich eine neue Fähigkeit kriegt.

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Kiregt man zuerst Diabetes oder einen epileptischen Anfall bei dem ganzen Geflitter?
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Die Aneignung verschiedener Eigenschaften ist eigentlich seit jeher eines der schönsten Gimmicks an Kirby, obwohl er die Fähigkeit nicht von Anfang an hatte und je nach Spin-Off auch mal zufällig nicht mehr hat. Und während es unleugbar Spaß macht, einen Schwertschwinger zu verschlucken und dann selbst die weitestgehend ungefährlichen Bewohner des Dreamlands zu massakrieren, kann ich ja nun unmöglich der einzige sein, der diese eigenartige Mischung aus Kannibalismus und Mega-Manning herzlich befremdlich findet. Ich meine: Woher hat er diese Fähigkeit? Wie hat er das überhaupt herausgefunden?! Hatte er einfach eines Tages Bock, seinen Postboten zu fressen und konnte danach plötzlich tierisch gut von Hunden gebissen werden und einsame Hausfrauen vögeln?

Ein Kaugummi definiert sich über seine Feinde

Unglücklicherweise macht kein Kirby-Spiel, das sich dieser klassischen Formel verschließt, so richtig Spaß oder gar Sinn. Dazu muss man vielleicht erstmal wissen, dass es tatsächlich über 20 Spiele mit dem knuddeligen Kotzklumpen gibt, und weil Kirby in seiner unendlichen Niedlichkeit ja sowieso schon kugelrund ist, gibt es dann unter Anderem Verschnitte von Flipperspielen, Marble Madness und derlei Gedöns mehr.

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Aww, ist das süß! Ich hoffe, sie krepieren.
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Die einzige Konstante bei dieser Ausschlachtung ist die Ästhetik, denn Gott bewahre, dass Nintendo mal irgendetwas versucht, was nicht bereits seit 25 Jahren bewährt und seit mindestens 15 Jahren abgelatscht ist. Dass überhaupt so ein Experiment wie Epic Yarn unternommen wurde, grenzt schon an ein Wunder, aber wenn man weiß, dass es ursprünglich gar kein Kirby-Titel war und nur darauf umgemodelt wurde, um noch mehr emotional verkümmerten Nintendo-Fans die Geldkatze zu melken, wird so einiges klar.

Falls ihr Beweise für den kreativen Bankrott und die pathologische Angst vor Veränderung seitens der Kirby-Macher braucht: Hier ist das ikonische Green-Greens-Theme im Wandel der Zeit, überzeugt euch mal selbst davon, wie einfalls- und abwechslungsreich hier vorgegangen wird. Oh, und, by the way: Green Greens? Wirklich?

Ich könnte noch weiter auf der Lore rumhacken, aber es ist schon fast zu einfach. Dreamland und der Planet Pop Star sehen aus, als hätte sich jemand mit Leim eingeschmiert und sich dann in der Spielwaren- und/oder Süßigkeitenabteilung eines Kaufhauses gewälzt. Alles ist bunt und knuffig und bedient das Kindchenschema auf einer dermaßen flachen Ebene, dass es alle höheren Hirnfunktionen ausschaltet. Ob man als Ergebnis dessen sabbert oder ausrastet, hängt maßgeblich davon ab, ob man Nintendo-Fan ist oder nicht.

Nehmen wir dennoch als zusätzliches Beispiel einige von Kirbys Widersachern zur Hand. Der ikonischste, und ich benutze das Wort im weitesten Sinn, ist König Dedede, dem ich bescheinigen würde, dass er den gleichzeitig dümmsten und japanischsten Namen aller Zeiten hat, wenn es nicht leider hervorragend dazu passen würde, was er ist: Ein adipöser Pinguin, der sich wie ein schizoider Weihnachtsmann kleidet und einen überdimensionierten Holzhammer schwingt. Was genau raucht Masahiro Sakurai eigentlich und wieviel kostet der Zentner zur Zeit?

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Alles in Kirby ist pink und fluffig und OH MEIN GOTT WAS IST DAS???
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Dann wäre da natürlich Meta Knight. Auch, wenn Kirby-Fans es bestreiten werden, aber es kann nicht oft genug gesagt werden: Eine Kreatur, wie Kirby eine ist, kann man nicht cool machen, indem man ihr eine Maske, ein Schwert und ein Cape gibt. Meta Knight soll ein Abbild der wortkargen und mysteriösen Kriegerseele sein, was nun ungefähr so gut funktioniert, als wenn ich versuche, zum Fasching als Sexgott zu gehen. Allein die Tatsache, dass sein Charakter in Super Smash Bros. als einer der besseren gilt, rettet ihn davor, von ausnahmslos allen geistig gesunden Menschen knallhart ausgelacht werden, bevor er sich in Scham auflöst.

Dann gibt noch andere Freaks, aber besser wird die ganze Sache nicht. Da wäre ein geisteskranker Harlequin, der aus irgendeinem Grund Marx heißt und Kirby, der nicht der Klügsten einer ist, dazu bringt, ihm göttergleiche Kräfte zu verschaffen. Aus einer weiteren irren Laune heraus hielten es die Macher der Reihe zwischendurch auch noch für nötig, eine Eldritch-Monstrosität namens 0² zum Widersacher zu machen. Ich weiß nichtmal, wie der Name dieses Albtraum-Zyklopen ausgesprochen wird, geschweige denn, warum es mich interessieren sollte.

Durr-by und die magische Niveauunterwanderung

Der größte Ärger, den ich mit Kirby habe, ist allerdings der folgende. Ob man es glaubt oder nicht, aber Nintendo galt einstmals als die Definition von Schwierigkeit und Forderung in Videospielen. Wer sich auf TV Tropes herumtreibt, stolpert vielleicht dermaleinst über einen Trope namens „Nintendo Hard“, der Ausdruck dieser längst vergessenen Epoche ist.

Kirby war in der Hinsicht nie Teil der Clique. Kirby war, ist und wird immer pisseinfach sein. Wenn man frisch von einer Lobotomie kommt, sich anschließend betrinkt und von seinem Ehepartner verlassen wird, hat man immer noch genug Konzentration, Koordinationsvermögen und Skills, um durch jede beliebige Inkarnation von Kirby zu Schlafwandeln. Es ist geradezu banal.

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Glücklicherweise auch selten gesehen: Madonna-in-ihrer-Cowgirl-Phase-Kirby
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Das an sich finde ich noch gar nicht so schlimm, denn nirgends steht geschrieben, dass Spiele nicht leicht sein dürfen. Es hat eine entspannende Qualität, obwohl man in aller Fairness schon sagen muss, dass sich Kirby hart an der Grenze der Erträglichkeit bewegt. Ich meine, in Epic Yarn konnte man noch nicht einmal wirklich scheitern, was die Definition des Wortes „Spiel“ schon ein bißchen in Frage stellt. Wozu Regeln aufstellen, wenn eine von ihnen lautet „Übrigens, Du bist unantastbar.“?

Aber was mich fertig macht, ist die Begründung, die oft für den Schwierigkeitsgrad vorgetragen wird – nämlich, dass sich Kirby an jüngere Spieler und Kinder richte. Ich kann nicht leugnen, dass mir bei sowas der Hals schwillt. Dafür gibt es drei Gründe, Nummer 1: Getreu dem Motto „Kinder sind auch Menschen – dumme, unfertige Menschen“ wird einfach postuliert, dass derjenige, der für sie schreibt, filmt oder, in diesem Fall, programmiert, die Aufgabe habe, alles auf ein möglichst anspruchsloses Maß herunterzubrechen.

Das ist ein bisschen wie der Fehlschluss, man müsse Kindern auch kindliche Charaktere vorsetzen, damit sie sich identifizieren können. Ein Blick auf die Schulhöfe dieser Welt zeigt sehr schnell, was öfter im Spiel imitiert wird: andere Rotzblagen oder nicht doch eher die Ritter, Cowboys und Astronauten aus der Fiktion? Die Philosophie, dass Kinder dumm seien und somit auch flache Medien bräuchten, führt zu solchen Entartungen wie den minutenlagen Antwortpausen auf die offensichtlichsten Fragen aller Zeiten in „Dora the Explorer“.

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Klatsche für Kirby - überfällig.
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Es ist nichts falsch daran, wenn ein Kind „Vorsicht Kaspar, das Krokodil!“ ruft, aber wenn man es ihm als echte Leistung verkauft – wie das zum Beispiel passiert, wenn sich die leimfressende Teppichratte durch ein anspruchsloses Kirby-Spiel geackert hat – dann hilft das nur dabei, aus dem armen Kind einen arroganten Blasebalg zu machen, der sich aus einem falschen Gefühl der Selbstbestätigung heraus für was Besonderes hält, weil er es schafft, bei starkem Regen nicht versehentlich nach oben zu gucken und zu ertrinken.

Der zweite Grund ist, dass sich Nintendo unleugbar auch mit seinen anderen Reihen seit jeher an Kinder gerichtet hat, und die es irgendwie geschafft haben, einen Schwierigkeitsgrad aufzuweisen, bei dem man das Spiel nicht versehentlich dadurch bewältigen kann, dass eine Katze über den Controller tapst. Im Gegenteil gelten Mario, Zelda, Metroid oder Mega Man – allesamt unleugbar Klassiker und Favoriten vieler jüngerer Gamer – durchaus als ziemlich gepfefferte Herausforderungen. Wie gesagt: „Nintendo Hard“.

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THIS. IS. DREAMLAND!
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Und der dritte Grund ist ganz einfach, dass es, zumindest heutzutage, nicht mehr wahr ist. Nintendo steht nach wie vor sehr ordentlich da und erreicht demzufolge auch viele Familien und Kinder, aber ein beachtlicher Teil seiner Kundschaft sind keine Kinder mehr, sondern nur arme Seelen, deren Sinn für Realitätsverdrängung ihnen nicht erlaubt, das längst passierte Ende dieser Glanzzeit als real zu akzeptieren. Diese, nicht die tatsächlichen Kinder, sind mittlerweile die Fans von Kirby, einer Reihe, die längst kein so großes kommerzielles Zugpferd mehr ist, wie sie es einstmals war.

Moment... emotional verkrüppelte Erwachsene, die in der Vergangenheit leben, höchstwahrscheinlich labil sind...

Na gut, vielleicht ist es doch ganz gut, dass Kirby saueinfach ist.