Imperial Glory (PC-Test)
von Nedzad Hurabasic

Unser Preview zum Strategiespiel Imperial Glory (IG) vor einigen Wochen wurde mit einem positiven Fazit abgeschlossen und ließ uns erwartungsvoll in die Zukunft blicken. Nachdem das Spiel nun fertig gestellt ist, können wir

überprüfen, ob der gute Eindruck des Vorabtests bestätigt wird. Das Strategiespiel der spanischen Spieleschmiede Pyro Studios versetzt den Spieler in die umkämpfte weltgeschichtliche Frühphase des 19. Jahrhunderts, die geprägt war von den Feldzügen eines gewissen Napoleon Bonaparte.

Auf den Spuren des militärischen Genies dieser kriegerischen Epoche, die Europa in ein großes Schlachtfeld verwandelte, befinden wir uns nun auf der Suche nach Ruhm und Ehre ...

Geschichtsunterricht und Kasernendrill
Die Zeit nach der Französischen Revolution (1789) steht im Mittelpunkt von Imperial Glory. Eine Periode des Umbruchs in Europa, in der viele aufstrebende Nationen um Vormachtstellungen konkurrierten.

IG bietet verschiedene Möglichkeiten die teilweise martialischen Auseinandersetzungen nachzuspielen und die Kontrolle über einige der damaligen Reiche zu übernehmen, um sich am Ende zum Herrscher Europas aufzuschwingen. Bis dahin ist es aber ein steiniger und vor allem langer Weg. Das Spiel bietet neben einem umfangreichen Kampagnen-Modus auch die Möglichkeit einzelne historische Schlachten der Napoleonischen Kriege zu erleben, seinen Spaß bei

einem "schnellen Spiel" zu suchen oder im Multiplayer-Modus im LAN oder Internet gegen andere Spieler anzutreten.

Vor allem für Strategie-Neulinge gedacht ist das vorangestellte Tutorial, das in die grundlegenden Funktionen einführen soll. Kein geringerer als Zar Alexander I. persönlich führt dabei durch die dreiteilige Einführung, in dem die drei wichtigsten Punkte "Verwaltung", "Landschlacht" und "Seeschlacht" behandelt werden.

Diese werden zwar verständlich erklärt, doch leider werden nur die wichtigsten Funktionen für Infanterie, Kavallerie und Geschütze vorgestellt. Vor allem die Schlacht-Tutorials sind überaus knapp gehalten und hätten durchaus detaillierter sein können.

Zudem werden die eher spärlichen Informationen bedauerlicherweise auch durch das dünne Handbuch (eigentlich nur ein Heftchen) nicht kompensiert, sodass man vieles mühsam allein herausfinden muss.

Kampf um die Vorherrschaft
Der Kampagnen-Modus ist das Herzstück von Imperial Glory. Zwei Modi bzw. Siegbedingungen stehen zur Auswahl, von denen sich "Punktsieg" auf die Zeit von 1789 bis 1830 konzentriert und eher an Anfänger richtet und "Gesamtsieg" an Strategie-Veteranen, die ohne Zeitbegrenzung den gesamten europäischen Kontinent erobern müssen.

Die Kampagne, bei der die fünf Großmächte Großbritannien, Frankreich, Österreich, Preußen und Russland zur Auswahl stehen, besteht grundlegend aus dem Verwaltungs-Modus, der rundenbasiert abläuft und den Land- und Seeschlachten, die in Echtzeit gespielt werden. Während im Verwaltungsmodus die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Politik verfolgt werden müssen, werden in den Schlachten die Konflikte ausgefochten, die diplomatisch nicht zu lösen waren oder nicht angestrebt wurden.

Imperial Glory - Napoleon Reloaded - Der Strategie-Mix machts möglich!

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Die Verwaltungskarte, an das Spielbrett von "Risiko" erinnernd, dient der 2D-Übersicht über den europäischen Kontinent und versorgt den Spieler mit den nötigen Informationen wie Truppenstandorten, wirtschaftlichen Rahmendaten, Eigenschaften der verschiedenen Regionen, politischen Verhältnissen usw.

Die Länder sind in einzelne Provinzen unterteilt, auch geografische Vor- und Nachteile wie z. B. die Insellage Englands haben dabei eine Auswirkung auf das Spielgeschehen und die militärischen und wirtschaftlichen Faktoren der verschiedenen Nationen. Im Spielverlauf zeigt sich, dass die Verwaltungskarte aufgrund ihrer Übersichtlichkeit ein flottes Gameplay zulässt und trotzdem alle notwendigen Details darstellt.

Packshot zu Imperial GloryImperial GloryErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Wirtschaft, Diplomatie & Wissenschaft
Um seine Macht auszubauen und den eigenen Herrschaftsbereich zu erweitern, muss zunächst das eigene Land auf Vordermann gebracht werden: Der Bau von Gebäuden und Einheiten ist ausschlaggebend für den Erfolg und muss finanziert werden können. Deshalb müssen Bedingungen geschaffen werden, die es der Bevölkerung erlauben, sich weiter zu entwickeln und sich zu vermehren.Für die Herstellung von Truppen und auch Gebäuden benötigt man Rohstoffe, Gold und genügend Bürger, ständiger Nachschub will deshalb gewährleistet sein.

Zu diesem Zweck werden verschiedene Bauten errichtet, die z. B. den Rohstoffabbau fördern, den Bevölkerungswachstum erhöhen oder auch bessere Einheiten hervorbringen. Um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der eigenen Nation voranzubringen ist es auch möglich, Handel zu treiben. Dazu können Schiffe entsandt werden, die entsprechende Handelswege erschließen. Warum diese Schiffe allerdings nach einer Fahrt "verbraucht" sind, bleibt schleierhaft und mündet im uferlosen Verbrauch von wertvollen Resourcen.

Glücklicherweise ist der wirtschaftliche Bereich recht Übersichtlich gehalten, sodass keine Gefahr besteht, sich zu verzetteln und den Überblick zu verlieren. Schließlich muss man sich als Herrscher auch um die Entwicklung der Nation bemühen.

"Stillstand ist Rückschritt", so sagt ein Sprichwort, das gilt auch für Imperial Glory. Deshalb kann das Potenzial des Landes mithilfe von technologischem und gesellschaftlichem Fortschritt erweitert werden.

Dazu stehen dem virtuellen Herrscher Forschungspunkte zur Verfügung, die, aufgeteilt in drei verschiedene Äras, in vier verschiedenen Bereichen für Verbesserungen sorgen. Mit dem Bau eines moderneren Krankenhauses in Ära zwei erhöht sich beispielsweise das Bevölkerungswachstum um 75 %, während verbesserte Stallungen Veteranen-Einheiten produzieren.

Auch auf diplomatischem Parkett gibt es verschiedene Möglichkeiten der Einflussnahme. Von der Kriegserklärung (die jedem Einmarsch in ein fremdes Gebiet vorangehen sollte, will man nicht enorm an Reputation verlieren) zum Friedensvertrag, vom Verteidigungsbündnis bis hin zur Koalition stehen Handlungsoptionen bereit, die auch den Handel betreffen.

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Jeder Schritt, der selber initiiert wird, muss aber teuer bezahlt werden. Die Herrscher fremder Länder lassen sich ihre Gunst bezahlen - mit Geld oder mit Waren. Wollen die fremden Mächte sich ihrerseits Frieden erkaufen, kann man auch selber die Hand aufhalten und die klamme Staatskasse auffüllen.

Zu Befehl, General!
"Krieg ist die Fortführung der Politik mit anderen Mitteln", so sagte es bereits der legendäre deutsche General Carl von Clausewitz und das ist auch bei der spielerischen Umsetzung nicht anders. Wer siegen will, muss Krieg führen - zu Lande und zu See. Spätestens wenn der Feind vor der eigenen Haustür steht,

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wird auch der friedlichste Herrscher sein Land beschützen wollen. Imperial Glory schaltet dabei im Kampagnen Modus für die Schlachten in sehr ansehnliche 3D-Szenarien um, die zwar leider bis auf die Soldaten nicht belebt sind, aber vielleicht gerade deshalb auch einen herrlich flüssigen Spielablauf bieten. Dabei ist es möglich, sehr nah an die einzelnen Einheiten heranzuzoomen und die historisch korrekten Einheiten und Waffen zu betrachten.

Putzig. Kommandos werden interessanterweise in der jeweiligen Landessprache gegeben, was den Spaßfaktor durchaus noch erhöht. Landschaft und Umgebung können von den Truppen zu ihrem Vorteil genutzt werden. Häuser können betreten werden und erhöhen sowohl die Reichweite als auch den Rüstungsschutz, ähnliches gilt für Wälder. Dafür werden die Soldaten z.B. in Maisfeldfeldern langsamer.

Grundsätzlich ist es zwar auch möglich, dem Computer die Berechnung von Kämpfen zu überlassen, doch es in der Praxis zeigt sich, dass es sich auch bei kleineren Auseinandersetzungen auszahlt die eigenen Einheiten selbst zu steuern. Die Verluste an Material und virtuellen Zinnsoldaten sind bei computergenerierten Kämpfen weitaus höher, selbst wenn man mit einer Übermacht antritt. Dennoch ist es immer von Vorteil mehr Soldaten zu haben als der Feind. Ein wenig anders sieht es bei Seeschlachten aus, hier ist die Steuerung zwar solide, aber ein wenig fummelig. Deshalb empfiehlt es sich, eine recht große Flotte aufzubauen und diese immer im Verband vorrücken zu lassen. Dann kann man auch beruhigt darauf verzichten, die Gefechte selbst anzuleiten.

Die Steuerung der Landschlachten gestaltet sich nach einer kurzen Eingewöhnungsphase (siehe zu kurzes Tutorial) absolut intuitiv. Verschiedene Einheiten können zusammen gefasst werden und auf Hotkeys gelegt werden, sodass auch im mitunter hektischen Gewimmel der Schlachten das Umschalten undsomit Kommandieren meist leicht von der Hand geht. Je fortschrittlicher die eigene Nation ist, desto mehr taktische Varianten stehen den Truppen zur Verfügung.

Mit der Einnahme fremder Territorien vergrößert sich nicht nur der eigene Machtbereich (und die eigene Wertung im Punktespiel), sondern natürlich auch die wirtschaftliche Basis. Ein Gebiet kann aber auch ohne Gewalt durch Annektierung eingenommen werden. Dies dauert zwar sehr viel länger, dafür bleibt die gesamte Infrastruktur erhalten, die sonst kostspielig neu aufgebaut werden muss. Mitunter gelingt es auch feindliches Kriegsgerät zu erbeuten, das den eigenen Truppen hinzugefügt werden kann.

Wer sich nicht durch die zeitintensiven Kampagnen kämpfen möchte oder sie schon bewältigt hat, kann auch einzelne Echtzeitkämpfe absolvieren. Bei "historischen Schlachten" wird eine der beiden Seiten ausgewählt, um ein vorgegebenes Ziel innerhalb einer bestimmten Zeit zu erreichen.So lässt sich die Schlacht von Waterloo genau so nachspielen, wie die Schlacht von Salamanca oder der Rückzug bei Austerlitz. Wer Geschichte neu schreiben will, kann also beispielsweise versuchen, Napoleons Niederlage bei Waterloo zu verhindern. In der Regel sind die Kämpfe innerhalb von 10-15 Minuten beendet und eignen sich daher bestens für eine strategische Mittagspause. Ähnliches wird auch beim "schnellen Spiel" geboten, hier ist es allerdings möglich, verschiedene Parameter selbst zu bestimmen und ist nicht auf festgelegte Szenarien beschränkt. Grafisch ist Imperial Glory ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite die schlicht und unspektakulär daherkommende, dafür aber übersichtliche Verwaltungsübersicht. Andererseits bieten die 3D-Szenarien feine Grafikpracht bis ins Detail, sogar realistische Wettereffekte lassen sich beobachten. Es macht einfach nur Spaß die einzelnen Einheiten anzusehen und sie bei ihrenindividuellen Kämpfen zu beobachten. Einziges Manko ist das schon weiter oben beschriebene Fehlen von zivilem Leben, das dem ganzen noch einen Hauch mehr Realismus verliehen hätte. Soundtechnisch wird wahrlich nichts Aufregendes geboten, der seicht dahinplätschernde Soundtrack passt zum Ambiente, verführt aber nicht dazu, stundenlang zuzuhören.individuellen Kämpfen zu beobachten. Einziges Manko ist das schon weiter oben beschriebene Fehlen von zivilem Leben, das dem ganzen noch einen Hauch mehr Realismus verliehen hätte. Soundtechnisch wird wahrlich nichts Aufregendes geboten, der seicht dahinplätschernde Soundtrack passt zum Ambiente, verführt aber nicht dazu, stundenlang zuzuhören.