Grundsätzlich assoziiert man mit Schnee positive Dinge: Weihnachten, Skiurlaub, spielende Kinder. In Impact Winter hingegen wird der Schnee zu eurem größten Feind. Aufgrund eines Meteoriteneinschlags hat sich das Klima in den Vereinigten Staaten stark verändert, ein harter Winter mit Minusgraden von teils 40 Grad ist eingetroffen, ihr mittendrin. Und so wandert ihr im Schneedickicht durch eine verlassene Kleinstadt, die Lage scheint fast aussichtslos.

Impact Winter - Help Is Coming - PC-Release-Trailer

Doch es gibt Hoffnung. In einer Kirche findet ihr vier andere Überlebende vor, die zugegeben etwas standardisiert wirken: Der dünne Nerd kümmert sich um Technikkram, die ältere Dame ums Kochen, ein in die Jahre gekommener Boxer ist Jäger. Zufällig werden alle wichtigen Bereiche abgedeckt, aber das muss auch so sein, damit euer Überleben gesichert ist. Nachdem ihr Teil dieser illustren Truppe werdet, bekommt ihr direkt Aufgaben und einen Roboter zugeteilt, der möglicherweise außerirdisch sein könnte. Dieser hat ein Signal empfangen, dass in 30 Tagen Rettung eintreffen würde, euer Ziel ist damit festgelegt: 30 Tage müsst ihr, und hoffentlich einige euer Mitstreiter, überleben.

Impact Winter - Eiskalt und doch herzerwärmend

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Diese vier Charaktere dürft ihr im Verlauf des Spiels bemuttern
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Gleich zu Anfang des Spiels begeht Impact Winter jedoch leider einen Fehler, den viele Titel begehen. Es textet euch ohne Ende mit Informationen zu, die ihr aber kaum in einem Rutsch abspeichern könnt. Während einige Roguelike-Spiele bewusst simpel gehalten sind, wie Out There Omega Edition, andere hingegen kompliziert sind, euch aber nach und nach alles beibringen, wie Faster Than Light, schafft Impact Winter diesen Spagat leider nicht. Das ist gerade deshalb schade, weil Spielrunden in Impact Winter mehr als einen Spieleabend andauern und man sich nicht einfach denken kann “Ach egal, für den nächsten Versuch weiß ich Bescheid”. Ganz schnell heißt es “Bitte erledige diese Nebenquest”, obwohl man diese erst in ein paar Spielstunden erfüllen kann, oder “Hier sind 9 verschiedene Anzeigen, die du jederzeit im Auge behalten solltest”. Natürlich sind Werte, Quests und diese Anzeigen wichtig und mit der Zeit lernt man mit dieser Lawine an Informationen auch umzugehen, störend sind sie anfangs dennoch. Da fühlt sich die Reise in die eisige Wildnis, in das Ungewisse, fast wie eine Erlösung an.

Das mag komisch klingen, aber in den Situationen, in denen kein Wort gewechselt wird, sagt das Spiel am meisten aus. Es sind die Momente der absoluten Stille, in denen euch Impact Winter einfängt und zunächst auch nicht wieder loslässt. Wenn ihr mit eurem vertrauten, metallischen Freund um drei Uhr nachts durch einen Schneesturm lauft und versucht den Heimweg zur Kirche zu finden. Wenn ihr nach Schätzen grabt oder glücklicherweise ein seltenes Item findet. Oder wenn ihr mit einer neuen Person in Kontakt tretet, aber nicht wisst, ob ihr dieser Person wirklich vertrauen könnt. Ressourcen sind schließlich knapp, jeder kämpft ums Überleben. Auch Händler, Diebe oder Mörder.

Impact Winter - Eiskalt und doch herzerwärmend

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Wunderschön weil menschenleer: Die Welt aus Impact Winter
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Wenig Kontakt, viele Emotionen

Ein besonders einschneidender Moment erwartet euch sehr früh im Spiel: Während ihr die nähere Umgebung der Kirche absucht, findet ihr eine verschneite Häuserreihe vor, die bis vor wenigen Monaten wahrscheinlich noch gut besiedelt war. Auf dem Dach eines der Häuser prangert ein großes Tuch auf dem “Help!” in Buchstaben geschrieben steht. Wie auch vorher, versuche ich den Insassen zu helfen, dringe in das Haus ein und finde… eine Leiche. Zusammengekauert auf dem Bett, offensichtlich erfroren. Sonst ist niemand mehr im Haus, scheinbar haben andere Personen bereits den ein oder anderen Gegenstand mitgehen lassen. In diesen Momenten packt euch Impact Winter und macht euch bewusst, dass dies kein Spaziergang im Park wird. Nicht mit großen Cutscenes, nicht mit einer pompösen Erzählung, nein, mit der Umgebung, zu der die Überreste eines Hilflosen mittlerweile ebenfalls dazuzählen. Sollte jemand demnächst ein Essay über Storytelling in Videospiel-Umgebungen schreiben, auf Impact Winter müsste eingegangen werden.

Während ihr anfangs also relativ planlos durch den Schnee stapft, wahllos Autos, Gebäude und Koffer lootet und alles mitnehmt, das ihr Tragen könnt, lernt ihr mit andauernden Spieldauer, welche Items wichtig sind und welche nicht. Tatsächlich empfiehlt es sich nicht, neben dem Spiel einen Guide offen zu haben. Dieser Lernprozess ist nämlich Teil des Spiels und auch wenn es anfangs etwas frustrierend sein mag, genau die falschen Gegenstände mitgenommen zu haben, so motivierend wird es im späteren Spielverlauf.

Impact Winter - Eiskalt und doch herzerwärmend

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Euer Inventar ist begrenzt, lootet also weise!
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All das Geloote und Erfüllen von Aufgaben lohnt sich sowieso: Für jede gute Tat und neue Entdeckung erhaltet ihr Erfahrungspunkte, die einerseits neue Talente freischalten und andererseits die Zeit bis zu eurer Rettung verkürzen. Diese Talente könnt ihr euren Mitstreitern zuweisen, damit diese beispielsweise weniger Hunger & Durst haben oder besonders gute Streitschlichter werden. Aber Vorsicht: Jedes Talent hat auch Nachteile. Wählt also weise, was ihr wem zuweist! Diese Interaktionen beziehungsweise dieses Management der Charaktere ist leider eher ein Schwachpunkt des Spiels, denn eure vier Kumpanen sind erstens nicht sonderlich intelligent und außerdem, wie eingangs erwähnt, zu vorhersehbar geschrieben. Hier wäre mehr drin gewesen. So ist und bleibt das Erkunden des dystopischen Szenarios in fast Pen & Paper-hafter Manier das Highlight des Spiels. Aber genau hier kann Impact Winter ordentlich punkten.

Ein paar Worte müssen leider zur Technik verloren werden: Impact Winter ist schlichtweg unausgereift. So müsst ihr beispielsweise jedes Mal, wenn ihr euch in die Wildnis begebt, Ladezeiten von bis zu einer Minute ertragen - wir haben das mit einer Stoppuhr sogar nachgemessen. Da genau dies euch an einem Spieleabend gut sechs bis zehnmal passieren wird, werden diese ohnehin schon indiskutablen Ladezeiten doppelt nervig. Grafisch konnten wir einige Clippingfehler feststellen, der Stil des Spiels ist dafür aber auch sehr schön gehalten. Das Sounddesign ist, wie erwartet, recht bedrückend, was die Atmosphäre des Titel wunderbar unterstreicht.