Kinder des Nils (PC-Test)
(von Andreas Spies)

Das alte Ägypten: Reich der Sagen und Mythen, aber auch Heimat von mächtigen und einflussreichen Pharaonen. Bereits 3000 Jahre vor Christi Geburt errichtete die Hochkultur des Wüstenstaats Gebäude, Tempel, Grabstätten und

Pyramiden, deren Entstehung noch heute zahlreiche Rätsel aufgeben. Für alle, die sich einen Einblick in das Leben der Antike verschaffen möchten steht seit kurzem »Immortal Cities: Kinder des Nils« in den Regalen unserer heimischen Händler. Nicht nur Aufbau-Strategen sollten weiterlesen...

Entwickelt wurde »Immortal Cities: Kinder des Nils« von einer Delegation der mittlerweile geschlossenen Impression Studios, die ihrer Zeit schon für die Entwicklung von »Caesar«, »Zeus« und »Pharao« verantwortlich waren. Unter dem Namen Tilted Mill Entertainment soll mit »Immortal Cities: Kinder des Nils« nun an den großartigen Erfolg von »Pharao« angeknüpft werden. Auch der Nachfolger ist im alten Ägypten angesiedelt, der Spieler muss sein Volk als Pharao sowohl durch gute als auch durch schlechte Zeiten führen.

Angesiedelt ist das Szenario etwa 3000 Jahre vor Christi Geburt. Als gottgleicher Herrscher an den Ufern des Nils, der Lebensader der Wüste, gilt es zum unangefochtenen Pharao auf zu steigen. Dazu müsst ihr prächtige Städte aus dem Boden stampfen, verschiedenste Gebäude sowie Verkehrsnetze aufbauen und euer Volk auf ein soziales Miteinander vorbereiten - um letztlich vor der am höchsten entwickelten Zivilisation der antiken Welt zu stehen.

Dass das allerdings alles andere als einfach ist, zeigen bereits die ersten Spielminuten.

Ausbildung zum Pharao?
Wer in »Immortal Cities: Kinder des Nils« auf eine Einführung durch das Tutorial verzichtet, wird wohl schon in den ersten Spielminuten der Kampagne Schiffbruch erleiden. Grund dafür ist das deutlich gestraffte Gameplay, das mit »Caesar« oder »Pharao« nicht mehr viel gemein hat und auch deutlich realistischer ausfällt. Das Trainingslager des Aufbau-Strategiespiels ist in drei Missionen eingeteilt, die euch in Echtzeit in das Spielprinzip einführen und auf das Leben eines Pharaos vorbereiten.

Dabei erlernt ihr Schritt für Schritt den Aufbau einer neuen Zivilisation, was natürlich auch viel Zeit in Anspruch nimmt. Deshalb fällt es gerade Einsteigern sehr schwer, mit dem komplexen Konstrukt des Aufbau-Strategiespiels klarzukommen. Hier wäre etwas weniger doch mehr gewesen.

Die Anfänge einer neuen Dynastie
Zu Beginn einer jeden Mission findet ihr euch auf einem riesigen Landstrich wieder, der von der Ader des Lebens durchzogen wird: dem Nil. Der Weg hin zur florierenden Großstadt wird mit dem Bau eines Palasts begonnen, der als Regierungssitz und Behausung der

Immortal Cities: Kinder des Nils - Pharaonen aufgepasst: Für eure Untertanen will gesorgt sein ...

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königlichen Familie dient. Der nächste Schritt im Aufbau besteht darin, den Adligen Baugebiete auf eurem Land zuzuweisen. Dabei nimmt der Hochstand in »Immortal Cities: Kinder des Nils« eine extrem wichtige Rolle ein: Je mehr Edelmänner sich in eurer Stadt niedergelassen haben, desto mehrBauern könnt ihr beaufsichtigen. Diese Arbeiter sind mit ihren Familien für die Nahrungsbeschaffung verantwortlich. Bauernhäsuer sowie einige Behausungen für einfache Händler (unter anderem Korbmacher und Sandalenläden) solltet ihr in der Nähe des Nilufers platzieren. Im "Peret", der Anbauzeit nach der Nilschwemme (sofern diese nicht ausbleibt), säen die Landwirte ihre Felder, ehe die Erntezeit "Schemu" Weizen, Obst und Gemüse einbringt. Ein Teil der Waren wird schließlich in Form von Abgaben an den Pharao in königlichen Silos gelagert, während die restlichen Nahrungsmittel für den Ein- und Verkauf bestimmt sind - hier wird eine Leistung oder Gegenstand nämlich nicht mit Geld bezahlt.

Packshot zu Immortal Cities: Kinder des NilsImmortal Cities: Kinder des NilsErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Darüber hinaus wollen prachtvolle Monumente und weltwunderreife Pyramiden ebenso errichtet werden wie Gebetstempel, Apotheken, Krankenhäuser, Gerichtshöfe, Grabstätten, Bäcker, Silos, Steinmetze, Tauschbörsen oder Marktplätze. Auch eine Gewisse Anzahl an Warenläden ist von Nöten,um die Bevölkerung zufrieden zu stimmen. Dabei hat jedes Gebäude seine eigenen Aufgaben, erfordert dafür aber auch meist einen Schulabsolventen, der die Arbeit in der jeweiligen Einrichtung verrichten kann.

Diese stammen meistens aus den Familien der Edelmänner, können aber auch Kinder von Luxuswarenhändlern sein, die über einen Diener verfügen. Die Bildungsanstalt wird von Priestern geleitet, in der die Schüler schließlich wieder zu Priestern ausgebildet werden oder die Tätigkeit eines Schriftgelehrten, Aufsehers oder Kommandeurs übernehmen.

Untertanen und deren Wünsche
Ihre täglichen Einkäufe erledigen die Anwohner in Geschäften, von denen es in »Immortal Cities: Kinder des Nils« zwei Arten gibt: Normale Händler, und solche, die Luxusartikel verkaufen. Darunter fallen neben Schmuck auch Möbel, Parfüm und zum Beispiel Skulpturen, die erst

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einmal produziert werden müssen. Dafür stehen auf der Karte zahlreiche Ressourcen zur Verfügung, die durch Arbeiter abgebaut werden können. Exotische "Rohstoffe" können hingegen von anderen Städten oder umherziehenden Nomaden erworben werden.

Sollte es aber einmal an Waren fehlen, dann demonstriert die Bevölkerung auch schon mal vor dem Palast, um Ihren Unmut über die Lebenssituation auszudrücken. Ein weiterer wichtiger Faktor für die Zufriedenheit ist das Beten. Hierfür stehen neben Schreinen auch Tempel zur Verfügung, in denen Priester ihre Gottesdienste zu mehr als einem Dutzend Götter abhalten können. Dabei kann aber immer nur einer Gottheit gehuldigt werden, so dass aufgrund des Prestige-Levels (bestimmt die Anzahl der "gehobenen Arbeiter", also Schriftgelehrte, Aufseher etc.) nur eine bestimmte Anzahl an Priestern beschäftigt werden kann. Es ist also ein Kunststück, stets den zahlreichen Himmelsbewohnern Opfer zu erbringe und somit alle Gefolgsleute glücklich zu stimmen.

Einen großen Beitrag zu eurem Prestige-Level leisten vor allem Monumente, die meist dem Totenkult dienen aber auch zur Verschönerung der Stadt eingesetzt werden können. Neben Pyramiden, in denen Pharaonen und dessen Familien beigesetzt werden, bietet das Aufbau-Strategiespiel verschiedene Arten von weiteren Grabstätten, Obelisken, Statuen und Gedenktafeln.

Knackige Schlachten? Fehlanzeige!
Natürlich könnt ihr als Pharao andere Städte und Landstriche unter euren Einfluss stellen lassen. Dafür wird aber eine Armee benötigt, die eurem Kontrahenten das Fürchten lehrt. Es stehen Speerkämpfer,

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Bogenschützen und Wagenlenker bereit, welche die Schlacht für sich entscheiden sollen. Training trägt dabei erheblich zur Moral der Truppen bei. Die Kampfhandlungen geschehen aber im Verborgenen: Ihr werdet lediglich durch ein aufpoppendes Fenster über den Kriegsverlauf informiert.

Ansehnliche 3D-Grafik & wenig Soundfinessen
Auf grafischer Ebene kann »Immortal Cities: Kinder des Nils« trotz einiger Wehrmutstropfen überzeugen: Im Vergleich zu »Pharao« kommt hier eine Weiterentwicklung der »Empire Earth«-Engine zum Zuge, die frei

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dreh- und zoombar ist und auch schöne Licht- sowie Schatteneffekte zulässt. Ein großes Lob gebührt den Entwicklern für die realistische Darstellung des Wassers: Beispielsweise schlagen Wellen ans Ufer, während sich das Sonnenlicht auf der Oberfläche spiegelt.

Dabei sind vereinzelt aber auch Clipping-Fehler zu beobachten, die von den Programmieren leicht hätten ausgemerzt werden können. Auch bei der Texturgestaltung der einzelnen Figuren hätte die Spieleschmiede mehr Liebe zum Detail walten lassen können. Die Animationen laufen hingegen flüssig und glaubwürdig ab. Die akustische Gestaltung des Titels fällt hingegen ziemlich mager aus. Während die deutsche Synchronisation ordentlich in das Spiel implementiert wurde, erklingt diese aber nur ziemlich selten. Als Musikuntermalung tönen orientalische Klänge aus den Boxen des heimischen PCs, die gut in die Atmosphäre passen.Tipps und Tricks

Cheatcodes für Kinder des NilsDrückt während des Spiels auf die Enter-Taste, so dass sich ein Eingabefeld öffnet. Hier können nun folgende Cheats eingegeben werden:

Set -> Aktuelle Mission verlieren

Thoth -> Aktuelle Mission gewinnen
Sobek -> Haushalts-Inventar ausgleichen
Sobek Goods -> Industriegüter-Inventar ausgleichen
Sobek Food -> Nahrungsmittel-Inventar ausgleichen
Amun -> Alle Cheat-Optionen anzeigen
Ma'at -> Nahrungsmittelausgabe limitieren
Anubis x -> Spielers x komplett vernichten
Hapi -> Volle Gesundheit für alle Einheiten
Horus -> Kostenloses Upgrade für eigenen Palast
Osiris -> Gebäude erhalten maximalen Ressourcen-VorratPro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ Kampagne mit 20 Missionen + Umfangreiche Bau-Optionen + Erstes Aufbau-Strategiespiel in 3D + Editor vorhanden

Contra:
- Hoher Schwierigkeitsgrad auch bei "Einfach" - Hardwarefresser bei größeren Städten - Nervige KI-MängelPro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ Kampagne mit 20 Missionen + Umfangreiche Bau-Optionen + Erstes Aufbau-Strategiespiel in 3D + Editor vorhanden

Contra:
- Hoher Schwierigkeitsgrad auch bei "Einfach" - Hardwarefresser bei größeren Städten - Nervige KI-Mängel