Am PC spielen ist doch mittlerweile out. Wie wäre es also, auf dem PC einen Simulator zu zocken, in welchem ich meinen PC nachbaue? Wenn ich dann den PC auf meinem PC starte, könnte ich auf diesem wiederum den PC Building Simulator installieren, um den PC nachzubauen, auf dem ich gerade in der Simulation einer Simulation PC-Bauen simuliere...ähm was? Das Steam-Spiel befindet sich seit dem 23. März 2018 im Early Access und lässt euch PCs reparieren und zusammenbauen. Fragt nicht warum.

PC-eption!

PC Building Simulator - Launch Trailer

In Ich spiel’ etwas, das du nicht spielst tanzen die gamona-Autoren durch die Clubs des Videospiel-Undergrounds, auf der Fährte all jener Spiele, die dem unmittelbaren Mainstream entkommen nun in trüben, unbekannten Gewässern verweilen, ungesehen, aber nicht immer ungeliebt.

Für mich als PlayStation-Spieler, der bereits mit Crash Bandicoot aufgewachsen ist, waren PCs immer etwas Seltsames. Als 9-Jähriger musste ich ihn mir damals ärgerlicherweise mit meinen Eltern teilen, die ihn für alles benutzten – Drucken, Dokumente verfassen, das Modem röhren lassen – aber nicht zum Spielen, wofür er ja eigentlich gedacht war. Dummerweise lief aber nicht jedes Spiel auf unserem Rechner, das hatte etwas, wie meine Eltern mir kryptisch erklärten, mit den SYSTEMVORAUSSETZUNGEN zu tun. Für ein paar Strategiespiele und Point & Click-Adventures hat es trotzdem gereicht. Wenn er mal kaputt ging, brachten meine Eltern ihn zum SPEZIALISTEN, der ihn immer seufzend annahm und über Nacht heilte. PCs waren für mich damals schon etwas Suspektes, das viel zu kompliziert war und vermutlich, wenn niemand zuhause war, heimlich mit allen anderen Geräten auf der Welt an einem Weltherrschaftsplan ausheckte. Das war lange bevor ich meinen ersten arroganten Blick von der berüchtigten Master Race bekommen habe.

Und wo finde ich die Escape-Taste?

Nun 18 Jahre später, in denen ich mich zu einem ausgewachsenen PlayStation-Spieler entwickelt und PCs wenn überhaupt nur zum Arbeiten verwendet habe, soll ich mir PC Building Simulator anschauen. Also mit anderen Worten: Mich in die Karton-Höhle des SPEZIALISTEN begeben. Bevor mich das Spiel meinen ersten Kunden-PC in die Hand nehmen und eine Explosion verursachen lässt, werde ich im Tutorial in die wundersame Kunst des PC-Baus eingewiesen. Es fehlt nur noch, dass der SPEZIALIST wie ein alter Sen-Meister daneben steht und mir immer eins mit einem Lan-Kabel verpasst, wenn ich die falsche Schraube anfasse.

Wie ein Mensch hat auch ein PC Organe, weißt du? Das Netzteil versorgt ihn mit Leben, der Prozessor mit Verstand. Alles ist verbunden über die Hauptplatine“, höre ich ihn sagen (falls ich ihn in meiner Phantasie richtig zitiere). „Aber Meister…“ „Nein, alles nach der Reihe. Wie auch alle Komponenten erst nacheinander und nicht auf einmal eingesetzt werden.“ Das Spiel hat einen Schutzmechanismus gegenüber linken Händen, weshalb ihr außer ein bisschen Kameradrehen und Klicken nichts tun müsst oder könnt.

So werdet ihr an bestimmte Fälle herangeführt, müsst für Kunden Viren entfernen, neue Teile einbauen oder Systemfehler beheben. Der SPEZIALIST lebt zwischen seinem Vorraum und Arbeitszimmer. Je mehr Aufträge ihr erfüllt, desto anspruchsvollere bekommt er. Für einen Moment komme ich mir so unglaublich kompetent vor, dass ich selbst ein Geschäft eröffnen könnte, würde aber die Simulator-Anweisungen um jeden Preis mitnehmen. Das Spiel ist im besten Fall interessant, vergleichbar mit den Lernspielen, die ihr manchmal in Museen finden könnt, die euch Beethovens Leben oder die Verdauung von Büffeln näherbringt. Für mich entschleiert es das Mysterium um Computer etwas, so dass ich verstehe, wie mein PC im Groben aufgebaut ist und warum mancher Zahlendreher bei einem Bauteil so einen großen Unterschied macht.

Aus Recherche-Zwecken habe ich auf YouTube nach Letsplays gesucht und tatsächlich welche gefunden, die echte SPEZIALISTEN gemacht haben. Es ist lustig, wie diese den Simulator auseinander nehmen und ihn wegen seines Unrealismus kritisieren. Dabei kann ich selbstverständlich nur die Wut und das Erstaunen raushören, nicht die genauen Standpunkte verstehen, dafür ist es mir zu sehr Battle-Rap zwischen zwei hochentwickelten KI’s. Für PC-Liebhaber kann ich mir den Simulator ganz gut vorstellen, die in diese Sphäre genauso eintauchen können wie andere in bemalte Miniaturfiguren. Mir bleibt nur noch eines zu sagen: Es gibt viele Simulatoren. Auch diesen hier. In manchen Simulatoren könnt ihr Bus fahren oder Polizist sein, in diesem hier könnt ihr PCs zusammenbauen. Wenn ihr wollt. Ich bleibe bei meiner PlayStation 4. „Bist du dir da sicher?“, fragt mich der SPEZIALIST, während er per Bluetooth PC-Mäuse in der Luft jonglieren lässt.