Die Hände schwitzen, der Puls rast und der Frustpegel steht auf über 9000: So fühlt es sich an, wenn ich mich voll und ganz in einem souls-like Spiel vergraben habe. Die Liste dieser Games ist lang und Immortal: Unchained macht sie nur noch länger. Erneut startet eine dieser Gaming-Reisen mit abgrundtiefem Hass und schwindelerregenden Höhepunkten.

Kurze Zusammenfassung gefällig? Hier gibt’s die Story von Immortal Unchained:

Immortal: Unchained - Story Trailer

In Ich spiel’ etwas, das du nicht spielst tanzen die gamona-Autoren durch die Clubs des Videospiel-Undergrounds, auf der Fährte all jener Spiele, die dem unmittelbaren Mainstream entkommen nun in trüben, unbekannten Gewässern verweilen, ungesehen, aber nicht immer ungeliebt.

Dark Souls mit SciFi-Schrotflinte: Willkommen in Immortal Unchained.

Ich bezeichne mich selbst als Souls-Veteran. Ein Begriff, der häufig in Texten von mir benutzt wird und mich an hunderte Stunden in den knallharten Action-Rollenspielen zurückerinnert. Demon’s Souls, die komplette Dark Souls-Trilogie samt DLCs, Bloodborne, Nioh, Lords of the Fallen und The Surge liegen hinter mir. Gerade die From Software-Titel habe ich dabei mehrfach und teilweise sogar für Komplettlösungen – was ich keinem meiner schlimmsten Feinde wünsche – durchgezockt, verschlungen und geatmet.
Ich möchte also frei von der Leber weg behaupten, dass ich mich im Genre auskenne. Immortal Unchained war also kein Neubeginn für mich. Aber es hat mir gezeigt, dass ich trotz aller Widrigkeiten, die mir das Spiel entgegenwirft, immer wieder anfange, mich diesen entgegenzustellen. Ebenjene Art der virtuellen Selbstgeißelung, die schon in der Überschrift dieses Textes steckt. Und Immortal Unchained hat es nicht nur bei Gegnern, Fallen und Bossen faustdick hinter den Ohren. Hier kämpfe ich Tag für Tag auch gegen das Spiel selbst.

Bosse sind wie immer die Krönung einzelner Abschnitte und verlangen volle Konzentration.

Als aufstrebender Held mit Amnesie steige ich in die Welt von Immortal Unchained ein. Eine Mischung aus Fantasy und High-Tech, in der ich mit meinem Barbaren Keulen und gleichzeitig Schrotflinte und Sturmgewehr trage. In dunklen Korridoren mit merkwürdigen Apparaturen bahne ich mir einen Weg, dabei immer bedacht, dass die zombiehaften Roboter nicht hinter der nächsten Ecke einen Hinterhalt für mich geplant haben. Alles in Immortal Unchained dreht sich um den Verlust des Gedächtnisses, schlafende Monolithen und eine Bedrohung für die Welt. Alles soweit ziemlich bekannt, wenn man auch nur einen der am Anfang erwähnten Titel gezockt hat.

Doch dank der Bleispritzen bringt Immortal Unchained gleich ein anderes Spielgefühl mit, das ich in dem Genre so noch nicht hatte. Schließlich kann ich in Dark Souls nicht einfach mit einem Sniper-Gewehr auf einem Dach stehen und Zombies über den Haufen schießen. Klar, es gibt Bögen und Zauber, aber eine Bolt-Action-Rifle ist da doch etwas martialischer, oder? Zudem hält Immortal Unchained ständig neue Waffen bereit, die zum Ausprobieren einladen. Warum nicht einfach mal mit einem Granatwerfer bei den Gegnern aufräumen und anschließend den Rest vom Schützenfest mit einer Energieklinge in mundgerechte Stücke verarbeiten?

Ist die Munition knapp, gibt’s halt im Nahkampf auf die Zwölf.

Während des Spielens wurde ich dadurch immer wieder an eine Mischung aus ELEX und Lords of the Fallen erinnert. Das gilt aber nicht nur für Setting und Spielgefühl, sondern auch für die Probleme, die beide Games in Immortal Unchained vereinen. Von liegengelassenen Chancen bei der Weltgeschichte bis hin zu klobigen Schlagabtäuschen mit übergroßen Feinden. In Immortal Unchained kämpfe ich gegen eine stotternde Framerate, fragwürdige Hitboxen und mit dem Endboss aller Endbosse: Matschigen Texturen, die in den Augen schmerzen.

Auch das sind Elemente, die ich bereits in anderen Spielen verkraften musste. Aber eben immer nur einzeln. Immortal Unchained hat alle guten und schlechten Aspekte der souls-like Games genommen und sich einverleibt. Nun liegt es wie Jabba the Hutt da. Dieser Spiele-Blob. Das Böse. Ich versuche meine Gedanken gegen ihn zu richten, aber ich bleibe machtlos. Immer wenn ich das Gamepad weglege, wandern meine Gedanken doch noch einmal zu der Stelle, an der ich eben gescheitert bin. Vielleicht doch noch ein Anlauf? Nur ein Allerletzter natürlich.

Genug gelitten? Diese Spiele kommen im September noch auf den Markt gekrochen:

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Immortal Unchained wirft quasi alles in den Topf, was ich den letzten Jahren schon gesehen habe. Da gibt es Fleischstücke von Dark Souls, den Sud von ELEX und ein paar Prisen von Lords of the Fallen und anderen großen Namen der Gaming-Brache. Schmeckt diese Suppe am Ende dann wie etwas, was Muttern zu Hause gekocht hat? Vermutlich nicht, weil Mutti (bislang) noch keine Nägel in den Topf wirft, auf denen ich herumkauen muss. Aber trotzdem zieht es mich immer wieder zurück und ich quäle mich selbst durch technische Makel und spielerische Herausforderungen, nur um am Ende Immortal Unchained die Stirn zu bieten. Dieses Spiel wird kein Einstieg für diejenigen unter euch, die souls-like Games ausprobieren wollen. Aber es ist für alle geeignet, die zwischen jetzt und einem Sekiro: Shadows Die Twice noch ordentlich ihre Nerven aus Stahl trainieren wollen.