Ein einsamer Ermittler wird zu einem alten Herrenhaus inmitten eines gespenstischen Waldes gerufen. Das knarrende und ächzende Anwesen ist nahezu unbewohnt, doch schon bald muss unser Spurensucher feststellen, dass er ganz so einsam nicht ist: In den vier Wänden lauert so mancher okkulte Lovecraft-Albtraum, den er, während er sich seinen Weg aus dem Gemäuer herausrätselt, ordentlich bekämpfen muss.

Klingt nach dem Original Alone in the Dark? Ist es auch – gleichzeitig aber auch die Prämisse zu „I’m not alone“, dem Erstlingswerk des italienischen Entwicklerstudios Pix Rev. Was die Debütantin bieten kann? Wir waren beim deutschen Publisher The Games Company vor Ort und haben uns einen kleinen Eindruck mitgenommen.

I'm Not Alone - Coming soon TrailerEin weiteres Video

Zombies, Pentagramme, Holländer

Wir könnten jetzt natürlich die obligatorische Hintergrundgeschichte um mysteriöse Phänomene und sich spontan manifestierende Spektralfieslinge gleich mal auslassen bzw. durch den Klassiker „Blablabla ZOMBIES!“ ersetzen. Immerhin wird jeder Survival-Horror-Fan, der in den letzten 20 Jahren auch nur einen Teil von Resident Evil gespielt hat, wissen, dass man keine Story braucht, um sich ordentlich zu gruseln oder zu erschrecken. In „I’m not alone“ gibt es allerdings ein paar Handlungselemente, die euch auf Schritt und Tritt begleiten und insofern dringend erwähnt werden möchten.

I'm Not Alone - Survival Horror auf den Spuren von Alone in the Dark

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Das Herrenhaus: ein echter Klassiker des Horrors Genres.
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War Edward Carnby noch ein normaler Ermittler, so hat ihm Patrick Weber einiges voraus: Der junge Holländer ist der geborene Exorzist – wortwörtlich, denn Patrick hat seit seiner Geburt in jeder seiner Handflächen ein mysteriöses Symbol. Wenn er sich konzentriert und seine Hände zusammenlegt, kann er zwischen unserer Welt und dem Land der Dämonen und Geister hin- und herwechseln und somit untote Unholde sehen, die ein normaler Mensch mit seinen sterblichen Glubschern nicht mal bemerken würde. Die Berufswahl „Dämonenklopper“ lag also nahe.

Und so kommt es, dass Patrick eines Tages von allen Ländern der Erde nun ausgerechnet nach Österreich gerufen wird, um dem Spuk in einem Anwesen auf die Schliche zu kommen. Warum Österreich? Damit der Oberokkultist den Namen Lilian von Gruber tragen kann, natürlich! Von Gruber war ein exzentrischer Adliger des frühen 20. Jahrhunderts, ein Genie am Klavier und ein Gefangener in seinem eigenen Haus. Nachdem sich bereits in jungen Jahren sein immenses Talent gezeigt hatte, erhielt er von seiner Mutter Privatunterricht und durfte quasi nicht mehr aus dem Haus. Daher entwickelte von Gruber ein sehr enges Verhältnis zu seiner Mutter. Vielleicht zu eng…

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Schicke Inneneinrichtung - diese Toten halten ihre Häuser in Schuss!
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Eine geheimnisvolle alte Dame begrüßt Patrick in der umwaldeten Villa und erklärt ihm ihr Problem: Das ehemalige Personal von Grubers geistert durch die reich geschmückten Hallen und sie fürchtet um ihr Leben. Als ein Mann von Ehre (und ein Exorzist, der Rechnungen zu bezahlen hat) willigt Patrick ein, ihr zu helfen – und wird prompt von besagter Dienerschaft ausgeknockt.

Welcome to the Hotel California...

Nun übernehmen wir die Steuerung Patricks und die ist reichlich traditionell, mit Maus und Tastatur und ohne große Überraschungen. Zunächst gilt es vor allem, im Haus zu stöbern, Hinweise zu finden, Items mit anderen Items zu kombinieren und all die anderen guten Elemente, die dem Survival-Horror-Genre diesen gewissen Schuss Adventure verleihen.

Da von Gruber leidenschaftlicher Musiker war, haben manche der Rätsel mit Musik zu schaffen. Man sollte jetzt allerdings weniger an den LucasArts-Klassiker Loom denken und mehr an die Mondscheinsonate aus Resident Evil, die ein Geheimnis freischaltet. Musikkenntnisse sind nicht vonnöten, um „I’m not alone“ zu spielen oder zu genießen, wenngleich der Connaisseur ein paar nette Elemente vielleicht zu schätzen weiß. So sind z.B. die Kapitel des Spiels nach verschiedenen musikalischen Tempi benannt, ein netter Einfall.

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Spiel's noch einmal, Patrick - spiel "As Time Goes By".
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I am not alone wäre kein Survival Horror, wenn man sich nicht seiner Haut erwehren müsste, und tatsächlich: Schon bald findet Patrick seine erste Waffe, ein Paar magischer Dolche. Die Messer erlauben es ihm nicht nur, die zombieähnlichen Gegner zu beharken, sondern sie beinhalten auch noch ein taktisches Element: Per Mausklick bestimmt ihr, mit welchem der Dolche Patrick als nächstes angreift – wird der Feind mit der rechten Waffe verletzt, erhält Patrick einen vorübergehenden Bonus auf seinen Angriff, steckt ihr dem Zombie das linke Messer ins verwesende Fleisch, heilt sich unser Protagonist. Die Entscheidung will wohlüberlegt sein, geht ihr zu defensiv oder zu offensiv vor, werdet ihr es nicht lange machen.

Grusel-Potential ist hier vorhanden, allerdings ist fraglich, ob sich dieses Erstlingswerk voll entfalten können wird.Ausblick lesen

Interessant an den Kämpfen ist, dass sie quasi alle überraschend passieren, denn während ihr normal durch die Gänge geht, seht und hört ihr die Gegner nicht. Erst, wenn sich die Fieslinge euch auf kurze Distanz genähert haben, erhaltet ihr ein erschreckendes Signal, eine kurze Einblendung des brüllenden Feindes. Nun heißt es reagieren – Dolche raus, Dämonenvision an und gekämpft. Das hält einen auf Sprung und vermag, den Spieler auch nach einer Weile noch aus dem Sitz zu heben.

Ein gutes Buch, eine Flasche Wein und eine Axt

Die wichtigsten Utensilien des Spielers sind jedoch nicht seine Waffen, zu denen sich später noch eine Armbrust und eine Holzfälleraxt gesellen (mit letzterer werden Bosse mit einem finalen „Fatality“ in die Hölle zurückgejagt), nein, viel wichtiger sind zwei relativ friedliche Items: Zum einen das Tagebuch von Grubers, das nicht nur den Story-Fetischisten unter den Spielern reichlich Stoff zum Lesen gibt, sondern vor allem auch nützliche Hinweise zu einigen der kniffligen Passagen. Und da es, wie erwartet, stockduster ist, darf natürlich eine Taschenlampe nicht fehlen, mit der die finsteren Gänge ausgeleuchtet werden.

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Zack, Rübe weg!
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Übrigens nicht nur die Gänge des Hauses: Im Laufe des Spiels klappert ihr mehrere klassische Sets des Horrorgenres ab: Friedhöfe, Wälder, Sümpfe, alles bekannt und stimmig. Überhaupt sind Stimmung und Atmosphäre die unleugbaren Stärken des Spiels, was umso erstaunlicher ist, wenn man weiß, dass Entwickler Pix Rev die OpenGL nutzt, um die recht ansehnliche Grafik auf den Bildschirm zu zaubern. Ob ihr die Taschenlampe über die detaillierten Texturen schwirren lasst oder in Patricks Spuk-o-Vision von rötlichen Blureffekten bedroht werdet, optisch ist das Spiel offenbar rund, wenngleich die Version, die uns gezeigt wurde, noch etwas Politur vertragen könnte.

Auch der Sound macht einiges her. Erwartungsgemäß knarrt das Gebälk und kreischen die Geis… Zom… wie auch immer, die Gegner jedenfalls. Doch dass die Soundeffekte gut durchdacht und eingesetzt sind, merkt man erst, wenn man sich in einsamen Gängen bei kleinen Geräuschen gruselt oder der markerschütternde Schrei eines schon viel zu nahen Gegners aus dem Nichts hervorbricht und den Spieler auffahren lässt. Zugegeben, bei einer Präsentation in einem hell erleuchteten Raum greift das alles nicht ganz, aber wir trauen dem Spiel zu, dass es in einer düster mitternächtlichen Zocksession solche Momente zu liefern vermag. Professionelle Synchronsprecher tragen ebenfalls ihren Teil dazu bei, „I’m not alone“ gut klingen zu lassen.

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"Junge Frau, ich möchte jetzt auch duschen, das Bad ist schließlich für alle da..."
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Ob das Spiel abgesehen von Atmosphäre viel zu bieten hat scheint momentan etwas fraglich. Der Kampf sieht, trotz des Einfalls mit den Buff/Heal-Dolchen, momentan nach einem eher drögen Klickfest aus, das keinen taktischen Tiefgang bietet, die Rätsel scheinen nicht völlig nachvollziehbar und sowohl Story als auch Gameplay und Design wirken, als hätten die Damen und Herren von Pix Rev einmal durch das „Who’s who“ des Genres geblättert und sich ihre jeweils favorisierten Elemente einfach mitgenommen. Selbst der Titel will scheinbar mit den Worten „…in the dark“ weitergehen.

Es ist nicht ganz leicht zu sagen, wo da Hommage aufhört und Plagiat beginnt, aber wir wollen Pix Rev zugute halten, dass sie echte Fans des Survival Horrors sind. Erfreulich ist zudem, dass das Spiel zum günstigen Budgetpreis von knapp 30 Euro erscheinen wird, da darf man ein paar seiner Ansprüche schon zurückschrauben.