In der Trümmern einer ehemaligen Großstadt habe ich mich, nachdem ich auf der Suche nach Vorräten durch eine Häuserruine geklettert bin, in eine falsche Gasse begeben. Da stehen sie nun: fünf mordlustige Plünderer, zwei davon mit Pistolen. In meiner eigenen Waffe ist keine Munition, und einer der Halunken nähert sich, verhöhnt mich, will meinen spärlichen Proviant. Ich habe noch meine treue Machete in Griffweite. Wird das reichen?
Pointierte Action und forderndes Gekletter versprechen, I Am Alive einzigartig und höchst intensiv werden zu lassen.AusblickWas in jedem anderen Titel nach "Spielstand laden" schreit, ist in I Am Alive geradezu Alltag – doch deshalb kein bisschen weniger spannend. Nachdem der ambitionierte Titel über Jahre wie eine an Weihnachten erwürfelte Duftkerze weitergereicht wurde, haben Ubisoft Shanghai sich der ganz leisen Post-Apokalypse verschrieben. Hier werden nicht in Hochglanz ganze Armeen niedergemacht, sondern es wird kantig ums Überleben gekämpft.
Denn wenn einst ein großes, welterschütterndes Ereignis eintritt, so wie in I Am Alive das sogenannte "Event", wird es wahrscheinlich nicht zu in Dünenbuggys kurvenden Punkern mit Schrotflinten führen, sondern zu schwelenden Verzweiflungen und paranoiden Ausrastern. Romero sagt: An einer Zombie-Invasion sind nicht die Zombies gefährlich, sondern die Menschen. I Am Alive hat keine Zombies und beweist dennoch durch seine erdrückende Freiheit, durch den Zusammenbruch der schützenden Grenzen der Zivilisation und seiner hilflosen, gefährlichen Einwohner, wie recht der alte George hatte.
Beim Kontakt mit anderen Menschen immer vorsichtig sein. Man weiß nie, wer die Berherrschung verliert und eine Waffe zieht.Dabei will unser Held nur nach Hause. Damals flog er innerhalb weniger Stunden von der Ost- an die Westküste der USA und musste angesichts des Events, mit seinen Erdbeben und Stürmen aus Staub, den Heimweg zu Fuß antreten. Nach einem Jahr endlich steht er am heimatlichen Stadtrand und wir übernehmen die Kontrolle. Zwischen uns und seinem Ziel liegen Trümmer, eingestürzte Wolkenkratzer und wenige, dafür aber unberechenbare Überlebene.
Doch zunächst ist da eine eingestürzte Autobahnbrücke und ich verlauf mich erst mal. Nicht, dass das erste Areal nicht linear wäre, aber es wird nicht peinlich explizit angezeigt, wo ich meine Kletterpartie denn nun beginnen soll. Durch meine Neugierde entdecke ich aber bald Kanten, Balken und umgestürzte Autos, greife das erste Mal zu und WAH! Was ist das für ein Balken da oben, der sich langsam leert?! Unser (zumindest in der Vorschauversion namenloser) Held ist kein Übermensch, und ich habe gerade die erste harte Lektion gelernt: Klettern schlaucht ganz schön.
Es ist Ausdauer, die neben der Gesundheit am oberen Bildschirmrand prangt, und sie sinkt – schnell. Wie einstmals bei Shadow of the Colossus kommt plötzlich der Faktor des Zeitdrucks zum Gekraxel hinzu, panische Blicke nach potentiellen Rastplätzen für kleine Verschnaufpausen werden bald vertraute Wegbegleiter. Ist die Ausdauer leer, wird es noch schlimmer: Nun kann ich entweder aus meinem Inventar etwas trinken, mich mit einem Kletterhaken, sofern ich einen habe, etwas ausruhen – oder ich gehe in den Modus der extremen Anstrengung, in dem ich zu immer härter pumpender Musik einen der Knöpfe hämmere, um mir noch etwas Zeit zu kaufen, bloß die nächste Plattform zu erreichen.
Der Weltuntergang erfordert ungewöhnliche Maßnahmen - alles muss als Waffe herhalten.Der Preis ist, dass meine maximale Ausdauer dabei sinkt, sie kann durch Verzehr von Proviant wieder hergestellt werden. Das alles mag unheimlich anstrengend klingen und ist es auch, allerdings im durchaus positiven Sinne. Das unheimlich banale, weil lineare und idiotensichere Pseudoklettern bei der Konkurrenz hat mich verwöhnt, weich gemacht, und I Am Alive zahlt es mir brutal heim.
Hier erwische ich mich dabei, wie ich, bevor ich den ersten Griff mache, an der Wand, Säule oder dem Gerüst hinaufgucke, die Route plane, denn weder ist sie wie selbstverständlich vorgezeichnet, noch werde ich sie schaffen, wenn ich mir keine Mühe gebe. Spätestens wenn unerwartet ein gegriffenes Objekt wegbricht, rast der Puls – ein Gefühl, das ich so bei den Kollegen nie habe.
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Das sind nunmal moralische Entscheidungen. Man weiß nicht, ob einem die Freundlichkeit je vergolten wird oder nicht. Aber so ist das eben. Man trifft moralische Entscheidungen aber auch nicht, weil man sich danach was erhofft. Man trifft sie, weil sie einfach richtig sind.
@topic
Argh. Ich verfluche die Konsolen! Shadow of the Colossus, Okami... jetzt I am Alive. Das Spiel klingt viel zu gut. Kommt nicht vielleicht doch irgendwann eine PC-Version oder muss erst wieder einer ne Petition gestartet werden?