Ob sich Hyrule Warriors Legends lohnen würde, fragt mich ein Kollege. Er habe zuletzt erstaunlich viel Spaß mit Spielen dieser Art gehabt, auch und gerade mit Ablegern der Dynasty-Warriors-Reihe. Dragon Quest Heroes, Arslan, Pirate Warriors – all das flippige „Hirn aus, Spaß an“-Zeug eben. Keine Überflieger, weder gemessen an objektiven Standards noch irgendwas anderem, aber sympathische Freizeitvernichter. Ja, antworte ich, dann ist das hier perfekt für dich – wenn du einen New 3DS hast.

Hyrule Warriors Legends - Die Schlacht beginntEin weiteres Video

Für ein Unternehmen, über das es aktuell – wenn wir die NX-Gerüchte mal beiseitelassen – wenig zu erzählen gibt, ist das ein ganz ordentlicher Output, der zuletzt und, wie es momentan aussieht, auch auf absehbare Zeit aus Kyoto zu uns schwappt. Es ist ungewohnt, Nintendo ohne Superlative beschreiben zu müssen, doch genau das passiert derzeit. Ohne hier im Kaffeesatz lesen oder gar eine Diskussion über die Zukunft des Konzerns anzetteln zu wollen: Wenn dieser Tage über Big N gesprochen wird, schwingt immer auch eine vage Gleichgültigkeit mit. Joa, ganz nett dieses Pokémon Tekken. Ach, 'n Dungeon Crawler gibt’s auch? Eigentlich schon Twilight Princess HD gespielt? Kann man mal machen, tut ja nicht weh, Zelda geht irgendwie immer.

Insofern ist Hyrule Warriors Legends ab diesem Donnerstag in ganz guter Gesellschaft.

Gruppenkeile

Nicht dass das vor anderthalb Jahren sonderlich anders ausgehen hätte. „Wer nichts erwartet, kann auch nicht enttäuscht werden“ wäre damals wie heute womöglich eine Spur zynischer als unbedingt nötig, andererseits hat auch niemand die Tage gezählt, bis Tecmo Koei seine ganz eigene, Dynasty-Warriors-mäßig gefärbte Version eines Zelda-Spiels für Nintendos bereits angezählte HD-Kiste veröffentlichte. Es war eines dieser künstlich mit Spannung aufgeladenen Spiele: für manche das Ende des guten Zelda-Rufs, für andere der Beginn einer neuen, besseren Dynasty-Ära – und schlussendlich einfach ein richtig ordentlicher Zeitvertreib; sicher nicht das Beste zweier Welten, aber ein sympathisches Händchenhalten zweier Reihen, denen man so viel Mut kaum zugetraut hätte.

Hyrule Warriors Legends - A Link to the Past

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Wie das bei 3DS-Spielen nun mal so ist, sieht auch Legends in Bewegung deutlich hübscher aus als auf piefigen Standbildern.
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Weder die neue Plattform noch andere ähnlich gelagerte Hochzeiten, die seitdem ganz gut im Kurs stehen, haben daran sonderlich viel geändert. Was mit Schluffihaltung und GamePad auf der Couch funktionierte, eignet sich ebenso prima für 3DS und versiffte Hartschalensitze in der U-Bahn. Sogar noch eine Spur besser, würde ich hier lediglich Nintendos Pressemitteilungen rezitieren. Diese schwärmen nämlich, nicht ganz zu Unrecht, von den inhaltlichen Vorzügen dieser nachgeschobenen Portierungen, vor allem also von der Integration aller DLCs der Wii-U-Version und den vier neuen Charaktere, die mit Skull Kid, Toon-Link, Tetra und dem Wind-Waker-Hyrule-König vielleicht nicht den bestmöglichen Zelda-Querschnitt, aber insgesamt doch sehr feine Kämpfer abgeben.

Legend of... Linkle!?

Das gilt grundlegend ebenso für Linkle. Nun ist ein weiblicher Link nicht unbedingt der personifizierte Ausbund an Kreativität, nach neueren (und ich nutze diesen Begriff im weitesten Sinne) „Charakteren“ von Nintendo wie Waluigi oder Rosalina aber zumindest ein Fortschritt. Mehr noch als das ist es eine riesige Chance, mit eingetretenen (Zelda-)Konventionen zu brechen, sich mutig in neue Richtungen vorzuwagen. Oder besser: War eine riesige Chance.

Packshot zu Hyrule Warriors LegendsHyrule Warriors LegendsErschienen für 3DS kaufen: ab 51,83€

Auch wenn ich Nintendo nicht für meine überhöhten Erwartungen abstrafen will, unterläuft das blonde Abziehbild einer Heldin selbst die ohnehin schon eher niedrig angesetzten Big-N-Standards, bis sie kaum mehr als eine „Meine Großmutter sagt, ich bin die Auserwählte!“-brabbelnde Karikatur ihrer selbst ist. Da schenkte uns Omega Force vor anderthalb Jahren unter anderem die coolste Badass-Zelda überhaupt und nun werden wir mit dieser Trantüte abgefrühstückt, die sogar für den alten Übersehener-Wegweiser-Gag verheizt wird? Danke für nichts. Ironischer Treppenwitz der Geschichte: Im Gegensatz zu Link kann ausgerechnet sie sogar reden. Himmel, hilf.

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Wir hätten eine emanzipierte, starke Heldin bekommen können. Stattdessen kriegen wir... das da.
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Ein Luxusproblem, zugegeben, und von den anderthalb Zwischensequenzen mal abgesehen sogar eines, von dem man die meiste Zeit wenig bis nichts mitbekommt. Denn, um das noch einmal zu sagen: Inhaltlich trägt Legends seinen Beinamen nicht ganz grundlos, wischt mit der Wii-U-Version einigermaßen den Boden auf, wenn zu DLCs und neuen Charakteren weitere Späße wie die Tamagotchi-Feen addiert werden, um die ihr euch in einem separaten Modus kümmern könnt (warum auch immer man das tun sollte). Selbst die bekannten Missionen bekommen durch den jetzt möglichen Spielfigurwechsel während einer Schlacht einen neuen Dreh, der sowohl taktische Sperenzchen als auch das hohe Grundchaos auf dem Bildschirm noch einmal nach oben dreht. Ein Spaziergang ist das hier nicht, der soll es allerdings auch gar nicht sein.

Blöd nur, dass ihr genau den zu sehen bekommt, wenn ihr bislang keine 150 Tacken für einen zweiten Analog-Nippel und eine wie-sehr-auch-immer gesteigerte Leistungsfähigkeit ausgeben wolltet, die der New 3DS (XL) bislang genau einmal zwingend voraussetze. Ohne die zusätzlichen Pferdchen unter der Haube wäre uns Xenoblade Chronicles 3D erspart geblieben nicht auf einem Handheld begegnet. Diese Zweiteilung des 3DS-Lagers war, das dürfte inzwischen selbst Nintendo klar sein, ein Fehler – Wiederholungen um jeden Preis zu vermeiden. Deshalb hat man sich dazu entschieden, den „Exklusiv für New 3DS“-Sticker auch diesmal in der Kiste zu lassen – und damit ironischerweise einen noch größeren Fehler gemacht.

Je nach 3DS-Modell entweder ein richtig guter Port oder ein völliges Versagen von Nintendos Qualitätssicherung.Fazit lesen

Aus alt mach älter

Hyrule Warriors Legends ist auf älteren 3DS-System hart an der Grenze zur Unspielbarkeit und das über ein Nintendo-Spiel sagen zu müssen, mag ein trauriger Tiefpunkt sein, alles andere wäre aber vor allem eins: eine Untertreibung. Wir reden hier nicht von etwas Geruckel oder Kantenflimmern, also dem Zeug, das allenfalls als Randnotiz in einem Text wie diesem erwähnt werden sollte. Was auf der Wii U ein richtig feine Keilerei war und auch mit leichten Cel-Shading-Anstrich auf dem New 3DS noch eine gute Figur macht, ist auf den älteren Handheld-Versionen, man kann es nicht anders sagen, ein schlechter Witz.

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Die neuen Charaktere sind nicht gerade zahlreich, aber allesamt sehr spaßig und inzwischen auch auf der Wii U verfügbar.
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Wir hätten über vieles reden können. Über stärkere grafische Abstriche oder den fehlenden 3D-Effekt auf betagteren 3DS-Systemen, der sich auch als (neuerliches) Nintendo-Eingeständnis lesen lässt: „Diese ganze 3D-Kiste damals? Sind wir vielleicht etwas übers Ziel hinausgeschossen, Entschuldigung dafür, vergessen wir die Sache einfach, okay?“ Technische Kompromisse wären verhandelbar gewesen, waren es als notwendige Konsequenz immer schon, wenn ein Spiel auf unterschiedlich starken Plattformen erscheint. Spielerische Einschränkungen stehen hingegen nicht zur Debatte – für gewöhnlich.

Bei einem Spiel, das sich vorwiegend über Bombast und Hundertschaften an Gegnern definiert, ist es grenzwertig clever, ausgerechnet an diesen Stellschrauben zu drehen und gern würde ich hier Gegenteiliges behaupten. Ohne New-Schriftzug auf eurer Daddelkiste müsst ihr allerdings nicht nur auf die Hälfte der Bildrate, sondern auch der Feinde verzichten. Schon der New 3DS hat seine liebe Mühe, derartige Massen wie das große Vorbild aus seinem Prozessor zu pumpen, sein Vorgänger versucht es hingegen gar nicht erst. Mehr als beide Hände werdet ihr nur selten brauchen, um das durchzuzählen, was euch da müde entgegentropft. Macht's gut, vierstellige Kill-Counter der anderen Versionen, mach's gut, Spielspaß – mach's gut, Existenzberechtigung.