Schon vor ziemlich genau 20 Jahren war das keine gute Idee. Die Ausgangslage mag sich geändert haben, zugegeben. Auch die kreative Kontrolle ist nur noch zwei E-Mails im Plauderton statt rauschiger Ferngespräche mit Dolmetscher und flehender Stimme entfernt. Dennoch: Nintendo gibt die Befehlsgewalt ihrer zweitgrößten Marke bereitwillig aus der Hand. Schon wieder. Nach einer guten Idee hat hier niemand gefragt.

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Nach einem kalkulierbaren Kassenschlager schon eher. Und der wird Hyrule Warriors (zumindest im asiatischen Raum) mit nahezu absoluter Gewissheit. „Was soll schon schiefgehen bei der Zusammenführung zweier der beliebtesten Spielreihen [in Fernost]?", dürfte deshalb auch der entscheidende Satz und Stein des Anstoßes dafür gewesen sein, diesen Namen für ein dickes Plus auf der Haben-Seite in Nintendos Buchführung herzugeben.

Eigentlich weniger den Namen als das, was damit von den Menschen da draußen assoziiert wird. Dass Dynasty Warriors + Ihr-wisst-schon-was = Gewinn³ ist, wissen die Jungs da drüben in Kyoto schon sehr genau – dass es für Millionen Spieler an Gotteslästerung grenzt aber auch. Insofern macht die „Das Z-Wort steht nicht drauf, also ist es auch kein Spiel der Reihe!"-Ausrede schon Sinn, vor allem auch deshalb, um den mühevoll konstruierten Kanon der Serie nicht durcheinanderzubringen.

Hyrule Warriors - „Wenn wir nicht Zelda draufschreiben, könnt ihr uns auch nicht böse sein!"

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Link macht all das, was man von ihm erwartet und nutzt dafür all die Waffen, die man von ihm erwartet.
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Richtig oder zumindest weniger falsch fühlt es sich dadurch freilich nicht an, was nach der typischen Serienfanfare und einer kurzen Ladezeit auf dem Bildschirm zu sehen ist. Nichts davon ist besonders ansehnlich, völlig egal, welche Maßstäbe ihr anlegt – der erste Blick auf den richtigen Wii-U-Link vor wenigen Tagen auf der E3 war da keine Hilfe. Statt im Wind wiegender Grashalme stapften der Hylianer und die Prinzessin in meinem – insgesamt sieben verschiedene Charaktere in eurem Fall, wenn Hyrule Warriors Ende September für einen bislang noch unbekannten Preis im Laden steht – über ausstaffierte Grastapetensteppen und graubraunen Boden.

Hey, listen!

Keine übermäßige Zumutung für alle, die schon mal einen Blick auf Dynasty Warriors geworfen haben (und noch viel weniger, wenn man bedenkt, wie wenig der erste PS4-Teil mit dem Dampf der neuen Hardware angefangen hat), wohl aber für alle Triforce-Fans. Für Tecmo Koeis Kollektivgekeile mag das „Hauptsache es läuft“-Credo vielleicht ausreichend sein – für den grünbemützten Elfenjungen ist das normalerweise keine adäquate Lösung.

Packshot zu Hyrule WarriorsHyrule WarriorsErschienen für 3DS und Wii U kaufen: Jetzt kaufen:

Ist alles im spielbaren Bereich, Entwarnung zumindest an dieser Front. Die schiere Anzahl der Feinde kann sogar bisweilen eine beeindrucke Wirkung haben, obschon sie maßgeblich an den Reserven der Konsole zuppelt, die zwar keinesfalls ausgelastet ist, sich hie und da aber dennoch kurz verschluckt. Es ist eher der allgemein vergleichsweise niedrige Produktionswert, der Hyrule Warriors am Erbe seines Helden kratzen lässt.

Hyrule Warriors - „Wenn wir nicht Zelda draufschreiben, könnt ihr uns auch nicht böse sein!"

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Impa ist auch am Start, genau wie ein paar andere Charaktere der Reihe. Am Ende daddeln wir doch aber eh nur alle mit Link.
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Grund zum Verteufeln ist das noch nicht; Tecmo Koei hat sich schon ein paar Sachen für den Hylianer einfallen lassen, die Gelegenheit, dabei gleich am archaischen Dynasty-Warriors-Gerüst zu feilen, allerdings sträflich ungenutzt gelassen. Link wirft mit Bomben um sich, reißt mit den Sprengkörpern Felsformationen ein und setzt sich überhaupt mit jeder Menge Kram zur Wehr, den ihr und ich in den letzten 20 bis 30 Jahren ins Herz geschlossen habt.

Wer das alles unbedingt als Blasphemie abtun will, muss sich ein Grinsen spätestens beim Öffnen einer Truhe schon arg verkneifen. Eine Grundfaszination für all das Chaos da auf dem Bildschirm lässt sich dem Ganzen nur schwer absprechen; Link als Berserker durch ein Gegnermeer nach dem anderen wüten zu sehen, ist etwas, das ich mir so (zumindest heimlich) schon oft gewünscht habe.

Ein durchschnittlich bis gutes Dynasty Warriors, ein unterdurchschnittliches Zelda: Wenn Link sprechen könnte, würde er sich vermutlich weigern, hieran mitzuwirken.Ausblick lesen

Nicht unbedingt in dieser Form vielleicht; ganz koscher wird mir Hyrule Warriors nie werden. Zu trauriger Berühmtheit wird das Aus-der-Hand-geben der Nintendo-Marke diesmal aber auch nicht werden.

Und der Name Zelda ist ohnehin nie gefallen.

Ups.